Die Geschichte der Luftfahrt in Osttimor beginnt im 20. Jahrhundert mit dem Besuch von Luftfahrtpionieren in ihrem Bestreben nach Streckenrekorden. Im Zweiten Weltkrieg und in der Zeit der indonesischen Besatzung kamen Luftstreitkräfte zum Einsatz. Nach dem Zweiten Weltkrieg lebte der zivile Luftverkehr auf, der auch heute noch in Osttimor sowohl national die Landesteile miteinander verbindet als auch international, als einer der wichtigsten Wege von der Außenwelt in den Inselstaat.
Geschichte Pionierflieger in Westen, Liniendienst im Osten mini|Ross (l.) und Keith Smith (1921)
Als erstes Flugzeug landete am 9. Dezember 1919 eine Vickers Vimy auf Timor, geflogen von den australischen Brüdern Ross und Keith Smith. Allerdings landeten sie in Atambua, im damals niederländischen Westteil der Insel (heute Indonesien).Frédéric Durand: Timor: 1250–2005 – 750 ans de cartographie et de voyages, S. 345–356, Toulouse, Bangkok 2006, ISBN 2-9520184-4-8. Sie waren Teil eines Wettrennens von London nach Darwin (Australien). Den Smith-Brüdern gelang das Ziel, die Strecke in weniger als 30 Tagen zurückzulegen. Sie brauchten 27 Tage.Australian Dictionary of Biography: Keith Smith, abgerufen am 12. Juni 2010. Von den teilnehmenden sechs Flugzeugen erreichte nur eine weitere Maschine Australien. Auch das Flugzeug von Raymond Parer und John McIntosh wählte Atambua als Zwischenstopp. Weitere Piloten folgten dieser Route, darunter Bert Hinkler (1928), Amy Johnson (1929) und Charles Kingsford Smith (1930). Da Johnson das Kerosin ausging, musste sie auf einer Wiese landen, wo Timoresen mit Messern in Händen und Zähnen auf Pferden auf sie zugestürmt kamen. Sie erwiesen sich aber als sehr freundlich und brachten Johnson zu einer Jesuitenmission, wo auch bald die niederländischen Offiziellen erschienen. Am nächsten Tag flog sie weiter nach Darwin.
Anfang 1930 entschied die Zivilluftfahrtbehörde des Commonwealth einen regelmäßigen Postdienst einzurichten. In Kupang, der niederländischen Hauptstadt Westtimors, entstand ein Flugplatz, den der Pilot Oscar Garden im November 1930 als Erster nutzte. Von April bis Mai 1933 untersuchte der Australier David Ross zusammen mit dem Ingenieur Des Gradiner mit einer de Havilland DH.60 Moth Strecken für eine neue Flugverbindung der Qantas Empire Airways von Darwin nach Singapur für die weiterführende Verbindung nach London. Der erste Versuchsflug von Karatschi nach Darwin stürzte aber im April 1934 am Flugplatz von Kupang ab. Erfolgreich flogen von Kupang nach Darwin Freda Thompson (1934) und Amelia Earhart (1937).
mini|Humberto da Cruz (l.) und António Gonçalves Lobato (1934)
Portugiesisch-Timor war die letzte Kolonie, die noch kein portugiesisches Flugzeug angeflogen hatte. Nur britische, französische, niederländische und japanische Maschinen waren bis hierher vorgedrungen. Am 25. Oktober 1934 starteten der Pilot Humberto da Cruz und der Mechaniker António Gonçalves Lobato von Lissabon aus nach Timor mit Zwischenstopps in Nordafrika und Südasien. Am 7. November landeten die Portugiesen mit ihrer De Havilland DH.85 Leopard Moth in der Kolonialhauptstadt Dili. Hier tauften sie ihr Flugzeug nach der Stadt „Dilly“. Der Flughafen von Dili, der Anfang der 1930er-Jahre entstand, wurde zu Ehren von Cruz nach ihm Aeródromo Humberto da Cruz benannt. Nach einem Umweg über Macau flog die Maschine über Portugiesisch-Indien zurück nach Lissabon, das sie am 21. Dezember erreichte. Die „Dilly“ wurde später an die Kolonialregierung von Portugiesisch-Guinea abgegeben und erhielt das zivile Kennzeichen CR-GAA. Sie war damit die erste Zivilmaschine eines portugiesischen Überseegebietes. Bei einem Unfall auf dem Flugplatz von Bolama brannte die Maschine schließlich aus.Mário Mota Correia, Jacinto de Jesus Tavares: A Aviação Portuguesa: Viagens Aéreas dos Portugueses: Lisboa - Timor - Lisboa, S. 5 ff., abgerufen am 22. Januar 2022.Tatoli auf Youtube: PRIMEIRO AVIÃO PORTUGUÊS EM TIMOR, 10. Januar 2022, abgerufen am 22. Januar 2022.Mark O’Shea, Van Wallach, Emma Hsiao und Hinrich Kaiser: “Anteaters” under the airport: a slender new species of blindsnake, genus Indotyphlops, from Timor-Leste(Scolecophidia: Typhlopidae: Asiatyphlopinae), Can.J.Zool. 101: S. 486–498 (2023), .
