Johannes Reuter (* 2. Januar 1897 in Frankfurt am Main; † 9. August 1975 in Kassel) war ein deutscher Architekt. Reuter entwarf viele Kirchen und andere Gebäude in der DDR und der Bundesrepublik. Zudem war er als Abgeordneter der Ost-CDU Mitglied des Landtags von Sachsen-Anhalt.

Leben Reuter studierte nach seinem Abitur und einer Maurerlehre Architektur an den Technische Lehranstalten in Offenbach am Main, der heutigen Hochschule für Gestaltung Offenbach am Main. Das Studium, bei dem er stark von Dominikus Böhm geprägt wurde, schloss er 1916 ab. 1917 musste er in den Ersten Weltkriegs ziehen. Zur Zeit der Weimarer Republik arbeitete Reuter zunächst in Frankfurt am Main in verschiedenen Büros, 1921 zog er jedoch nach Bitterfeld, wo er eine Anstellung im Bauamt fand. Ab 1924 war er freischaffender Architekt. Er konzipierte unter anderem ein Gebäude für die katholische Schule in Bitterfeld; heute nutzt das Europagymnasium Walther Rathenau das Gebäude.Entwicklungsgeschichte der Schule auf der Website des Europagymnasiums Walter Rathenau; abgerufen am 28. Januar 2022. Auch entwarf er verschiedene Verwaltungsgebäude – wie die AOK in Delitzsch oder das Rathaus von Holzweißig – und Kirchen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg gründete Reuter, der zuvor dem Zentrum angehört hatte, die CDU in Bitterfeld. Bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt 1946 wurde er für die CDU in den Landtag gewählt. Am 10. Oktober 1949 zog er mit acht weiteren CDU-Abgeordneten aus Protest gegen die Gründung der DDR aus dem Sitzungssaal aus. Sein Mandat legte er im April 1950 nieder.

Nach seinem Rückzug aus der Politik blieb er Architekt aktiv. Er entwarf beispielsweise die katholische Kirchen Sanctissima Eucharistia in Teltow, St. Norbert in Jeßnitz oder die Christ-König-Kirche in Löbnitz. Auch war er am Wiederaufbau kriegszerstörter Kirchen – etwa von St. Franz Xaver in Eilenburg oder St. Norbert in Merseburg – beteiligt. Insgesamt schuf er in Ostdeutschland 21 Kirchen bis zum Jahr 1958. Er nahm auch erfolgreich an Architekturwettbewerben in Westdeutschland teil. 1958 verließ er die DDR und zog nach Kassel, wo er zusammen mit seinem Sohn Johannes Reuter junior (1926–1985)Franz Klanitz: Architekt Johannes Reuter – zum Gedenken. Heimatglocke Gleidorf, Ausgabe 3/1986, abgerufen am 24. August 2026. in einer Architektengemeinschaft tätig war. Auch in der Bundesrepublik entwarf er viele Kirchen, hauptsächlich in den Bistümern Paderborn, Hildesheim und Fulda.

