Die Weltsynode 2021–2024 (kurz: Synode 2021–2024, Weltsynode) wurde von Papst Franziskus einberufen. Sie sollte das Thema „Für eine synodale Kirche – Gemeinschaft, Teilhabe und Mission“ behandeln und mit der 16. ordentlichen Generalversammlung der Bischofssynode der römisch-katholischen Kirche in Rom abgeschlossen werden. Dies war ursprünglich für das Jahr 2023 geplant und wurde dann auf das Jahr 2024 ausgedehnt. Generalsekretär war der maltesische Kardinal Mario Grech.

Papst Franziskus veröffentlichte im Vorfeld der Weltsynode das Apostolisches Schreiben Laudate Deum, in welchem er sich gegen die Klimawandelleugnung und für zügige und umfassende Maßnahmen zur Bekämpfung der Klimakrise aussprach.

Die Weltsynode war der erste Prozess in der Kirchengeschichte, zu dem jedes Kirchenmitglied aufgerufen war, sich an der Vorbereitung zu beteiligen.

Vorgeschichte Die Organisation der Weltsynode erfolgt im ständigen Generalsekretariat der Bischofssynode als dauerhaftem Verfassungsorgan des Vatikans. Zum Generalrelator der Weltsynode ernannte Papst Franziskus am 8. Juli 2021 Jean-Claude Kardinal Hollerich SJ, Erzbischof von Luxemburg. Seit 2021 war mit Nathalie Becquart eine Frau für die Organisation der Weltsynode als Unterstaatssekretärin verantwortlich.

Die Weltsynode wurde als umfänglicher Prozess gestaltet. In einem 3-phasigen Verfahren, dessen Zeitplanung festgelegt wurde, sollen die Meinungen in der gesamten Breite der Weltkirche von allen Mitgliedern berücksichtigt werden können.

Ziel und Themen Das Ziel der Weltsynode war es, eine synodale Kirche zu leben, die die Teilhabe aller ermöglicht. Erreicht werden sollte eine neue Beratungs- und Beschlusskultur in der katholischen Kirche. Damit stärkt Papst Franziskus „die Gesamtheit der Gläubigen, die im Glauben nicht irren kann“ (Lumen gentium Nr. 12) gegenüber dem kirchlichen Lehramt. Auf diese Weise erhofft sich der Papst eine „synodale Bekehrung“ der Kirche (VD Nr. 2). Er habe damit gleichsam die „Reset-Taste gedrückt“, meint die Kirchenrechtlerin und Beraterin des weltweiten synodalen Prozesses, Myriam Wijlens. Der Papst und die Organisatoren legen Wert auf den geistlichen Aspekt der Synode, die Beratungen wurden von Gebeten und Gottesdiensten begleitet.Severina Bartonitschek: Ein Experiment mit offenem Ausgang. In: Tag des Herrn Nr. 39, 1. Oktober 2023, S. 5.

Nach der Initiierung durch den Papst im Herbst 2021 wurde vom Vatikan ein Vorbereitungsdokument (VD) erstellt, das unter anderem eine thematische Gliederung in zehn Themenfeldern vorsieht und von der Deutschen Bischofskonferenz als Vademecum konkretisiert wurde.

Diese Themenfelder sind: Die Weggefährten: In der Kirche und in der Gesellschaft gehen wir Seite an Seite auf der gleichen Straße. Zuhören: Das Zuhören ist der erste Schritt. Es erfordert aber, ohne Vorurteile, offenen Geistes und Herzens zu sein. Das Wort ergreifen: Alle sind eingeladen, mit Mut und Freimut [Parrhesie] zu sprechen, d. h. Freiheit, Wahrheit und Liebe zu integrieren. Feiern: Ein „gemeinsames Gehen“ ist nur möglich, wenn es im gemeinsamen Hören auf das Wort Gottes und in der Feier der Eucharistie gründet. Mitverantwortung in der Sendung: Die Synodalität steht im Dienst der Sendung der Kirche, an der teilzuhaben alle Glieder berufen sind. In der Kirche und in der Gesellschaft Dialog führen: Der Dialog ist ein Weg der Beständigkeit, der auch Schweigen und Leiden umfasst, aber in der Lage ist, die Erfahrungen der Menschen und der Völker aufzugreifen. Mit den anderen christlichen Konfessionen: Der Dialog unter Christen verschiedener Konfessionen, vereint in der einen Taufe, hat im synodalen Weg einen besonderen Rang. Autorität und Teilhabe: Eine synodale Kirche ist eine Kirche der Teilhabe und der Mitverantwortung. Unterscheiden und entscheiden: In einem synodalen Stil wird durch Unterscheidung auf der Basis eines Konsenses entschieden, der aus dem gemeinsamen Gehorsam gegenüber dem Geist hervorgeht. Sich in der Synodalität bilden: Die Spiritualität des „gemeinsamen Gehens“ ist dazu berufen, Bildungsprinzip der menschlichen und christlichen Person, der Familien und der Gemeinschaften, zu werden.

