mini|Alexander Anderson Alexander Anderson FRSE FLS (* 1748 in Aberdeen, Schottland; † 1811) war ein schottischer Chirurg, Entdecker und Botaniker, der von 1785 bis 1811 als Superintendent des Botanischen Gartens der Karibik-Insel Saint Vincent wirkte. Sein offizielles botanisches Autorenkürzel lautet „“.

Leben Jugend und Bildung Anderson wurde in Aberdeen geboren. Er studierte an der University of Edinburgh, wo er von William Cullen (Professor für Medizin und Chemie) und John Hope (Professor für Botanik und Materia Medica/Pharmakologie) unterrichtet wurde. Sein Landsmann (Aberdonian) William Forsyth stellte ihn kurzzeitig am Chelsea Physic Garden in London an, bevor Anderson 1774 nach New York emigrierte, wo er bei seinem Bruder John unterkam, einem Drucker.Richard Alden Howard: arnoldia.arboretum.harvard.edu 1996. Nachdem eine Petition der Ärzte William Wright und Thomas Clarke aus Jamaika 1798 angenommen wurde, wurde Anderson der Ehrentitel 'Degree of Doctor in Physick' der University of St. Andrews verliehen. Die Petition bezeichnete ihn als Assistant Surgeon to his Majesty’s forces in St. Vincent und bekräftigte, dass er „educated in Scotland“ (ausgebildet in Schottland) sei mit Wissen „in allen Bereichen der Medizin, Naturgeschichte und Philosophie“ („in all branches of Medicine, Natural History and Philosophy“).

Wenig ist bekannt über Andersons Charakter. Nur ein Eintrag aus dem Journal der britischen Botanikerin Henrietta Liston 1800 beschreibt ihn als 'freundlichen', 'gut-aussehenden Schotten' ('kind', 'good-looking Scotchman'), sehr 'freigiebig in der Herausgabe seiner Pflanzen' ('liberal in giving his plants') und 'sehr freundlich in seinen Angeboten für Proviant [für Liston] für ihre Rückkehr nach Schottland' ('very kind in his offers of supplying [Liston] on [her] return to Scotland').Henrietta Liston: Departure from United States and Tour of the West Indies. In: Journal of Henrietta Liston. 1800: S. 38–40.

Familie Die Aufzeichnungen deuten darauf hin, dass Anderson eine Elizabeth Alexander aus Antigua heiratete, welche Liston als 'sehr taub durch irgendeinen Unfall' ('very deaf from some accident') bezeichnete. Offenbar hatten sie eine Tochter namens Elizabeth, die später John Pemberton Ross, den Speaker des House of Assembly on St. Vincent heiratete. Andersons Frau hat einen Eintrag im Journal of the House of Commons von 1815, dort ist verzeichnet, dass sie als „Witwe von Dr. Alexander Anderson, in Anbetracht seiner Dienste als Superintendent des Botanischen Gartens zu St. Vincent’s“widow of Dr. Alexander Anderson, in consideration of his services as Superintendent of the Botanical Garden at St. Vincent’s £100 per annum erhalten sollte. Andersons Neffe Alexander Anderson – einer der ersten Holzschnitt-Künstler von Amerika – berichtet von einem Besuch bei dem Onkel, damals 'Kings Botanist auf der Insel St. Vincent' ('King's botanist in the Island of St. Vincent') 1798: Er blieb im Botanischen Garten (einem perfekten Paradies zu der Zeit) für etwa drei Monatehe remained at the Botanic Garden (a perfect paradise at that time) for about three months, aber wollte kein Angebot für eine Anstellung annehmen, die 'ihn unabhängig gemacht hätte' ('would have made [him] independent').

Botanischer Garten von Saint Vincent Ab 1785 diente Anderson als einer der ersten zwei Superintendent Curators des St Vincent Botanic Garden, zusammen mit George Young. Anderson arbeitete im Botanischen Garten für mehr als 25 Jahre, in denen er auch mehrere Reisen durch die Guyanas, St. Vincent und Trinidad und Tobago unternahm und dabei mehr als 100 Varietäten karibischer Pflanzen entdeckte, die neu für die botanische Wissenschaft waren. Während seiner Amtszeit nahm die Artenzahl im botanischen Garten von 348 auf über 3.000 zu.St Vincent Botanic Garden. Kings College London. kingscollections.org. Er war Korrespondent von Sir Joseph Banks, durch welchen er 1789 Beiträge für die Royal Society einbringen konnte, unter anderem über einen Bitumen-See auf St. Vincent, welcher in dem Jahr in den Philosophical Transactions veröffentlicht wurde.