Im Mai 1939 wurde die Flugroute London–Darwin eröffnet. Die Zwischenlandung erfolgte auf dem neuen Flughafen Baucau in Portugiesisch-Timor. Im Gegensatz zu Kupang verfügte Baucau über eine Landepiste, die den damaligen internationalen Normen entsprach.Frédéric Durand: Timor: 1250–2005 – 750 ans de cartographie et de voyages, S. 357–372, Toulouse, Bangkok 2006, ISBN 2-9520184-4-8. Die Transportes Aéreos de Timor (TAT), die Fluggesellschaft der Kolonie wurde im Juli 1939 gegründet, sechs Jahre vor der Transportes Aéreos Portugueses, der nationalen Fluggesellschaft des Mutterlands.Flight Global Archive 1976
Der Zweite Weltkrieg
mini|Luftbild des alten Flughafens von Dili (1942)
Am 26. und 30. Januar kam es zu ersten Angriffen durch japanische Flugzeuge auf Penfui, wo der Flughafen von Kupang liegt. Dagegen setzten die Alliierten auch elf Curtiss P-40 der 33rd Pursuit Squadron der United States Army Air Forces von Darwin aus gegen die Angreifer ein.
Am 17. Dezember 1941 stationierten die Alliierten entgegen der Neutralität und dem Willen des Gouverneurs Portugals in Portugiesisch-Timor Truppen, um einer japanischen Besetzung zuvorzukommen. Wegbereiter war auch David Ross, der seit dem Dezember 1940 in Dili war.Assignment Aisa: WAYNE GOBERT UNCOVERS THE SURPRISING TRUTH OF AUSTRALIA'S INTELLIGENCE WORK BEFORE AND DURING WORLD WAR II., abgerufen am 16. August 2017. Er sollte den Start einer Flugbootroute der Qantas über Dili vorbereiten und arbeitete gleichzeitig als Agent, der die japanischen Aktivitäten in der portugiesischen Kolonie ausspähte. Später wurde Ross offiziell australischer Repräsentant für den zivilen Luftverkehr in Dili und im Oktober zum ersten britisch-australischen Honorarkonsul in der Kolonie.Materials on East Timor during World War II, 2008 (japanisch, englisch).Christopher Chant: The Japanese conquest of Timor (II), abgerufen am 16. August 2017.
Aufgrund der alliierten Besetzung erfolgte der japanische Angriff in der Nacht vom 19. zum 20. Februar 1942 auf beide Teile der Insel. In Penfui führten Japaner die erste Luftlandung in der Geschichte Timors durch. In Bedrängnis zerstörten die Alliierten die Landebahn. Bis 1945 blieb Timor Kriegsschauplatz. Mit Hilfe von timoresischen Zwangsarbeitern bauten die Japaner mehrere Flugfelder, die heute teilweise noch im Gebrauch sind. Sie dienten auch Luftangriffen auf Australien.Geoffrey C. Gunn: , verfügbar vom Centro de Estudos sobre África, Ásia e América Latina, CEsA der TU-Lissabon (PDF-Datei; 805 kB).
Die Japaner begannen im August 1942 systematisch portugiesische Posten zu bombardieren, um die Verwaltung zerstören. Auch Australien geriet in die Reichweite japanischer Luftangriffe von Timor aus. Besonders schwerwiegend war die Versenkung der HMAS Armidale durch 13 japanische Flugzeuge in der Timorsee.Armidale, Seite der australischen Marine (englisch) Ab Ende 1942 bombardierten zwei bis drei alliierte Flugzeuge Dili einmal pro Woche, ab November sogar täglich, was auch zivile Opfer forderte. Hauptziele waren das japanische Konsulat (November 1942), die Radiostation (März 1943), ein portugiesisches Schiff und das Krankenhaus (Februar 1944). Die Bevölkerung hatte bereits im Juni 1942 die Stadt verlassen. 1944 wurde Lautém von der australischen Luftwaffe bombardiert. Weitere Ziele waren Aileu, Lahane, Bobonaro, Hatolia Vila und Kupang.Kisho Tsuchiya: Indigenization of the Pacific War in Timor Island: A Multi-language Study of its Contexts and Impact, S. 7, Journal War & Society, Vol. 38, No. 1, Februar 2018.José Ramos-Horta: Funu – Osttimors Freiheitskampf ist nicht vorbei! Ahriman, Freiburg 1997, ISBN 3-89484-556-2.Australian War Memorial: English: HATOELIA, TIMOR. 1944., abgerufen am 4. Februar 2024.
