Der NBA Most Valuable Player Award ist eine Auszeichnung der National Basketball Association (NBA) für den wertvollsten Spieler (engl. Most Valuable Player, kurz MVP) der Liga in der regulären Saison. Die Auszeichnung besitzt das größte Renommee innerhalb der NBA und führt nahezu zwangsläufig zu einer Wahl in die Naismith Memorial Basketball Hall of Fame im ersten Wahlgang.
mini|hochkant|Kareem Abdul-Jabbar gewann den MVP-Award sechsmal in seiner Karriere mini|hochkant|Bill Russell im grünen Zimmer vor der Verleihung der präsidialen Freiheitsmedaille mini|hochkant|Der fünfmalige Gewinner des MVP-Awards, Michael Jordan
Geschichte und Wahlvorgang Der NBA Most Valuable Player Award wurde in der Saison 1955/56 eingeführt. Bis 1980 wurde der MVP von den NBA-Profis gewählt. Seit der Saison 1980/81 wird die MVP-Auszeichnung von Sportjournalisten vergeben. Die dazugehörige Trophäe war bis zur Saison 2021/22 nach Maurice Podoloff, dem ersten Liga-Präsidenten, benannt. In derselben Saison wurde eine neue, bislang namenlose, Trophäe in der Form einer Kristallkugel eingeführt.Tim Reynolds: NBA adds Maurice Podoloff Trophy for team with best record. Auf: AP-News–Website; New York City, NY, 6. Dezember 2022. Abgerufen am 9. Dezember 2022 (in Englisch). In der Saison 2022/2023 erhielt die vergebene Trophäe ein neues Design und wurde fortan The Michael Jordan Trophy genannt.NBA.com: NBA unveils The Michael Jordan Trophy to awarded to Kia MVP (auf Englisch)
Die Wahl des MVPs wird immer am Ende der regulären Saison (Ende April) durchgeführt, so dass sie innerhalb der ersten Play-off-Runden bekanntgegeben werden kann. An der Wahl nehmen 100 Sportjournalisten teil. Jeder von ihnen besitzt fünf Stimmen, die unterschiedlich gewichtet sind. Die erste Stimme zählt zehn Punkte, die zweite sieben, die dritte fünf, die vierte drei und die fünfte Stimme einen Punkt. Der Spieler, auf den die meisten Punkte fallen, wird zum MVP erklärt.
Seit der Saison 2023/24 existiert für den Most Valuable Player Award neben Defensive Player of the Year, NBA Most Improved Player Award, die NBA-Auswahl und das All-Defensive Team eine Schwelle von 65 zu absolvierenden Spielen, um sich zu qualifizieren. Damit ein Spiel für die Qualifikation zählt, ist eine Einsatzzeit von mindestens 20 Minuten notwendig, alternativ können bei 66 Spielen auch zwei unterhalb dieser Schwelle herangezogen werden, solange die Einsatzzeit in beiden dieser Spiele über 15 Minuten lag.
Wenn ein Spieler in 62 Matches jedes Mal die 20-Minuten-Marke überschritten hat (also in 85 % aller Spiele seines Teams), sich dann für den Rest der Saison verletzt, und ein unabhängig bestellter Arzt die vermutliche Dauer der Verletzung im Sinne des Saisonendes bis mindestens zum 31. Mai bestätigt, bleibt dieser Spieler ebenfalls berechtigt, für einen der vorgenannten Preise gewählt zu werden.Eric Mullin: Explaining the NBA's new 65-game rule and the major awards it applies to. There's an MVP candidate, along with some All-NBA candidates, in danger of being ineligible for end-of-season awards. Auf: NBC Sports Philadelphia–Website; Philadelphia, PA, 31. Januar 2024 in der korrigierten Fassung von 22.08 Uhr. Abgerufen am 23. Mai 2025 (in Englisch).
Auswirkung auf Supermax-Verträge Eine Wahl zum MVP kann gemäß Tarifvertrag der NBA (Collective Bargaining Agreement (CBA)), ebenso wie die Wahl in die NBA-Auswahl oder zum Defensive Player of the Year, bedeutende Auswirkungen auf das Gehalt eines berechtigten Spielers haben. Es ist unter bestimmten Umständen möglich, dass sich ein Spieler durch seine Wahl für eine Designated Player Extension – einen sogenannten Supermax Deal – qualifiziert. Dadurch kann die erlaubte Gehaltsobergrenze der NBA (Salary Cap) um bis zu 5 % und damit einen substantiellen Millionenbetrag steigen.Tim Bontemps: A deeper look inside the NBA’s new collective bargaining Agreement. Auf: The Washington Post—Website; Washington, D.C., 16. Dezember 2016. Abgerufen am 20. September 2020 (in Englisch).
Da seit Saison 2023/24 im mit der Spielergewerkschaft National Basketball Players Association (NBPA) vereinbarten neuen Collective Bargaining Agreement (CBA) für die wichtigsten Jahresend-Preise eine Mindestanzahl an Spielen vereinbart wurde, haben Spieler, die sich durch die drei oben genannten Preise für eine Designated Veteran Extension oder eine Rookie Scale Extension hätten qualifizieren können, bis 23:59 Uhr am Tag nach Ende der Regular Season oder innerhalb von zwei Tagen, nachdem eine Qualifikation mathematisch unmöglich geworden ist, die Möglichkeit, eine Preisberechtigungs-Beschwerde (Award Eligibility Grievance) einzulegen. Der Spieler muss dann „klar und überzeugend“ nachweisen, dass ihn sein Team mutwillig seiner Einsatzzeit beraubt hat, um seine Preisberechtigung zu untergraben. Möglich ist auch eine Anfechtung auf Grundlage außergewöhnlicher Umstände (Extraordinary Circumstances Challenge), die zwischen 12 Uhr des letzten Tages und 23:59 Uhr des Folgetages eingereicht werden muss. Ein gemeinsam von NBA und NBPA ausgewählter unabhängiger Experte müsste dann über die Rechtfertigung der im CBA nicht näher spezifizierten Umstände entscheiden.
