Wilhelm Müller (* 6. Mai 1851 in Baccum; † 6. Januar 1928 in Korbach; vollständiger Name: Friedrich Wilhelm Hermann August Müller) war ein deutscher Architekt und preußischer Baubeamter, zuletzt war er als Landesbaumeister und Baurat im weitgehend von Preußen verwalteten Waldeck-Pyrmont tätig.
Laufbahn mini|hochkant|„Haus Strasser“ (um 1900) mini|hochkant|Wollweberturm in Korbach
Sein Vater Friedrich Wilhelm Müller († 1871) war von 1847 bis 1869 Pastor in Baccum bei Lingen an der Ems, Wilhelm besuchte das Königliche Gymnasium Georgianum in Lingen. Nach dem Abitur im Jahr 1870 bereits er sich als Bau-Eleve auf sein Studium vor, das er 1871–1874 an der Polytechnischen Schule Hannover absolvierte. Dort war er u. a. Schüler von Conrad Wilhelm Hase, einem der bedeutendsten Vertreter der Neogotik des 19. Jahrhunderts.
Müllers erste Arbeiten führte er von 1873 bis 1876 in Zusammenarbeit mit dem Maurermeister und Architekten August Strasserhttps://glass-portal.hier-im-netz.de/hs/s-z/strasser_august.htm in Hannover aus, unter anderem bei dem Haus Strasser, einem markanten Wohn- und Geschäftshaus (Ecke Reitwallstraße 5b / Goethestraße). Danach trat er als Regierungsbauführer (Referendarin der öffentlichen Bauverwaltung) in den preußischen Staatsdienst ein und wurde nach erfolgreich abgelegtem 2. Staatsexamen zum Regierungsbaumeister (Assessor in der öffentlichen Bauverwaltung) ernannt. Als Kreisbaumeister in Schlesien eingesetzt war er zuständig für den Landkreis Jauer, den Landkreis Lauban und den Landkreis Liegnitz. Gegen Ende des Jahrhunderts wurde er als Landesbauinspektor für das seit Januar 1868 weitgehend von Preußen verwaltete Fürstentum Waldeck-Pyrmont nach Arolsen versetzt. Im Jahr 1901 wurde er dort zum Regierungsbaumeister befördert und 1907 zum Baurat. In zeitgenössischen Berichten wurde er auch als Landesbaumeister und Landesbaurat bezeichnet, denn im Fürstentum bestand, wie in den preußischen Provinzen, eine eigene Bauverwaltung. Der großgewachsene Müller muss oft recht schroff im Umgang gewesen sein und wurde daher auch „Bölke-Müller“ genannt.Bölken = sich sehr laut äußern.
Wilhelm Müller starb 1928 im von ihm zum Wohnhaus ausgebauten Wollweberturm in Korbach. Er wurde auf dem alten Friedhof zwischen den Stadtmauern im Westen der Stadt bestattet. Es war sein Wunsch, dass ihm kein Grabstein gesetzt werden sollte.
