Walther Ludvig Halvorsen (geboren am 1. März 1887 in Kristiania (heute Oslo); gestorben am 18. Dezember 1972 in Oslo) war ein norwegischer Maler, Kunstkritiker, Kunsthändler und Mäzen. Er organisierte bedeutende Ausstellungen, die maßgeblich dazu beitrugen, Kunstwerke des Impressionismus, Postimpressionismus und Kubismus in Skandinavien bekannt zu machen. Durch seine Vermittlung gelangten mehrere Gemälde in die Sammlung des Nationalmuseums für Kunst, Architektur und Design in Oslo.
Leben Walther Halvorsen kam 1887 als Sohn des Böttchers Johan Halvorsen und seiner Frau Henriette, geborene Bredesen, in Kristiania (heute Oslo) zur Welt. Seine künstlerische Ausbildung begann er 1907 mit einem Studium der Malerei bei Oluf Wold-Torne an der Statens Håndverks- og Kunstindustriskole in Oslo. Im Sommer 1908 gehörte er zu einem Malerkreis in Lillehammer, dem sich auch die Künstler Henrik Sørensen, Axel Revold und Einar Sandberg angeschlossen hatten. Seine Bilder zeigte er 1908 und 1909 in den jährlichen staatlichen Herbstausstellungen in Oslo. Der in Paris lebende norwegische Maler Jean Heiberg vermittelte Halvorsen den Kontakt zu Henri Matisse, bei dem er 1909–1910 Unterricht nahm. 1910 kehrte Halvorsen nach Oslo zurück. 1912 nahm er erneut an der staatlichen Herbstausstellung teil, wo er sein Bild Die Kreolin im Stil von Matisse zeigte.Nils Messel: The Impressionist Trail. The What, Whence and Whither of French Masterpieces in Norway, S. 102.
Ab 1909 begann Halvorsen als Autor zu arbeiten. Er schrieb als Kunstkritiker für die norwegischen Zeitungen Aftenposten, Verdens Gang und DagbladetKurzbiografie auf der Homepage des British Museums in London und verfasste Artikel über Künstler wie Henri Matisse, Vincent van Gogh und Edvard Munch. In der in Stockholm erscheinenden Svenska slöjdföreningens Tidsskrift veröffentlichte er 1914 einen Artikel über den norwegischen Bildhauer Dagfin Werenskiold.Artikel Dagfin Werenskiold in Svenska slöjdföreningens Tidsskrift, Nr. 10, Stockholm 1914, S. 151–156. Zudem schrieb er 1911 für die in Paris erscheinende Zeitung La Revue scandinave einen Artikel über junge norwegische KünstlerArtikel Jeunes peintres norvégiens in La Revue scandinave, Paris 1911, S. 575–83. und brachte 1914 ein Buch über den norwegischen Maler Halfdan Egedius heraus.Nils Messel: The Impressionist Trail. The What, Whence and Whither of French Masterpieces in Norway, S. 102.
Am 10. Juni 1913 heiratete Halvorsen die französische Schauspielerin Greta Prozor, die im Vorjahr in Kristiania als Hedda in Henrik Ibsens Stück Hedda Gabler auf der Bühne stand. Das Paar lebte überwiegend in Paris, unterbrochen von Sommeraufenthalten in Norwegen. Halvorsen sprach fließend französisch und war mit einer Reihe von Künstlern und Kunsthändlern befreundet.Nils Messel: The Impressionist Trail. The What, Whence and Whither of French Masterpieces in Norway, S. 100. Insbesondere bei Henri Matisse war Halvorsen wiederholt zu Gast, sowohl in seiner Pariser Wohnung wie auch in seinem Sommerhaus in Issy-les-Moulineaux.Nils Messel: The Impressionist Trail. The What, Whence and Whither of French Masterpieces in Norway, S. 104. Das Paar Halvorsen/Prozor bewohnte in Paris eine repräsentative Wohnung an der Place du Palais de Bourbon, dessen Esszimmer der Maler André Derain mit Wanddekorationen ausmalte.Nils Messel: The Impressionist Trail. The What, Whence and Whither of French Masterpieces in Norway, S. 101. Zudem schmückten Werke von Künstlern wie Pierre-Auguste Renoir, Pablo