Caesar von Hofacker, auch Cäsar von Hofacker (* 11. März 1896 in Ludwigsburg; † 20. Dezember 1944 in Berlin-Plötzensee) war ein deutscher Jurist und Reserveoffizier der Luftwaffe. Beim Attentat vom 20. Juli 1944 auf Hitler nahm er im deutsch besetzten Paris eine führende Rolle ein.
Leben Familie Caesar von Hofacker war der Sohn des späteren württembergischen Generalleutnants Eberhard von Hofacker und dessen Ehefrau Albertine (1872–1946), geborene Gräfin von Üxküll-Gyllenband, einer Cousine des Widerstandskämpfers Nikolaus Graf von Üxküll-Gyllenband. Seine Großtante war Hildegard von Spitzemberg, Claus Schenk Graf von Stauffenberg war sein Cousin. Der preußische Heeresreformer August Neidhardt von Gneisenau war sein Ururgroßvater.Eberhard Birk: Caesar von Hofacker und der militärische Widerstand. In: Militärgeschichte. Zeitschrift für historische Bildung, Jg. 2004, Heft 2, S. 8–11, hier S. 8.
1927 heiratete von Hofacker Ilse-Lotte Pastor (1898–1974), eine Großnichte von Friedrich Engels; aus der Ehe stammen die Kinder Eberhard (1928–2001), Anna-Luise (1929–2016), Christa (1932), Alfred (1935) und Lieselotte (1938). Anna-Luise heiratete später den Generalmajor der Bundeswehr Richard von Rosen.
Erster Weltkrieg und Zwischenkriegszeit Hofacker trat am 8. August 1914 nach Beginn des Ersten Weltkriegs als Freiwilliger in das vormals von seinem Vater befehligte Ulanen-Regiment „König Wilhelm I.“ (2. Württembergisches) Nr. 20 ein und war ab 12. Dezember 1914 bei der 1. Eskadron im Einsatz. Am 7. Mai 1915 wurde er zum Unteroffizier, am 4. Dezember 1915 zum Vizewachtmeister d. R. und am 30. März 1916 zum Leutnant der Reserve befördert. Am 7. Juni 1916 wurde er zur Ersatz-Eskadron, am 25. Dezember 1916 zur Ausbildung als Flugzeugführer zur Flieger-Ersatz-Abteilung 5 versetzt.Kriegsrangliste des Regiments lfd. Nummer 428 Nach bestandener Prüfung war Hofacker bei der Feldflieger-Abteilung 69 eingesetzt, wo er am 20. Februar 1917 mit der Goldenen Militärverdienstmedaille ausgezeichnet wurde.Otto von Moser: Die Württemberger im Weltkriege. 2., erweiterte Auflage, Chr. Belser AG, Stuttgart 1928, S. 130.
Am 3. April 1917 wurde er auf Wunsch König Wilhelms II. von Württemberg wieder zur Ersatz-Eskadron des Regiments versetzt. Er wurde am 10. Mai 1917 zur 26. Division versetzt und zur Deutschen Militärmission in der Türkei kommandiert. Als Oberleutnant geriet er dort am 20. Oktober 1918 in französische Kriegsgefangenschaft. Er wurde am 14. März 1920 aus der Gefangenschaft und am 17. März 1920 aus dem Heeresdienst entlassen.
Nach dem Studium der Rechtswissenschaften in TübingenEintrag zu Caesar von Hofacker in der Deutschen Digitalen Bibliothek wurde er 1925 zum Dr. jur. promoviert und war seit 1927 Mitarbeiter, seit 1936 Prokurist der Vereinigten Stahlwerke in Berlin. 1931 trat er dem Stahlhelm-Bund der Frontsoldaten bei.
Zweiter Weltkrieg Bei Kriegsbeginn wurde Caesar von Hofacker als Reserveoffizier zur Luftwaffe eingezogen. Er diente im Polenfeldzug in der II. Staffel der Aufklärungsgruppe 10. Nach Abschluss des Westfeldzugs wurde er dem Verwaltungsstab des Militärbefehlshabers in Paris zugewiesen. Dem Militärbefehlshaber mit Sitz in Paris unterstanden die Militär- und Wirtschaftsverwaltungen in den besetzten, ab November 1942 auch in den unbesetzten Regionen Frankreichs.
