mini|Herrenhaus Isterbies, 2022. mini|Herrenhaus Ende 19. Jahrhundert.

Das Herrenhaus Isterbies ist ein denkmalgeschütztes Herrenhaus westlich der Patronatskirche Isterbies im zur Gemeinde Möckern gehörenden Dorf Isterbies in der Lindenstraße 12 in Sachsen-Anhalt.

Architektur Der zweigeschossige verputzte Bau entstand im 18. Jahrhundert im Stil des Barocks. Die Fassade des auf einem Sockel errichteten Baus ist elfachsig ausgeführt. Das von Pilastern gerahmte Eingangsportal befindet sich in der mittleren Achse und ist über eine geschwungene zweiläufige Freitreppe zu erreichen. Oberhalb des Portals befindet sich ein Segmentgiebel. An den Gebäudeecken finden sich mit einer Quaderung versehene Lisenen. Es besteht ein geputztes umlaufendes Gesims. Bedeckt wird der große Bau von einem stattlichen Walmdach.

Geschichte Das Gebäude war das Herrenhaus des Gutes Isterbies, welches in der Frühzeit mehreren alten Adelsfamilien gehörte, so zunächst um 1427 im Besitz des Hans Hune und Balthasar (von) Bardeleben in ihrer Eigenschaft als Lehnsleute des Erzstifts Magdeburg. Sie verzichten lange auf das Adelsprädikat von, obwohl sie dem Uradel angehörten. Die Bardeleben verkauften das Gut an das Jungfrauenkloster Ziesar, die wiederum 1470 die Begüterung an die Familie von Barby veräußerten. 1596 folgte Hilmar von Lampe, 1601 die von Lattorff. Der briefadelige (nach 1400 nobilitiert) Kommandant von Magdeburg und churbrandenburgische Oberst Johann Schmied von SchmiedseckVgl. George Adalbert von Mülverstedt, Ad. M. Hildebrandt: J. Siebmacher’s großes und allgemeines Wappenbuch. Neu-Auflage(n). Band 6/6: Ausgestorbener Preussischer Adel. Provinz Sachsen (exl. der Altmark). Bauer und Raspe Emil Küster, Nürnberg 1884, Taf. 98, S. 150/151. baute den Besitz aus. In der jüngeren denkmalsgerechten Überlieferung wurde zu seiner Zeit nachzitiert: und ist dieses Isterbüst sonst ein wohlgebautetes Hauss.Ernst Wernicke: Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler der Kreise Jerichow. In: Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler. Heft XXI, Hrsg. Historische Kommission Provinz Sachsen Verlag von Otto Hendel, Halle a. d. S. 1898, S. 117/118. Ende des 17. Jahrhunderts erfolgte der Übergang, durch verkauf des Sohnes, Major Wilhelm Ludwig Schmied von Schmiedseck, inL. Clericus: Der Deutsche Herold. Jahrgang 9-1878, Mit: Zur Genealogie derer v. Möllendorff. Hrsg. Herold (Verein), Berlin Januar 1878, S. 42/43. die Familie von Möllendorff, was sich auch mit einem Allianzwappen in der Dorfkirche Isterbies darstellt. Der vielfache Wechsel der Gutsherrschaft ging so weiter, Familie von Böltzig, 1794 von Benningsen,Vgl. Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Adeligen Häuser. (Uradel). 1900. Jahrgang 1, Justus Perthes, Gotha Januar 1900/Dezember 1899, S. 76 f. dann bürgerlicher Besitzer. Einige Jahrzehnte war der erfolgreiche Landwirt Hermann Gropp (* 1811; † 1889),Deutsches Geschlechterbuch. Band 149, Band Pfalz. 3, C. A. Starke, Limburg an der Lahn 1970, S. 53. auch Gropp-Isterbies genannt, der örtliche Gutsherr. Er übte sich von der Fachwelt kritisch bedachtZur Abwehr, Isterbies am 31. März 1852, In: Wilhelm Hamm: Agronomische-Zeitung. №. 16, Neue Folge, Jahrgang VII, Kommission Philipp Reclam, Leipzig, Freitag, den 16. April 1852, S. 249. in moderner Torfdrainage und baute Lupinen an, wechselte dann nach Boyenstein in Westfalen.Archiv für Landeskunde in den Großherzogthümern Mecklenburg und Revüe der Landwirthschaft. Jahrgang 7-1857, A. W. Sandmeyer, Schwerin 1857, S. 709.R. Buerstenbinder, K. Stammer (Hrsg.): Jahres-Bericht über die Erfahrungen und Fortschritte auf dem Gesammtgebiete der Landwirthschaft. Jahrgang 1-1886, Verlag von Friedrich Vieweg und Sohn, Braunschweig 1887, S. 21. H. Gropp publizierte mehrere Fachbücher und wurde Ober-Amtmann.Autorenschaft Hermann Gropp., DNB, Stand 2026.

