Schloss Gleißen () ist ein Schloss im neumärkischen Glisno.
Geschichte Der Ort ist 1421 erstmals im Zusammenhang mit einer Witwenausstattung einer Margarethe, Witwe von Nysch Zymütz, genannt. Für 1461 sind die Czinnitz und Othwich als Eigentümer belegt, für 1463 ist Verpfändung des Gutes Gleißen durch die von Waldow belegt. Um 1500 war Georg (von) Sack Eigentümer, danach kam Gleißen in den Besitz des Brandenburgischen Kurfürsten Joachim I.
Ab dem 16. Jahrhundert war der Besitz wieder in Händen derer von Waldow. Im Dreißigjährigen Krieg wurde das Gut stark in Mitleidenschaft gezogen und später teils an die von der Marwitz verkauft, womöglich an den Oberst Balzer Dietrich von der Marwitz-Beerfelde (1682–1731).Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Adeligen Häuser. Der in Deutschland eingeborene Adel (Uradel). 1905. Sechster Jahrgang. Justus Perthes, Gotha 1904, S. 502. Im Kirchbuch von Gleißen wurde 1684 auch der General Kurt Hildebrand von der Marwitz geführt. Maercker: Die von der Marwitz im brandenburgische-preußischen Heere. Ernst Siegfried Mittler und Söhne, Berlin 1891, S. 14.
Während des Siebenjährigen Kriegs wurde Gleißen 1758 Sitz des russischen Generalstabs. Im Jahr 1777 ist der Erwerb durch Gottlob von Troschke belegt, jedoch wird 1783 ein Herr von Poser als Besitzer genannt, der wohl 1793 den Umbau des Schlosses im Spätrokokostil beauftragte. Zum Gut gehörten zu dieser Zeit die Wirtschaftshöfe Gehauenstein (heute: Niemojewo), Helminenwalde (Ordzików) uns Posersfeld (Osieszyce).
1818 erwarb der Berliner Bürger Israel Moses Henochsohn das Rittergut und investierte viel in den Ort. In den 1820er Jahren wurde das Schloss um- und ausgebaut. Die wiederum nachfolgenden von der Marwitz ließen 1837 eine Kirche und ein Mausoleum nach Plänen von Karl Friedrich Schinkel erbauen. Ab 1842 waren die Müller Besitzer.
1856 folgte die Familie von Wartenberg. Im Jahr 1878 umfasste ihr Rittergut Gleissen 1770 ha.P. Ellerholz, H. Lodemann, H. von Wedell: General-Adressbuch der Ritterguts- und Gutsbesitzer im Deutschen Reiche. 1. Band: Das Königreich Preussen. Lfg. 1: Die Provinz Brandenburg. Kreis Ost-Sternberg. Nicolaische Verlags-Buchhandlung R. Stricker, Berlin 1879, S. 188–189. Ende des 19. Jh. hieß der Gutsbesitzer,C. Herrlich: Wochenblatt der Johanniter-Ordens-Balley Brandenburg. Jahrgang 17, Nr. 12, Julius Sittenfeld-Carl Heymanns Verlag, Berlin, den 22. März 1876, S. 65. Rittmeister a. D. und Ehrenritter des Johanniterordens Hans (Hans Karl Otto) jun. von Wartenberg (1830–1892), SohnGothaisches Genealogisches Taschenbuch der Uradeligen Häuser. Der in Deutschland eingeborene Adel. 1908. Neunter Jahrgang, Justus Perthes, Gotha 1907, S. 782–783. des Hans sen. von Wartenberg-Luggendorf (1804–1840) auf Rönnebeck bei Osterburg. Zwischenzeitler Gutseigentümer wurde dann als ältester Sohn und Nacherbe Oberst Adolf (Adolf Louis Max) von Wartenberg (1832–1903), seit 1892 als Fideikommissherr. Das Schloss wurde dann 1910 um 13 m lange Flügelbauten erweitert. Schon zuvor ließ man unter Leitung von Bergrat von Gellhorn den so genannten Schlossberg Gleißen bezüglich einer alten wendischen Ansiedlung untersuchen.E. Huth (Hrsg.): Monatliche Mittheilungen des Naturwissenschaftlichen Vereins des Regierungsbezirks Frankfurt (a.O). Band 3, Selbstverlag, Frankfurt a. Oder 1886, S. 76–77.
