Die Adepe, Arbeitsgemeinschaft der deutschen Pelzwirtschaft, und ihr Nachfolger ADEPE [gesprochen Á-DÉ-PÉ] waren Organisationen der Pelzbranche. Die 1930 aus der „Argem“ hervorgegangene Adepe war ein Zusammenschluss verschiedener Berufsverbände des Pelzgewerbes zur Förderung der über die Einzelinteressen hinausgehenden gemeinschaftlichen Angelegenheiten.

Eine ähnliche Aufgabe hatte die nach dem Zweiten Weltkrieg (1939 bis 1945) neu gegründete ADEPE. Sie löste sich 1987 mit der Gründung der Nachfolgeorganisation Deutsches Pelz-Institut (DPI) auf.

Zur Schreibung des Verbandsnamens bemerkte Willi Treusch, vormals unter anderem Geschäftsführer des Verbands der deutschen Rauchwaren- und Pelzwirtschaft, Anfang der 1970er Jahre: „Die heutige »ADEPE« wird mit grossen Buchstaben geschrieben, um eine Verwechslung mit dem Allgemeinen Deutschen Pudelclub »Adepe« zu vermeiden“. Auch schon bei der alten Adepe war die Kleinschreibung jedoch nicht durchgängig, bereits in Philipp Manes’ Manuskript von 1941, der Geschichte der deutschen Pelzverbände vor dem Zweiten Weltkrieg, kommen beide Schreibweisen vor.Philipp Manes: Die deutsche Pelzindustrie und ihre Verbände 1900–1940, Versuch einer Geschichte. Berlin 1941 Band 2. Durchschrift des Originalmanuskripts, S. .25, 146.

Adepe Die Adepe hatte ihren Sitz im Pelzhandelszentrum Leipziger Brühl. Entstanden war sie als „Argem“ im August 1926. Als nationale Spitzenorganisation der deutschen Pelzverbände war sie Mitglied des Internationalen Verbandes der Pelzindustrien. Eine Verbindung bestand zudem zur Reichs-Zentrale für Pelztier- und Rauchwaren-Forschung e. V. mit Sitz in Leipzig.Primärquelle Gottlieb Albrecht: Der Pelzmarkt Leipzig bei besonderer Berücksichtigung seines Rauchwarenhandels. Inaugural-Dissertation an der Thüringischen Landesuniversität Jena, Bottrop 1931, S. 21–30 (→ Inhaltsverzeichnis). Dort Fußnote: „Vgl. „Kürschner-Zeitung“, Verlag Alexander Duncker, 47. Jahrgang, 1. Juli 1930, Nr. 16, Seite 542. - Leipziger Wirtschafts-Handbuch, Handelskammer Leipzig, I. Band, Leipzig 1927, Seite 286 Hier ist die Gründung mit 1909 angegeben.“

Diese Verbände hatten sich im Jahr 1926 in der Argem, der Arbeitsgemeinschaft der deutschen Rauch- und Pelzwarenverbände, Sitz Leipzig zusammengeschlossen, es bestanden daneben noch weitere Pelzfachverbände. Anfang 1930 wurde die Argem in die „Adepe“, Arbeitsgemeinschaft der deutschen Pelzwirtschaft Sitz Leipzig, umgegründet.

Philipp Manes führte 1941 folgende Gründungsmitglieder der Adepe auf: Reichsbund deutscher Kürschner – Leipzig, gegründet 1882 (als „Verein deutscher Kürschner“) mit 14 Bezirksverbänden Verband Deutscher Rauchwaren Zurichtereien und Färbereien – Leipzig, gegründet 1899 Vereinigung Deutscher Pelzwaren-Fabrikanten – Leipzig, gegründet 1919 Verband Berliner Rauchwarenfirmen – Berlin, gegründet 1920 Vereinigung Deutscher Schweiffabrikanten – Leipzig, gegründet 1921.Philipp Manes: Die deutsche Pelzindustrie und ihre Verbände 1900–1940, Band 4, Berlin 1941, Manuskript S. 409.

