mini|Tiefbrunnenpumpe der stillgelegten Nena-Quelle im Kurpark von Bad Krozingen

Das Thermalwasservorkommen von Bad Krozingen wurde 1911 im Ort Krozingenhttps://www.leo-bw.de/web/guest/detail-gis/-/Detail/details/ORT/labw_ortslexikon/7796/Bad+Krozingen Ortslexikon Bad Krozingen, einem damaligen Winzerdorf im Markgräfler Land, entdeckt. Bei Erkundungsbohrungen zur Suche nach Bodenschätzen (Erdöl, Wasser) wurde die Nena-Thermalquellehttps://www.alemannische-seiten.de/chronik/?e=1250 Geburtsstunde der ersten Thermalquelle in Bad Krozingen 25. November 1911https://www.deutsche-digitale-bibliothek.de/item/OM6OT2YAFQRNS7AUZ4RK6BJP6EZ7YZ3Q Erschließung einer Thermalquelle bei Krozingen erschlossen. Dieses Vorkommen ist direkt verbunden mit der Geologie des Oberrheingrabens und des angrenzenden Schwarzwaldshttps://lgrbwissen.lgrb-bw.de/geotourismus/quellen/mineral-thermal-heilquellen LGRB-Wissen Mineral-, Thermal- und Heilquellen. Der Fund führte zur Gründung von Badeanstalten, Kureinrichtungen sowie Fach- und Reha-Kliniken und damit zum wirtschaftlichen Aufschwung des Ortes Krozingen zum heutigen Kurort Bad Krozingen.

Weitere bedeutende Thermalquellen im südlichen Oberrheingraben gibt es in Bad Bellingen, Badenweiler und Freiburg-Mooswald, die Region der Kurorte Bad Krozingen, Bad Bellingen und Badenweiler wird auch als Südbadisches Bäderdreieck bezeichnet. Untersuchungen der Thermalwässer aus Bad Krozingen, Bad Bellingen, Steinenstadt, Mooswald und Weinheim im nördlicher Oberrheingraben wurden im Rahmen eines hydrogeochemischen Forschungsprojekts an der Universität Heidelberg durchgeführt. Die Lithologien der Grundwasserleiter von den Thermalwässern sind der Oberer Muschelkalk aus der Trias, Hauptrogenstein aus dem Jura und tertiäre Miozän-Sedimente. Interessanterweise unterscheidet sich die Sr-Isotopenzusammensetzung des Thermalwassers aus Bad Bellingen nicht von derjenigen des heutigen Meerwassers. Die Zusammensetzung der Thermalwässer wird durch das Verwerfungssystem des Rheingrabens bestimmt. Die höchsten Lithium-Konzentrationen von etwa 75 mg/l wurden in Weinheim gemessen. Die Lithium-Konzentrationen der Thermalwasser aus Bad Krozingen, Bad Bellingen, Steinenstadt und Mooswald liegen zwischen 1 und 3 mg/l. Anhand von Strontium-Isotopenuntersuchungen konnte gezeigt werden, dass Fluide aus den Aquiferen des Oberen Muschelkalks entlang der östlichen Verwerfungszone aufsteigen. Der Aufstieg des Tiefenwassers reicht höchstwahrscheinlich bis in das kristalline Grundgebirge.

