Nico Alexander Siegel (* 12. Juli 1970 in Ulm) ist ein deutscher Politikwissenschaftler und Experte im Bereich Demokratie, Sozialstaat, strategische Führung und Change in öffentlichen Organisationen und privaten Unternehmen. Siegel war unter anderem als CEO und Managing Director bei TNS Infratest, später Kantar Public tätig und zwischen 2015 und 2022 Geschäftsführer von Infratest dimap.

Leben Nach dem Abitur am Albert-Einstein-Gymnasium Ulm-Wiblingen 1990 studierte Siegel in Heidelberg Politische Wissenschaft und Germanistik. Anschließend begann er 1996 in Heidelberg bei seinem Betreuer Manfred G. Schmidt seine Dissertation mit dem Titel „Jenseits der Expansion? Konsolidierung und Rückbau der Sozialpolitik: Theorien und Befunde aus vergleichender Perspektive“. Nach Schmidts Wechsel an das Zentrum für Sozialpolitik der Universität Bremen wurde Siegel dort promoviert, Zweitgutachter war Stephan Leibfried, die Arbeit wurde mit "summa cum laude" benotet. Seine Arbeit wurde 2002 bei Campus unter dem Titel „Baustelle Sozialpolitik“ veröffentlicht.

Nach seiner Tätigkeit als wissenschaftlicher Assistent am Institut für Politische Wissenschaft der Universität Heidelberg 2001 bis 2003 nahm er ein Angebot als Lecturer in Comparative Public Policy an der School of Sociology, Social Policy and Social Research (SSPSSR) der Universität Kent an.

Im Jahr 2006 wechselte Siegel zur TNS Infratest Sozialforschung, zunächst als Senior Researcher im Bereich SOEP, ab 2008 als Bereichsleiter und ab 2014 als Geschäftsführer der Sozial- und Politikforschung, ab 2018 als CEO von Kantar Public in Deutschland. Im Jahr 2015 wurde er zudem Geschäftsführer von infratest dimap. 2023 gründete er SIEGEL ADVICE mit Schwerpunkt auf Beratung und Forschung rund um die Themen Strategie, Leadership, politische Reformpolitik und Change. Für die GIM Sozialforschung war er unter anderem als Executive Director tätig, später als Senior Associate Advisior. Darüber hinaus fungierte er in verschiedenen Expertengremien, unter anderem als Sachverständiger der Enquete-Kommission Krisenfeste Gesellschaft des Landtags Baden-Württemberg. Im Sommersemester 2026 war er als Gastwissenschaftler an der Universität Trier am dortigen Institut für Demokratie- und Parteienforschung (TIDUP) tätig.

Forschung und Tätigkeit Siegels Forschungsschwerpunkt lag zunächst in der vergleichenden Analyse von Staatstätigkeiten, insbesondere wohlfahrtsstaatlicher Politik, der Analyse von Reformpolitik, sowie im Bereich Methoden empirischer Sozialforschung, insbesondere Surveymethoden, Seine Expertise umfasst unter anderem Wahlforschung, Sozialforschung, und Politikberatung.

Darüber hinaus ist Siegel durch eine Vielzahl von Interviews und Gastbeiträgen in Presse, Hörfunk und Fernsehen bekannt.

Schriften (Auswahl) Bücher und Sammelbandbeiträge Engels, Niklas/Loew, Nicole/Reining, Vivien und Siegel, Nico A.2025: Guter Start für die neue Bundesregierung? Umfrage zu Erwartungen an die Koalition aus Union und SPD. Berlin 2025. Friedrich-Ebert-Stiftung. Schmitz, Sophia/Spieß, C. Katharina/Düval, Sabine/Huebener, Mathias/Siegel, Nico A. 2025: Digitale Mediennutzung von Kindern und Jugendlichen. Einschätzungen zum Mindestalter und zur Rolle von Bildungseinrichtungen. BIB Aktuell 7/2025. Cracking under Pressure? Gender Role Attitudes toward Maternal Employment during COVID-19. BiB Working Paper 4/2022. Wiesbaden: Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (zusammen mit Mathias Huebener, Astrid Pape, Natalia Danzer, C. Katharina Spieß und Gert G. Wagner). Gemeinsam mit Stefan Merz und Roberto Heinrich: Asymmetrische Mobilisierung und das nur vorläufige Ende der Großen Zentrumskoalition, in: U. Münch/H. Obereuter/J. Siegmund: Komplexe Farbenlehre: Perspektiven des deutschen Parteiensystems im Kontext der Bundestagswahl 2017, Frankfurt a. M.: Campus 2021. Gemeinsam mit Olvier Sartorius und Michael Kunert: Umfragebasierte Politikberatung diesseits und jenseits der Demoskopie. In: Falk S., Glaab M., Römmele A., Schober H., Thunert M. (eds) Handbuch Politikberatung. Springer VS, Wiesbaden, 2019. Gemeinsam mit Jochen Clasen: Investigating Welfare State Change. The ‘Dependent Variable Problem’ in Comparative Perspective, Cheltenham: Edward Elgar Publishing, 2007, ISBN 978-1-84542-739-9. Gemeinsam mit Manfred G. Schmidt, Tobias Ostheim and Reimut Zohlnhöfer: Wohlfahrtsstaatliche Politik, Wiesbaden / Opladen: VS Verlag für Sozialwissenschaften, 2007, ISBN 978-3-531-15198-4. Moving beyond expenditure accounts: the changing contours of the regulatory state, 1090–2003, in: Francis G. Castles (ed.), The disappearing state? Retrenchment realities in an age of globalisation, Cheltenham: Edward Elgar Publishers, 2007, 245–272. Gemeinsam mit Sven Jochem: Konzertierung, Verhandlungsdemokratie und Reformpolitik im Wohlfahrtsstaat: Das Modell Deutschland im Vergleich. Springer-Verlag, 2003, ISBN 978-3-8100-3613-1. Baustelle Sozialpolitik. Konsolidierung und Rückbau im internationalen Vergleich. Campus, Frankfurt a. M./New York 2002, ISBN 3-593-37015-8.

Zeitschriftenbeiträge Alternative Wohlstandsmessung: neun Indikatoren können das Bruttoinlandsprodukt ergänzen und relativieren, in: DIW Wochenbericht 9/2013, 3–12 Gemeinsam mit Thomas Dohmen, Uwe Sunde, Gert G. Wagner, Armin Falk, Matthias Schonlau, Martin Reuter, Jürgen Schupp, Christian Montag, und Bernd Weber (2010, September). Collecting genetic samples in population wide (Panel) surveys: feasibility, nonresponse and selectivity. In Survey Research Methods (Vol. 4, No. 2, pp. 121–126), . Rot-Grün und die Pfeiler des deutschen Kapitalismus. In: Egle C., Zohlnhöfer R. (eds) Ende des rot-grünen Projektes. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften, 379–407,

Einzelnachweise

Kategorie:Politikwissenschaftler Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1970 Kategorie:Mann