Bei der Betrachtung von Klimafolgen und Klimaanpassung fällt häufig der Begriff Hitzebelastung. Er beschreibt die Bedrohung der menschlichen Gesundheit durch hohe Umgebungstemperaturen.
Auswirkung von Hitze auf die Gesundheit Die Wirkung der Hitzebelastung für den menschlichen Körper ist bekannt. Durch Flüssigkeitsmangel kommt es zu einer Verschlechterung der Fließeigenschaft des Blutes und zu Störungen des Mineralstoffhaushalts. Um die Körpertemperatur konstant zu halten, wird der Kreislauf erhöhtem Stress ausgesetzt. Hitzebedingte Todesursachen sind Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Nierenversagen, Atemwegserkrankungen und Stoffwechselstörungen. Es ist davon auszugehen, dass bei einem Anstieg der Jahresdurchschnittstemperatur von 1 °Celsius die hitzebedingte Sterblichkeit um 1–6 % zunimmt. Dies entspricht 5000 zusätzlichen Sterbefällen pro Grad Celsius Temperaturanstieg in Deutschland durch Hitze. Die Hitzewelle in Europa 2003 forderte 70.000 zusätzliche Todesfälle, allein in Deutschland waren es 7.000. Damals war man kaum auf das Problem vorbereitet. Zwanzig Jahre später, 2023, waren es wieder über 47.000 Menschen, die in Europa zusätzlich infolge der Einwirkung von Hitze starben. Die inzwischen eingeführten Hitzeschutzmaßnahmen haben Schlimmeres verhindert. Ohne sie hätte die Zahl bis zu 80 Prozent höher ausfallen können. Immerhin scheinen sich die Menschen nicht nur organisatorisch, sondern auch biologisch an die höheren Temperaturen anzupassen. So wurde festgestellt, dass die Temperatur, die mit der geringsten Sterblichkeit verbunden ist, über die letzten Jahrzehnte angestiegen ist. Die Menschen können also inzwischen Hitze auch besser aushalten. Umgekehrt ist auch eine Folge der Klimaerwärmung ein Rückgang der kälteassoziierten Todesfälle. Das Robert-Koch-Institut veröffentlicht in den Sommermonaten regelmäßig den Wochenbericht zur hitzebedingten Mortalität.
Definition Hitze im gesundheitlichen Zusammenhang Für die Beurteilung der gesundheitlichen Belastungen durch Hitze werden die klimatologischen Kenngrößen heißer Tag und Tropennacht des Deutschen Wetterdienstes (DWD) verwendet. Demnach ist ein heißer Tag durch Erreichen oder Überschreiten der Temperatur von 30° C beschrieben. In einer Tropennacht wird die Temperatur von 20° C nicht unterschritten. Der DWD definiert den Begriff Hitzewelle als mehrtägiges Extremwetterereignis mit ungewöhnlicher thermischer Belastung. Hitzewellen können die menschliche Gesundheit, die Ökosysteme und die Infrastruktur schädigen. Besondere Bedeutung kommt Hitzeperioden zu, in denen heiße Tage im Zusammenhang mit Tropennächten über einen längeren Zeitraum auftreten. Im Hitzesommer 2003 wurden in Frankfurt am Main 6 mehrtägige Phasen beobachtet, bei denen an mindestens 3 heißen Tagen Tropennächte folgten.
Regionale Verteilung der Hitzebelastung Je nach Wetterlage und klimatischen Verhältnissen sind nicht alle Regionen Deutschlands in gleichem Maße betroffen. 2003 und 2015 kamen heiße Tage wesentlich häufiger in Süddeutschland vor als in Norddeutschland. Im gleichen Zeitraum waren Tropennächte im Süden und Westen häufiger. Von der Hitze der Sommer 2018 und 2019 waren jedoch nicht nur die Menschen in Süd- und Westdeutschland betroffen, sondern auch in weiten Teilen Mittel- und Ostdeutschlands.
Auch im längerfristigen Großstadtvergleich zeigen sich erhebliche regionale Unterschiede. Unter 80 ausgewählten deutschen Großstädten verzeichnete Karlsruhe im Zeitraum 2006 bis 2025 durchschnittlich 22,6 heiße Tage pro Jahr, während es in Kiel 2,0 waren. Beim Vergleich mit dem Zeitraum 1951 bis 1970 nahm die Zahl der heißen Tage in Regensburg mit durchschnittlich 16,1 zusätzlichen Tagen pro Jahr am stärksten zu; für Kiel wurde mit 1,6 zusätzlichen Tagen die geringste Zunahme der untersuchten Städte ermittelt.
