Max von Kawaczynski (* 5. November 1860 in Eisenach; † 30. Oktober 1912 in Berlin)Mitteilungen des Vereins für die Geschichte Berlins, 11, 1912, S. 142 [Medailleur in Berlin, Hofmedailleur des Herzogs von Sachsen-Coburg-Gotha]. war ein deutscher Medailleur, der in Berlin als Künstler wirkte.
Leben und Wirken Er wuchs als ältester Sohn in einem Beamtenhaushalt im oberfränkischen Oeslau bei Coburg mit zwei Geschwistern auf, wobei die Familie auf den Adelstitel vorübergehend verzichtete, wie auch ihr berühmter Coburger Verwandter Friedrich Wilhelm von Kawaczynski (1806–1876). Die Mutter von Max, Ida geborene Hayn, war Hausfrau. Der Vater, Friedrich (Fritz) von Kawaczynski, war zuletzt Bahnhofsinspektor in Oeslau und er wurde in seiner Kindheit am Coburger Hoftheater vom Regisseur Kawaczynski bei Kinderrollen gelegentlich eingesetzt.Almanach für Freunde der Schauspielkunst auf das Jahr 1840, Band 5, Berlin 1841, S. 294. Der jüngere Bruder von Max, Bodo von Kawaczynski (* 22. August 1862 in Eisenach), wurde Kupferstecher bzw. Graveur und Kartograph im topographischen Bureau München.Bodo von Kawaczynski. In: München Wiki. Näheres zur Biografie
Besuch der Realschule „Ernestinum“ in Coburg Nach der Volksschule besuchte Kawaczynski die Herzogliche Realschule (Ernestinum) zu Coburg. In den verschiedenen Schuljahren (hier: von Ostern bis Ostern) wurden Kurse in unterschiedlichen Fächern angeboten, die ihm für seinen angestrebten Beruf als Medailleur und Porträt-Bildhauer nützlich waren wie zum Beispiel Zeichnen, Geschichte, Erdkunde, Religion und Latein. Im April 1876 verließ Kawaczynski mit dem Abschlusszeugnis der Quarta das „Ernestinum“, um einen künstlerischen Beruf zu erlernen. Im Bericht der Realschule zu Coburg über das abgelaufene Schuljahr 1875/76.„Programm der Herzoglichen Realschule (Ernestinum) zu Coburg“, Nr. 585, Druck der Diet’schen Hofbuchdruckerei, Coburg 1877, S. 39. erwähnte Realschul-Direktor Alexander Klautsch, Träger des Ernestinischen Hausordens,Archive in Thüringen: Direktor der Realschule in Coburg und spätere Schulrat Klautzsch, Carl Alexander; Archivalien-Signatur: 4556; Bestandssignatur: 2-99-4004. bei den Schulnachrichten, dass der aus der Anstalt ausgetretene Quartaner Max Kawaczynski „Graveur“ wird.
Unternehmer in Barmen Er übernahm die durch gegenseitige Übereinkunft Ende der 1880er Jahre aufgelöste Handelsgesellschaft Amandus Hupp & Co. in Barmen. Er führte das Unternehmen, welches Graveure und Formenstecher beschäftigte – mit Ausnahme der eingegangenen Zweigniederlassung in Elberfeld – unter dem Namen A. Hupp & Co. Nachf. Mit Wirkung vom 31. Januar 1888 wurde schließlich der „Graveur Max von Kawaczynski“ als „alleiniger Inhaber“, wohnhaft in Barmen,Adressbuch der Stadt Barmen für das Jahr 1889: „Von Kawaczynski, Max, Inhaber der Firma Hupp A. & Co. Nachf., Wertherstraße 55“, S. 574, Spalte 2 vom „Königlichen Amtsgericht I“ vermerkt.Deutscher Reichsanzeiger [Vierte Beilage] vom 6. Februar 1888; Digitalisat der Bibliothek der Universität Mannheim
Der spätere Brüsseler Medaillenstecher und Medailleur der Firma Wissaert & Co. in Brüssel Carl Höhmann, gebürtig aus Barmen (* 15. Oktober 1871), erlernte das Zeichnen und Modellieren bei Max von Kawaczynski.Biographisches Lexikon der Medaillengewinner [Antike und moderne Münz-, Edelstein- und Siegelgraveure, Münzmeister, mit Hinweisen auf ihre Werke von 500 v. Chr. bis 1900 n. Chr.]; zusammengestellt von L. Forrer. Band II. Verlag Spink & Son, London 1904, S. 523; . Nach der Lehre besuchte Höhmann die Kunstgewerbeschule seiner Geburtsstadt und vervollkommnete sein künstlerisches Können im europäischen Ausland.
