Die Ernst-Reuter-Schule im Berliner Ortsteil Gesundbrunnen des Bezirks Mitte ist eine Integrierte Sekundarschule (ISS) mit gymnasialer Oberstufe im gebundenen Ganztagsbetrieb. Derzeit (Schuljahr 2025/2026) besuchen circa 950 Schüler die bestehende 6-4 zügige ISS. Die Schule liegt zwischen der Stralsunder und der Bernauer Straße in unmittelbarer Nachbarschaft zur Gedenkstätte Berliner Mauer.

Geschichte mini|Ernst-Reuter-Schule in der Stralsunder Straße Kurz vor der Einweihung der „9. Oberschule Praktischen Zweiges“ verstarb am 29. September 1953 der erste Regierende Bürgermeister Berlins Ernst Reuter. Nur zwei Wochen später, am 12. Oktober wurde die Schule eröffnet und am 9. Dezember 1953 auf Antrag von Otto Suhr, dem Präsidenten des Berliner Abgeordnetenhauses, spontan in „Ernst-Reuter-Schule“ umbenannt. Das war aus zwei Gründen naheliegend: Zum einen lag die neue Schule im ehemaligen Wahlkreis Ernst Reuters und zum anderen stand die Schulform „Praktischer Zweig“ für ein zentrales Anliegen des Sozialdemokraten Ernst Reuter: Die Bildungsansprüche der Jugend in der damals noch jungen demokratischen Gesellschaft zu fördern. So heißt es im ersten Schulprogramm von 1953: Die Elternschaft in die pädagogische Arbeit einzubinden, war dabei der ausdrückliche Wunsch des ersten Leiters der Schule, Walter Scheunemann (1953–1960).

Das starke pädagogische Selbstverständnis der Ernst-Reuter-Schule, die nach dem 13. August 1961 die Schule an der Mauer wurde, blieb über die Jahre und auch unter den Schulleitern Ulrich J. Kledzik (1960–1963) sowie Horst Koffke (1963–1966) erhalten. Vor allem aber ihr langjähriger Leiter, der Urberliner Rudolf Huth (1966–1988), setzte mit dem ihm eigenen Humor, viel Unverdrossenheit und einem engagierten Kollegium ein vielbeachtetes Modellprojekt „zur sozialen Integration durch intensiven Medieneinsatz und durch gezielte Maßnahmen im außerunterrichtlichen Bereich“Rudolf Huth: Modellversuch: Schulische und soziale Integration von Kindern. Berlin 1979 um. In einer Würdigung von 1978 schrieb sein Vorgänger Kledzik: Bereits seit 1973 strebte die Schule unter Rudolf Huth die Umwandlung von einer Hauptschule (seit 1967) in eine Gesamtschule an. Im Jahre 1980 war es dann soweit. Die integrierte Ganztagsgesamtschule konnte in einem erweiterten Schulbau die ersten Schüler im 7. Jahrgang aufnehmen. Ab dem Schuljahr 1983/84 wurde die Schule in „Ernst-Reuter-Oberschule“ umbenannt und war nun eine reine Gesamtschule mit 1050 Schülern sowie ca. 100 Lehrkräften.

In den Wendejahren übernahm Gesamtschuldirektor Ulrich Kopitzki die Leitung der Ernst-Reuter-Schule (1988–2006). Aus einer Randlage im Schatten der Mauer rückte die Schule plötzlich in die neue Mitte Berlins. Doch die sozialräumlichen Gegebenheiten im damaligen Bezirk Wedding verschlechterten sich. Bereits in den 1980er Jahren wurden etliche industrielle Produktionsstätten aufgegeben (AEG und Osram) oder gingen in Konkurs (Rotaprint). Damit verbunden war eine Verarmung der Bevölkerung, was dazu führte, dass das Armutsrisiko in Wedding und Gesundbrunnen bis heute deutlich höher ist als in vielen anderen Bezirken Berlins.Basisdaten zur Bevölkerung und sozialen Lage im Bezirk Berlin-Mitte Die Ernst-Reuter-Oberschule reagierte auf die Veränderungen mit der Schärfung ihres Profils. Neue Schwerpunkte bildeten nun Naturwissenschaften, Sport, Kunst und die Integration von Schülerinnen und Schülern mit sonderpädagogischem Förderbedarf.