Die Aufgabe der Adepe war „die Wahrung und Förderung aller über die besonderen Angelegenheiten der einzelnen Fachverbände hinausgehenden gemeinschaftlichen Interessen der Pelzwirtschaft“, außerdem die Aufnahme und Pflege von Kontakten zu Pelzfachverbänden des Auslands.Walter Fellmann: Der Leipziger Brühl. VEB Fachbuchverlag, Leipzig 1989, S. 213. ISBN 3-343-00506-1.Gottlieb Albrecht: Der Pelzmarkt Leipzig bei besonderer Berücksichtigung seines Rauchwarenhandels. Inaugural-Dissertation an der Thüringischen Landesuniversität Jena, Bottrop 1931, S. 21–23 (→ Inhaltsverzeichnis).

Die Umgründung erfolgte in dem für das Pelzgewerbe herausragenden Jahr 1930, mit der Ausrichtung der Internationalen Pelzfach-Ausstellung „IPA“ in Leipzig. In der Adepe war der Plan zur IPA das erste Mal vorgetragen worden und aus ihr entstand das Präsidium der Ausstellung. Zur selben Zeit schloss sich die Adepe dem Internationalen Verband der Pelzindustrien an. Philipp Manes, der von den Nationalsozialisten ermordete Chronist der Pelzbranche, der dies erinnerte, schrieb 1934:

Es folgte sein Aufruf, unter der neuen Führung, die „uns am 21. März eingehämmert wurde“, weiter „für Deutschland alles“ zu geben.Philipp Manes: Die deutsche Pelzindustrie und ihre Verbände 1900–1940, Versuch einer Geschichte. Berlin 1941 Band 3. Durchschrift des Originalmanuskripts, S. 146–148 (→ Inhaltsverzeichnis)

Nach dem Krieg hieß es 1954 rückblickend: „Mit diesem Anschluß und mit dem im gleichen Jahr abgehaltenen Welt-Pelz-Kongreß nahm die deutsche Kürschnerschaft neben den anderen Organisationen der deutschen Rauchwaren- und Pelzwirtschaft an der internationalen Geltendmachung ihrer wirtschaftlichen und kulturellen Aufgaben in vollem Maße teil.“Friedrich Lübstorff: Die deutsche Kürschnerschaft und ihre Neuheiten-Ausstellungen. In: Festschrift für den Kürschnertag des Handwerks, Leipzig 9.-14. Mai 1954. S. 30. Reihe Das Pelzgewerbe, Beilage zur Pelzmodell-Zeitschrift »Hermelin«, 1954 Nr. 4–6, Hermelin-Verlag Dr. Paul Schöps, Berlin, Leipzig

Auch noch nach der Gleichschaltung und Umstrukturierung der Handwerksorganisationen durch die Nationalsozialisten im Jahr 1933 erschien im April 1934 in der Deutschen Kürschner-Zeitschrift eine Anzeige: „Deutsches Modeinistitut hat sich zur Mitarbeit bei der Förderung der deutschen Pelzwirtschaft gegenüber der und ADEPE bereit erklärt: So wurde der neue deutscher Silberkreuzfuchs bereits erstmalig bei den Vorführungen des Deutschen Mode-Institutes in Berlin gezeigt. […]“Anzeige in der Deutschen Kürschner-Zeitschrift im April 1944.

ADEPE mini|Ankündigung einer ADEPE-Modenschau in Frankfurt am Main am 3. Oktober 1985 (Ausschnitt)

In der Bundesrepublik stellte die ADEPE, Arbeitsgemeinschaft der Pelzwirtschaft, ebenfalls einen Zusammenschluss aller Berufsverbände der dortigen Rauchwarenwirtschaft dar, mit dem Zweck der gemeinsamen Werbung und Verkaufsförderung. Die Geschäftsführung und der Vorstand wechselten alle zwei Jahre zwischen dem Zentralverband des Kürschnerhandwerks in Bad Homburg, Auf der Platte 12 und dem Pelzverband.Auskunft Bert Knoop (* 6. Mai 1934; † 23. August 2023), Geschäftsführer des Zentralverbands des Kürschnerhandwerks von 1967 bis 1999, Brief vom 10. Februar 2022. In den bis 1989 jährlich erschienenen Adressverzeichnissen der Branche ist vielleicht deshalb die ADEPE nicht aufgeführt.

