Die Cricket-Nationalmannschaft der Vereinigten Staaten () vertritt die Vereinigten Staaten (USA) auf internationaler Ebene in der Sportart Cricket. Das erste Spiel absolvierte die Mannschaft bereits 1844 gegen Kanada. Ursprünglich wurde das Team von der United States of America Cricket Association (USACA) geleitet, bis der Verband im Jahr 2017 vom Weltverband International Cricket Council (ICC) ausgeschlossen wurde. Im Juni 2017 übernahm der neu gegründete Verband USA Cricket (USAC) die Verantwortung für die Mannschaft, die seit 1965 assoziiertes Mitglied im International Cricket Council ist. Damit gehören sie zur zweiten Reihe der Nationalmannschaften und die US-amerikanische Mannschaft gilt, zusammen mit Bermuda und Kanada, traditionellerweise als eine der stärksten Nationalmannschaften des amerikanischen Doppelkontinentes hinter dem Vollmitglied der West Indies. Seit 2019 verfügen die Vereinigten Staaten, wie alle ICC-Mitglieder, über vollen T20I-Status. Größte Erfolge bei Turnieren waren das Erreichen der Vorrunde bei der Champions Trophy (2004) und der Super 8 beim T20 World Cup (2024).

Geschichte Einführung von Cricket mini|Ankündigung des ersten internationalen Cricket Matches 1844 zwischen Kanada und den Vereinigten Staaten im New York Herald Im frühen 18. Jahrhundert brachten britische Offiziere Cricket in die Dreizehn Kolonien. Die früheste Erwähnung von Cricket datiert aus dem Jahr 1709 im heutigen Bundesstaat Virginia, als William Byrd II. mit seinen Freunden auf seinem Anwesen Westover Cricket spielte. Zu dieser Zeit entstanden die ersten Cricketclubs. Anfangs wurde Cricket hauptsächlich von Offizieren der British Army und anglophilen Kolonisten ausgeübt, aber auch unter amerikanischen Gentleman entwickelte es sich zu einer beliebten Freizeitbeschäftigung (mehrere Gründerväter der Vereinigten Staaten spielten Cricket). Das erste verzeichnete Spiel fand 1751 statt. Zunächst spielten die Clubs untereinander, dann aber auch gegen kanadische Mannschaften. Dem Vernehmen nach war George Washington, der spätere erste Präsident der Vereinigten Staaten, ein großer Unterstützer und spielte während der Amerikanischen Revolution zumindest ein Mal mit seinen Soldaten eine Partie Wicket, eine heimische Cricket-Version. Dokumentiert ist eine Cricketpartie bei Valley Forge, dem Winterlager seiner Truppen 1777/78, an der Washington teilnahm. In den 1780er Jahren sagte John Adams der Überlieferung nach im Kongress, wenn Vorsitzende von Cricket Clubs „Präsidenten“ genannt werden können, dann gebe es keinen Grund, den Anführer der neuen Nation nicht ebenso zu nennen. 1833 gründeten Studenten am Haverford College eine Cricketmannschaft und etablierten den Sport in Philadelphia, das sich später zur Cricket-Hochburg in den Vereinigten Staaten entwickelte.

Vom 24. bis 26. September 1844 bestritten die Vereinigten Staaten ihr erstes Länderspiel gegen Kanada vor 20.000 Zuschauern beim St George’s Cricket Club im Bloomingdale Park in New York, dem Ort der späteren medizinischen Fakultät der New York University. Es war das erste Länderspiel überhaupt und zählt zu den ersten internationalen Sportereignissen der modernen Geschichte. Kanada, das unter der Bezeichnung British Empire’s Canadian Province antrat, gewann das Spiel mit 23 Runs. Dieses Spiel wurde bis in die 1920er Jahre jährlich wiederholt und legte den Grundstein für die älteste sportliche Rivalität, welche selbst 30 Jahre älter ist als die bekannteste Rivalität im internationalen Cricket, The Ashes zwischen Australien und England. 1845 fand das erste Länderspiel zwischen beiden Mannschaften in Kanada statt, das die Gäste mit 61 Runs verloren. 1846 bowlten die Vereinigten Staaten die Kanadier in New York für 28 Runs aus, dem niedrigsten Ergebnis der Nationalmannschaft überhaupt. 1853 gewannen die Vereinigten Staaten in Harlem erstmals gegen Kanada. Der fast bowler Joel Bradbury nahm 1854 in Toronto gegen die Vereinigten Staaten neun Wickets für sechs Runs, worauf die Gäste für nur 32 Runs ausgebowlt wurden. Bis heute ist dies das niedrigste Ergebnis der Vereinigten Staaten gegen Kanada.