Im Jahr 2006 erfolgte dann unter dem neuen Schulleiter Uwe Schurmann (2006–2014) die Fusion mit der Oberschule am Köllnischen Park. Diese hatte zwar eine gymnasiale Oberstufe, aber sie war zu wenig nachgefragt. Deswegen wurde sie aufgelöst und kam mit ihrer Oberstufe zur Ernst-Reuter-Oberschule. Der Prozess des Zusammenwachsens gestaltete sich schwierig, unterschiedliche Schul- und Führungskulturen prallten aufeinander. Der für die Schule zuständige externe Schulberater, Meinhard Jacobs, bestätigt diese Einschätzung: „Es sind damals einfach zwei Schulen zusammengeworfen worden. Nach meiner Kenntnis hat nie ein Prozess des eigentlichen Zusammenwachsens stattgefunden. Das ist ganz gut an den Ergebnissen der Inspektion des Jahres 2016 erkennbar.“ Gleichzeitig stellte auch die Berliner Schulstrukturreform von 2010 die nun größte Integrierte Sekundarschule des Bezirks Mitte vor einige Herausforderungen. In den Jahren 2014–2016 häuften sich die Fälle von Gewalt an der Schule. Die Ernst-Reuter-Oberschule galt nun als Berlins schwierigste Schule in der Nachfolge der mit viel Einsatz reformierten Rütli-Schule.

Seit 2016 knüpft die Ernst-Reuter-Schule - inzwischen wieder mit ihrem alten Namen - an ihre erfolgreiche Vergangenheit an. Unter Schulleiter Andreas Huth (2016–2024), dem Sohn des langjährigen Rektors Rudolf Huth, gelang es nach und nach, die Schule zu konsolidieren. Die Verbesserungen fanden sich auch im Bericht der Inspektion vom 1. Juli 2019 wieder, welcher der Schule deutliche Erfolge bescheinigte. Insbesondere bei der Qualität der Schulabschlüsse und der niedrigen Zahl an Abgängern ohne Schulabschluss konnte die Ernst-Reuter-Schule überdurchschnittlich gute Ergebnisse vorweisen. Seit 2020 stehen vor allem der geplante Schulsanierung durch die Howoge sowie das neue Profilkonzept der Schule im Mittelpunkt der Schulentwicklung. Außerdem hat die Schule eine ganze Reihe von Maßnahmen und Umstrukturierungen vollzogen, um im nach wie vor schwierigen Umfeld möglichst erfolgreich und nachhaltig gemeinsam mit ihren Schülerinnen und Schülern zu arbeiten. Und somit gilt noch immer das Wort Rainer Maria Rilkes, mit dem die Schule 1953 eingeweiht worden war (und das seither im Foyer hängt): „Es ist eine Schule, die sich nicht für fertig hält, sondern für etwas Werdendes, daran die Kinder selber, umformend und bestimmend, arbeiten sollen. Die Kinder, in enger und freundlicher Beziehung mit aufmerksamen, lernenden, vorsichtigen Erwachsenen, Menschen, Lehrern, wenn man will.“

Zum 1. August 2024 wurde Marc Eggert zum neuen Schulleiter der Ernst-Reuter-Schule berufen. Die Kernsanierung der Schule beginnt im Schuljahr 2026/27 und soll mit dazu beitragen, dass die Ernst-Reuter-Schule zum Vorzeigeprojekt wird.

Schulprofil Die Ernst-Reuter-Schule ist eine Integrierte Sekundarschule (ISS) mit einer eigenen gymnasialen Oberstufe. Wie bei jeder ISS gibt es kein Probejahr und die Kinder haben mit der 11. Klasse ein Jahr mehr Zeit, um sich auf das Abitur vorzubereiten. Auf der Ernst-Reuter-Schule lernen ungefähr 950 Schülerinnen und Schüler, die von rund 125 Lehrkräften, Erziehern sowie Schulsozialarbeitern unterrichtet und betreut werden (Schuljahr 2025/26). Jede Klasse hat in den Jahrgängen 7–10 zwei Klassenleitungen und eine Erzieherin oder Sozialarbeiterin als festes Team, die die Klassen betreuen und bei allen Fragen die ersten Ansprechpartnerinnen sind. Zu Beginn eines Schuljahres und zum Halbjahr führen die Klassenleitungen mit den Schülerinnen und Schülern regelmäßig Bilanz- und Zielgespräche, um den Lernprozess möglichst gut begleiten zu können. Um die Begabungen und Interessen der Schülerinnen und Schüler bestmöglich zu fördern, hat jede Klasse einen gemeinsam Termin für Projektarbeit, den die Schule Space nennt. Auch durch diese Organisationsform wird der Zusammenhalt in der Klasse gestärkt.