Bauten (Auswahl) Rathaus in Holzweißig 1927–1928 Kirchturm der Herz-Jesu-Kirche in Bitterfeld 1928, 1991 abgerissen und wieder aufgebaut Allgemeine Ortskrankenkasse in Delitzsch 1928–1930Prospekt Industriearchitektur in Sachsen. erhalten – erleben – erinnern, 2020, S. 18, (PDF-Download. In: delitzsch.de. Abgerufen am 3. Februar 2022.) Katholische Schule (heute Europagymnasium Walther Rathenau) in Bitterfeld 1930–1933 Allerheiligenkirche in Falkenberg 1934 Christus-König-Kirche in Lauchhammer 1935 Heilig-Geist-Kirche in Jessen 1935Rudolf Joppen: Das Erzbischöfliche Kommissariat Magdeburg. Band 31, Teil 11, Die Zeit von der Potsdamer Konferenz bis zur Gründung der Deutschen Demokratischen Republik 1945–1949. St. Benno Verlag, Leipzig 1989, S. 97. Kirche Maria Hilfe der Christen in Gräfenhainichen 1935–36 Kirche St. Marien in Delitzsch 1936Brülls, S. 40. Katholische Kirche in Schafstädt, 1936, nicht realisiert Kirche St. Konrad in Aken, 1937 Heilig-Kreuz-Kirche in Wolfen 1936–1938Dehio Sachsen-Anhalt II, S. 901. – Schönfelder/Gränitz/Porada, S. 74, 165, 333. Dreieinigkeitskirche in Dessau-Törten 1938, 1952–1954Dehio Sachsen-Anhalt II, S. 137. Wiederaufbau der Kirche St. Franziskus Xaverius in Eilenburg 1947–1949 Veränderter Wiederaufbau der St.-Heinrichs-Kirche in Neumark 1950–1952 Erweiternder Wiederaufbau der Kirche St. Norbert in Merseburg 1951–1953 Regina-Pacis-Kirche in Lauchhammer-Ost 1952–1953 Heilig-Kreuz-Kirche in Schwarzheide 1953 Kirche St. Norbert in Jeßnitz 1954–1955Schönfelder/Gränitz/Porada, S. 74, 146. Heilig-Kreuz-Kirche in Bismark 1954–1956 St. Mariä Himmelfahrt in Bad Blankenburg 1954–1956 Kirche Sanctissima Eucharistia in Teltow 1954–1957 Christkönig-Kirche in Löbnitz 1955–1956Schönfelder/Gränitz/Porada, S. 266. Kirche Hl. Pius X. in Zwochau 1955–1956 Heilige-Familie-Kirche in Bad Düben 1955–1957 Kirche St. Bonifatius in Weimar-Schöndorf 1955–1957 Kirche St. Joseph in Löbejün 1955–1957 Kirche St. Joseph in Zahna 1956–1957Dehio Sachsen-Anhalt II, S. 907. Kirche St. Michael in Schönhausen 1956–1959 Kirche St. Bruno von Querfurt in Langeneichstädt 1957 Kirche St. Elisabeth in Mieste 1957–1959 Kirche St. Peter und Paul in Naumburg (Saale) 1957–1962 Kirche Guter Hirt in Duingen 1960–1961 Kirche St. Thomas der Apostel in Liesen 1961–1962 Kirche St. Elisabeth in Wendeburg 1962–1963

Galerie

Literatur Holger Barth, Thomas Topfstedt u. a: Vom Baukünstler zum Komplexprojektanten. Architekten in der DDR. Institut für Regionalentwicklung und Strukturplanung, Erkner 2000, ISBN 3-934669-00-X, S. 182 f. Christina Trittel: Die Abgeordneten des ersten Landtages von Sachsen-Anhalt 1946–1950. Mitteldeutscher Verlag, Halle (Saale) 2007, ISBN 978-3-89812-444-7, S. 172 f. Holger Brülls: Kirchenbau und kirchliche Kunst der Moderne in der katholischen Diaspora. In: Rudolf Bialas, Holger Brülls, Günter Lange: Moderne auf dem Dorf. Die St. Elisabeth-Kirche in Mieste (Altmark) und ihre Fenster von Lorenz Humburg. (= Treffpunkt Denkmal, Band 4.; hrsg. vom Landesheimatbund Sachsen-Anhalt) Halle an der Saale 2018, S. 40. sowie zu Bauten von Reuter: Georg Dehio: Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler. Sachsen-Anhalt II: Regierungsbezirke Dessau und Halle. Bearbeitet von Ute Bednarz, Folkhard Cremer u. a. Deutscher Kunstverlag, München / Berlin 1999, ISBN 3-422-03065-4. Günther Schönfelder, Frauke Gränitz, Haik Thomas Porada (Hrsg.): Bitterfeld und das untere Muldetal. Eine landeskundliche Bestandsaufnahme im Raum Bitterfeld, Wolfen, Jeßnitz (Anhalt), Raguhn, Gräfenhainichen und Brehna. Böhlau Verlag, Köln u. a. 2004, ISBN 3-412-03803-2.

Weblinks

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Einzelnachweise

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