mini|Eine US-amerikanische Mogul-Lokomotive aus dem Jahr 1872 mini|Lokomotive 78018, eine 1954 erbaute Mogul der BR-Standardklasse 2 2-6-0 Mogul ist eine aus dem nordamerikanischen Sprachgebrauch stammende Bezeichnung für Dampflokomotiven mit der Achsfolge 2-6-0 nach der Whyte-Notation, die der deutschen Bauartbezeichnung 1’C entspricht. Mogul-Lokomotiven besitzen eine Vorlaufachse und drei gekuppelte Achsen. Ursprünglich vorwiegend für Güterzuglokomotiven genutzt, entstanden in dieser Bauform später auch Personenzug- und Mehrzwecklokomotiven sowie vereinzelt Schnellzuglokomotiven.

Geschichte Seit wann die Bezeichnung Mogul für diese Achsfolge verwendet wurde, ist nicht genau überliefert. Die ersten Lokomotiven mit dieser Achsfolge entstanden Anfang der 1850er Jahre in den Vereinigten Staaten. Baldwin lieferte 1852 sechs Lokomotiven dieser Achsfolge an die Pennsylvania Railroad, die Philadelphia and Reading Railroad, eine Vorgängergesellschaft der Reading Company erhielt ebenfalls Lokomotiven dieser Achsfolge. Diese frühen Exemplare besaßen jedoch noch keine Vorlaufgestelle, der Laufradsatz war fest im Hauptrahmen gelagert. Die Achsfolge war daher 1C.Paul T. Warner: Mogul Type Locomotives, in: The Railway and Locomotive Historical Society Bulletin, No. 100 (April 1959), S. 7–22, hier S. 9 Ab 1863 bauten die Rogers Locomotive and Machine Works in Paterson (New Jersey) nach einem Patent eines ihrer Ingenieure drei Lokomotiven dieser Achsfolge erstmals mit beweglicher Vorlaufachse für die später in der Camden and Amboy Railroad und schließlich der Pennsylvania Railroad aufgegangene New Jersey Railroad. Diese zählten zu den größten Lokomotiven ihrer Zeit; in Analogie zum früheren indischen Mogulreich und dessen einstiger Größe erhielt die Achsfolge wahrscheinlich aufgrund dieser Lokomotiven den Namen „Mogul“.G. H. Gaskell: The Origin of Locomotive Class Names, in: The Railway and Locomotive Historical Society Bulletin, No. 87 (October, 1952), S. 83–95, hier S. 89 Auch die Louisville and Nashville Railroad erhielt 1864 Lokomotiven dieser Achsfolge mit Laufgestell, die teils ebenfalls als erste Lokomotiven dieser Bauart betrachtet werden.

Erste Lokomotiven dieser Achsfolge in Europa entstanden erst in den 1870er Jahren. In Großbritannien beschaffte als erste Bahngesellschaft die Great Eastern Railway 1878/79 Lokomotiven dieser Achsfolge. Sie waren für den schweren Kohlenverkehr vorgesehen, aber wenig erfolgreich und wurden bereits 1887 wieder ausgemustert.The London & North Eastern Railway Encyclopedia: LNER 2-6-0 Mogul Locomotives, abgerufen am 25. Oktober 2022 Die erste dieser von Neilson & Company erbauten Maschinen erhielt den Namen „Mogul“, auch diese Lokomotive wird daher als möglicher Ursprung der Achsfolgenbezeichnung betrachtet.The Great Eastern Railway Society: ‘No. 527 Class’ 2-6-0 1878–1879, abgerufen am 6. Februar 2022 Im gleichen Jahr erhielt Norwegen mit der NSB Type 6a die ersten drei Mogul-Lokomotiven.