Geologie Der Oberrheingrabenhttps://lgrbwissen.lgrb-bw.de/unser-land/oberrhein-hochrheingebiet Oberrhein- und Hochrheingebiet ist ein mit Sedimenten gefüllter Grabenbruch, er entstand durch Aufwölbung, Senkung, Spreizung und Ablagerungsphasen. Zu den Rändern hin, d. h. im Osten zum Schwarzwald und im Westen zu den Vogesen ist er durch tief in den Untergrund reichende Spalten und Klüfte begrenzt, ganz markant z. B. durch die Schwarzwald-Hauptrandverwerfunghttps://www.lgrb-bw.de/lgrb/geotourismus/gto/details.html?vid=10239 Schwarzwald-Hauptrandverwerfung, aufgeschlossen im Lorettotunnel in Freiburg, dokumentiert. An diesen Klüften dringt Wasser aus Niederschlägen und Grundwasser nach unten ein und erwärmt sich dabei. Dabei können Tiefen von bis zu 3000 m erreicht werden. Das Wasser fließt Richtung Rheingraben und kann dann auf Spalten am Grabenrand unter Druck wieder aufsteigen und als heiße Quelle in Erscheinung treten. Es sind dabei Fließzeiten von bis zu 10 000 Jahren möglichhttps://www.lgrb-bw.de/download_pool/Geothermie_BAD-heisses-wasser.pdf LGRB Vom kalten Wasser zum Thermalwasser. In Badenweiler werden so seit der Römerzeit natürlich austretende Thermalwässer genutzt. Auch im Innern des Rheingrabens gibt es Thermalwässer in tiefen Grundwasserleitern, die durch Bohrungen wie in Bad Krozingen, Bad Bellingen und Freiburg erschlossen werden konnten. Ein Antrieb dieser Bohrungen war Anfang 1900 die verstärkte Suche nach Bodenschätzen, Wasser und insbesondere Erdölvorkommen. In Bad Krozingen wird Thermalwasser aus Schichten des Oberen Muschelkalkshttps://lgrbwissen.lgrb-bw.de/print/16226 LGRB-Wissen Muschelkalk gewonnen und nach oben gepumpt.

Nena-Quelle – Katharinenquelle mini|2022 Nena-Quelle, Info-Tafel mini|Namensgeber Nana Sahib Die Chemische Fabrik Ludwigshafen ließ auf Anregung von Wilhelm Salomon-Calvi 1910 bei Krozingen (damals noch ohne den Namenszusatz Bad, das Prädikat wurde erst nach Aufnahme des Kurbetriebes 1933 verliehen) durch die Firma Brechtelhttps://bhg-brechtel.de/ Fa. Brechtel Tiefbau (Ludwigshafen) Erkundungsbohrungen zur Aufsuchung von Erdöl durchführen. Der an der Badischen Geologischen Landesanstalt als Landesgeologe tätige Hans Thürachhttps://www.leo-bw.de/detail/-/Detail/details/PERSON/kgl_biographien/11735872X/Thürach+Hans Hans Thürach legte die Position der Bohrung fest und dokumentierte 1911 in seiner Funktion als Gutachter für Tiefbohrungen nach Mineral- und Thermalwässern die Bohrung in einem Brief an den Auftraggeber Fritz Raschig der Chemischen Fabrik Ludwigshafen. Dieses Schreiben ist auf einer Infotafel im Kurpark von Bad Krozingen abgedruckt:

Bergrat Dr. H. Thürach, Freiburg, den 26. November 1911 Freiburg-Günterstal, Breisgau Schauinslandstrasse 8.

BERICHT NR. 8

Herrn Dr. F. RASCHIG, Chem. Fabrik Ludwigshafen a. Rh.

SEHR GEEHRTER HERR DOKTOR!

Wie vorausbestimmt, wurde heute Nacht, 25. auf 26. November, im Bohrloch Krozingen eine sehr starke Quelle erbohrt. Die Wassermenge beträgt schätzungsweise 15 - 20 Sekundenliter. Das Wasser springt in der ganzen Dicke des Bohrlochs einen Meter hoch. Die Temperatur betrug am Maximalthermometer 39,5 Grad Celsius, am Quellthermometer 39,9 Grad. Der Bohrturm ist von einer Dampfwolke umlagert, die sich am Quellbach ein paar hundert Meter weit abwärts bemerkbar macht. Der Geschmack des Wassers ist aber gar nicht mehr salzig, sondern eher süsslich und etwas nach Kohlensäure, nicht prickelnd. Nach dem Geruch scheint etwas Schwefelwasserstoff und etwas Kohlenwasserstoffgas dabei zu sein. Die Gasmenge hat zugenommen. Der Auftrieb ist so stark, dass dieser 1 - 2 cm grosse Schieferstücke auswirft.

