mini|400px|Links und Rechts

Links (auch linkerhand) und rechts (auch rechterhand) sind Zuordnungsbeschreibungen für zwei durch die Vertikale getrennte Seiten aus der Perspektive des Betrachters. Damit verbunden sind zwei gleichnamige einander entgegengesetzte Standort- oder Richtungsangaben. Das Begriffspaar dient zusammen mit oben und unten sowie vorne und hinten als relative Positions- bzw. Richtungsbezeichnung der Orientierung im Raum.

In der Konnotation abweichend meint die Bezeichnung bei Stoffen in der Regel die Außen- (rechts) und die Innenseite (links) (siehe Bekleidung, Textilien, Lochung).

Händigkeit

Die rechte und linke Hand sind nicht identisch, auch wenn sie gleich groß sind. Sie unterscheiden sich in ihrer Händigkeit und Chiralität. Chiral bedeutet, dass sich beide Hände bei gleicher Raumorientierung nicht symmetrisch zur Deckung bringen lassen.

Die Gesetze der Physik sind weitgehend, aber nicht vollständig symmetrisch, was links und rechts angeht. Man kann ein physikalisches Experiment durchführen, bei dem Unterschiede zwischen beiden Richtungen bei der Messung zur Festlegung von links und rechts dienen können. Diese Abweichung von der Spiegelsymmetrie wird als Paritätsverletzung bezeichnet. Sie tritt nur im Zusammenhang mit der schwachen Wechselwirkung auf.

Objekte Für Objekte kann eine linke und rechte Seite definiert werden, dabei stellt sich häufig die Frage, ob dies vom Standpunkt des Betrachters oder einem anderen Standpunkt aus gesehen wird.

Lebewesen lang=de|mini|hochkant=0.5|Von hinten

Linke und rechte Körperhälfte sowie rechte und linke Körperteile werden anatomisch aus der Sicht des Individuums – medizinisch aus Sicht des Patienten – beschrieben. Die Unterscheidung von rechts und links wird im Kindesalter erlernt. Fachlich spricht man von „egozentrischer“ Sicht. Die Übertragung dieser Sichtweise auf die Körper anderer Personen erfordert einen weiteren Lernschritt.

Bei den Schnecken gibt es, meist artspezifisch, links- und rechtsgewundene Schneckenhäuser. Die Windung des Gehäuses wird von der Spitze (Apex) aus betrachtet: eine Drehrichtung gegen den Uhrzeigersinn – dann liegt die dem Betrachter zugewandte Gehäusemündung links – ist linksgewunden (sinistral), eine Drehrichtung im Uhrzeigersinn ist rechtsgewunden (dextral). Das Gehäuse der weitaus meisten Schneckenarten ist rechtsgewunden. Ein so genannter Schneckenkönig ist eine einzelne Schnecke, deren Gehäuse in die spiegelbildliche, artuntypische Richtung gewunden ist. Die Gefleckte Weinbergschnecke beispielsweise ist rechtsgewunden, ein „Schneckenkönig“ tritt bei dieser Art mit einer Häufigkeit von 1:20.000 auf.

Die weitaus meisten Tiere gehören zu den Bilateria (Zweiseitentiere) mit einer linken und einer rechten Körperhälfte, die zueinander weitgehend spiegelsymmetrisch sind. Diese Bilateralsymmetrie ist jedoch nicht vollkommen – so gibt es Asymmetrien in der Anordnung unpaarer (einfach ausgebildeter) innerer Organe wie Herz und Leber (Situs inversus), jeweils geringfügige Abweichungen bezüglich Lage, Form und Größe der Augen, Ohren, Gliedmaßen und so weiter zueinander.

Flüsse

Die talwärtige Blickrichtung, also flussabwärts, in Fließrichtung von der Quelle zur Mündung, legt das linke und das rechte Ufer eines Flusses fest.

Schriftstücke, Bilder und Karten Bei Schriftstücken, Bildern und Karten definiert der Standpunkt des Betrachters die linke und rechte Seite. So werden Personen oder Gegenstände auf Bildern im deutschen Sprachraum meistens „von links nach rechts“ (v. l. n. r.) benannt.

In vielen Sprachen schreibt man wie im Deutschen von links nach rechts. In anderen Sprachen, zum Beispiel im Hebräischen und im Arabischen, wird von rechts nach links geschrieben. Die Indischen Ziffern schreibt man in Schriften beiderlei Schreibrichtung jeweils mit der Einerstelle rechts und jeder weiteren Stelle links davon.