Im Januar 1791 wurde er als Fellow of the Royal Society of Edinburgh gewählt, nach einem Vorschlag durch Daniel Rutherford, John Walker und William Wright.Charles D. Waterston, A. Macmillan Shearer: Former Fellows of the Royal Society of Edinburgh 1783–2002: Biographical Index. vol. I The Royal Society of Edinburgh, Edinburgh Juli 2006. ISBN 978-0-902198-84-5 Archivlink Im selben Jahr ging er nach Guiana auf botanische Expedition; die Pflanzen, die er dabei sammelte, sandte er an Banks. Sie befinden sich heute im Herbarium des British Museum. Er wurde in dem Jahr auch in die American Philosophical Society gewählt.Alexander Anderson: American Philosophical Society Member History. American Philosophical Society.

Die Society of Arts ehrte ihn 1798 mit einer Silbermedaille für eine Abhandlung über die Pflanzen im botanischen Garten in St. Vincent. Er bedachte die Abfassung einer Flora of the Caribbean Islands. Einige Blätter dazu sandte er an Banks; aber das Projekt wurde nie verwirklicht. Er trat im Juli 1811 von seinem Posten zurück und starb am 8. September desselben Jahres (die Royal Society of Edinburgh verzeichnet als Todesdatum den 10. Mai 1811).

Andersons Nachfolger wurde sein Freund, der Wundarzt William Lochhead.

Die Brotfrucht Am 23. Januar 1793 informierte Anderson Joseph Banks über die Ankunft von Kapitän William Bligh mit der HMS Providence mit „etwa 100 der Brotfrucht“ (about 100 of the Breadfruit) von Tahiti.Alexander Anderson: An Account of the Topographical and Geographical Situation of His Majesty’s Botanical Garden of St. Vincent. Linnean Society of London Archives. 1807: S. 41. ISBN MS/605 Anderson war frustriert, weil er aufgrund einer „Voreingenommenheit“ ('partiality') für den botanischen Gartens in Jamaika nur die „kleinsten und kränklich aussehnde Pflanzen erhielt“ ('the smallest and most sickly looking plants'), während die „größten und gesünndesten“ ('largest and most healthy') nach Norden gesandt wurden in die Gärten in Liguanea und Bath. Obwohl William Bligh das Verdienst zugeschrieben wird, die Brotfrucht in die Karibik gebracht zu haben, zeigen Aufzeichnungen, die von Reverend Lansdown Guilding gemacht wurden, dass Anderson bereits vorher Exemplare erhalten hatte ('previous to thee arrival of the Providence'), als „eine junge Pflanze[...] zum Garten gesandt wurde“ ('a young plant... was sent to the Garden') von französischen Naturkundlern in Martinique.Lansdown Guilding: An Account of the Botanic Garden in the Island of St. Vincent, from its First Establishment to the Present Time. Glasgow 1825: S. 15. In ihrem Journal berichtet Henrietta Liston (1800) von der Brotfrucht in St. Vincent „in großem Überfluss und Perfektion“ ('in great abundance & perfection') und Anderson sei die „einzige Person auf der Insel, die ihren Sklaven bereits erlaubt habe davon zu essen“ ('the only person' on the Island who had 'as yet obliged his slaves' to eat it).Henrietta Liston: Journal from the United States to the West Indies. Journal of Henrietta Liston, National Library of Scotland 1800–1801: S. 38.

