miniatur|hochkant=1.7|Landkarte von Folke Bergman mit archäologischen Fundstätten in der Wüste Lop Nor, 1935

Übersetzungen: Ruiner: Ruinen von Siedlungen und Festungen aus der Zeit vor 330 Gammalt vakttorn: Ruinen von Signaltürmen der Chinesischen Mauer Grovar: Grabstätten aus der Zeit 2000 v. Chr. bis 330 Bulak: Brunnen (seit 1971 ausgetrocknet) Ördeks nekropol: Nekropole, die von Sven Hedins Führer Ördek gefunden und von Folke Bergman erforscht und dokumentiert wurde; neuer Name: Xiaohe Nya Lop-nor: See Lop Nor, der in den Jahren 1921–1971 bestand, von der Chinesisch-Schwedischen Expedition vermessen wurde und dann austrocknete

miniatur|hochkant=1.7|Schwedische Karte der Forschungsreisen von Sven Hedin 1886–1935. Die Reiserouten der Mitarbeiter Sven Hedins während der Chinesisch-Schwedischen Expedition 1927–1935 sind nicht dargestellt.

Die Chinesisch-Schwedische Expedition (in der Fachliteratur oft und The Sino-Swedish Scientific Expedition to the North-Western Provinces of China oder ) war eine von Sven Hedin geleitete internationale Forschungsreise.

Die Expedition untersuchte von 1927 bis 1935 die meteorologischen, topographischen und prähistorischen Gegebenheiten in der Mongolei, der Wüste Gobi und Xinjiang. Sven Hedin sprach von der wandernden Universität, in der die beteiligten Wissenschaftler nahezu selbstständig arbeiteten, während Sven Hedin wie ein Manager vor Ort mit den Behörden verhandelte, alles Notwendige organisierte, Geld beschaffte und seine zurückgelegten Routen kartographierte.

Die Expedition Überblick Mit finanzieller Unterstützung der Regierungen von Schweden und Deutschland führte Sven Hedin 1927–1935 die internationale und interdisziplinäre Chinesisch-Schwedische Expedition durch, bei der sich Wissenschaftler an der wissenschaftlichen Erforschung der Mongolei, Xinjiangs und Tibets beteiligten. Sven Hedin gab Archäologen, Astronomen, Botanikern, Ethnologen, Geographen, Geologen, Meteorologen und Zoologen aus Schweden, Deutschland und China die Möglichkeit, an der Expedition teilzunehmen und Forschungen auf ihren Spezialgebieten zu betreiben.

Trotz chinesischer Gegendemonstrationen gelang es Sven Hedin nach monatelangen Verhandlungen in China, die Expedition durch chinesische Forschungsaufträge und durch die Teilnahme chinesischer Wissenschaftler auch zu einer chinesischen Expedition zu machen und einen Vertrag auszuhandeln, der dieser Expedition, die im Kriegsgebiet mit ihrer Bewaffnung und 300 Kamelen wie eine Invasionsarmee aussah, Reisefreiheit gewährte; die Finanzierung allerdings blieb die private Aufgabe von Sven Hedin. Ein nachhaltiges Ergebnis der Expedition war die dabei entstandene wissenschaftliche Qualifizierung der chinesischen Expeditionsteilnehmer durch westliches Know-how; Huang Wenbi beispielsweise wurde später zu einem der Begründer der modernen chinesischen Archäologie.

Der damals 70-jährige Sven Hedin hatte es wegen seiner angegriffenen Gesundheit, des Bürgerkrieges in Chinesisch-Turkestan und der Dauer seiner Kriegsgefangenschaft sehr schwer, nach der Geldentwertung in der Weltwirtschaftskrise Gelder für die Expedition zu beschaffen, die Logistik für die Versorgung der Expedition im Kriegsgebiet und den Zugang der Expeditionsteilnehmer zu den zwischen Warlords umkämpften Forschungsgebieten sicherzustellen.

Das während der Expedition zusammengetragene wissenschaftliche Material wurde von Sven Hedin und den anderen Expeditionsteilnehmern ab 1937 in den Reports from the scientific expedition to the north-western provinces of China under leadership of Dr. Sven Hedin – The sino-swedish Expedition in mehr als 50 Bänden veröffentlicht. Als Sven Hedin schließlich das Geld für die Druckkosten ausging, verpfändete er seine große, wertvolle Bibliothek, die mehrere Räume füllte, um die Herausgabe weiterer Bände zu ermöglichen.

1935 stellte er sein exklusives Wissen über Zentralasien nicht nur der schwedischen Regierung, sondern auch den Regierungen in China und Deutschland in Vorträgen und Vieraugengesprächen mit den politischen Repräsentanten Chiang Kai-shek und Adolf Hitler zur Verfügung.

