Vladimír Godár (* 16. März 1956 in Bratislava) ist ein slowakischer Komponist, Musikwissenschaftler und Musikpädagoge.

Leben Nach privatem Kompositionsunterricht bei Peter Bartovic studierte Vladimír Godár von 1971 bis 1975 am Konservatorium Bratislava bei Juraj Pospíšil (Komposition) und Mária Masariková (Klavier). Prägend verliefen für ihn in den 1970er-Jahren auch regelmäßige musikalische Zusammenkünfte im Haus von Ján Albrecht. Von 1975 bis 1980 setzte er das Kompositionsstudium bei Dezider Kardoš an der Akademie der Darstellenden Künste, der nunmehrigen Hochschule für Musische Künste Bratislava (Vysoká škola múzických umení v Bratislave – VŠMU) fort. 1988/1989 schloss er einen Studienaufenthalt bei Roman Haubenstock-Ramati an der Hochschule für Musik und darstellende Kunst in Wien an. 1988 setzte er als Postgraduate sein Studium der Musikwissenschaft an der Slowakischen Akademie der Wissenschaften (SAV) in Bratislava fort, das er 1993 mit der Dissertation „Battaglia a Mimesis“ abschloss. Von 1992 bis 1996 hatte er einen Forschungsauftrag an der SAV, ab 1997 war er Lehrer am Institut für Ästhetik der philosophischen Fakultät der Comenius-Universität Bratislava in den Fächern Geschichte der Ästhetik und Musikgeschichte.

Im Bereich der praktischen Musiklehre wirkte Godár von 1985 bis 1991 als Lehrbeauftragter an der VŠMU. Von 2001 bis 2007 war er Kompositionslehrer an der Kunstakademie in Banská Bystrica,Website der Kunstakademie Banská Bystrica (slowakisch/englisch) 2011/2012 Lehrer an der Abteilung für Komposition und Dirigieren an der VŠMU und von 2013 bis 2015 Dozent ebenda. Ein wichtiger Teil von Godárs Tätigkeitsfeldern betrifft seine Arbeit im redaktionellen und editorischen Bereich, so in der Musikbuchabteilung des Verlags OPUS, für die Zeitschrift „Slovak Music Quarterly“, als Direktor im Verlag Sciptorium Musicum und seit 2017 als Leiter der Verlagsabteilung des Slowakischen Musikzentrums.

Wiederholt war Godár Vorsitzender des Slowakischen Komponistenverbandes, seit 2008 ist er Präsident des Komitees des Musikfestivals Bratislava (BHS).Website des Musikfestivals Bratislava (slowakisch/englisch) In der Saison 1993/1994 lud man ihn als Composer in Residence bei der Slowakischen Philharmonie ein.

Preise und Auszeichnungen (Auswahl) 1987: Ján-Levoslav-Bella-Preis für Partita mit Berücksichtigung früherer Arbeiten 1987: Ján Levoslav Bella-Preis für Concerto grosso per archi e cembalo 1988: Kritikerpreis für Dariačangin sad 2007: Preis des Kulturministeriums der Slowakischen Republik für die CD „Mater“ 2011: Fra Angelico-Preis für den Beitrag christlicher Werte zur Kunst im Jahr 2010 2013: Preis der slowakischen Urheberrechtsgesellschaft SOZAWebsite der SOZA (englisch/slowakisch) für einen erheblichen Anteil an der Präsentation der slowakischen Produktion im Ausland, Preis für das Jahr 2011 2014: Pavel Strauss-Preis 2016: Großer Preis der slowakischen Urheberrechtsgesellschaft für das Jahr 2015 2021: Ľudovít-Štúr-Orden III. Klasse für außergewöhnliche Verdienste um die Entwicklung der Slowakischen Republik auf dem Gebiet der Kultur und Kunst sowie für die bedeutende Verbreitung des guten Namens der Slowakischen Republik im AuslandZur Verleihung des Ľudovít Štúr-Ordens durch die slowakische Staatspräsidentin Zuzana Čaputová, Bericht auf www.aktuality.sk vom 27. Juni 2021 (slowakisch)

Werke (Auswahl) Bühnenwerke Clownfórum. Musical-Pantomie nach Texten von Marián Vanek, Tomáš Janovic, Vladimír Godár und Melánia Vaneková für Stimmen und Klavier (1990) Pod rozkvitnutými sakurami (Unter der blühenden Sakura). Musikdramatisches Gedicht (Ballett) für Sopran, Bariton, Männerchor und Orchester (2008)

Solostimme(n), Chor und Orchester Orbis sensualium pictus. Oratorium nach Texten von Ján Amos Komenský für Sopran, Bass, gemischten Chor und Orchester (1984) Regina coeli für Alt, Violine solo, gemischten Chor, Streichorchester und Basso continuo (2003) Magnificat für Frauenstimme, gemischten Chor, Streichorchester und Cembalo (2004) Majkomašmalon für Alt, Violine, gemischten Chor, Harfe und Streichorchester (2005) Querela pacis. Kantate für Sopran, Alt, gemischten Chor und Kammerorchester „Hommage à Desiderius Erasmus Roterodamus“ (2009) Querela pacis Oratorium für Sopran, Alt, Bass, gemischten Chor, Orgel und Kammerorchester „Hommage à Desiderius Erasmus Roterodamus“ (2009)