Auf einer Landkarte befindet sich meistens oben Norden, unten Süden, links Westen und rechts Osten. Karten der Nordpolregion oder der Antarktis werden so orientiert, dass der vom mittigen Pol ausgehende Nullmeridian senkrecht nach unten bzw. – vom Südpol – nach oben weist. Damit liegt auf jeder dieser Pol-Karten die West-Hemisphäre links und die östliche rechts.

rechts|40px Grundrisse von Gebäuden werden meist so gezeichnet, dass die Längsseiten parallel zum Papier gezeichnet sind. Die nördliche Himmelsrichtung wird dann mit einem passend ausgerichteten Nordpfeil eingezeichnet.

Orientierungspläne auf Tafeln etwa von Gebäudegängen, Messegeländen, Einkaufszentren, Wohnsiedlungen werden als vertikale Tafel günstig so orientiert, dass rechts am Plan beim parallelen Blick über die oder neben der Tafel vorbei auch rechts in der Natur entspricht – ein Nordpfeil am Plan weist dann im Allgemeinen nicht nach oben.

Röntgenbilder, fotografischer Film Bei medizinischer Behandlung am menschlichen Körper darf mit hoher Sicherheit keine Verwechslung der Seiten vorkommen. So wird grundsätzlich auf jedem Röntgenbild markiert, welche Körperseite, oder Extremitäten welcher Seite abgebildet werden. Durch die Chiralität der Anfangsbuchstaben L und R – im Deutschen – eignen sich diese grafisch optimal zur Anzeige sowohl der Körper(teil)seite als auch der korrekten Betrachtungsrichtung des Röntgenbilds, das auf beidseitig beschichtetem Film vorliegt. Der Röntgenstrahlenkegel läuft etwa von oben durch eine Hand oder einen Lungenflügel hindurch auf eine (lichtdichte) Röntgenfilmkassette, auf diese wird dazu der Markierungsbuchstabe (Bleizeichen, aus Messing oder NiRo) für die entsprechende Körperseite gelegt. Dieser Buchstabe ist dann aus Betrachtungsrichtung (wie Belichtungsrichtung von oben) grafisch seitenrichtig lesbar. Bei Durchleuchtung der Lunge des stehenden Menschen also Bestrahlung von hinten und gleichzeitiger Betrachtung am Fluoreszenzschirm von vorne wird das Bild jedoch aus der Gegenrichtung betrachtet. Wird ein Röntgenbild in dieser Projektionsart angefertigt, ist der Buchstabe umzudrehen, oder ein Aufsteckbuchstabe in Spiegelschrift zu verwenden, damit er bei üblicher Betrachtung „gegen den Röntgenstrahl“ seitenrichtig erscheint.

Kleinbildfilm wird durch das Objektiv auf der Schichtseite belichtet und als Diapositiv oder negativ genau im umgekehrten Strahlengang auf Leinwand oder Papierbild projiziert („vergrößert“). Links und rechts, genauso wie oben und unten sind in Natur und auf Film, bzw. Film und Leinwand (Bild) vertauscht, jeweils aus Sicht des Fotografen hinter der Kamera oder des Projektorbedieners. Diese Abbildung entspricht jeweils einer Drehung um 180° in der optischen Achse. Kleinbildfilme sind mitunter an den Randstreifen so mit Aufnahmenummern versehen, dass sie mit dem Negativ seitenrichtig zu lesen sind, wenn nicht wie bei Rollei 35 die Filmeinlegerichtung unüblich orientiert ist.

Fahrzeuge Bei Landfahrzeugen definiert die hauptsächliche Fahrtrichtung die linke und rechte Seite, beispielsweise fährt man in Kontinentaleuropa und vielen anderen Teilen der Welt auf der in Fahrtrichtung rechten Seite der Fahrbahn (Rechtsfahrgebot), es befindet sich das Lenkrad von Kraftfahrzeugen auf der linken Seite (um den Gegenverkehr besser beurteilen zu können; nur LKW des mittleren 20. Jahrhunderts hatten auch in rechts fahrenden Ländern das Lenkrad rechts, um sich am rechten Straßenrand zu orientieren), es gilt der Vorrang rechts vor links.

Bei Wasserfahrzeugen bezeichnet man rechts als Steuerbord (weil das Steuerruder der Galeere ursprünglich rechts war, mittig am Heck ist eine neuere Erfindung) und links als Backbord, entsprechend gilt allerdings nur für motorisierte Wasserfahrzeuge untereinander eine Vorfahrtsregel Steuerbord vor Backbord.

Personen Bei Personen definiert der Standpunkt der beschriebenen Person die linke und die rechte Seite. Somit ist das linke Auge das linke Auge in Blickrichtung der beschriebenen Person, obwohl dies für einen gegenüberstehenden Betrachter rechts liegt. Dies gilt auch für alle anderen Organe; z. B. befindet sich die Leber des Menschen auf der rechten Seite, obwohl diese in anatomischen Darstellungen auf der linken Seite eingezeichnet ist.