Die Quelle ist von 39,5 auf 40,7 Grad Celsius gestiegen und wird wahrscheinlich noch weiter steigen. Der Schilfsandstein ist jetzt gerade erst angebohrt, aber noch lange nicht durchbohrt. Die Wassermenge der Quelle kann also noch mehr zunehmen, was ich eigentlich nicht wünsche - es ist zuviel. Der Wasserzufluss ist so stark, dass ihn der Meisel [sic!] hindert und das Wasser nicht nur aus dem Bohrloch, sondern auch oben aus dem Gestänge herausschiesst und die Leute in förmlichem Regen arbeiten müssen.

Im Dorfe herrscht Begeisterung, dass jetzt ein grosses Bad nach Krozingen käme und selbstverständlich wird nun bereits der Wert des Geländes als Baugrund gerechnet. Doch kommen nicht viel Leute heraus.

Mit freundlichem Grusse und Glückauf

Ihr ergebener Hans Thürach Der Bohrturm war 9,6 m hoch und hatte ein Gewicht von 6,5 t. Die Erkundungsbohrung traf am 25. November 1911 unvermutet auf ein Thermalwasservorkommen. In 424 m Tiefe wurde eine erste wasserführende Schicht mit etwa 30° warmen Wasser erbohrt. In etwa 600 m Tiefe erreichte man schließlich eine weitere wasserführende Schicht. Daraus trat 41° heißes stark kohlensäurehaltiges Wasser mit 20 Litern pro Sekunde unter hohem Druck aus. Sie war damit die damals wasserreichste Thermalquelle in Deutschlandhttps://freidok.uni-freiburg.de/data/1441 Thürach: Die Nena-Quelle.

Da es damals üblich war, wertvollen Mineralquellen Namen zu geben, erhielt sie den Namen Nena-Quelle zur Ehre des indischen Freiheitskämpfers Nana Sahib. Dieser Fund führte 1911 zur Gründung der Nena Quelle GmbH Mannheim und 1912 zur Gründung der Nena Bad und Kurhaus Krozingen GmbH, daran beteiligt waren der Fabrikant Adolf Zimber sowie die Ärzte Heinrich Remmlinger und Hans Freiherr Huber von Gleichensteinhttps://www.alemannische-seiten.de/chronik/?e=1250 Geburtsstunde der ersten Thermalquelle in Bad Krozingen 25. November 1911. Die Nena-Quelle wurde wegen geführter Diskussionen zur Rolle des Nana Sahib an einem Massaker in BibigharNana Sahib#Gedenken umbenannt in Katharinenquelle.

Zur Erinnerung an den Geologen Thürach wurde eine Straße im Kurgebiet von Bad Krozingen, die Thürachstraßehttps://www.openstreetmap.org/way/52505032 OSM, nach ihm benannt.

Die Thermalwasserbohrungen in Bad Krozingen mini|Infotafel Nena-Quelle Im Bad Krozingen wurden eine Reihe von Bohrungen zur Gewinnung von Thermalwasser durchgeführt. Die erreichten Endteufen lagen dabei um 600 m. Auf einer Infotafel im Kurpark von Bad Krozingen werden 4 Quellen aufgeführt und kurz beschrieben: Quelle 1 – Nena-Quelle Bohrung November 1911http://www.alt-freiburg.de/krozingen6.htm Nena-Quelle Endteufe 583 m stillgelegt