Erwartungen an die Weltsynode Katharina Ganz, Generaloberin der Dienerinnen der heiligen Kindheit Jesu, hoffte, dass die von Papst Franziskus angestoßene Weltsynode „letztlich eine Vorstufe […] zu einem dritten Vatikanischen Konzil“ sein könnte. „Vielleicht erleben wir das noch innerhalb der nächsten zehn Jahre. Die Tür ist vielleicht gerade noch geschlossen, aber hoffentlich nicht abgeschlossen.“

Angesichts des von einigen Gläubigen und Kirchenamtsträgern gesehenen Reformbedarfs in der römisch-katholischen Kirche mehren sich die Stimmen, die ein solches Konzil fordern.

Laut Cirill Tamás Hortobágyi OSB, dem Erzabt von Pannonhalma, will Franziskus mit dem Weg der Synodalität das Zweite Vatikanische Konzil (1962–1965) weiterführen: „Mit der kirchlichen Tendenz, erst einmal abzuwarten, kommen wir aber nicht weiter. Das Konzil wollte auch etwas ganz anderes: neue Wege einschlagen. Das müssen wir weiter tun“.

Ablauf Diözesane Phase In der diözesanen Phase von Oktober 2021 bis August 2022 sind in allen Diözesen (Bistümer oder Ortskirchen) der Welt möglichst alle Gläubigen zu Wort gekommen und konnten ihre Meinung beitragen. Die Zusammenfassungen dieser innerdiözesanen Rückmeldungen wurden dann als diözesane Stellungnahmen an die nationalen Bischofskonferenzen übermittelt.

Die einzelnen Bistümern haben die Beteiligung ihrer Kirchenmitglieder sehr unterschiedlich gestaltet. So hat das Bistum Basel sehr früh die Beteiligung abgeschlossen und die Ergebnisse veröffentlicht. Im Erzbistum Köln wurde die breite Kampagne „Sag’s dem Papst“ ins Leben gerufen, deren Ergebnisse von einer Diözesansynodalen Versammlung am 1. Mai 2022 beschlossen wurden. Andere Bistümer beteiligen lediglich die vorhandenen Gremien zur Vorbereitung ihrer Stellungnahme.

Es zeigte sich, dass in den einzelnen Diözesen vor allem kirchliche Reformen thematisiert und gefordert wurden. Dazu gehörten auch Forderungen, die erstmalig auf einer Weltbischofssynode erörtert würden, beispielsweise zu den Themen Zölibat, Homosexualität und Frauenordination. So wurde in diözesanen Stellungnahmen, die die Ergebnisse der Gläubigenbefragung zusammenfassen (z. B. Bistum Basel, Erzbistum Köln) die Einführung des Frauenpriestertums gefordert.

Auf der Basis der diözesanen Stellungnahmen sollten die nationalen Bischofskonferenzen bis zum August 2022 eine 10-seitige Zusammenfassung für den Vatikan erstellen. Zur nationalen Phase betonte die Untersekretärin der Bischofssynode, Schwester Nathalie Becquart: „Papst Franziskus hat es immer wieder gesagt und Kardinal Mario Grech und ich haben es immer wiederholt: Dies ist die wichtigste Phase der Synode, weil es darum geht, dem Volk Gottes zuzuhören – in all seiner Diversität.“

Anfang August 2022 wurde der 13-seitige Bericht der Deutschen Bischofskonferenz veröffentlicht, der die Rückmeldungen der 27 deutschen (Erz-)Diözesen und des Katholischen Militärbischofsamts zu den zehn Fragestellungen des weltweiten synodalen Prozesses zusammenfasst. Mit Blick auf synodale Prozesse zeige sich eine gewisse Ambivalenz. „Einige sind so enttäuscht, dass sie von einer neu beschworenen Synodalität nichts mehr erwarten. Andere lehnen diese ab und wollen, dass alles beim Alten bleibt“, heißt es in dem Dokument. Die große Mehrheit aber sehne sich nach einer „umfassenden Kultur der Synodalität, die von Offenheit, Empathie und Authentizität und einer Spiritualität des gemeinsamen Gehens geprägt ist“.

