mini|Saasenheim, St. Jean-Baptiste, Elsass Joseph Bergöntzle bzw. im Elsass: Bergäntzel (* 14. Dezember 1754 in Ammerschwihr, Elsass; † 14. Oktober 1819 ebendaBergönzle, Joseph. In: Oesterreichisches Musiklexikon online; abgerufen am 2. Februar 2022.) war ein Elsässer Kunstschreiner und Orgelbauer, der ebendort und vor allem auch in Vorarlberg wirkte. Von ihm sind u. a. die Orgeln in der Pfarrkirche Bludesch und in der Pfarr- und Wallfahrtskirche Tschagguns erhalten.
Leben Joseph Bergöntzle war Sohn des Kunstschreiners und Orgelbauers Martin Bergäntzel (1722–1803). Dieser fertigte für den bekannten Orgelbauer Ludwig Dubois aus Pruntrut hochwertige Orgelgehäuse und eignete sich dort Kenntnisse im Orgelbau an. Nach Dubois’ Tod übernahm er die Werkstatt, verlegte diese nach Ammerschwihr und machte sich als Orgelbauer selbstständig.
Gemeinsam mit seinem Vater, der ihn an seine Seite gerufen hatte und für den er als 22-jähriger das Priesterseminar aufgab, baute Joseph Bergöntzle ca. 20 Instrumente. Bis zum Tod seines Vaters im Jahr 1803 ist deshalb in der Literatur bzw. als Erbauer oft von Martin avec Joseph (vor allem im Elsass) oder Martin und Joseph Bergöntzle die Rede.Martin et Joseph Bergäntzel. orgue.free.fr (französisch); abgerufen am 2. Februar 2022.
Die französische Revolution sowie finanzielle Probleme seiner Kundschaft zwangen ihn zur Flucht ins Ausland. Also ging er erst nach Einsiedeln und von dort aus mit den besten Empfehlungen nach Vorarlberg. Dort arbeitete er von 1799 bis 1816 an verschiedenen Instrumenten, zunächst an der Orgel in der Pfarrkirche Schlins (1804), bevor er weitere Werke in Au im Bregenzerwald, Thüringerberg und Thüringen (1805), und schließlich in Tschagguns (1815–1816) schuf, umbaute und erweiterte. Bergöntzle baute ausschließlich Schleifladen mit mechanischer Traktur.
Werke (Auswahl) Jahr Ort Kirche Bild Manuale Register Bemerkungen1777Saasenheim, ElsassSt. Jean-Baptistezentriert|160x160pxI/P12Wahrscheinlich die erste Orgel von Martin und Joseph Bergäntzel.Orgue de Saasenheim (französisch), abgerufen am 2. Februar 2022.1784Ebersheim, ElsassSt. Martinzentriert|160x160pxIII/P26 Kriegsschäden wurden 1953 repariert.Orgue d’Ebersheim. (französisch), abgerufen am 2. Februar 2022.1788Landser, ElsassNotre-Dame-de-l’AssomptionIII/P31 Bergöntzles größtes Elsässer Orgelwerk, 1997 von Gaston Kern mit der ursprünglichen Disposition neu erbaut.Orgue de Landser. (französisch), abgerufen am 13. April 2026.1789Wettolsheim, ElsassSt. Rémyzentriert|160x160pxII/P24 Vergrößert 1877 durch François Antoine Berger und 1902 durch Joseph Antoine. 1978 in den ursprünglichen Zustand zurückversetzt.Orgue de Wettolsheim. (französisch), abgerufen am 2. Februar 2022.1799Schlins, VorarlbergPfarrkirche zur Unbefleckten Empfängniszentriert|160x160pxII/P? Vorhandene Orgel durch Bergöntzle erweitert. Umgebaut 1857 durch Alois Schönach.1800Au/Bregenzerwald, VorarlbergPfarrkirche St. Leonhardzentriert|160x160px?? Umgebaut 1893 durch Anton Behmann1802–1804Bludesch, VorarlbergPfarrkirche St. Jakobus der Älterezentriert|160x160pxII/P21ca. 1805Thüringen, VorarlbergPfarrkirche St. Stephanzentriert|160x160pxII/P15, heute 161932 renoviert und erweitert, 1980–1985 in den Originalzustand zurückversetzt. Das Hauptwerk ist bis heute erhalten.1815–1816Tschagguns, VorarlbergWallfahrtskirche Mariä Geburtzentriert|160x160pxIII/P38Mit seinem Sohn Bernhard sowie seinen Mitarbeitern Valentin Rinckenbach und Mathias Bihler als Opus maximum et ultimum erbaut, Orgel-Matinee anlässlich Bergöntzles 200. Todestag. Mit Informationen über den Bau der Tschaggunser Orgel. Abgerufen am 2. Februar 2022 viele Register sind vollständig erhalten. 1994 restauriert durch Georges Lhôte und Ferdinand Stemmer.
Die Orgel der Pfarrkirche Bartholomäberg wurde lange Zeit Bergöntzle zugeschrieben. Verschiedene Gründe sprechen heute aber für den Vorarlberger Orgelbauer Johann Michael Graß (1746–1809) als Urheber. Mehreren Quellen zufolge sind auch Arbeiten an einer Orgel in Thüringerberg nachweisbar. Vermutlich handelt es sich dabei um eine Orgel, die 1773 erbaut wurde und 1805 aus der Pfarrkirche Thüringen abgebaut und in die Pfarrkirche Thüringerberg überbracht wurde. Anschließend baute Bergöntzle ein neues Werk in Thüringen ein. 1814 baute er auch eine Orgel für die Pfarrkirche Nenzing, die jedoch nicht erhalten ist.
Literatur Alois Forer: Orgeln in Österreich. Wien 1973, S. 194. Bruno Oberhammer, Michael Kasper: Montafoner Orgellandschaft. 2016, ISBN 978-3-902225-69-6. Hans Nadler: Orgelbau in Vorarlberg und Liechtenstein. 1–4 (1985); Eberstaller 1955. Franz Howorka: Die Orgelbauer J. Gabler und J. Bergöntzle in Vorarlberg. In: Österreichische Musikzeitschrift, Band 25, No. 8, 1970, S. 473–477. Josef Behmann: Josef Bergöntzle und die Orgel in Bludesch. In: Zeitschrift für Instrumentenbau, Leipzig 1932, S. 241 (digitale-sammlungen.de; enthält teilweise falsche Informationen!)
Weblinks Martin et Joseph Bergäntzel. In: orgue.free.fr (französisch)
Einzelnachweise
Kategorie:Orgelbauer (18. Jahrhundert) Kategorie:Orgelbauer (Frankreich) Kategorie:Orgelbauer (Österreich) Kategorie:Person (Elsass) Kategorie:Person (Vorarlberg) Kategorie:Geboren 1754 Kategorie:Gestorben 1819 Kategorie:Mann