Bauten und Entwürfe (Auswahl) Müllers Bauten waren im Geschmack der damaligen Zeit im Stil der Neogotik gestaltet, wobei Fachleute sogar in der „Müller-Gotik“ seine unverkennbar eigene Handschrift erkennen wollen. Bereits 1877–1878 war er für die Pläne des Neubaus der evangelischen Kirche in Frankenau verantwortlich; nahezu die gesamte Stadt mitsamt der Kirche war im April 1865 einem Stadtbrand zum Opfer gefallen. 1900–1902 wurde die Kirche in Hundsdorf erbaut. 1902 baute er ein Wohnhaus in Arolsen (heute Jahnstraße 11) für den Verwaltungsjuristen Walther Herwig (1838–1912), Doyen der deutschen Hochseefischerei und Förderer der deutschen Fischereiforschung.Ein Juwel in der Jahnstraße: Jugendstil-Villa renoviert, Hessische/Niedersächsische Allgemeine, 15. November 2019. 1903–1904 wurde an der Enser Straße in Korbach nach Müllers Plänen eine neue Volksschule gebaut. Sie beherbergte ab 1913 prinzipiell nur noch die Höhere Töchterschule, ab 1939 die daraus hervorgegangene Mittelschule für Knaben und Mädchen. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde daraus eine Realschule, und seit 1977 ist dem (inzwischen erweiterten) Bau die heutige Schule am Enser Tor untergebracht. 1905 wurde nach seinen Plänen in Korbach die Villa „Peterhof“ (heute Medebacher Landstraße 6) für den Unternehmer Louis Peter (1841–1921) fertiggestellt.Villa Peterhof während der NS-Zeit auf www.gedenkportal-korbach.de Ebenfalls 1905 entstand ein repräsentatives Gebäude für die Kreissparkasse, heute Prof.-Bier-Straße 9; dort waren später verschiedene Dienststellen des Landratsamtes untergebracht. Heute ist das Gebäude im Besitz der Hessisch-Thüringischen Brandversicherungsanstalt Kassel-Erfurt. Am 3. Juni 1905 wurde Müllers wohl bekanntester Bau eingeweiht, der Georg-Viktor-Turm auf dem Eisenberg bei Korbach, neben der Burgruine Eisenberg. Am 13. Juli 1905 wurde in Alleringhausen, das zuvor keine Kirche hatte, die von Louis Peter gestiftete und nach Müllers Plänen erbaute evangelische Kirche eingeweiht. Ebenfalls 1905 wurde das „Blau-Kreuz-Gebäude“ in Korbach fertiggestellt, ein Vereinshaus mit großem Saal für den örtlichen Blau-Kreuz-Verein zur Bekämpfung der Trunksucht. 1942 kaufte die Stadt das Gebäude und nutzte es in den Kriegsjahren als Lazarett und danach als Stadthalle für Konzerte, Tanzveranstaltungen und Versammlungen. Der Bau wurde 1972–1973 abgebrochen, und heute befindet sich dort (Poststraße 3) das Postamt. Zwischen 1905 und 1908 entstanden die von Müller entworfenen Volksschulen in Mühlhausen, in Flechtdorf und in Goddelsheim. 1906–1908 wurde die Evangelische Kirche Wirmighausen neben einer 1907 abgerissenen und aus dem 15. Jahrhundert stammenden Kapelle erbaut. Sich selbst baute er ein eindrucksvolles Heim in Korbach, das er „Hagenburg“ nannte.Hagen bezeichnete in Korbach den Bereich zwischen der inneren und der äußeren Stadtmauer. Bereits 1901 erwarb er den halb verfallenen Wollweberturm und den umliegenden Bereich vor und hinter der inneren Stadtmauer von Fürst Friedrich von Waldeck und Pyrmont. Er ließ den Turm renovieren und zu Wohnzwecken ausbauen und ein Wohnhaus anbauen. Nach Müllers Tod wurden Turm und Wohnhaus 1929 an die Waldecksche Dominialverwaltung verkauft. Das Gebäude diente danach bis in die Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg als Forstamt. Heute befindet sich in diesen beiden Gebäuden ein Restaurant. 1906–1907 erarbeitete Müller einen Plan zur städtebaulichen Vergrößerung der Stadt Korbach, da deren bebaute Fläche bis dahin im Wesentlichen auf den Bereich innerhalb der alten Stadtmauern beschränkt war und angesichts der Industrialisierung und des Bevölkerungswachstums nicht mehr ausreichte. Der Plan sah eine ringartige Erweiterung und die Anlage eines entsprechenden künftigen Straßennetzes vor; er musste allerdings wegen der unerwartet schnellen Entwicklung der Stadt schon nach wenigen Jahren weiterentwickelt werden.
Galerie
Ehrung In den 1970er Jahren ehrte ihn die Stadt Korbach, indem sie eine kurze Wohnstraße im Nordosten Wilhelm-Müller-Weg benannte.
Weblinks
Wilhelm Müller, bei regiowiki.hna.de Wilhelm Müller in der Datenbank Architekten und Künstler mit direktem Bezug zu Conrad Wilhelm Hase (1818–1902), zuletzt abgerufen am 1. August 2026
Einzelnachweise
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