Picasso, Paul Cézanne und Henri Matisse die Wohnung.Nils Messel: The Impressionist Trail. The What, Whence and Whither of French Masterpieces in Norway, S. 101. Befreundete Künstler schufen Porträts von Greta Prozor, darunter ein 1914 entstandenes Bildnis von Jean Heiberg (Statens Museum for Kunst, Kopenhagen)Portræt af Fru Prozor Halvorsen im Statens Museum for Kunst und ein Portrait de Greta Prozor von Henri Matisse (Musée National d’Art Moderne, Paris).Portrait de Greta Prozor in der Datenbank des Musée national d’art moderne - Centre Pompidou
Zu Beginn der 1920er Jahre gab es für Halvorsen eine Reihe von einschneidenden Veränderungen. Eine Wirtschaftskrise in Skandinavien brachte den bis dahin florierenden Kunstmarkt für moderne Gemälde nahezu zum Erliegen.Christel H. Force: A Viking Sailing over the Savage Sea, Far, Far to the North: Walther Halvorsen, S. 145. Halvorsen spielte fortan im Kunsthandel der nordischen Länder nicht mehr die bisher dominante Rolle. Hierzu trug auch der Skandal um sechs Werke von Courbet bei, die Halvorsen 1920 dem Autohändler Bertel O. Steen verkauft hatte, bei denen sich später beim Versuch des Weiterverkaufs jedoch herausstellte, dass es keine Originalwerke des Künstlers waren.Nils Messel: The Impressionist Trail. The What, Whence and Whither of French Masterpieces in Norway, S. 306. Nach der Scheidung von Greta Prozor heiratete Halvorsen 1923 die norwegische Malerin Anita Mowinckel, die seit 1919 in Paris studierte. Aus dieser Ehe gingen die 1924 geborene Anita Louise Henriette Marcelle Halvorsen und die 1930 geborene Celine Halvorsen hervor.
Nachdem Halvorsen bereits 1913 den deutschen Galeristen Alfred Flechtheim bei der Ausstellung zeitgenössischer norwegischer Künstler in Düsseldorf, Barmen und München unterstützt hatte,Nils Messel: The Impressionist Trail. The What, Whence and Whither of French Masterpieces in Norway, S. 100. begann er im Ersten Weltkrieg verstärkt als Kunstexperte und Kunsthändler zu wirken.Christel H. Force: Pioneers of the global art market: Paris-based dealer networks, 1850-1950, S. 135–138. Er trat dabei nicht als Galerist mit eigenen Geschäftsräumen auf, sondern arbeitete eher als Kunstvermittler. Dabei half ihm ein ausgedehntes Netz an persönlichen Beziehungen. So war er bekannt mit dem Margarinefabrikanten und Kunstsammler Auguste Pellerin, der als Konsul für Norwegen in Paris tätig war,Christel H. Force: A Viking Sailing over the Savage Sea, Far, Far to the North: Walther Halvorsen, S. 136. und verkehrte mit den Geschwistern Leo, Michael und Gertrude Stein, bei denen er Werke von Pablo Picasso sah. Mit Michaels Frau Sarah Stein hatte Halvorsen zuvor die Kunstschule bei Matisse besucht.Christel H. Force: A Viking Sailing over the Savage Sea, Far, Far to the North: Walther Halvorsen, S. 136. Weiterhin stand er im Austausch mit den in Paris ansässigen Kunsthändlern Paul Durand-Ruel, Ambroise Vollard, Bernheim-Jeune, Paul Rosenberg und Daniel-Henry Kahnweiler.Christel H. Force: A Viking Sailing over the Savage Sea, Far, Far to the North: Walther Halvorsen, S. 136. mini|Zu Besuch bei Pierre-Auguste Renoir in Cagnes-sur-mer: Renoir sitzend, dahinter Albert Marquet, Walther Halvorsen, Henri Matisse und Renoirs Modell Catherine Hessling. Seine Kunden fand Halvorsen in den skandinavischen Ländern Dänemark, Norwegen und Schweden. Während des Krieges war in Frankreich der zuvor bedeutende Kunsthandel mit Deutschland nahezu zusammengebrochen und auch die kaufkräftigen Kunden aus den Vereinigten Staaten fehlten dem Pariser Kunstmarkt.Nils Messel: The Impressionist Trail. The What, Whence and Whither of French Masterpieces in Norway, S. 102. 