Der Wächterpreis der deutschen Tagespresse ist eine Auszeichnung für Journalisten und Redaktionen, die seit 1969 jährlich von der Stiftung Freiheit der Presse vergeben wird, seit 2026 gemeinsam mit dem Bundesverband Digitalpublisher und Zeitungsverleger (BDZV).

Ausgezeichnet wird kritische und investigative Berichterstattung über Korruption, Vetternwirtschaft, Missstände und Missbrauch. Die couragierte Berichterstattung soll durch die Auszeichnung gewürdigt werden. Außerdem wird der Preis für Abwehr von Angriffen auf die Pressefreiheit vergeben.

Zuletzt wurden jährlich erste, zweite und dritte Preise vergeben, die jeweils mit 10.000 €, 6.000 € und 4.000 € dotiert waren. 2026 wurden erstmals der Wächterpreis, dotiert mit 6.000 €, und das Wächterpreis-Stipendium für die investigative Leistung einer Redaktion, dotiert mit 10.000 € vergeben.

Geschichte In der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg wurden von den Westalliierten Lizenzen für neue Zeitungsverlage vergeben. Die Verlage mussten hierbei 20 % ihres Gewinns abführen, um ein Programm zum Wiederaufbau der Presselandschaft zu finanzieren.

1947 wurde die Wirtschaftliche Genossenschaft der Presse gegründet, die das schnell wachsende Vermögen in Form von Startkapital-Krediten an neu gegründete Zeitungsverlage vergeben sollte. 1948 standen rund 36 Millionen Reichsmark zur Verfügung, nach der Währungsreform im Juni 1948 noch 3,5 Millionen DM.

Da der Lizenzzwang im Juni 1949 aufgehoben wurde, war das Vermögen der Genossenschaft bald aufgebraucht. Mit Hilfe eines Kredits aus dem Programm Government Appropiations for Relief in Occupied Areas in Höhe von 15 Millionen DM konnte die Genossenschaft weiter betrieben werden.

Nach Rückzahlung dieses Kredits standen noch 3,2 Millionen DM aus Lizenzeinnahmen zur Verfügung. Mit diesem Vermögen wurde am 31. Januar 1967 die Stiftung „Freiheit der Presse“ ins Leben gerufen, die bis heute den Wächterpreis verleiht.

Vergabe Der Preis wird seit 2026 von einer gemeinsamen Jury für den Theodor-Wolff-Preis und den Wächterpreis verliehen.

Preisträger 1969 Ulrich Manz (Weser-Kurier): Berichterstattung über den Bremer Bauskandal

1970 bis 1979 1970 1970 fand keine Vergabe statt

1971 1. Preis: Ernst Geis und Bernd Kollmann (Express): Skandal im Klingelpütz (siehe Klingelpütz-Affäre) 2. Preis: Alfons Schiele (Stuttgarter Nachrichten): Bericht über die Zugkatastrophe von Rheinweiler

1972 1. Preis: Otto Vilser (Süddeutsche Zeitung): Berichte über städtebauliche Missstände in München 2. Preis: Helmut Locher (Düsseldorfer Nachrichten): Aufdeckung von Missständen in der sozialtherapeutischen Modellanstalt Düren

1973 1. Preis: Alexander Hoffmann (Frankfurter Neue Presse): Bericht über das Verhältnis von Stadtrat zum Oberbürgermeister 2. Preis: Alfred Faber (Der Tagesspiegel): Widerspruch zwischen Stadtplanung und Erhalt von Grünflächen 3. Preis: Michael Schnieber (Schwäbische Zeitung): Bericht über die zweifelhafte Vergabe von Bauplätzen

1974 1. Preis: Klaus Fischer (Schwäbische Zeitung): Bericht zu überhöhten Diäten durch falsche Angaben 2. Preis: Erich Kieckhöfel (Rhein-Zeitung): Der Fall Rengsdorf oder das Millionending 3. Preis: Christof Baudrexel (Schwarzwälder Bote): Bericht über die schlechte Unterbringung von Aussiedlern

1975 1. Preis: Uwe Schlicht (Der Tagesspiegel): Berichte über die Überprüfung der Verfassungstreue bei Beamten 2. Preis: Rudolf Reinhardt (Frankfurter Allgemeine Zeitung): Möblierte Herren vom Bürgermeister 3. Preis: Jürgen Steinhoff (Express): Berichterstattung über die Spesenaffäre bei einer Versicherungskasse

1976 1. Preis: Dieter Hünerkoch (Bremer Morgenpost): Serie über den Bremer Müllskandal 2. Preis: Theo Löbsack (Stuttgarter Zeitung): Berichterstattung über den Einsatz von Antibiotika bei der Kälberzucht 3. Preis: Egbert Braun (Darmstädter Echo): Flussregulierung im Gersprenztal

1977 1. Preis: Werner Brock (Stuttgarter Zeitung): Berichte über den Missbrauch von amtlich erhobenen, vertraulichen Personaldaten in Baden-Württemberg 2. Preis: Maria Roßgoderer (Passauer Neue Presse): Enthüllung zweifelhafter Praktiken bei der Grundstücksvergabe in Vilshofen 3. Preis: Ulrich Mackensen (Frankfurter Rundschau): Untersuchung eines antisemitischen Vorfalls an der Bundeswehrhochschule München