Verbreitung im 19. Jahrhundert mini|Cricket Match zwischen England und den Vereinigten Staaten am 3.–6. Oktober 1859 in Hoboken mini|Fred Lillywhite in seinem Zelt (The English Cricketers’ Trip to Canada and the United States in 1859) George Parr führte 1859 eine englische Mannschaft auf ihrer Tour in die Vereinigten Staaten an, es handelte sich die erste Cricket-Tour überhaupt. Anschließend verfasste Fred Lillywhite das Buch The English Cricketers’ Trip to Canada and the United States, das im darauf folgenden Jahr erschien und eines der ersten Cricket-Bücher überhaupt ist. Auf der Tour, die auch nach Kanada führte, gewann die Mannschaft alle seine fünf Spiele, darunter Begegnungen mit den Nationalmannschaften Kanadas und der Vereinigten Staaten; alle Gegner traten mit 22 Spielern an. Auf der Tour absolvierten die Gäste auch Spiele im Rahmen von Ausstellungen und unternahmen zwei Ausflüge zu den Niagarafällen. 1862 spielten die Brüder George und Harry Wright für die Vereinigten Staaten; beide wurden später einflussreiche Spieler in der Major League Baseball und in die Baseball Hall of Fame aufgenommen. 1864 spielte das Haverford College erstmals gegen die University of Pennsylvania, dem drittältesten interkollegialen Match in den Vereinigten Staaten. 1868 und 1872 folgten weitere Touren englischer Mannschaften nach Nordamerika, wobei die Gäste ebenfalls auf Kanada und die Vereinigten Staaten trafen. Diese Touren waren rein kommerzielle Unternehmungen. Die meisten Spiele waren als angesetzt, um sie ausgeglichener zu gestalten; dabei durfte die Heimmannschaften mehr als elf Spieler einsetzen (meist 22).

1872 war der bekannte Cricketspieler W. G. Grace Teil der englischen Mannschaft, die auf die Vereinigten Staaten traf. 1874 nahm die Mannschaft Philadelphias am Halifax International Cricket Tournament in Halifax teil, was als das älteste internationale Cricketturnier gilt. Im selben Jahr besuchte eine Baseballmannschaft England, wo sie sowohl Baseball als auch Cricket spielte. 1878 tourte eine australische Mannschaft in die Vereinigten Staaten und gewann die Spiele gegen All New York, dem Peninsular Cricket Club in St. Louis und California in San Francisco, während sie gegen Philadelphia ein Remis erzielten. Das letztgenannte Spiel war das erste First-Class-Match in den Vereinigten Staaten, womit sie noch vor den etablierten Cricketnationen Afrikas und Asiens First-Class Cricket spielten. 1879 besuchte Irland die Vereinigten Staaten und erzielte in der Serie von zwei Spielen gegen Philadelphia ein Unentschieden. 1882 besiegte Australien bei seinem zweiten Besuch eine aus 18 Spielern bestehende Mannschaft Philadelphias mit neun Wickets und ein Jahr später debütierte George Wright für die Nationalmannschaft im First-Class-Match gegen Philadelphia, womit er der erste und bisher einzige Sportler wurde, der sowohl First-Class-Cricket als auch Major League Baseball spielte. Die West Indies bestritten auf ihrer Tour 1886 unter anderem Spiele in New York und Philadelphia.

Ab den 1880er Jahren absolvierten sie auch eigene Touren, unter anderem nach Britisch-Guayana, wo sie 1888 gegen die West Indies gewannen. Ein früher herausragender Spieler war Bart King, der für Philadelphia spielend gegen internationale Mannschaften wie England und Australien herausgehobene Leistungen als Bowler aufweisen konnte. King debütierte 1892 für die Vereinigten Staaten im jährlichen Spiel gegen Kanada und er gilt as der beste US-amerikanische Cricketspieler. In den 1890er erfuhren die gegenseitigen Spiele mit Kanada neue Beliebtheit mit den zwei wohl besten All-roundern in der Geschichte des nordamerikanischen Crickets: dem Amerikaner Bart King und dem Kanadier Jack Laing. Beide Spieler dominierten das nordamerikanische Cricket für beinahe 20 Jahre und große Zuschauermengen verfolgten ihre Duelle. Regelmäßig fanden Spiele gegen die Vereinigten Staaten statt, bis es 1912 zu einer Unterbrechung kam.