Kaufmann in Hamburg Bei seiner Eheschließung im Januar 1894 auf dem Standesamt II in Hamburg gab er als den von ihm ausgeübten Beruf „Kaufmann“ an und seinen vollständigen Namen mit dem Adelstitel: Max Henri Emil von Kawaczynski ebenso wie seine lutherische Konfession.Archivale des Staatsarchivs Hamburg: Heiratenbuch des Standesamts Hamburg II, Jahrgang 1884, Nr. 80. Er heiratete Adelheid Luise Martha Steindorf (* 29. März 1859), die Tochter des Bankdirektors Moritz Steindorff und dessen Ehefrau Klara geborene Siebert. Mit seiner jungen Familie zog er nach Berlin-Charlottenburg, wo eine weitere Tochter – zur Erstgeborenen in Hamburg – Mitte 1896 geboren wurde.Archivalen im Landesarchiv Berlin.
Anfänge als Künstler in Berlin In Berlin profilierte sich Max von Kawaczynski als Künstler, indem er Medaillen, Plaketten und Münzen entwarf und die Endfertigung vielfach selbst ausführte. Anfangs übernahm er auch den Absatz seiner Werke und machte zudem durch Schenkungen auf seine Medaillenkunst aufmerksam. Im Jahre 1899 schenkte er der Sammlung des Berliner Kunstgewerbemuseums eine von ihm hergestellte „Silbermedaille auf die silberne Hochzeit des Herzogs und die Herzogin von Sachsen-Coburg-Gotha“.Jahrbuch der Königlich Preußischen Kunstsammlung 1899. Amtliche Berichte aus den königlichen Preußischen Kunstsammlungen, Nr. 4, 1. Oktober 1899, Spalte LXXIX; Herr von Kawaczynski, Geschenk. Das Kunstwerk hielt dem Vergleich mit einer damaligen Reihe von französischen Medaillen stand.A. Brüning: Neue Erwerbungen des Berliner Kunstgewerbemuseums. In: Berliner Architekturwelt. Zeitschrift für Baukunst, Malerei, Plastik und Kunstgewerbe der Gegenwart. Dritter Jahrgang, 1901, Heft 10, S. 357–360, hier S. 360.
Herzog Alfred stiftete die Erinnerungsmedaille am 23. Januar 1899 anlässlich seiner Silberhochzeit mit der russischen Großfürstin Marie, die durch ihre Heirat 1874 in St. Petersburg Herzogin von Sachsen-Coburg und Gotha geworden war. Herzog Alfred überreichte ein Exemplar dieser Medaille der britischen Königin Victoria als Geschenk.Max von Kawaczynski: Medaille; Silberhochzeit Alfred & Marie 1899
Der Medailleur in Berlin erbat am 6. Februar 1899 das Prädikat „Herzoglich Sächsischer Hofmedailleur“ und erhielt es im selben Jahr verliehen.Staatsarchiv Gotha: Titel und Prädikate; Archivalien-Signatur: 3475; Bestandssignatur: 2-99-4006; Im Folgejahr wurde Max von Kawaczynski im Berliner Adressbuch als Königlicher Hof-Medailleur des Herzogs von Sachsen Coburg Gotha, wohnhaft in der Sebastianstraße 33, aufgeführt.Adressbuch für Berlin und seine Vororte, Ausgabe 1900;
Medaillen und Münzen (Auswahl) In der Medaillenkunst in Deutschland in Jahren von 1899 bis 1908 nahm Max von Kawaczynski eine beachtliche Stelle ein.Martin Heidmann: Medaillenkunst in Deutschland von 1845 bis 1914. [Deutsche Gesellschaft für Medaillenkunst. In Verbindung mit den Staatlichen Museen zu Berlin, Münzkabinett], Berlin 1998, ISBN 3-7861-1416-1.