Beziehungen zu den Gouverneuren von St. Vincent Anderson selbst beschreibt in seinem Account die Beziehungen mit den Behörden der Insel, welche sich zeitweise turbulent entwickelten. Der erste Eklat ereignete sich mit Gouverneur Edmund Lincoln, der zwischen 1783 und 1787 in St. Vincent residierte. In Briefen an William Forsyth wird angedeutet, dass Andersons Anstellung beim Garten vom Gouverneur angefochten wurde, der 1785 'sich das Grundstück und das Haus [des Superintendents] für eigenen Gebrauch angeeignet hatte', als 'gewöhnliche Weide für seine Rinder' ('[appropriated] the ground and [superintendent's] house to his own use'; namely as a 'common pasture for his cattle'). Obwohl Anderson das Haus schon für die 'Bequemlichkeit' ('Convenience') seiner eigenen Frau und seiner Tochter umgebaut hatte, war er gezwungen in einer Taverne in Kingstown Unterschlupf zu suchen. 'Die Ausgaben dort waren weit über seinen finanziellen Möglichkeiten' ('expense of which was far above [his] finances').Alexander Anderson: An Account of the Topographical and Geographical Situation of His Majesty’s Botanical Garden of St. Vincent. In: Linnean Society of London Archives. Glasgow 1807: S. 24. Nachdem Lincoln drohte den Garten 'der Krone zu Entfremden' ('alienate [the Garden] from the Crown') wurde der Streit letztlich gelöst, indem das War Office von London die notwendigen Befehle erteilte ('dispatched the necessary orders' to '[re-establish] the old Botanic Garden and House'); wenn auch mit einer Warnung, dass das 'dauerhafte' Überleben an Andersons 'Einhaltung einer sehr strengen Wirtschaftsführung' ('attention to the most ridgid economy') hinge.Robert Adair: Robert Adair to Alexander Anderson. An Account of the Topographical and Geographical Situation of His Majesty’s Botanical Garden of St. Vincent 1785: S. 20.

Trotz Gouverneur Valentine Morris’ augenscheinlichem Enthusiasmus’ für Gartenkultur und ländliche Wirtschaft' ('fondness of horticulture and rural economy') konnte Andersons Vorgänger George Young bis dahin nicht die nötige Unterstützung ('assistance and support') für den Garten sichern (1772–1776), bei dem 'unglücklichen Zustand der Inselpolitik' ('the unhappy state of island politics'), welcher Ausschloss, dass 'nützliche Arbeiten und Mittel' ('useful labour and funds') zur Verfügung gestellt würden.Alexander Anderson: An Account of the Topographical and Geographical Situation of His Majesty’s Botanical Garden of St. Vincent. Glasgow 1807: S. 11–12.

Korrespondenz und Austausch Andersons Netzwerk und internationale Korrespondenz war enorm. Während seiner Zeit im botanischen Garten St. Vincent wurde die 'Masse an Korrespondenten so groß, dass ein großer Teil seiner Zeit und Aufmerksamkeit durch die Beantwortung der Post verbraucht wurde' ('correspondents became so large that great part of [his] time and attention were taken up in answering them'). Laut seinem eigenen Account bedingte die spärlich vorhandene wissenschaftliche Expertise in der Karibik eine 'Korrespondenz mit Wissenschaftlern und besonders Liebhabern der Botanik in jedem Teil (des Vereinigten Königreiches) zu dem die Kommunikation gehalten werden konnte' ('correspondence with scientific men' and 'particularly lovers of botany in every part to which a communication could be kept open'); vor allem die 'freien Sendungen für Samen und Pflanzen' ('liberal returns for seeds and plants') von überall in der Welt waren ihm wichtig.Alexander Anderson: An Account of the Topographical and Geographical Situation of His Majesty’s Botanical Garden of St. Vincent. Glasgow 1807: S. 30–31.

In Nordamerika waren einige von Andersons berühmtesten Korrespondenten Thomas Jefferson, George Washington und Benjamin Vaughan, der damalige Verhandlungsführer für Britannien in der Verfassung des Friedens von Paris. Die erhaltenen Briefe zwischen Anderson und Washington zeigen, dass Samen aus St. Vincent selbst 1789 versandt wurden. Im Gegenzug erhielt Anderson Exemplare von Olivenbäumen.Alexander Anderson: Alexander Anderson to Benjamin Vaughan. 26. Juli 1790. Archivlink 1790, ein Jahr später, sandte Jefferson Samen von 'Rotem Trockenreis' ('the dry red rice') an den Botanischen Garten und informierte Anderson über zukünftige Möglichkeiten für Importe aus China.Thomas Jefferson to Benjamin Vaughan’. 21. September 1790 WLC, TJP, 1/012.