Quelle 2 – Theresien-Quelle Bohrung Oktober 1940 Endteufe 596 m

Quelle 3 Bohrung Mai 1960 Endteufe 610 m

Quelle 4 Bohrung Juli 1968 Endteufe 578 m

In der ARD-Mediathek ist ein SWR-Beitrag Thermalquelle Bad Krozingen von 1960 zu finden, der die Bohrarbeiten an Quelle 3 dokumentierthttps://www.ardmediathek.de/video/swr-retro-abendschau/thermalquelle-bad-krozingen/swr/Y3JpZDovL3N3ci5kZS9hZXgvbzExOTc3NTg Thermalquelle Bad Krozingen 28. Mai 1960 ∙ SWR Retro - Abendschau ∙ SWR. Ein typischer Bohrmeißel der damaligen Zeit ist auf dem Gelände des LGRB ausgestellt. mini|Bohrmeißel

LGRB-Aufschlussdaten Diese 4 Quellen finden sich in Datenbeständen des Landesamtes für Geologie, Rohstoffe und Bergbau (LGRB) und in entsprechenden Veröffentlichungen: Im Kartenviewer des LGRBhttp://www.lgrb-bw.de/ LGRB Kartenviewer/Aufschlußdatenbank/Aufschlüsse,Stammdaten findet man im Kurpark von Bad Krozingen 4 Tiefbohrungen auf Thermalwasser mit den unten aufgeführten Daten Nummer des TK25-Blattes mit einer LGRB-Internen Archivnummer, Koordinaten im Gauß-Krüger-Koordinatensystem (DHDN3, auch als EPSG:31467 bezeichnet) Diese Daten sind auch in der Bohrpunktkarte Deutschland der Staatlichen Geologischen Dienste (SGD) hinterlegt, dort auch im Koord.System ETRS89 / UTM zone 32N (EPSG:25832) angegeben in der Veröffentlichung Mineral-, Heil- und Thermalwässer, Solen und Säuerlinge in Baden-Württemberg, LGRB-Fachbericht, 2006https://produkte.lgrb-bw.de/docPool/c99_data.pdf LGRB-Fachbericht Mineral-, Heil- und Thermalwässer, Solen und Säuerlinge in Baden-Württemberg sind weitere Attribute der Bohrungen aufgelistet. Die Thermalwässer in Bad Krozingen stammen alle aus Karbonatgesteinen (Kalkstein, Dolomit) der geologischen Einheit Oberer Muschelkalk (moR)https://lgrbwissen.lgrb-bw.de/hydrogeologie/muschelkalk/hydrogeologischer-ueberblick/oberer-muschelkalk LGRB-Wissen Hydrogeologischer Überblick Oberer Muschelkalk, die mit Mächtigkeiten von bis zu 30 m in Tiefen um 600 m angetroffen wird auf der Seite der Staatlichen Geologischen Dienste Deutschlandshttps://www.infogeo.de/ findet man eine Liste von 3 Bohrungen in Bad Krozingen mit geothermischer Nutzung in Betrieb (Stand 2006)https://www.infogeo.de/Infogeo/DE/Downloads/Tabelle_geothermischer_Nutzung_180507_in_Betrieb.html Tabelle geothermischer Nutzung in Betrieb, 2006

TK25-Nr./LGRB-ArchivnummerLGRB-AufschlussnameGauss-Krüger-Koord.Rechts-/HochwertLageAnsatzhöhe (m)Bohrtiefe (m)Bohrzeit8012 / 308Thermalwasserbohrung 1 Bad Krozingen, Katharinen-Quelle (Quelle 1)3402350 / 5309755 2245831910/19118012 / 61Thermalwasserbohrung 2 Bad Krozingen, Theresien-Quelle (Quelle 2)3402347 / 5309776.5 226596.781939/19408012 / 309Thermalwasserbohrung 3 Bad Krozingen (Quelle 3)3402354 / 5309835 223.8961019608012 / 270Thermalwasserbohrung 4 Bad Krozingen (Quelle 4)3402118 / 5309681.5 224.63580.251968

Geologische Profile

Thermalbohrung Bad Krozingen II – Theresienquelle