Gut Gleissen, mittlerweile Gleißen geschrieben, war um 1914 ein Majorat und inzwischen mit allen Flächen 1798 ha groß.Ernst Seyfert: Güter-Adreßbuch für die Provinz Brandenburg 1914. Nach amtlichen Quellen und auf Grund direkter Angaben bearbeitet. Handbuch der Königlichen Behörden. In: Niekammer’s Landwirtschaftliche Güter-Adreßbücher. Band VII, 2. Auflage. II. Regierungsbezirk Frankfurt a. O. Kreis Ost-Sternberg. Reichenbach`sche Verlagsbuchhandlung, Leipzig 1914, S. 318–319. Gleißen war im Erbe inzwischen längst an die Wartenberg-Haus-Hauptlinie Luggendorf (Prignitz) gefallen, an den Sohn des Ritterschaftsrates Hauptmann Hans Karl Georg von Wartenberg (1842–1897) aus dessen erster Ehe. DiesVgl. Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Adeligen Häuser. Zugleich Adelsmatrikel der Deutschen Adelsgenossenschaft. Teil A (Uradel). 1939. Achtunddreißigster Jahrgang, Justus Perthes, Gotha 1938. war Hans Georg Eugen von Wartenberg-Luggendorf (1871–1952).Walter von Hueck, Robert von Blumenthal, Friedrich Wilhelm Euler, Silve-Maria von Hueck, Johann Georg von Rappard, Detlev Schwennicke, u. v. a.: Genealogisches Handbuch der Adeligen Häuser. A (Uradel). 1985. Band XVIII, Band 87 der Gesamtreihe GHdA, Hrsg. Deutsches Adelsarchiv, C. A. Starke, Limburg an der Lahn 1985, , S. 475–476.
Vor 1930 wurde das v. Wartenburg`sche Gut Gleißen, u. a. bestehend aus 615 ha Acker, 833 ha Wald und 329 ha Wasser, durch den Oberinspektor Kurt Metzner geleitet. Im Ort gab es noch drei weitere landwirtschaftliche Betriebe zwischen 21 und 51 ha.Ernst Seyfert, Hans Wehner, Alexander Haußknecht, GF Hogrefe: Landwirtschaftliches Adreßbuch der Rittergüter, Güter und Höfe der Provinz Brandenburg 1929. Mit Unterstützung von Staats- und Kommunalbehörden, sowie des Brandenburgischen Landbundes zu Berlin, sowie der Kreislandbünde. Nach amtlichen Quellen und auf Grund direkter Angaben bearbeitet. In: Niekammer’s Landwirtschaftliche Güter-Adreßbücher. Band VII, 4. Auflage. II. Regierungsbezirk Frankfurt a. O. Kreis Ost-Sternberg., Letzte Ausgabe-Paul Niekammer-Reihe. Selbstverlag von Niekammer’s Adreßbüchern GmbH, Leipzig 1929, S. 258. Die Kinder des letzten Gutsherrn wurden von 1902 bis 1910 in Luggendorf und Gleißen geboren, hier Hans-Jürgen von Wartenberg (1910–1970). Die Töchter heirateten auf Schloss Gleißen von 1923 bis 1932. Hans von Wartenberg-Luggendorf wurde 1945 enteignet und lebte dann in Emsdetten, seine Frau Edelgard geb. von Moellendorff-Krampfer (1879–1965) als Witwe in Lengerich. Nach der polnischen Annexion der Region wurde das Anwesen verstaatlicht. Zwischen 1969 und 1972 wurde der Bau zur Nutzung als Betriebserholungsstätte saniert.
Bauwerk Ein erstes Gutshaus an Stelle des heutigen Schlosses bestand wohl schon im 16. Jahrhundert. Dieses war vermutlich der urkundlich belegte Oberhof, während der Mittelhof und der Wüstenhof weitere Adelssitze bildeten.
Der heutige Schlossbau von 1793 im Stil des Spätbarock richtete sich nach dem Vorbild der Sommerresidenz Schloss Sanssouci von Knobelsdorff. Im Unterschied zu diesem befindet sich Gleißen jedoch am Fuß eines Hügels. Der eingeschossige Bau besitzt ein Mansarddach mit Gauben und Zwerchgiebeln. In der Mittelachse bildet ein ovaler Saal einen dominanten Risalit.
Das bereits 1765 im Havelland/Zauch-Belzig östlich von Potsdam durch die uradelige Familie von Hake errichtete Gutshaus Groß Kreutz, welches sich Sanssouci zum Vorbild nahm, ist das ebenfalls im 19. Jahrhundert an die Familie von der Marwitz gekommen.Vgl. Alexander Freiherr von Dachenhausen: Genealogisches Taschenbuch der Adeligen Häuser. 1884. Neunter Jahrgang, Verlag von Buschak & Irrgang, Brünn/Wien 1. November 1883, S. 106. mini|Eingangsseite. Literatur Gleißen/Glisno Woiwodschaft Lebus / Województwo Lubuskie. In: Schlösser und Gärten der Neumark/Zamki i Ogrody Nowej Marchii. Heft 7, Freundeskreis Schlösser und Gärten der Mark in der Deutschen Gesellschaft, Berlin 2011, ISBN 978-3-94-1675-37-7. Gleissen, In: Alexander Duncker (Hrsg.): Die ländlichen Wohnsitze, Schlösser und Residenzen der ritterschaftlichen Grundbesitzer in der Preußischen Monarchie, nebst beglt. Text. Band 11, Selbstverlag, Berlin 1869/1870, Litho u. Textblatt 653.
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Weblinks
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