Verwaltungsstab des Militärbefehlshabers in Paris Hofacker war als Verbindungsoffizier zur französischen Stahlindustrie Mitglied des Verwaltungsstabs des Militärbefehlshabers in Paris geworden, dem Zentrum des deutschen Widerstands gegen den Nationalsozialismus in Frankreich. Nach Wilhelm Ritter von Schramm, der beim Oberbefehlshaber West in La Roche-Guyon das Kriegstagebuch führte, agierte von Hofacker in diesem Rahmen als „der eigentliche Anführer der Widerstandsbewegung im Westen“. Beim Militärbefehlshaber, General der Infanterie Carl-Heinrich von Stülpnagel hatte er eine Vertrauensstellung. Stülpnagel war bereits 1938 Teil der Septemberverschwörung gegen Hitler gewesen. Weitere Mitglieder der Verschwörung im Verwaltungsstab von General Stülpnagel waren der Leiter der Wirtschaftsabteilung Elmar Michel, der Autor des „Bargatzky-Berichts“ über den Kunstraub in Frankreich Walter Bargatzky, Major Max Horst, Schwager von General Hans Speidel, Friedrich Freiherr von Teuchert (1902–1986), Gotthard von Falkenhausen und der Richter Rudolf Thierfelder.
Der Chef des militärischen Stabes des Militärbefehlshabers, Oberst Hans Otfried von Linstow, der Oberquartiermeister (Ib) im Stabe, Oberstleutnant Rudolf Hartmann sowie der Oberquartiermeister des Oberbefehlshabers West, Oberst Eberhard Finckh gehörten ebenfalls zum Kern der Pariser Verschwörungsgruppe. Eine weitere bedeutende Person im Pariser Widerstand war der Kommandant von Groß-Paris, General Hans von Boineburg-Lengsfeld. Als Mitwisser gilt der Gesandte Werner von Bargen, Geschäftsträger an der Deutschen Botschaft in Paris. „Nirgendwo sonst im gesamten deutschen Herrschaftsbereich war die Widerstandsbewegung stärker vertreten als in Paris“.
Entstehung des Widerstandsnetzwerkes Die Pariser Widerstandsgruppe begann sich zu formieren, als von Hofacker aus Berlin Ende 1943 die Nachricht brachte, dass sich dort unter Führung seines Vetters Claus von Stauffenberg eine Widerstandsgruppe gebildet habe. Von Juli bis Oktober 1943 befand sich Fritz-Dietlof von der Schulenburg als Oberleutnant und Mitglied der sogenannten Unruh-Kommission in Paris. Der „bedeutendste Verbindungsmann des 20. Juli“ war ein persönlicher Freund Hofackers. Schon am 2. August 1943 signalisierte von Schulenburg General Friedrich Olbricht in Berlin, „Dr. Zange’s [Stülpnagels] Bereitschaft, mitzuwirken“. Am 27. März 1944 bekannte sich von Hofacker in einem Gespräch mit Ernst Jünger, seit 1941 als Major der Reserve beim Militärbefehlshaber, zu einem Attentat auf Hitler, der „in die Luft zu sprengen sei“.
Treffen mit Feldmarschall Erwin Rommel Am 15. Mai 1944 hatten sich der Oberbefehlshaber der Heeresgruppe B, Feldmarschall Erwin Rommel, und General von Stülpnagel im am westlichen Stadtrand von Paris gelegenen Mareil-Marly getroffen; ebenso anwesend waren Generalleutnant Hans Speidel, Oberst Eberhard Finckh und Oberstleutnant Rudolf Hartmann. Anlass war die Taufe von Karl Joachim Kossmann (1944–2021), Sohn des Obersten Karl-Richard Kossmann. Der in die Staatsstreichpläne eingeweihte Kossmann hatte hierfür sein angemietetes Landhaus zur Verfügung gestellt. Bei dieser arrangierten Gelegenheit hatte Rommel einer Verhaftung Hitlers zugestimmt, falls sich bei einem Frontbesuch des „Führers“ die Gelegenheit ergäbe. In der politischen wie militärischen Beurteilung war man sich einig. Für die einer Verhaftung folgenden Verhandlungen mit den Westalliierten unter der Führung von General von Stülpnagel war auch Caesar von Hofacker bestimmt worden. Die Pläne scheiterten, weil Hitler vor der Invasion in der Normandie nicht nach Frankreich kam.
Mit der Invasion vom 6. Juni 1944 änderte sich die Situation für die Pariser Verschwörungsgruppe. Paris war bis dahin „ein Nebenkriegsschauplatz von untergeordneter Bedeutung“ gewesen. Nunmehr hatte sich eine Perspektive eröffnet, die mit dem geplanten Staatsstreich einen Waffenstillstand im Westen verbinden ließe. Am 25. Juni 1944 entsandte Generalmajor Hellmuth Stieff, Chef der Organisationsabteilung im Oberkommando des Heeres, den dem Widerstand zugehörigen Oberst i.G. Eberhard Finckh als neuen Oberquartiermeister zur Heeresgruppe B. Der als genial geltende Nachschubspezialist teilte Feldmarschall Rommel mit, dass Stauffenberg aus der Führung des Ersatzheeres heraus ein Attentat auf Hitler plane. Rommel wollte allerdings ein Attentat nicht billigen, sondern hielt an einer Verhaftung fest.