1978 1. Preis: Renate Holbach (Rhein-Zeitung): Beitrag über psychisch kranke, jugendliche Straftäter 1. Preis: Rolf-Dieter Krause (Westfälische Rundschau): Beitrag über Grundstückgeschäfte im Zusammenhang mit der Aufstellung eines Bebauungsplanes 2. Preis: Georg Bönisch (Kölnische Rundschau): Berichte über Pannen bei der Fahndung nach den Schleyer-Entführern 3. Preis: Anton Andreas Guha (Frankfurter Rundschau): Kontrollpraktiken des Bundesgrenzschutzes in Zusammenarbeit mit dem Verfassungsschutz und dem BND

1979 1. Preis: Klaus Kottenkamp (Westdeutsche Allgemeine Zeitung): Berichte über einen Eigenheim-Bauskandal 2. Preis: Margret Schencking (Süddeutsche Zeitung): Untersuchung der Folgen einer Entscheidung des Bundesgerichtshofs 3. Preis: Dagmar Kutscher (Augsburger Allgemeine): Aufdeckung eines skandalösen Abschiebungsfalls

1980 bis 1989 1980 1. Preis: Ulrich Ritzel (Schwäbische Zeitung): Berichterstattung über ein sogenanntes Bürgerzentrum in Friedrichshafen 2. Preis: Jochen Nottrott (Frankfurter Rundschau): Untersuchung des Maritima-Skandals 3. Preis: Johann Freudenreich (Süddeutsche Zeitung): Aufdeckung einer bedenklichen Dienstanweisung der Münchener Polizei

1981 1. Preis: Uwe Jacobi (Heilbronner Stimme): Serie über die verschwundenen Heilbronner Ratsprotokolle aus der Nazizeit 2. Preis: Winfried F. Szodruch (Westdeutsche Allgemeine Zeitung): Berichterstattung über Missstände beim Sozialwerk St. Georg in Gelsenkirchen 3. Preis: Monika Scholten (Augsburger Allgemeine): Behandlung eines Falles der Vermischung von öffentlichen und privaten Interessen

1982 1. Preis: Knut Siewert (Hohenloher Tagblatt): Bericht über kommunalpolitische Selbstherrlichkeit in einer kleinen Stadt 2. Preis: Herbert Riehl-Heyse (Süddeutsche Zeitung): Darstellung menschlicher Unzulänglichkeiten im rechtsstaatlichen Alltag 3. Preis: Klaus-Werner Schunk (Rhein-Neckar-Zeitung): Aufdeckung eines prominenten Falles der Verquickung von wirtschaftlichen Interessen und politischem Mandat

1983 1. Preis: Bernd Stadelmann (Stuttgarter Nachrichten): Berichte über die gesetzeswidrige Verwendung von Hotelmeldezetteln durch den Verfassungsschutz 2. Preis: Winfried Rohloff (Frankfurter Rundschau): Untersuchung einer Korruptionsaffäre im Wetteraukreis 3. Preis: Michael S. Koziol, Gerd E. Haida und Alfred Schmidt (Haller Tagblatt): Berichte über Gantenwald (nahe Bühlerzell), eine Zwangsaufenthaltsstätte für ausländische Mütter und deren Kinder im Dritten Reich

1984 1. Preis: Udo Röbel (Express): Berichterstattung über die Kießling-Affäre 2. Preis: Wolfgang Heubach und Joachim Friedrich (Kreiszeitung Böblinger Bote): Beitrag über Wegfall von 80 Arbeitsplätzen durch Grundstücksspekulation 3. Preis: Friedhelm Fiedler (Stuttgarter Nachrichten): Beitrag über die Blockade in Möhringen

1985 1. Preis: Christine Jäckel (Hannoversche Allgemeine Zeitung): Bericht über Missachtung der menschlichen Würde am Beispiel einer Organspende 2. Preis: Hildegund Oßwald (Stuttgarter Zeitung): Beitrag über Benachteiligung von weiblichen Lehrstellenbewerbern durch Arbeitsämter 3. Preis: Hans Frieder Baisch, Bernhard Kolb und Kurt Leidner (Pirmasenser Zeitung): Serie Die verratene Region, über das Missverhältnis zwischen Versprechungen der Politiker und der Wirklichkeit

1986 1. Preis: Ulrich Neufert (Hannoversche Allgemeine Zeitung): Aufdeckung eines Sprengstoffanschlages auf die Mauer der JVA Celle durch den Verfassungsschutz 2. Preis: Heinz-Jürgen Ziller (Westfälischer Anzeiger): Titelschwindel und Bestechungsskandal (sogenannte Masannek-Affäre) in der Stadt Hammmachtvonunten.de, Artikel aus 1986: Die Giftmüll-Mafia, abgerufen am 9. September 2023 3. Preis: Wilfried Voigt (Frankfurter Rundschau): Untersuchung von Missständen in der Leitung der chirurgischen Großabteilung eines Krankenhauses