Die Ergebnisse der Expedition sind noch heute für die chinesische Archäologie von Bedeutung.

Teilnehmer Folgende Expeditionsteilnehmer begleiteten Sven Hedin in verschiedenen Abschnitten der Expedition:

aus Schweden Nils Peter Ambolt, Astronom und Geodät Erik Norin und Nils Gustav Hörner, Geologen Folke Bergman, Archäologe Birger Bohlin und Gerhard Bexell, Paläontologen David Hummel, Mediziner, Zoologe, Botaniker und Anthropologe Georg Söderbom, Übersetzer und Chef von Tross und Küche Herzog Frans August Larson (genannt „der Herzog der Mongolei“), landeskundiger Kaufmann und Karawanenführer Gèosta Montell, Ethnograph (Volkskundler) aus Dänemark Henning Haslund-Christensen, landeskundiger Ethnograph, der mongolische Musik und Volkslieder aufzeichnete aus Deutschland Waldemar Haude, Meteorologe Fritz Mühlenweg, Buchhalter, reiste im Mai 1928 mit anderen Expeditionsteilnehmern nach Deutschland zurück Paul Karl Lieberenz, Kameramann Ferdinand Lessing, Sinologe und Ethnologe die FlugsachverständigenBatkhishig Tserennyam: Die Aeroarctic und Sven Hedins Flugexpedition nach Nordchina, in: Polarforschung, Jg. 88 (2018), Nr. 1, S. 23–30 (hier: S. 29Fn1). Hier abrufbar. Major a. D. Hans Eduard Dettmann, ehemaliger Seeoffizier und Marineflieger, Pilot der Lufthansa, für astrologische Ortsbestimmung und meteorologische Aufgaben zuständig Major a. D. Wilhelm Freiherr Marschall von BiebersteinSven Hedin: Marschall v. Bieberstein. In: Sven Hedin: Fünfzig Jahre Deutschland. F.U. Brockhaus, Leipzig 1938, S. 239–246., genannt Emir, Flieger, Teilnehmer am Hitlerputsch, reiste im Mai 1928 mit anderen Expeditionsteilnehmern nach Deutschland zurück Major a. D. Walter Heyder: von Hedin zeitweise als Stabschef (Vertreter) eingesetzt, kartografische Aufnahmen, topografische Messungen und Jäger, reiste im Mai 1928 mit anderen Expeditionsteilnehmern nach Deutschland zurück Major a. D. Claus Hempel, von Hedin für das Sammellager in Paotou und später in Urumchi (bis November 1928) als Stabschef (Vertreter) eingesetzt, meteorologische und kartografische Aufgaben Major a. D. Bodo Freiherr von Kaull (* 1898): Marineoffizier, Funkspezialist, Bootsbauer, reiste im Mai 1928 mit anderen Expeditionsteilnehmern nach Deutschland zurück Eugen Freiherr von Massenbach, für kartografische Aufnahmen, topografische Messungen und organisatorische Fragen zuständig, reiste im Mai 1928 mit anderen Expeditionsteilnehmern nach Deutschland zurück Major a. D. Franz Josef Walz, Leiter der Boelcke-Staffel, Pour le Mérite, Flugüberwachungsstelle München, als Flugexperte zusätzlich mit meteorologischen und organisatorischen Aufgaben betraut Major Eduard Zimmermann, Berufssoldat und Kommandeur bei den Fliegern, reiste mit Hedin am Beginn der Expedition von Berlin nach Peking, zunächst organisatorische, dann meteorologische Aufgaben, ab September 1927 Leiter der Wetterstation Edsin-gol, kehrte im Januar 1930 endgültig nach Deutschland zurück aus China Xu Xusheng (= Xu Bingchang = Sing Pink-tschang = Hsu Ping-chang, 1888–1976), der Expeditionsleiter Yuan Fuli und Ting Tao-heng, Geologen Huang Wenbi (= Hwang Wen-Pi), Archäologe Chan Fan-hsun und Parker C. Chen, Topographen Kung Yuan-chung, Fotograf K. S. Hao, Botaniker die Studenten Liu Yen-huai, Li Hsien-chih, Ma Hsieh-chien und Tsui He-feng

Hinzu kamen 66 einheimische Kameltreiber und eine Eskorte aus 30 berittenen Soldaten.

Februar 1927 – Mai 1928 Die Expedition erfolgte von Februar 1927 bis Mai 1928 unter Beteiligung der Deutschen Luft Hansa, die die klimatischen Bedingungen in der Wüste Gobi für die Einrichtung einer Fluglinie Berlin-Peking erkunden, Wetterdaten sammeln und Landeplätze mit Wetterstationen und Benzinvorräten anlegen wollte; denn die Junkers-Flugzeuge der Endzwanziger-Jahre erlaubten keinen Nonstopflug nach Peking. Die Reiseroute der Expedition verlief auf der mutmaßlichen späteren Flugroute von Xinjiang nach Peking.