Am 9. Juli 1944 fuhr von Hofacker nach La Roche-Guyon zu Feldmarschall Rommel. Am Vortag war im Osten die sowjetische Operation Bagration (22. Juni bis 8. Juli 1944) mit dem Zusammenbruch der Heeresgruppe Mitte und dem Verlust von 350.000 Mann zu Ende gegangen. „Schuld an der Katastrophe [trug] allein die oberste Führung, in erster Linie Hitler selbst“. An der Invasionsfront standen die Alliierten vor Caen, die Halbinsel Cotentin war abgeschnitten. Über das Gespräch Hofackers mit Erwin Rommel besteht nach früheren kontroversen Diskussionen nach der Auffindung neuer Quellen heute weithin Gewissheit. Besonders überzeugend ist eine Aktennotiz Martin Bormanns vom 28. September 1944 zu den Untersuchungen zum Attentat zu werten, die der Dokumentarfilmproduzent und Autor Maurice Philip Remy entdeckt hat: Der Feldmarschall sei „durchaus im Bilde gewesen; Rommel habe erklärt, dass er der neuen Regierung nach gelungenem Attentat zur Verfügung stehen würde“. Er sei auch „keinesfalls als Nazi anzusehen“. Erwin Rommel war von Hofacker in die nun konkret gewordenen Staatsstreichpläne eingeweiht worden und damit „Teil des militärischen Widerstandes gegen den Nationalsozialismus“. Der Feldmarschall hatte sich dem Staatsstreich zur Verfügung gestellt, er war „ins Lager der Verschwörer übergewechselt“. Umso tragischer kann der Ausfall des Feldmarschalls für den weiteren Ausgang des Staatsstreichs vom 20. Juli gewertet werden, der nach einem Frontbesuch am 17. Juli 1944 durch einen Tieffliegerangriff schwer verletzt worden war. Drei Tage später stand so dem neuen Oberbefehlshaber West (seit 3. Juli 1944), Feldmarschall Günther von Kluge, kein entschlossener Heerführer mehr zur Seite.
20. Juli 1944 in Paris Nachrichten und Reaktionen Vom 10. bis 16. Juli 1944 befand sich von Hofacker in Berlin, wo er am 16. Juli seinen Vetter Stauffenberg, Albrecht Mertz von Quirnheim, Peter Yorck von Wartenburg, Adam von Trott zu Solz, Fritz-Dietlof Graf von der Schulenburg, Ulrich Wilhelm Graf Schwerin von Schwanenfeld und Carl Goerdeler traf. Am Morgen des 20. Juli erhielt er im Pariser Hotel Majestic (heute: The Peninsula Paris), dem Hauptquartier des Militärbefehlshabers, aus Berlin die telefonische Nachricht „Übung“, welche das unmittelbar anstehende Attentat ankündigte. Gegen 16.00 Uhr teilte ihm von Stauffenberg, gerade vom Führerhauptquartier in Rastenburg zurück, telefonisch aus dem Bendlerblock mit, das Attentat sei erfolgreich verlaufen, der „Führer“ tot. Zum selben Zeitpunkt nahm von Stülpnagel ein Fernschreiben mit dem Code „abgelaufen“ entgegen. Der Militärbefehlshaber befahl daraufhin seinem Stabschef, Oberst von Linstow, und dem Kommandanten von Groß-Paris, General von Boineburg-Lengsfeld, alle Mitglieder der Sicherheitspolizei (Sipo), des SD und der SS im Großraum von Paris zu verhaften. Nach 18.00 Uhr setzte Stülpnagel sich mit Generaloberst Ludwig Beck im Berliner Bendlerblock telefonisch in Verbindung. Auf Becks Frage, wie sich Generalfeldmarschall von Kluge verhalten würde, stellte Stülpnagel eine Direktverbindung zum Hauptquartier in La Roche-Guyon her. Zwischenzeitlich hatte von Kluge aber bereits gegensätzliche Nachrichten über den Erfolg des Attentats erhalten und hielt Beck lavierend hin. Er wies seinen Stabschef General Günther Blumentritt an, Genaueres in Erfahrung zu bringen. Nachdem dieser bei Carl Oberg keine Klarheit erhalten und weder Keitel noch den Generaloberst Alfred Jodl oder General Walter Warlimont erreicht hatte, rief von Kluge selbst im Oberkommando des Heeres Helmut Stieff, seinen ehemaligen Ia-Offizier, an. Es war zwischen 20.50 und 21 Uhr, als Hellmuth Stieff das Scheitern des Attentats bestätigte. „Für ihn [Kluge] war die Angelegenheit damit beendet“. Im nachfolgenden Gespräch mit Blumentritt und Hans Speidel äußerte der Feldmarschall: „Ja, es ist eben ein missglücktes Attentat“.
Bei Feldmarschall von Kluge in La Roche-Guyon