Niedergang Trotz der Beliebtheit von Cricket im 18. und zu Beginn des 19. Jahrhunderts setzte in den 1850er und 1860er Jahren die Verdrängung durch Baseball ein. Als das Interesse am Baseball zunahm, wurden die Regeln dieser Sportart leicht angepasst, um ihre Beliebtheit weiter zu erhöhen. So führte man runde Baseballschläger ein, die im Kontrast zu den flachen Cricketschlägern, den Bats, einfacher zu produzieren waren. Ein anderer Grund für den Niedergang von Cricket war möglicherweise sein Amateurstatus in den Vereinigten Staaten, wodurch er hauptsächlich von Wohlhabenden ausgeübt wurde, während sich in England und Australien eine professionelle Version entwickelt hatte. Als das Niveau aufgrund der Professionalität weltweit anstieg, bestanden die Cricketclubs in den USA auf ihre Exklusivität. Clubs wie Philadelphia und Merion gaben das Cricket auf und passten ihre Infrastruktur an andere Sportarten wie Golf und Tennis an. Einige städtische Cricketclubs trugen unwissend zu ihrem eigenen Ende bei, indem sie Baseballmannschaften sponsorten. Gegen 1900 war Baseball bereits die kulturell und numerisch dominierende Sportart in den Vereinigten Staaten, während Cricket weitestgehend aus dem Alltag verschwand.

Die im Jahr 1909 gegründete Imperial Cricket Conference (heute International Cricket Council, ICC) untersagte ausdrücklich die Aufnahme von Staaten, die nicht dem British Emire angehörten, wodurch auch dieser Weg der Professionalisierung verschlossen blieb. Dadurch wurden die Weiterentwicklung des Cricket in den USA erschwert und seine Professionalisierung weiter verzögert. Es bleibt umstritten, inwiefern ein mehr zugänglicher Weltverband die Weiterentwicklung in den USA vorangetrieben hätte. Unabhängig davon florierte der Sport in den Vereinigten Staaten nicht so wie im British Empire. Von den 1880er Jahren bis zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges gab es keine Nationalmannschaft im eigentlichen Sinne, sondern eine Amateurauswahl, die von Clubs der Crickethochburg Philadelphia und deren Umgebung rund um den Delaware River zusammengestellt wurde.

Philadelphias Cricket mini|links|hochkant|Bart King gilt als der beste Cricketspieler der USA überhaupt mini|Philadelphias Cricket-Mannschaft, hier auf ihrer Englandtour 1884, war die wichtigste Amerikanische Cricket-Mannschaft für die Jahrzehnte nach dem Amerikanischen Bürgerkrieg mini|hochkant|George Patterson erzielte mit 271 First-Class-Runs das höchste Ergebnis eines Spielers aus einer assoziierten Cricketnation und er wurde der „W. G. Grace des amerikanischen Crickets“ genannt Philadelphias Cricket-Mannschaft vertrat die Stadt zwischen 1878 und 1913 im First-Class Cricket. Obschon die Vereinigten Staaten 1844 das erste internationale Cricketspiel gegen Kanada absolviert hatten, erfuhr der Sport einen Niedergang, der sich durch die wachsende Beliebtheit von Baseball weiter beschleunigte. In Philadelphia blieb Cricket jedoch beliebt und vom ausgehenden 19. Jahrhundert bis zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges verfügte die Stadt über eine First-Class-Mannschaft, die sich mit den besten im internationalen Cricket messen konnte. Diese Mannschaft bestand aus Spielern der vier dominierenden Cricketclubs Philadelphias: Germantown, Merion, Belmont und Philadelphia. Spieler aus kleineren Clubs wie Tioga und Moorestown, aber auch örtlichen Colleges wie Haverford und Penn, spielten ebenfalls für Philadelphia. In 35 Jahren spielte die Mannschaft in 89 First-Class-Matches. Von diesen gewannen sie 29, verlor 46, erzielte 13 Remis und ein Spiel wurde abgebrochen.