Aber die erstaunlich hohe Summe von eineinhalb Millionen Reichsmark für die Finanzierung dieser Expeditionsaufgabe kam nicht von der Deutschen Luft Hansa, sondern unter der Auflage strengster Geheimhaltung von der Regierung des Deutschen Reiches, wie Akten des Auswärtigen Amtes mit der Unterschrift von Außenminister Gustav Stresemann ergeben (siehe Hans Böhm). Das hat zu der Vermutung geführt, dass es sich bei dieser Expedition, die von acht bewaffneten deutschen Luftwaffenoffizieren (Militärpiloten) begleitet wurde, um einen militärischen Spionageauftrag der Regierung des Deutschen Reiches gehandelt haben könnte.

Am 31. Oktober 1926 reiste Sven Hedin mit der Bahn über Sibirien nach Peking. Während Sven Hedin in Peking Einzelheiten der Expedition verhandelte, wurde im Frühjahr 1927 in Baotou alles zusammengestellt, was für die Expedition gebraucht wurde: 300 geliehene Kamele, 12.000 mexikanische Silberdollars, 400 Kisten Ausrüstung mit einem Gewicht von 40 Tonnen, davon alleine 120 Kisten mit Lebensmitteln und 300.000 Zigaretten, und drei Flugzeuge. Die Karawane brach am 20. Mai 1927 nach Westen auf. In Hodjr To in der Nähe der mongolischen Grenze schlugen die Expeditionsteilnehmer am 28. Mai 1927 ein Standlager mit 23 Zelten auf. Die Archäologen machten von dort aus eine dreiwöchige Exkursion zum Kloster Belimiao in Hallun Ossu. Am 22. Juli 1927 zog die Karawane mit 297 gekauften Kamelen westwärts in die Mongolei.

Sven Hedin übernahm selbst die kartographische Aufnahme des Reiseweges seiner Hauptkarawane. Der Mitarbeiterstab wurde auf drei weitere Karawanen aufgeteilt, die selbstständig ihren speziellen Aufgaben nachgingen. Nach monatelanger Reise auf dem Leidensweg der Kamele erreichten sie zunächst die im Sand versunkenen Ruinen der schwarzen Stadt Kharakhoto (Khara-khoto), die einst zur Zeit von Marco Polo ein reiches Handelszentrum war. Am 23. September 1927 kam die Expedition in Tsondol an der Flussoase Edsen-gol (jetzt Juyan genannt) an. Der deutsche Meteorologe Waldemar Haude richtete dort eine Wetterstation ein, ließ wasserstoffgefüllte Pilotballons bis in die Stratosphäre steigen und gewann dabei wertvolle Erkenntnisse über die Aeroklimatologie Innerasiens. Später errichtete er weitere Wetterstationen in Ti-hwa, Kuchar und Cho-chiang (Charklik).

Die Expedition brach am 8. November 1927 zur Durchquerung der Wüste Gobi in Richtung Hami und Ürümqi auf. Bei Sandstürmen, Schneestürmen und eisiger Novemberkälte kam die Karawane auf dem Pfad der Nachdenklichkeit, wie die Mongolen diese Route durch die Wüste Gobi nennen, nur langsam voran.

Ein Drittel der Kamele verhungerte, Sven Hedin erkrankte an Gallensteinen und musste im Bett durch die Wüste Gobi getragen werden. An der Quelle Sebastei feierten sie das Weihnachtsfest 1927. Im Januar 1928 erreichte die Karawane in Hami die Grenze zwischen der Mongolei und Xinjiang. Dort musste Sven Hedin seine Kamele und die mongolischen Begleiter zurücklassen. Unter strenger militärischer Bewachung wurden die Expeditionsteilnehmer über Gaochang nach Ürümqi, der Hauptstadt von Xinjiang, gebracht. Sven Hedin wurde dort mit militärischen Ehren empfangen.

Da der Gouverneur Yang Zengxin in Ürümqi im Frühjahr 1928 jede Genehmigung für Flüge über Xinjiang ablehnte, zog die Deutsche Luft Hansa daraufhin ihre an der Expedition beteiligten Mitarbeiter zurück. Sven Hedin reiste mit ihnen am 5. Mai 1928 nach Berlin und weiter nach Stockholm, während die übrigen Expeditionsteilnehmer ihre Forschungen vor Ort weiterbetrieben.

Sommer 1928 – Herbst 1933 miniatur|Der Cihangpudu Tempel (links) mit dem Goldenen Pavillon Wanfaguiyi im Innenhof