1987 1. Preis: Michael Emmrich (Frankfurter Rundschau): Berichte über Intoleranz in einer hessischen Gemeinde gegenüber einem jüdischen Arzt 2. Preis: Cornelia Bolesch, Frauke Henning-Bodewig, Klaus Ott und Karl-Otto Saur (Süddeutsche Zeitung): Artikelserie über Schleichwerbung im Fernsehen 3. Preis: Günter Stefan Cossmann (Badische Neueste Nachrichten): Berichterstattung über Verschwendung von Steuergeldern im Landeshaushalt

1988 1. Preis: Michael Stiller (Süddeutsche Zeitung): Aufdeckung der Verwicklungen des Präsidenten der Bayerischen Landesbank in private Geschäfte 2. Preis: Michael Reinhard, Christoph Stollowsky und Andreas Werner (Frankfurter Rundschau): Einsatz zugunsten einer von Abschiebung bedrohten Asylbewerber-Familie 3. Preis: Justin Westhoff (Der Tagesspiegel): Beiträge über Risiken der Zelltherapie

1989 1. Preis: Kurt Kister (Süddeutsche Zeitung): Aufdeckung der Verbindungen, die MdB Alfred Mechtersheimer mit Gaddafi unterhalten hatte 2. Preis: Hans-Joachim Lang (Schwäbisches Tagblatt): Untersuchung der Praktiken einer Großen Strafkammer am Tübinger Landgericht 3. Preis: Gerd Kempf (Heilbronner Stimme): Aufdeckung des Finanzgebarens eines als gemeinnützig anerkannten Vereins

1990 bis 1999 1990 1. Preis: Jan von Flocken, Erwin Jurtschitsch und Michael Klonovsky (Der Morgen): Aufdeckung und Behandlung von Menschenrechtsverletzungen durch die DDR-Justiz 2. Preis: Angela Böhm (Abendzeitung): Artikel über dubioses Grundstücksgeschäft der Münchner Caritas 3. Preis: Wolfgang Eitler (Dachauer Neueste Nachrichten): Artikelserie über skandalöse Geschäfte im Zusammenhang mit dem Pflegenotstand

1991 1. Preis: Rolf Hartmann (Westdeutsche Allgemeine Zeitung): Aufdeckung der gegenseitigen Begünstigung von Bochumer Ratsmitgliedern bei städtischen Aufträgen und Grundstücksverkäufen 2. Preis: Barbara Debus (taz): Aufdeckung von Ämterschacher in Bremen – eigens für einen Parteipolitiker sollte eine Professur für politische Wissenschaften eingerichtet werden 3. Preis: Marc Frey (Frankfurter Rundschau): Artikelserie über Ausbreitung und Einfluss des organisierten Verbrechens im Rhein-Main-Gebiet

1992 1. Preis: Hannes Krill (Süddeutsche Zeitung): Artikelserie über die Missstände beim ärztlichen Dienst der Arbeitsämter 2. Preis: Bettina Markmeyer und Henrike Thomsen (taz): Berichterstattung über einen Racheakt von deutschen Jugendlichen an einem rumänischen Asylbewerber 3. Preis: Karl-Friedrich Kassel und Jörn Rehbein (Elbe-Jeetzel-Zeitung): Berichte über Korruption von Kommunen durch hohe Zuwendungen aus dem Gorleben-Fonds, um ein wohlwollendes Verhalten gegenüber dem Brennelemente-Zwischenlager Gorleben zu erreichen

1993 1. Preis: Susanne Leimstoll, Joa Schmid und Reimund Schwarz (Neue Württembergische Zeitung und Mitteldeutscher Express): Aufdeckung von Betrug durch einen westdeutschen Unternehmer in Ostdeutschland 2. Preis: Fridolin Engelfried, Christiane Schlötzer-Scotland, Hans Holzhaider, Klaus Ott und Michael Stiller (Augsburger Allgemeine und Süddeutsche Zeitung): Enthüllungen in der Amigo-Affäre 3. Preis: Gerdpeter Hohaus (Hamburger Morgenpost): Berichterstattung über den Bestrahlungskandal in einer Hamburger Klinik

1994 1. Preis: Karl-Heinz Steinkühler und Hans-Joachim Block (Neue Westfälische): Aufdeckungen im Balsam-Skandal.Christof Bock (dpa): Vor zehn Jahren: Balsam-Milliardenpleite erschüttert die Finanzwelt. In: stern.de, 10. Juni 2004 2. Preis: Michael Emmrich (Frankfurter Rundschau): Berichterstattung über Pläne des Europarats, Gen-Manipulation zu ermöglichen 3. Preis: Josef-Otto Freudenreich (Stuttgarter Zeitung): Berichterstattung über skandalöse Trainingsmethoden bei jungen Eiskunstläufern

1995 1. Preis: Detlev Drewes (Augsburger Allgemeine): Aufdeckung von kriminellem Datenmissbrauch zur Vermittlung von Kinderprostitution