Solostimme und Orchester Drei Lieder nach alter chinesischer Dichtung nach Texten aus dem Buch der Lieder, von Li-Po und Jüan Cchi für Mezzosopran und Orchester (1977) Lyrische Kantate nach Texten chinesischer Dichter für Mezzosopran und Orchester (1981) Humanitas. Arie nach einem Text von Ján Amos Komenský für Sopran, Harfe und Streichorchester (1983) Štyri vážne spevy (Vier ernste Lieder) nach Texten von Hugolín Gavlovič und Daniel Sinapius für tiefe Stimme und Streichorchester, Klavier und Glocken (1985) Stála matka nach dem lateinischen Stabat mater für Alt und Kammerorchester (2001) Mohendžo-daro für Alt und Kammerorchester (2001) Vianočné piesne (Weihnachtslieder) für Gesangsstimme, Orgel und Streichorchester (2006) Šlof, majn kind (Schlaf, mein Kind) für Mezzosopran, Gitarre, Oboe, Streichorchester und Bassgitarre (2017)

Orchesterwerke Predohra (Ouvertüre). Hommage à Alfred Jarry (1978) Partita für 54 Streichinstrumente, Cembalo, Pauken und Röhrenglocken (1983) Sinfonie Nr. 1 (1980, rev. vor 1986) Sinfonie Nr. 2. Ritual für Orchester (1992) Via lucis (1993) Tombeau de Bartók (1995, rev. 2002)

Kammerorchester Sinfonia giocosa (1974) Barkarola für Streichinstrument solo (Violine, Viola oder Violoncello), zwölf Streichinstrumente, Harfe und Cembalo (1993, rev. 1994 und 2008)

Streichorchester Fuga in f für Streichorchester (1974) Passacaglia und Fuge für Streichorchester (1981) Concerto grosso für Streichorchester und Cembalo (1985) Tanečná suita podľa Vietorisovej tabulatúry (Tanzsuite nach dem Vietoris-TabulaturbuchIlona Ferenczi und Marta Hulková: Tabulatura Vietoris saeculi XVII) für Streichorchester und Cembalo (1985) Emmeleia für Harfe und Streichorchester (1994) Pieseň labute (Schwanengesang) für zwei Gitarren, Harfe und Streichorchester (2003)

Soloinstrument(e) und Orchester Meditation für Violine, Streichorchester und Pauken (1984, rev. 1995) Emmelaia für Violine und Streichorchester (1994) Emmelaia für Harfe und Streichorchester (1994) Dariačangin sad (Der Garten der Dariatschangi„Der Garten der Dariatschangi“ – Deutsche Übersetzung im Verlag Matthes & Seitz). Ein Mythos nach Otar Tschiladse für Violine, Violoncello und Orchester (1987) Variazioni facili für Violine, Violoncello, Streichorchester und Cembalo (2001) Malá suita pre malého Dávida (Kleine Suite für den kleinen David) für E-Violine oder Violine, E-Gitarre oder Violoncello, Streichorchester und Cembalo (2005) Griechische Tänze für Violine, Violoncello, Streichorchester und Cembalo (2017)

Ensemble Concertino für fünfzehn Instrumente (1970)

Kammermusik Introduktion und Fuge für Streichtrio (1970) Trio für Flöte, Trompete und Bassklarinette (1976) Ricercar per 4 stromenti (1977, rev. 1995) Bläserquintett (1977) Talizman. Nocturne für Klaviertrio (1979–1983) Neha (Zartheit) für Streichquartett (1991) Emmeleia für Klaviertrio (1994, rev. 1999) Emmeleia für Streichquartett (1994) Emmeleia für vier Gitarren (1994) Déploration sur la mort de Witold Lutosławski für Klavierquintett (1994) Missa pastoralis für vier Violinen oder Gitarrenquartett (2000, rev. 2002) Film-Suite für Streichquartett (2001) Variazioni facili für Klaviertrio (2001) Pieseň labute (Schwanengesang) für Klaviertrio (2003) Pieseň labute (Schwanengesang) für vier Violoncelli oder vier Gitarren (2003) Kleine Suite für Saxophonquartett (2003) Le carneval de Venise für Streichquartett (2005) Hudba pre Martina Šulíka (Musik für Martin Šulík) für Streichquartett und Klavier oder Cembalo (2018)