Im Auftrag der AOK wurde vom Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change zur Häufigkeit von hitzebedingten Krankenhauseinweisungen bei über 65-jährigen AOK-Versicherten geforscht. Untersucht wurde der Zeitraum 2008 – 2018. Es stellte sich heraus, dass in Berlin mit Abstand die meisten Fälle zu verzeichnen waren, gefolgt von Sachsen-Anhalt und Brandenburg. Deutschlandweit kamen an einem Tag mit Durchschnittstemperaturen > 30 °C durchschnittlich 40 Personen wegen hitzebedingter Beschwerden ins Krankenhaus.
Innenstädte wirken als Wärmeinseln. Innerhalb dichter Bebauungsstrukturen treten Tropennächte bis zu dreimal häufiger auf als in Freiflächen. Die Innenstadt speichert die Wärmestrahlung am Tag und gibt sie nachts wieder ab. Die innerstädtische Minimaltemperatur kann um bis zu 10° C über der des Stadtrandes liegen.
Anpassung an zunehmende Hitzebelastung Deutsche Anpassungsstrategie an den Klimawandel Zur Orientierung der Akteure und um Rahmenbedingungen für die Beteiligten zu schaffen, beschloss das Bundeskabinett am 17. Dezember 2008 die Deutsche Anpassungsstrategie an den Klimawandel. Sie soll einen mittelfristigen Prozess anstoßen, in dem die Bundesländer und andere gesellschaftliche Gruppen die Problemfelder ermitteln und Handlungsbedarfe benennen, sodass Anpassungsmaßnahmen entwickelt werden können.
Die Sommer 2003, 2018 und 2019 waren die wärmsten seit Beginn der Wetteraufzeichnung. Gesundheitspräventive, planerische und bautechnische Maßnahmen sind notwendig, um vor allem die Hitzebelastung der Menschen in den Städten zu mindern. Dies ist die Einschätzung des Zweiten Fortschrittsberichts zur Deutschen Anpassungsstrategie an den Klimawandel.
Da es bislang in Deutschland keine harmonisierten Handlungsempfehlungen gab, trat 2017 auf Veranlassung des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit eine Autorengruppe zusammen, um solche Empfehlungen zu entwickeln: Die Bund/Länder Ad-hoc Arbeitsgruppe Gesundheitliche Anpassung an die Folgen des Klimawandels (GAK).
Im März 2017 wurden dann die Handlungsempfehlungen für die Erstellung von Hitzeaktionsplänen zum Schutz der menschlichen Gesundheit beschlossen.
Sie gliedern sich in acht Kernelemente
Einrichtung zentraler Koordinierungsstellen auf Länderebene – analog dem Krisenmanagement im Katastrophenfall Nutzung des Hitzewarnsystems – dieses wird vom DWD betrieben Information und Kommunikation – hitzebezogene Informationen für die Bevölkerung Reduzierung von Hitze in Innenräumen – bei Nutzung, baulicher Anpassung oder Planung Besondere Beachtung von Risikogruppen – Menschen mit hitzebezogenen Risikofaktoren Vorbereitung der Gesundheits- und Sozialsysteme – Maßnahmepläne für Kranken- und Pflegeeinrichtungen, Schulen, Kindertagesstätten Stadtplanung und Bauwesen – hitzeisolierendes Bauen, öffentliche Gebäude als Cooling-Center, Grünanlagen, Verschattungen Monitoring und Evaluierung
Die Auswirkung von Hitze auf die Sterblichkeitsrate ist in den letzten Jahrzehnten geringer geworden. Dies ist vor allem auf Hitzewarnungen und Vorsorgemaßnahmen insbesondere bei der Pflege älterer Menschen zurückzuführen. Auch in Frankreich und der Schweiz sind die Auswirkungen von Hitze auf das Sterberisiko zurückgegangen. Dies wird auf die Einführung von Hitzewarnsystemen und Hitzeaktionsplänen zurückgeführt. Im Juni 2023 kündigte Bundesgesundheitsminister Lauterbach an, für die kommenden Sommer solle nun auch in Deutschland ein Hitzeschutzplan Anwendung finden. Mithilfe eines präventiven Konzepts sollen sowohl die hitzebedingte Gesundheitsbelastung als auch die Zahl hitzebedingter Tode verringert werden – unter anderem mit kostenlos verfügbarem Trinkwasser sowie Zugang zu Schutzräumen. Am 28. Juli 2023 legte Lauterbach einen ersten konkreten Nationalen Hitzeschutzplan des Bundesgesundheitsministeriums für den Sommer 2023 vor. Er beinhaltete vor allem Kommunikations- und Sensibilisierungsmaßnahmen und -initiativen. Das Bundes-Klimaanpassungsgesetz (KAnG) von 2023 fordert im § 12 die Entwicklung von Klimaanpassungskonzepten durch die Länder mit besonderer Berücksichtigung der Vorsorge in extremen Hitzelagen. Sie regeln die Entwicklung von Hitzeaktionsplänen in Kreisen und Gemeinden.