Im Jahr 1892 erwarb die bürgerliche Familie Lucanus das Anwesen.Vgl. u. a. Pfarr-Almanach oder die evangelischen Geistlichen und Kirchen der Provinz Sachsen, der Graf(f)schaften Wernigerode, Roßla und Stolberg. Jahrgang 16, Selbstverlag Herausgeber, Magdeburg 1896/97, S. 70. Herr Carl Friedrich Robert Lucanus,Bernhard Koerner (Hrsg.): Deutsches Geschlechterbuch. Genealogisches Handbuch Bürgerlicher Familien. Band 20, Zeichnungen: Ad. M. Hildebrandt, A. von den Velden, Mit: Genealogie Lucanus II. C. A. Starke, Görlitz 1912, S. 290. verheiratet mit Margarete Lwowski, stammte vom Gut Libbesdorf-Anhalt. Ihre vier Kinder sind alle auf Isterbies geboren. Er wurde hiesiger Amtsvorsteher und Kirchenpatron. Oberhalb des Portals wurde dazu ein Wappen (in Silber auf grün ein Landsknecht in bl. Tracht) mit den Initialen der neuen Eigentümer angebracht. Isterbies beinhaltete als Rittergut um 1922 etwa 737 ha und war EigentumOskar Köhler, Gustav Wesche, H. Krahmer: Landwirtschaftliches Güter-Adreßbuch der Provinz Sachsen. 1922. Verzeichnis sämtlicher Rittergüter und Güter von ungefähr 20 ha herab mit Angabe der Gutseigenschaft, des Grundsteuerertrages, der Gesamtfläche und des Flächeninhalts der einzelnen Kulturen. Hrsg. Mit Unterstützung der Landwirtschaftskammer zu Halle a. S., In: Niekammer’s Landwirtschaftliche Güter-Adreßbücher. Band V, (Paul Niekammer), 3. Auflage, Kreis Jerichow I, Reichenbach’sche Verlagsbuchhandlung, Leipzig 1922, S. 26–27. der Witwe Lucanus, Verwalter Ober-Insepktor O. Zickler. Die Fläche des Gutes wurden 1928 formell Teil der Ortsgemeinde, blieben aber konventioneller privater Besitz. Letzter Gutsbesitzer und damit auch Schlossherr bis 1945 war Walter Lucanus, der nach Kriegsende verhaftet und im November wieder entlassen wurde.Annemarie Lüdicke: Vergessene Schicksale. Festnahmen in Mitteldeutschland. 1945 - 1961. Dem Gedenken der Toten. 1. Auflage, Extrapost-Verlag für Heimatliteratur, Zerbst 2004, ISBN 3-9807104-8-3, S. 179.

Im örtlichen Denkmalverzeichnis ist das Herrenhaus unter der Erfassungsnummer 094 40967 als Baudenkmal verzeichnet. Zeitweise wurde das Denkmal im Denkmalverzeichnis als Rittergut mit den Adressen Lindenstraße 1, 3, 4, 5, 7, 8, 9 und 12 geführt.Kleine Anfrage und Antwort Olaf Meister (Bündnis 90/Die Grünen), Prof. Dr. Claudia Dalbert (Bündnis 90/Die Grünen), Kultusministerium 19.03.2015 Drucksache 6/3905 (KA 6/8670) Denkmalverzeichnis Sachsen-Anhalt. Magdeburg 2015, S. 2497. PDF

Derzeit wird das Gebäude als privates Wohnhaus genutzt.

Literatur Alexander Duncker (Hrsg.): Die ländlichen Wohnsitze, Schlösser und Residenzen der ritterschaftlichen Grundbesitzer in der Preußischen Monarchie nebst den königlichen Familien-, Haus-, Fideicommiss- und Schattull-Gütern, nebst begl. Text. Band 16, Selbstverlag, Berlin 1881, Litho u. Blatt 911. Wilhelm van Kempen: Schlösser und Herrensitze in Provinz Sachsen und in Anhalt. In: Burgen, Schlösser, Herrensitze. Band 19, Weidlich, Frankfurt am Main 1961, S. 50. Thomas Nabert: Der Grossgrundbesitz in der preussischen Provinz Sachsen 1913 - 1933. Soziale Struktur, ökonomische Position und politische Rolle. Hrsg. Historischen Kommission Sachsen-Anhalt, Zugleich Diss. Univ. Halle 1992, In: Mitteldeutsche Forschungen. Band 107; Böhlau, Köln/Weimar/Wien 1992, ISBN 3-412-08392-5, S. 53. Georg-Dehio-Nachfolge/Dehio-Vereinigung e.V. (Hrsg.): Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler, Band: Sachsen-Anhalt. I, Regierungsbezirk Magdeburg. Deutscher Kunstverlag, München/Berlin 2002, ISBN 3-422-03069-7, S. 340.

Weblinks Verband Mittlere Elbe-Fläming: Gutshaus Isterbies Alle Burgen: Gutshaus Isterbies

Einzelnachweise

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