Um 1985 wurde sie wesentlich aus dem Werbefond der International Fur Trade Federation (IFTF) unterstützt, der dies mit Mitteln finanzierte, die aus einer Sonderabgabe auf jedes auktionierte Fell stammten. Zusammen mit dem Rauchwarenverband veranstaltete die Arbeitsgemeinschaft der deutschen Pelzwirtschaft ADEPE eine sogenannte „Pelzwoche“, in der Aktionen wie „intensive Medienarbeit, Pressekonferenzen, Modenschauen, Ausstellungen, Verbraucher-Beratungen, Straßen-Aktionen, Tage der offenen Werkstatt-Tür, Bazare etc.“ stattfanden.Henning Zeumer: Die internationale Stellung der deutschen Rauchwaren-Wirtschaft unter besonderer Berücksichtigung des Standortes Frankfurt-Main. Diplomarbeit, Universität Mannheim, Selbstverlag 1985, S. 79–80 (→ Inhaltsverzeichnis).

Eine regelmäßige Veranstaltung war eine Frühjahrsmodenschau, seit 1966 verbunden mit einer Präsentation anlässlich der Frankfurter Pelzmesse für die Presse, seit Oktober 1985 auch offen für alle Branchenmitglieder.ADEPE Veranstaltung am 3. Oktober 1985. In: Winckelmann Pelzmarkt Nr. 815, 20. September 1985, S. 5 Ein zweiter großer Event für die Presse fand jeweils vor Beginn der Wintersaison statt, in dem extrem gewachsenen Gewerbe bis Anfang der 1970er Jahre zum Teil mit erheblichem Aufwand. Im Jahr 1971 war dies eine achtstündige Eisenbahnfahrt im Trans-Europ-Express (TEE) durch die Holsteinische Schweiz mit 130 Teilnehmern, davon 60 Pressevertretern, einschließlich Rundfunk und Fernsehen. Die neue Kollektion wurde an Land und in den Gängen des Trans-Europ-Express vorgeführt. Es begann mit einem Sektfrühstück, es folgten eine Fahrkarten-Verlosung der Bundesbahn, eine Bootsfahrt auf einem der Eutiner Seen zu einer „kleinen romantischen Insel“ mit Modenschau. Eine Beat-Band hatte die Abfahrt begleitet, eine Pfadfindergruppe begrüßte die Gruppe auf der Insel und eine Kapelle spielte bei der Station in Kiel Seemannslieder.ADEPE-Pelzexpress: Ablauf. In: Winckelmann Pelzmarkt Nr. 96, 3. September 1971, S. 5–7. Im Jahr 1967 gab es bereits eine Kreuzfahrt auf dem Fährschiff „Finnhansa“ mit Journalisten, vom 5. bis 6. September 1975 fand als Ostsee-Kreuzfahrt eine Wiederholung mit 100 eingeladenen Pressevertretern statt. Wie schon beim ersten Mal konnte ein Teil der Kabinen von Angehörigen der Pelzbranche gebucht werden.ADEPE geht aufs Wasser, In: Winckelmann Pelzmarkt Nr. 290, 20. Juni 1975, S. 7.Die ADEPE-Veranstaltung auf den zweiten Blick. In: Winckelmann Pelzmarkt Nr. 303, 19. September 1975, S. 1–2, 4. Zunehmend ging die ADEPE jedoch zu einer wesentlich strafferen Modepräsentation mit einer kleineren Zahl ausgewählter Modelle über, besondere Veranstaltungen schloss das nicht aus. Im August 1984 war zu den 4. Modetagen in Berlin in der Hochschule der Künste die Trendschau „Haute Fourrure und Pret-â-Porter“ geplant, zu der „150 Teile führender Häuser des Kürschnerhandwerks und der Pelzbekleidungsindustrie der Bundesrepublik einem etwa 1500 Personen umfassenden Fachpublikum und der internationalen Modepresse vorgeführt“ werden sollten.Aktivitäten der ADEPE. In: Winckelmann Pelzmarkt Nr. 756, 27. Juli 1984, S. 8.

Dem Einzelhandel wurden Werbemittel angeboten und weitgehend finanziert. 1978 war dies ein Werbepaket, bestehend aus Plakaten, Schaufensteraufstellern, Faltblättern, Prospekt-Boxen, Klebemarken und Dokumentationen zum Thema „Pelz und Umwelt“. Etwa 75 Prozent davon ging an Kürschnerbetriebe, der Rest wurde von Kauf-, Mode- und Bekleidungshäusern angefordert.Weiteres von der ADEPE-Sitzung vom 26. September 1978. In: Winckelmann Pelzmarkt Nr. 17, 10. Oktober 1978, S. 17.