In der Medizin werden dafür die lateinischen Bezeichnungen dexter (rechts) und sinister (links) verwendet.

Spiegel, Videotelefonie, Selbstporträt, Spiegelreflexkamera Sehe ich mich selbst im Spiegel, sehe ich meine rechte Gesichtsseite auch im virtuellen Spiegelbild rechts. Dieses Spiegelbild ist seitenvertauscht zur Direktansicht, das andere Personen von mir gewinnen, die mir ins Gesicht sehen. Das macht Kommunikation missverständlich, wenn man das Gegenüber mit Fingerzeig oder Worten dezent darauf hinweisen will: „Du hast auf deiner rechten Wange einen Gulaschspritzer.“

Erst zwei Spiegel, die sich einem von einer senkrechten Achse um 90° öffnen, bilden das eigene Gesicht (und auch andere Personen neben einem) durch doppelte Spiegelung seitenrichtig ab. Die Trennfuge der Spiegelkanten läuft mitten durch das Gesicht, wenn nicht der Winkel der Spiegel zueinander etwas in Richtung spitzer verkleinert wird, wodurch man umso mehr Teile seines Gesichts zweimal sehen kann, je breiter die Spiegel sind. Ein mehrflächiges Pentaprisma am Kopf einer Spiegelreflexkamera macht nichts anderes, da das Bild am waagrechten Bildschirm durch den Umlenkspiegel gegenüber dem von hinten gesehenen Bild in der Filmebene schon oben-unten vertauscht erscheint.

Betrachtet man bei Videochat oder -telefonie über eine Kamera – meist am oberen Bildschirmrand platziert – sein eigens Bild am Bildschirm, so erwartet man sein eigenes Spiegelbild, weshalb Hard- oder Software dem Empfänger das aufgenommene Bild übermitteln, jedoch beim Absender gespiegelt darstellen. Rücke ich also vor dem Bildschirm nach rechts, rückt auch mein Bild hin zur rechten Bildschirmseite. So verhalten sich auch (und nur die) bildschirmseitigen Frontkameras von Smartphones und Tablets, sowie die zusätzlichen Frontbildschirme, die manche Digitalkameras für Selbstporträts auf ihrer Objektivseite aufweisen.

Heraldik

Im Gegensatz zu Bildern definiert in der Heraldik der Standpunkt des Schildträgers die linke und rechte Seite eines Wappens. Es ist also beispielsweise bei in Büchern abgebildeten Wappen diejenige Wappenseite die linke, welche sich vom Betrachter der Buchseite aus gesehen rechts der Wappenmitte befindet.

Der Ausdruck gehört zur Fachsprache der Blasonierung (Wappenbeschreibung).

Türen Bei Schrank- und Durchgangstüren, sowie Fenstern definiert in Deutschland vereinbarungsgemäß die Bandseite ihre Seitigkeit, und zwar von dem Raum aus gesehen, nach dem sich die Türe hin öffnet. Die Band- oder auch Anschlagsseite einer Tür ist diejenige, an der sich ihre Bänder (auch Angeln oder Scharniere genannt) befinden (an der die Scharniere angeschlagen, also befestigt sind), die also der sich öffnenden Kante mit Griff und Schloss gegenüberliegt. Ausgehend von dieser Betrachtung werden auch die jeweils zugehörigen unsymmetrischen Türbeschläge (Bänder, Schlösser, Griffe [Türdrücker, Oliven, Schließer] etc.) als rechts- oder linksseitig bezeichnet. Eine Tür mit Linksanschlag schlägt also nicht links an, sondern sie ist links angeschlagen. Bei Durchgangstüren unterscheiden sich die schweizerische Norm des VSSM und die europäische DIN-Norm: Nach der europäischen DIN-Norm wird ein Schloss, das zu einer links gebandeten Türe passt, als linkes Schloss bezeichnet. In der schweizerischen Norm des VSSM wird dasselbe Schloss allerdings als rechtes Schloss bezeichnet. Das ergibt folgende Situation: DIN: linkes Band, linkes Schloss, linke Tür; jedoch VSSM: linkes Band, rechtes Schloss, linke Tür. Die an Zimmertüren häufig verwendeten Einschraubbänder sind jedoch ohnedies symmetrisch, Einstemmschlösser durch Wenden der Schließfalle (der schräg federnd herausragende Teil) um ihre waagrechte Achse trotz chiralem Innenleben vor dem Einbau auf rechts oder links einstellbar und so arretierbar.

Bekleidung, Textilien, Lochung