Die Achsfolge wurde in vielen Ländern in den Folgejahren eingeführt. Sie war besonders beliebt, um bei Bahnen mit relativ leichtem Oberbau dennoch leistungsfähige und laufruhige Maschinen einsetzen zu können. Zu finden waren Mogul-Lokomotiven schließlich auf allen Kontinenten. Ihr Bau endete mit wenigen Ausnahmen bereits vor dem Zweiten Weltkrieg, lediglich in Großbritannien wurden noch bis Mitte der 1950er Jahre in größerem Umfang Mogul-Lokomotiven beschafft.

Tenderlokomotiven dieser Achsfolge wurden ebenfalls in großem Umfang beschafft. Sie wurden vor allem im Rangierdienst, auf Nebenbahnen und im Vorortverkehr eingesetzt.

Mogul-Lokomotiven ausgewählter Länder Deutschland mini|Eine preußische G 5.3 aus dem Jahr 1904 mini|Eine bayerische G 3/4 H im Jahr 1952 im Münchner Hauptbahnhof mini|Die DR-Baureihe 24 war die letzte in Deutschland beschaffte Mogul-Baureihe mini|Preußische T 12 mit der Reichsbahnnummer 74 1230 mini|Eine ehemals der Teutoburger Wald-Eisenbahn gehörende ELNA 5 der belgischen Museumsbahn Chemin de fer à vapeur des 3 vallées Die erste Lokomotivreihe dieser Achsfolge in Deutschland war die ab 1892 beschaffte Preußische G 5.1. Bis 1910 folgten über 2000 weitere Mogul-Lokomotiven alleine für die Preußischen Staatsbahnen, überwiegend als Güterzuglokomotiven verschiedener Bauformen, mit der P 6 aber auch als Personenzuglokomotive. Mit Bayern, Elsaß-Lothringen und Mecklenburg beschafften weitere Länderbahnen Mogul-Lokomotiven, in Baden, Württemberg, Oldenburg und Sachsen fanden sie jedoch keinen Eingang in den Bestand. Die Lübeck-Büchener Eisenbahn als größte verbliebene Privatbahn orderte ebenfalls Schlepptenderlokomotiven dieser Achsfolge.

Die von der Deutschen Reichsbahn übernommenen Länderbahnbauarten wurden teilweise bereits vor dem Zweiten Weltkrieg ausgemustert, ebenso auch die nach dem Ersten Weltkrieg an die Entente-Mächte abgegebenen Lokomotiven. In ihr Programm der Einheitsdampflokomotiven nahm die Reichsbahn als Ersatz auch eine Schlepptender-Mogul auf, die DR-Baureihe 24. Sie sollte vor allem auf den langen Nebenbahnen des deutschen Ostens Personen- und Güterzüge bespannen. Nach dem Krieg verteilte sich der Bestand der Baureihe 24 auf die Deutsche Bundesbahn (DB), die Deutsche Reichsbahn (DR) in der DDR und die polnische Staatsbahn (PKP).

Die verbliebenen Mogul-Lokomotiven der Länderbahnen musterten die Deutsche Bundesbahn (DB) wie auch die Deutsche Reichsbahn nach 1945 relativ rasch aus, lediglich die letzten Exemplare der Bayerischen G 3/4 H blieben als nunmehrige DB-Baureihe 54.15–17 noch bis 1966 im Bestand der DB – im gleichen Jahr nahm die DB auch ihre letzten 24er aus dem Dienst. Die DR folgte mit ihrer letzten Lokomotive der Baureihe 24 im Jahre 1972. Bei der PKP blieben die letzten Maschinen der Baureihe 24 als PKP Oi2 bis 1976 im Einsatz und waren damit die letzten im Plandienst stehenden Mogul-Lokomotiven deutscher Herkunft.

Tenderlokomotiven mit der Achsfolge 1’C beschaffte vor allem Preußen mit über 3500 Exemplaren mehrerer Bauarten in größerem Umfang, daneben auch Mecklenburg, Elsaß-Lothringen und Württemberg. In Baden und Bayern gab es lediglich einzelne Exemplare dieser Achsfolge. Zudem fanden Mogul-Tenderlokomotiven bei Privatbahnen und Kleinbahnen in größerem Umfang Eingang in den Bestand, teils auch durch Übernahme älterer Staatsbahnlokomotiven. Infolge der beiden Weltkriege kamen vor allem preußische 1’C-Tenderlokomotiven zu diversen europäischen Staatsbahnen, so etwa zur PKP, der ČSD, der NMBS/SNCB und der ÖBB.