Duo Sonáta na pamäť Viktora Šklovského (Sonate zum Gedenken an Viktor Schklowski) für Violoncello oder Viola und Klavier (1985) Sekvencia für Violine und Klavier (1987) Emmeleia für Streichinstrument (Violine, Viola oder Violoncello) und Klavier (1994) La Canzona refrigerativa dell arpa di Davide für Violoncello und Harfe (1999, rev. 2017) La Canzona refrigerativa dell arpa di Davide für Viola und Cembalo (1999, rev. 2017) La Canzona refrigerativa dell arpa di Davide für Viola und Gitarre (1999, rev. 2017) Divertimento in A für Violine und Violoncello (2001) Variationen über ein slowakisches Volkslied für zwei Violen oder zwei Violoncelli (2006)

Klavier zu vier Händen Emmeleia für Klavier zu vier Händen (1994)

Klavier solo Päť kusov (Fünf Stücke) (1970) Präludium (1971) Trois valses (1971) Variationen (1973) Trigram (1973) Suite Nr. 2 (1973) Fünf Bagatellen (1981) Grave, passacaglia (1983) Emmeleia (1994)

Diverse Instrumente solo Monodien für Klarinette (1970) Sonate für Violine (1971) Vier Monologe für Gitarre (1971) Elegie für Violoncello (1971, rev. 2003) Zyklus für Flöte (1972) Päť kusov (Fünf Stücke) für Gitarre (1972) O Crux für Violoncello oder Violine oder Viola (1999, rev. 2000 und 2006) Kniha žalmov (Buch der Psalmen) für Violoncello (2003) Sonate für Violine (2004) Passacaglia für Violoncello (2007)

Chor a cappella oder mit Instrumenten Zrkadlenie (Spiegelung). Tetralogie für Frauenchor und Instrumente ad lib. (1973–1980) Chryzantémy (Chrysanthemen) nach einem Text von Milan Rúfus für Sopran, Frauenchor, Flöte und vier Violen (1975) Totožné (Identisch) nach einem Text von Octavio Paz in der Übersetzung von Ján StachoJán Stacho auf www.litcentrum.sk (englisch/slowakisch) für gemischten Chor a cappella (1977) Sechs Bagatellen für Kinder- oder Frauenchor a cappella (1980) Sweet and Low. Wiegenlied nach einem Text von Alfred Tennyson für gemischten Chor und Streichinstrumente (2009, rev. 2017)

Gesangsstimme und Instrument(e) Štyri vážne spevy (Vier ernste Lieder) nach Texten von Hugolín Gavlovič und Daniel Sinapius für tiefe Stimme und Klavier (1985) Uspávanky Jana Skácela (Wiegenlieder von Jan Skácel) für Frauenstimme, Flöte oder Violine, Violoncello und Klavier oder Cembalo (1986) Ecce puer nach einem Text von James Joyce für Sopran und Kammerensemble (1997) Bikít Gilgameš nach Texten aus dem Gilgamesch-Epos für Bass und Violoncello (1998) Uspávanky (Wiegenlieder) nach Volksliedern für Frauenstimme und Klavier oder Streichquartett (2002, rev. 2017) Majkomašmalon für Frauenstimme und Klaviertrio (2005) Majkomašmalon für Frauenstimme, Violine und Violoncello (2005) Majkomašmalon für Frauenstimme und Klavier oder Orgel (2005) Suňíčko (Kleine Sonne). Zyklus von Liedern aus Záhorie für Gesang und Viola oder Violoncello (2018)

Zudem Transkriptionen und Bearbeitungen von Werken von Béla Bartók, William Byrd, Claude Debussy, Edvard Grieg, Leoš Janáček, Johann Sigismund Kusser, Maurice Ravel, Antonín Rejcha, Ján Šimbracký u. a., Rekonstruktionen alter slowakischer Musik, eine Vielzahl weiterer Chorsätze, Musik für Animations- und Dokumentarfilme, Stücken für den Unterricht sowie Volksmusikarrangements.vgl. Datenbank des Slowakischen Musikzentrums (englisch/slowakisch)

Filmographie (Auswahl) 1984: Blickwinkel (Uhol pohľadu) 1985: Staccato, Spielfilm, Regie: Martin Šulík„Staccato“ in der Internet Movie Database (englisch) 1987: Die Ballade (Balada), TV-Animationsfilm, Regie: Jarmila Rusinková und Svätopluk Šablatúra 1987: Die Pfauenfeder (Pávie pierko) 1993: Alles, was ich mag (Všetko čo mám rád) 1992: Sehnsüchte (Želania) TV-Film, Regie: Drahoš Šišovič 1994: Baščovanský und Schwiegersohn (Baščovanský & zať) TV-Film, Regie: Tomáš KrnáčWebsite Tomáš Krnáč (englisch) 1995: Der Garten (Záhrada) Spielfilm, Regie: Martin Šulík 1996: Höhere Gewalt (Vyššia moc) Spielfilm, Regie: Tomáš Krnáč 1998: Die Rückkehr des Idioten (Návrat idiota) Spielfilm, Regie: Saša Gedeon 2000: Krähwinkel (Krajinka)