Am 21. August 1942 stürzte ein Hudson-Bomber der Royal Australian Air Force ab, im äußersten Westen der Aldeia Ranac (Suco Cribas), zwischen der Überlandstraße und dem Fluss Sumasse.Edward Willis: WWII IN EAST TIMOR, AN AUSTRALIAN ARMY SITE AND TRAVEL GUIDE, MANATUTO DISTRICT, Cribas , 2/2 Commando Association of Australia, abgerufen am 11. Februar 2024.
Zivile Luftfahrt in der Kolonialzeit mini|Die Halle der TAT am Flughafen Dili in der Kolonialzeit
Australien wurde sich durch die Bombardierungen Darwins im Zweiten Weltkrieg der für sie wichtigen strategischen Lage Timors bewusst. Am 26. Januar 1946 erreichte mit Charles Eaton der neue australische Konsul Dili. Auf sein Betreiben begannen die Australier mit Catalinas der RAAF am 24. April 1946 einen Fluglinienbetrieb zwischen Dili und Darwin. Allerdings war die Route nie rentabel und wurde es noch weniger, als Portugal einen Flugdienst nach Kupang eröffnete, von wo aus eine niederländische Flugverbindung nach Darwin existierte. 1950 wurde der Betrieb der australischen Verbindung eingestellt.Steven Farram: Eaton and White in Portuguese Timor: The first two Australian consuls, 1946–1950 (PDF; 388 kB), abgerufen am 21. September 2013. 1954 nahm die Transportes Aéreos de Timor (TAT), die erste Fluggesellschaft der Kolonie, ihren Betrieb wieder auf und verband verschiedene Punkte in der Kolonie und den benachbarten Regionen. 1960 stürzte eine Maschine der TAT auf dem Flug von Darwin nach Baucau ab. Alle neun Insassen des zweimotorigen Flugzeugs kamen ums Leben.Aviation Safety Network (englisch) In den 1960er-Jahren nahm auch die Trans Australia Airlines (TAA) eine Verbindung von Darwin nach Baucau wieder auf, was zu einem kleinen Touristen-Boom in Portugiesisch-Timors zweitgrößter Stadt führte.Michael Rose: A tale of four airports: aviation in Timor-Leste, 18. Juli 2018, abgerufen am 23. Januar 2022.
Nach der Nelkenrevolution in Portugal 1974 wurden die Kolonien auf die Unabhängigkeit vorbereitet, doch durch Einflüsse des indonesischen Militärs brach 1975 ein Bürgerkrieg in Osttimor aus, den die FRETILIN für sich entscheiden konnte. In Baucau, einer Hochburg der unterlegenen União Democrática Timorense (UDT) kaperten am 4. September Bewaffnete ein australisches Militärflugzeug aus Angst vor Vergeltungsmaßnahmen der FRETILIN und zwangen die Piloten insgesamt 44 Flüchtlinge nach Australien zu bringen.Luke Henriques-Gomes: ‘It was life or death’: the plane-hijacking refugees Australia embraced, In: The Guardian, 16. Januar 2021, abgerufen am 17. Januar 2021.
Ebenfalls nach Australien floh eine Gruppe Timoresen an Bord einer DH.104 der TAT. Mit Hilfe des australischen Piloten hatten sie zuvor im Bürgerkrieg vom Flugzeug aus Handgranaten auf Stellungen der Gegner abgeworfen. Die Manatuto steht heute im Aviation Heritage Museum in Darwin.Airliners.net (englisch)José Ramos-Horta: The story of an old DOVE civilian aircraft owned and operated by TAT - Transportes Aereos de Timor up to 1974, still retained in Darwin., 23. Oktober 2024, abgerufen am 23. Oktober 2024.
Indonesische Invasion und Besatzung mini|OV-10 Bronco der indonesischen Luftwaffe