Das pädagogische Grundverständnis der Ernst-Reuter-Schule wird im Schulmotto zusammengefasst: „Ich höre. Ich sehe. Ich lerne.“ Bildung im anspruchsvollen Sinne folgt hier der Überzeugung, dass Jugendliche dazu befähigt werden, die Welt mit allen Sinnen wahrzunehmen und zu verstehen. Lernen gelingt dann, wenn Jugendliche einerseits gehört und gesehen werden und zugleich darin unterstützt werden, eigenständig Erfahrungen zu machen.

Die Ernst-Reuter-Schule fühlt sich überdies der Idee verpflichtet, dass jedes Kind neugierig ist und über Begabungen verfügt. In sogenannten Spaces eröffnet die Ernst-Reuter-Schule ihren Schüler der Jahrgänge 7–10 Wege, Neugier und Begabungen in Projekten jenseits des Fachunterrichts zu entdecken und für den individuellen Lernerfolg nutzbar zu machen. Im Zentrum der Projektarbeit stehen dabei die Interessen der Kinder. Ob Forschung, Ökologie und Technik, ob eher künstlerisch-kreative oder sprachlich-narrative Arbeit, ob informative Filme oder kritische Zeitungsartikel – die Schule bietet für alle Schüler spannende, erfahrungsorientierte Projekte, in denen sie sich entwickeln können. Im Rahmen einer halbjährlich stattfinden Space-Woche stellen alle Projekte in den Spaces ihre Ergebnisse den Mitschülerinnen und Eltern vor. Das Lernen jenseits des üblichen Unterrichts findet in vier Spaces statt: Science Space: Ein Angebot für alle, die neugierig sind, gerne forschen und naturwissenschaftliche Zusammenhänge verstehen wollen. Hier werden wissenschaftliche Phänomene untersucht und erkundet wie beispielsweise: Wie funktioniert ein Computer? Warum können Flugzeuge fliegen? Was gibt es im Universum zu entdecken? Art Space: Im Zentrum dieses Angebots steht die kreativ-künstlerische Arbeit. Es wird recherchiert, geplant, gestaltet und reflektiert: Von der ersten Idee bis zur fertigen Präsentation: Theateraufführungen, Kunstausstellungen, Filme... Die Jugendlichen erweitern dabei den Raum ihrer Sinne. Sie hören und sehen die Welt mit anderen Augen. Social Space: In diesem Angebot sollen die Schülerinnen und Schüler befähigt werden gesellschaftliche Verhältnisse in der Welt zu hören und zu sehen. Sie lernen, soziale Strukturen kritisch zu hinterfragen, eigene Standpunkte zu entwickeln und ihre Perspektiven in einen größeren gesellschaftlichen Zusammenhang einzuordnen. Dabei steht das praktische Erfahren und Gestalten im Mittelpunkt der Projekte (Schülerzeitung, Kooperation Gedenkstätte Berliner Mauer, UNESCO-Projektschule). Tech Space: Dieses Angebot richtet sich an technikbegeisterte junge Menschen, die gerne tüfteln, bauen und eigene Ideen umsetzen. In abwechslungsreichen Projekten aus den Bereichen Konstruktion, Robotik oder angewandte Technik entstehen greifbare Ergebnisse wie beispielsweise Seifenkisten oder 3D-Modelle.

Abschlüsse In den Abschlussklassen fördert die Schule leistungsstarke Schüler in Zusatzkursen intensiv in Hinblick auf die Oberstufe und organisiert ein Angebot an Berufsorientierung. Durch Prüfungsvorbereitung unterstützten sie die Jugendlichen auf ihrem Weg zum Abschluss.

Als Integrierte Sekundarschule bietet die Ernst-Reuter-Schule den Schülern 13 Jahre Unterricht. Die 11. Klasse wird genutzt, um intensiv auf die Abiturphase vorzubereiten. Die Jugendlichen können aus Kursen wählen, wie z. B. Theater, Philosophie, Informatik und Wirtschaft. Außerdem haben sie die Möglichkeit, Spanisch und Französisch als 2. Fremdsprache ab dem 11. Jahrgang zu belegen. Alle Sprachkurse machen eine Kursfahrt ins Land ihrer Sprache. In der Abiturphase werden Leistungskurse in Biologie, Deutsch, Englisch, Geschichte, Geografie, Kunst und Politikwissenschaft angeboten. An der Schule sind folgende Abschlüsse möglich: Der BoA, der BBR, der eBBR, der MSA, die Fachhochschulreife (schulischer Teil) sowie das Abitur nach drei Jahren. Die Gymnasiale Oberstufe beschult im Durchschnitt 250 Schülerinnen und Schüler. Sprachen