Im Bericht für die Weltsynode wurde auch der Synodale Weg in Deutschland thematisiert, dessen Ziel es ist, die systemischen Ursachen des Missbrauchs zu beseitigen und die Kirche zu erneuern, um das Evangelium in Zukunft wieder glaubhaft verkünden zu können. Die Synodalversammlungen fänden insgesamt ein breites Echo in der kirchlichen und außerkirchlichen Öffentlichkeit, „die Resonanz in den Gemeinden ist hingegen eher gering.“ Die Rückmeldungen aus den Diözesen wünschten jedoch, dass die Themen des Synodalen Wegs in Deutschland als „wichtige ortskirchliche Anliegen“ in die Weltbischofssynode eingebracht würden. Dies sei Voraussetzung für eine neue Glaubwürdigkeit der Kirche in Deutschland und ihrer Sendung.

Inhaltlich brauche es eine klare Positionierung der deutschen Bischöfe zu den drängenden Fragen dieser Zeit wie den gleichberechtigten Zugang aller Getauften – also auch der Frauen – zu den kirchlichen Ämtern, eine Neubewertung in der Sexualmoral und einen diskriminierungsfreien Umgang mit homosexuellen und queeren Menschen, um das Vertrauen in die Kirche wieder herzustellen. In Bezug auf den Missbrauchsskandal in der Kirche brauche es zudem eine klare Übernahme von Verantwortung, Kontrolle von Macht sowie den Versuch der Wiedergutmachung gegenüber den Betroffenen.

Vieles deutet darauf hin, dass die Themen des Synodalen Weges in Deutschland, die sich mit den jüngst veröffentlichten Rückmeldungen zur Weltsynode aus den deutschen Diözesen decken, keineswegs einen Sonderweg markieren, der in eine von der Weltkirche losgelöste „Nationalkirche“ führt. Die deutschen Reformthemen finden sich auch in den Stellungnahmen aus anderen Ländern, z. B. aus den Vereinigten Staaten, Australien, der Schweiz, Österreich, Belgien, Irland oder Großbritannien: die Missachtung von Frauen, Homosexuellen und anderen Gruppen, der Ausschluss der Frauen vom Diakonat und Priesteramt, der Widerstand der Bischöfe gegen jeglichen Wandel, die Wahrnehmung der Laien, dass ihre Erfahrungen und Meinungen in den Entscheidungen der Bischöfe keine Berücksichtigung finden und die Notwendigkeit, die Distanz zwischen Klerus und Laien zu verringern („need to bridge the gap“), um dem verbreiteten Klerikalismus entgegenzuwirken. In der irischen Kirche sprachen sich 96 % der befragten Katholiken für den Zugang der Frauen zum Priesteramt aus.

Kontinentale Phase Über die abgeschlossene erste Phase der Weltsynode hat der Vatikan berichtet und einen Ausblick auf die nächste Etappe geworfen. So erreichten das Synodenbüro etwas mehr als 100 Zusammenfassungen der insgesamt 114 Bischofskonferenzen. Sie enthalten Synthesen der Befragungen von Pfarreien, Verbänden, geistlichen Bewegungen, Universitäten, Ordensgemeinschaften und ähnlichen Gruppen. Ebenso schickten die katholischen Ostkirchen und die Generaloberen der Internationalen Union der Generaloberen Zusammenfassungen nach Rom. Aus den (national-)kirchlichen Stellungnahmen wurde in Rom das Arbeitsdokument „Mach den Raum deines Zeltes weit“ (Jes 54,2) für die kontinentale Etappe („Instrumentum Laboris I“) erarbeitet.

Sieben kontinentalen Versammlungen – Afrika, Ozeanien, Asien, Naher Osten, Europa, Lateinamerika und die Karibik sowie USA und Kanada – berieten bis zum März 2023 darüber. An den Treffen der kontinentalen Versammlung, die die größte Zahl von Katholiken vertritt, nämlich der für Lateinamerika und die Karibik, nahmen insgesamt 415 Frauen und Männer teil, nämlich 65 Bischöfe, 70 Priester, 61 Ordensschwestern und Ordensbrüder, 16 Diakone und 194 Laien.Birgit Weiler: Impulse der Kontinentalen Phase der Weltsynode in Lateinamerika: Gegen Klerikalismus, Machismo und Klimanot. In: Herder Korrespondenz, Jg. 77 (2023), Heft 7, S. 27–29, hier S. 29.

Die kontinentale europäische Konferenz fand vom 5. bis zum 12. Februar 2023 als „Prager Synode“ in zwei Phasen statt, organisiert vom Rat der Europäischen Bischofskonferenzen (CCEE).