1914 wandte sich Alice Derain, die Frau des Malers André Derain, an Halvorsen mit der Bitte um Hilfe. Ihr Mann war an der Front, sein Kunsthändler im Exil und sie selbst in finanzieller Notlage. Halvorsen konnte wenig später bei einer Reise nach Kristiania seinen Künstlerfreunden Erik Werenskiold, Jean Heiberg und Henrik Sørensen je ein Werk von Derain verkaufen.Christel H. Force: A Viking Sailing over the Savage Sea, Far, Far to the North: Walther Halvorsen, S. 137. Anschließend wurde Halvorsen – bis zur Rückkehr von Kahnweiler – der bevorzugte Kunsthändler Derains.Christel H. Force: A Viking Sailing over the Savage Sea, Far, Far to the North: Walther Halvorsen, S. 138. Neue Sammler fand Halvorsen in Norwegen unter den vermögenden Reedern, die von der boomenden Börse und dem erhöhten Bedarf an Schiffskapazitäten profitierten. So gehörten beispielsweise Tryggve Sagen, Jørgen Breder Stang und Ragnar Moltzau zu den Sammlern, die an moderner Kunst interessiert waren. Aber auch Kontakte zu dem Direktor der Nationalgalerie in Oslo, Jens Thiis, und dem Leiter des Schwedischen Nationalmuseum in Stockholm, Richard Bergh, halfen Halvorsen bei der Vermittlung von Kunstwerken nach Skandinavien.Christel H. Force: A Viking Sailing over the Savage Sea, Far, Far to the North: Walther Halvorsen, S. 107.
Bei einem Treffen von Halvorsen mit Pablo Picasso und Amedeo Modigliani im Pariser Café de la Rotonde entstand die Idee, eine umfangreiche Ausstellung mit Werken zeitgenössischer Künstler in Kristiania zu veranstalten. Diese Ausstellung fand Ende 1916 unter dem Titel Den franske utstilling im Haus des Künstlerbundes Kunstnerforbundet statt. Gezeigt wurden 160 Werke von 24 Künstlern, darunter Arbeiten von André Derain, Pierre Bonnard, Othon Friesz, Albert Gleizes, Fernand Léger, Albert Marquet, Henri Matisse und Pablo Picasso.Christel H. Force: A Viking Sailing over the Savage Sea, Far, Far to the North: Walther Halvorsen, S. 138. Die Werke kamen überwiegend direkt von den Künstlern, je drei Werke steuerten die Kunsthandlung Bernheim-Jeune und der Modeschöpfer Paul Poiret bei.Christel H. Force: A Viking Sailing over the Savage Sea, Far, Far to the North: Walther Halvorsen, S. 138. Im Katalog zur Ausstellung gab es Begleittexte der Schriftsteller Guillaume Apollinaire, Jean Cocteau und André Salmon.Christel H. Force: A Viking Sailing over the Savage Sea, Far, Far to the North: Walther Halvorsen, S. 138. Zur Ausstellung erschienen gute Kritiken in den Zeitungen und es konnten eine Reihe von Kunstwerken verkauft werden.Christel H. Force: A Viking Sailing over the Savage Sea, Far, Far to the North: Walther Halvorsen, S. 139. Ebenfalls 1916 versuchte Halvorsen dem Stockholmer Nationalmuseum die aus der Sammlung von Leo Stein stammende Gouache Famille d'acrobates avec singe von Pablo Picasso zu verkaufen. Das Museum lehnte jedoch ab und er verkaufte das Bild an den Sammler Conrad Pineus, der es wiederum 1922 dem Göteborgs konstmuseum verkaufte.Christel H. Force: A Viking Sailing over the Savage Sea, Far, Far to the North: Walther Halvorsen, S. 140. Zusammen mit Greta Prozor, Henri Matisse und Albert Marquet besuchte Halvorsen im März 1918 den 77-jährigen Pierre-Auguste Renoir in seinem Haus in Cagnes-sur-Mer in Südfrankreich.Christel H. Force: Pioneers of the global art market: Paris-based dealer networks, 1850-1950, S. 145.