Schlepptenderlokomotiven Bayern Bayerische C VI und G 3/4 N, Baujahre 1899 bis 1909, 120 Stück Bayerische G 3/4 H, Baujahre 1919 bis 1923, 225 Stück

Elsaß-Lothringen Elsaß-Lothringische G 5, Baujahre 1901 bis 1907, 215 Stück Elsaß-Lothringische G 5.5, Baujahr 1912, 3 Stück

Mecklenburg Mecklenburgische G 5.4, Baujahre 1906 bis 1913, 9 Stück

Preußen Preußische G 5.1, Baujahre 1892 bis 1902, 268 Stück Preußische G 5.2, Baujahre 1896 bis 1901, 499 Stück Preußische G 5.3, Baujahre 1903 bis 1906, 206 Stück Preußische G 5.4, Baujahre 1901 bis 1910, 769 Stück Preußische G 5.5, Baujahre 1909 bis 1910, 28 Stück Preußische P 6, 1902 bis 1910, 275 Stück

Lübeck-Büchener-Eisenbahn LBE G 5, Baujahre 1906 bis 1909, 3 Stück LBE G 6, Baujahre 1913 bis 1919, 6 Stück

Deutsche Reichsbahn DR-Baureihe 24, Baujahre 1928 bis 1940, 95 Stück

Tenderlokomotiven Baden Badische VI a, Baujahr 1900, 2 Stück

Bayern Bayerische Pts 3/4, Baujahre 1906 und 1922, 4 Stück

Elsaß-Lothringen Elsaß-Lothringische T 9, Baujahre 1901 bis 1913, 132 Stück Elsaß-Lothringische T 12, Baujahre 1910 bis 1915, 25 Stück

Preußen Preußische T 9.2, Baujahre 1892 bis 1900, 235 Stück Preußische T 9.3, Baujahre 1901 bis 1914, 2060 Stück Preußische T 11, Baujahre 1903 bis 1910, 470 Stück Preußische T 12, Baujahre 1902 bis 1921, 974 Stück

Mecklenburg Mecklenburgische T 4, Baujahre 1907 bis 1922, 50 Stück

Württemberg Württembergische Fz, Baujahre 1893 bis 1904, 9 Stück Württembergische T 9, Baujahre 1906 bis 1907, 10 Stück

Privatbahnen (Auswahl) LAG Nr. 17 ... 49, Baujahre 1890 bis 1897, 13 Stück LBE T 10, Baujahre 1911 bis 1912, 5 Stück PKB Nr. 21 bis 25, Baujahr 1917, 5 Stück ELNA 5, Baujahre 1924 bis 1943, für diverse Privatbahnen ELNA 2, Baujahre 1925 bis 1943, mindestens 37 Stück für diverse Privatbahnen RLGS 12–13, Baujahr 1925, 2 Stück SEG 400 und 401, Baujahre 1938 und 1941, 2 Stück

Italien mini|Die FS 640-143 im Jahr 2012 während einer Sonderfahrt Die italienische Staatsbahn Ferrovie dello Stato beschaffte in mehreren Baureihen über 700 Mogul-Schlepptenderlokomotiven, hinzu kamen Übernahmen von privaten Vorgängerbahnen und nach 1918 von den Mittelmächten abgegebene Waffenstillstandslokomotiven. Die Reihe FS 640 war dabei mit ihren 1850 mm großen Treibrädern eine der wenigen explizit für den Einsatz vor Schnellzügen entwickelten Mogul-Lokomotiven. Tenderlokomotiven dieser Achsfolge wurden in Italien ebenfalls beschafft. Die letzten Exemplare blieben bis Anfang der 1980er Jahre im Einsatz.