a) Zu seinen Porträt-Medaillen in Bronzeguss zählen: Arnold Ott, ein Schweizer Arzt und Dichter. Avers und auf der Rückseite eine Ritterszene mit der Umschrift: „Ich will so weise sein wie er und schweigen“ (Anfertigung 1901)Martin Heidmann: Medaillenkunst in Deutschland von 1845 bis 1914. [Deutsche Gesellschaft für Medaillenkunst. In Verbindung mit den Staatlichen Museen zu Berlin, Münzkabinett], Berlin 1998, ISBN 3-7861-1416-1, Abbildung 380. Richard Béringuier, ein Jurist in Berlin; gestaltetes Brustbild auf der Vorderseite und auf der Rückseite ein großes behelmtes Wappen.Beschreibung bei Adolph Hess: Sammlung des Herrn August von der Heyden, Berlin. Druckerei August Osterrieth, Frankfurt am Main 1904, S. 97, lfd. Nr. 1726; . Franz Weinitz, ein Kunsthistoriker und Mitglied des Vereins für die Geschichte Berlins, (Anfertigung anlässlich Weihnachten 1902 laut Inschrift Revers)Martin Heidmann: Medaillenkunst in Deutschland von 1845 bis 1914. [Deutsche Gesellschaft für Medaillenkunst. In Verbindung mit den Staatlichen Museen zu Berlin, Münzkabinett], Berlin 1998, ISBN 3-7861-1416-1, Abbildung 573. Georg Erwin Neumann, ein Oberst z. D. (* 1845) mit einer Ansicht der Marienburg im Hintergrund und Revers mit der Umschrift in Großbuchstaben: „Bleibe fromm und halte dich recht!“ (Anfertigung 1903)Martin Heidmann: Medaillenkunst in Deutschland von 1845 bis 1914. [Deutsche Gesellschaft für Medaillenkunst. In Verbindung mit den Staatlichen Museen zu Berlin, Münzkabinett], Berlin 1998, ISBN 3-7861-1416-1, Abbildung 372. Heinrich Leopold Schoeler (1844–1918), ein außerordentlicher Medizin-Professor und Betreiber einer Augenklinik in Berlin anlässlich seines 60. Geburtstages (Anfertigung 1904).Martin Heidmann: Medaillenkunst in Deutschland von 1845 bis 1914. [Deutsche Gesellschaft für Medaillenkunst. In Verbindung mit den Staatlichen Museen zu Berlin, Münzkabinett], Berlin 1998, ISBN 3-7861-1416-1, Abbildung 467.
b) Zu seinen Medaillen in Silber zählen Jubiläum Leo XIII. P. P. MDCCCC mit Abbildung des Geehrten, signiert mit KAWACZYNSKI (avers). Revers: Bildnis von Christus mit Heiligenschein und der lateinischen Umschrift: Discite a me, quiamitis sum et humilis corde.„Lerne von mir, denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig.“Information eines kommerziellen Vorbesitzers (Münzhandlung) vom 6. Dezember 2022: ..die Medaille ist aus Silber! Gemessen / geprüft mit einem zerstörungsfreien Edelmetall-Messgerät. … (und) war auch nicht tragbar, d. h. es gibt keine Spur von entferntem Henkel. Es sind in der Vergangenheit auch schon ein paar Stücke (in Silber!) von Auktionshäusern versteigert worden.’’ Wilhelm von Preußen (1882–1951) anlässlich seines 18. Geburtstages am 6. Mai 1900 eine talergroße Denkmünze, unterhalb am Brustbild des Kronprinzen brachte der Künstler in Abkürzung seinen Namen KAWACZ. Avers an.Blätter für Münzfreunde, Nr. 5/1900 (laufende Nr. 243), S. 114 [Vertrieb 1900 durch: C. G. Thieme, Leipzig] Silberne Verdienstmedaille für Kunst und Wissenschaft in der Amtszeit von Herzog Carl Eduard von Sachsen-Coburg und Gotha (Prägung von der Firma Chr. Lauer in Nürnberg, 1905) Hochzeits-Erinnerungsmedaille mit Stempelschneider-Signatur, Verleihung durch Herzog Carl Eduard (Anfertigung 1905)
c) Stempelanfertigung für die Prägung von Gedenkmünzen
Einen Stempel fertigte Max von Kawaczynski für die Prägung von Gedenkmünzen mit dem Kopf des Herzogs Carl Eduard von Sachsen-Coburg und Gotha Avers.Kurt Jaeger: Die deutschen Münzen seit 1871, 5. weiter ergänzte Auflage, S. 24 i. V. m, S. 70 und 101; Die Münzen wurden in der Münzstätte A in Berlin 1905 mit den Wertangaben 20 und 10 Mark (in Gold) sowie 1907 als Fünf-Mark-Stück (in Silber) geprägt. Die Zwei-Mark-Stücke (Silber) trugen die Jahreszahlen 1905 (Auflage: 10 Tausend Stück) und 1911 (Auflage nur 100 Stück) sowie alle Münzen den Reichsadler (Modell 1889) auf der Rückseite.Großer deutscher Münzkatalog. München 2002, ISBN 3-89441-515-0, S. 328 Ziff. 122–125.
d) Thematische Prägungen