Hitzebelastung in der Stadt Die Hitzebelastung nimmt gerade in Städten durch die globale Erwärmung deutlich zu, sie schränkt die Lebensqualität der Bewohner ein und bedroht deren Gesundheit. Begrünung und ein Mehr an Wasser in der Stadt senken die Temperatur und verbessern das Mikroklima.
Bei städtebaulichen Projekten müssen Maßnahmen zur Verringerung der Hitzebelastung stets mitgeplant werden. Das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung betreut in diesem Zusammenhang zahlreiche Initiativen. Themen hierbei sind unter anderem: Bepflanzung, Entsiegelung, Gebäudegestaltung, Anlegen von Gemeinschaftsgärten, Zugang zu Wasser, Dachbewässerung von Stadtbäumen und Anlegen einer Flutmulde als Leitbahn für Kaltluft in die Stadt. Das Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen hat eine Handlungsstrategie für die Stadtentwicklung und das Bauwesen entwickelt und als PDF zum Download bereitgestellt. Neben vielen anderen Punkten wird hier auch auf die besondere Bedeutung der Verschattung, sowohl im öffentlichen Raum als auch an Gebäuden hingewiesen.
Das Bundesprogramm Anpassung urbaner und ländlicher Räume an den Klimawandel fördert Projekte der Grün- und Freiraumentwicklung. Dafür werden Gelder aus dem Klima- und Transformationsfonds zur Verfügung gestellt.
Im Aktionsprogramm Wasser möchte das Bundesumweltministerium durch angepassten Gewässerausbau die Retention von Niederschlagswasser in den Städten fördern (Schwammstädte).
Das Bundesamt für Naturschutz empfiehlt Maßnahmen zur Verbesserung des Landschaftswasserhaushaltes. Wasser soll nicht schnell abgeleitet, sondern in der Stadt zurückgehalten werden. Wo möglich, ist Bodenversiegelung wieder für die Versickerung zu öffnen, Niederschlagswasser kann in Retentionsmulden (Teichen) aufgefangen werden.
Hitzebelastung in Wohnräumen Insbesondere schlecht gedämmte Dachwohnungen ohne Verschattungsmöglichkeiten heizen sich in Hitzeperioden oft unerträglich auf. In extremen Fällen kann Hitze die Nutzung der Wohnung als Wohnraum unmöglich machen. In solchen Fällen können Mieter unter bestimmten Voraussetzungen eine Mietminderung oder Ersatzansprüche geltend machen. Sogar eine außerordentliche Kündigung ist möglich. Für die Rechtsprechung entscheidend ist, ob das Gebäude zur Zeit der Errichtung dem Stand der Technik entsprach. Ist für den Mieter bei Vertragsabschluss erkennbar, dass die Altbauwohnung nicht gedämmt ist und über keine Verschattungsmöglichkeiten verfügt, dann kommt eine Mietminderung eher nicht in Frage. Bei einem neueren Gebäude, bei dessen Errichtung der Wärmeschutz entgegen sonst üblicher Standards vernachlässigt wurde, ist die Situation anders. Hier sind die Aussichten gut, dass bei einem Rechtsstreit dem Mieter das Recht auf Mietminderung zugesprochen wird.
Maßnahmen zur Senkung der Raumtemperatur bei Hitze:
Lüften zwischen Abend und Morgen Verschattung außen durch Rollläden, Jalousien, Raffstores Elektrische Klimageräte nur im Notfall! Sie transportieren die Wärme nach draußen und heizen das Stadtklima zusätzlich auf. Dort, wo sie zur Verfügung steht, ist Fernkälte eine elegante Lösung.
Hitzeschutzräume – Kühle Orte