Schlepptenderlokomotiven FS 216, Baujahre 1910 bis 1911, 9 Stück FS 600, Baujahre 1904 bis 1910, 248 Stück FS 625, Baujahre 1910 bis 1923, 188 Stück FS 630, Baujahre 1906 bis 1908, 100 Stück FS 640, Baujahre 1907 bis 1911, 188 Stück FS 645, Baujahre 1917 bis 1918, 24 Stück

Tenderlokomotiven FS 875, Baujahre 1912 bis 1916, 117 Stück FS 880, Baujahre 1916 bis 1922, 60 Stück FS 905, Baujahre 1908 bis 1912, 84 Stück

Österreich-Ungarn mini|Die 1895 gelieferte österreichische kkStB 60.01 In Österreich kamen bereits 1884 Lokomotiven der Achsfolge 1C zum Einsatz, die für die Arlbergbahn gebauten Lokomotiven der Reihe KkStB 28. Ab 1893 wurden Mogul-Lokomotiven dann sowohl von den großen Privatbahnen als auch von den k.k. Staatsbahnen (kkStB) in größerem Umfang beschafft, insgesamt über 800 Stück. Mit der StEG 39 war darunter auch eine für den Schnellzugdienst vorgesehene Reihe, die übrigen österreichischen Mogul-Reihen waren für den Güterzug- und Personenzugdienst vorgesehen. Durch die Verstaatlichung kamen alle von Privatbahnen beschafften Mogul-Lokomotiven bis 1909 in den Bestand der kkStB. Die Nachfolgebahnen der kkStB nach 1918 übernahmen die meisten Exemplare und setzten sie noch bis in die 1960er Jahre ein. In Ungarn fand die Achsfolge dagegen, abgesehen von einigen nach 1918 übernommenen früheren kkStB-Lokomotiven, keine Verbreitung. Folgende Reihen wurden zwischen 1893 und 1915 beschafft: Schlepptenderlokomotiven KkStB 28, Baujahr 1884, 5 Stück KFNB VIII bzw. kkStB 260, Baujahre 1893 bis 1908, 221 Stück kkStB 60 bzw. SB 60 bzw. kukMB 71–72, Baujahre 1895 bis 1915, 397 Stück StEG 37 bzw. kkStB 560, Baujahre 1900 bis 1906, 55 Stück ÖNWB XVIIa/b, SNDVB XVIId, kkStB 360, Baujahre 1901 bis 1906, 23 Stück StEG 38.5 bzw. kkStB 660, Baujahr 1905, 10 Stück SNDVB XVIIc bzw. kkStB 460, Baujahre 1906 bis 1909, 23 Stück StEG 38.0 bzw. kkStB 760, Baujahre 1906 bis 1909, 43 Stück StEG 39 bzw. kkStB 228, Baujahr 1907, 20 Stück KkStB 160, Baujahre 1909 bis 1910, 46 Stück Tenderlokomotiven KkStB 99, Baujahre 1897 bis 1908, 69 Stück KkStB 199, Baujahre 1908 bis 1913, 20 Stück

Schweiz mini|Die 1916 erbaute Lokomotive 1367 des Typs SBB B 3/4

In der Schweiz fanden Mogul-Schlepptenderlokomotiven beginnend mit den ab 1886 gelieferten A3T 171–192 der Schweizerischen Nordostbahn (NOB) Eingang in den Bestand der meisten großen Privatbahnen. Bei Tenderlokomotiven war die Achsfolge 1875 erstmals verwendet worden. Bis zur Gründung der SBB beschafften auch die Chemins de fer du Jura bernois, die Chemins de fer de la Suisse Occidentale, die Jura-Simplon-Bahn, die Schweizerische Centralbahn und die Vereinigten Schweizerbahnen insgesamt 161 Mogul-Schlepptenderlokomotiven. Überwiegend waren sie für den Personen- und Güterzugdienst, teils aber auch für Schnellzugdienst vorgesehen.