Preisträger Die meisten MVP-Auszeichnungen konnten Kareem Abdul-Jabbar (sechs), Bill Russell und Michael Jordan (jeweils fünf) gewinnen. Jüngster MVP-Gewinner war Derrick Rose in der Saison 2010/11 (22 Jahre und sieben Monate), ältester Gewinner war Karl Malone in der Saison 1998/99 (35 Jahre und zehn Monate). Die knappste Entscheidung bei der Wahl zum MVP (seit 1981; Einführung des Media-Votings) gab es 1990 zwischen Magic Johnson (636 Punkte) und Charles Barkley (614), die Deutlichste im Jahr 2000 zwischen Shaquille O’Neal (1207 Punkte) und Kevin Garnett (408). Der einzige einstimmig gewählte MVP war Stephen Curry in der Saison 2015/16. Nikola Jokic ist der mit der niedrigsten Draft-Position aller Zeiten zum wertvollsten Spieler wurde, denn er war an 41. Stelle in der NBA-Draft 2014 ausgewählt worden.
Die wenigen nicht aus den USA stammenden Gewinner der MVP-Auszeichnung sind Hakeem Olajuwon (1994, Nigeria), Steve Nash (2005 und 2006, Kanada), Dirk Nowitzki (2007, Deutschland), Giannis Antetokounmpo (2019 und 2020, Griechenland), Nikola Jokić (2021, 2022 und 2024, Serbien), Joel Embiid (2023, Kamerun) und Shai Gilgeous-Alexander (2025 und 2026, Kanada)
Markiert Spieler, die in der Saison 2025/26 in der NBA aktiv waren
+Gewinner der MVP-Trophäe (Spielervoting) Saison Gewinner, Team Zweitplatzierter, Team Drittplatzierter, Team 1955/56 Bob Pettit, Saint Louis Hawks Paul Arizin, Philadelphia Warriors Bob Cousy, Boston Celtics 1956/57 Bob Cousy, Boston Celtics Bob Pettit, Saint Louis Hawks Paul Arizin, Philadelphia Warriors 1957/58 Bill Russell, Boston Celtics Dolph Schayes, Syracuse Nationals George Yardley, Detroit Pistons 1958/59 Bob Pettit, Saint Louis Hawks Bill Russell, Boston Celtics Elgin Baylor, Minneapolis Lakers 1959/60 Wilt Chamberlain, Philadelphia Warriors Bill Russell, Boston Celtics Bob Pettit, Saint Louis Hawks 1960/61 Bill Russell, Boston Celtics Bob Pettit, Saint Louis Hawks Elgin Baylor, Los Angeles Lakers 1961/62 Bill Russell, Boston Celtics Wilt Chamberlain, Philadelphia Warriors Oscar Robertson, Cincinnati Royals 1962/63 Bill Russell, Boston Celtics Elgin Baylor, Los Angeles Lakers Oscar Robertson, Cincinnati Royals 1963/64 Oscar Robertson, Cincinnati Royals Wilt Chamberlain, San Francisco Warriors Bill Russell, Boston Celtics 1964/65 Bill Russell, Boston Celtics Oscar Robertson, Cincinnati Royals Jerry West, Los Angeles Lakers 1965/66 Wilt Chamberlain, Philadelphia 76ers Jerry West, Los Angeles Lakers Oscar Robertson, Cincinnati Royals 1966/67 Wilt Chamberlain, Philadelphia 76ers Nate Thurmond, San Francisco Warriors Bill Russell, Boston Celtics 1967/68 Wilt Chamberlain, Philadelphia 76ers Lenny Wilkens, Saint Louis Hawks Elgin Baylor, Los Angeles Lakers 1968/69 Wes Unseld, Baltimore Bullets Willis Reed, New York Knicks Billy Cunningham, Philadelphia 76ers 1969/70 Willis Reed, New York Knicks Jerry West, Los Angeles Lakers Kareem Abdul-Jabbar, Milwaukee Bucks 1970/71 Kareem Abdul-Jabbar, Milwaukee Bucks Jerry West, Los Angeles Lakers Dave Bing, Detroit Pistons 1971/72 Kareem Abdul-Jabbar, Milwaukee Bucks Jerry West, Los Angeles Lakers Wilt Chamberlain, Los Angeles Lakers 1972/73 Dave Cowens, Boston Celtics Kareem Abdul-Jabbar, Milwaukee Bucks Tiny Archibald, Kansas City Kings 1973/74 Kareem Abdul-Jabbar, Milwaukee Bucks Bob McAdoo, Buffalo Braves Bob Lanier, Detroit Pistons 1974/75 Bob McAdoo, Buffalo Braves Dave Cowens, Boston Celtics Elvin Hayes, Washington Bullets 1975/76 Kareem Abdul-Jabbar, Los Angeles Lakers Bob McAdoo, Buffalo Braves Dave Cowens, Boston Celtics 1976/77 Kareem Abdul-Jabbar, Los Angeles Lakers Bill Walton, Portland Trail Blazers Pete Maravich, New Orleans Jazz 1977/78 Bill Walton, Portland Trail Blazers George Gervin, San Antonio Spurs David Thompson, Denver Nuggets 1978/79 Moses Malone, Houston Rockets George Gervin, San Antonio Spurs Elvin Hayes, Washington Bullets 1979/80 Kareem Abdul-Jabbar, Los Angeles Lakers Julius Erving, Philadelphia 76ers George Gervin, San Antonio Spurs