Crispino e la comare (deutsche Titel: Crispino und die Gevatterin oder Der Arzt und der Tod oder Doktor Crispin) ist eine phantastisch-komische Oper (Originalbezeichnung: „Melodramma fantastico-giocoso“) in drei oder vier Akten der Brüder Luigi Ricci und Federico Ricci (Musik) mit einem Libretto von Francesco Maria Piave nach Giuseppe Checcherinis Libretto zu Giuseppe Curcios Oper Il ciabattino medico e la morte (1832), das wiederum auf Salvatore Fabbrichesis Komödie Il medico e la morte basiert. Die Uraufführung fand am 28. Februar 1850 im Teatro San Benedetto in Venedig statt.

Handlung

Kurzfassung

Erster Akt. Der Flickschuster Crispino und seine Frau, die Geschichtenverkäuferin Annetta, sind völlig verarmt und verschuldet. Ihr Vermieter Don Asdrubale droht daher, sie aus dem Haus zu werfen. Asdrubale verweigert dem Contino del Fiore die Hand seiner Nichte Lisetta, da er sie ihrer Mitgift wegen selbst heiraten will. Lisetta ist aufgrund ihrer unglücklichen Liebe schwer erkrankt und wird erfolglos vom Arzt Fabrizio behandelt. Als Crispino sich aus Verzweiflung in einen Brunnen stürzen will, begegnet er der „comare“ (‚Gevatterin‘), halb Fee, halb der personifizierte Tod, die ihm ihre Hilfe verspricht. Von nun an kann er eine große Karriere als Arzt beginnen, da er mit ihrer Hilfe erkennt, ob ein Patient überleben oder sterben wird. Letzteres ist nur dann der Fall, wenn er sie in der Nähe des Betroffenen erblickt. Zum Start gibt sie ihm einen Beutel Gold, mit dem er seine Schulden bezahlen kann.

Zweiter Akt. Crispino beweist seine neuen Fähigkeiten als Arzt bei der Behandlung des vom Dach gestürzten Maurers Bortolo, den alle anderen Ärzte bereits aufgegeben haben. Man feiert ihn als Wunderdoktor. Nur Asdrubale, der Apotheker Mirabolano, Fabrizio und der Contino misstrauen ihm noch.

Dritter Akt. Crispino ist zu Reichtum gekommen, doch sein Charakter hat unter dem neuen Ruhm stark gelitten. Er verhält sich allen anderen gegenüber hochtrabend und beleidigend. Zuerst streitet er mit Mirabolano über die Behandlung eines seiner Patienten. Als Asdrubale ihn und die anderen Ärzte wegen Lisettas Erkrankung konsultiert, halten die Ärzte sie für unheilbar. Nur Crispino erkennt mit Hilfe der Fee, dass nicht Lisetta, sondern Asdrubale selbst sterben wird. Dieser erliegt unmittelbar darauf einem Schlaganfall, und Crispino vermählt die schnell wieder genesene Lisetta mit dem Contino. Annetta leidet unter Crispinos verändertem Verhalten. Als er nach Padua reisen muss, nutzt sie die Gelegenheit für ein Fest mit ihren Freunden, das Crispinos unerwartete Rückkehr sprengt. Crispino tobt vor Wut. Auch die plötzlich auftretende Fee kann ihn nicht beruhigen, sondern zieht selbst seinen Zorn auf sich. Sie betäubt ihn mit einer Berührung an der Schulter und versetzt ihn in ihr eigenes Reich.

Vierter Akt. In ihrem unterirdischen Gewölbe zeigt die Gevatterin Crispino eine Menge brennender Kerzen, die jeweils das Leben eines Menschen repräsentieren. Auch sein eigenes Licht ist darunter. Die Gevatterin erklärt, dass es aufgrund seiner vielen Sünden zu verlöschen beginne. Sie diktiert ihm sein Testament, dem zufolge sein Vermögen zu großen Teilen wohltätigen Zwecken dienen soll. In einem Spiegel darf Crispino noch einmal seine Familie sehen, die gerade für ihn betet. Als er erschüttert verspricht, in Zukunft ein besserer Mensch zu werden, lässt sie ihn ins Leben zurückkehren. Er erwacht im Kreis seiner Freunde und Verwandten.

Erster Akt

Ein Platz in Venedig; rechts die Apotheke „Zwei Affen“, ein Café und ein Restaurant; links Crispinos ärmliches Haus, dahinter die Fassade eines Palasts

Szene 1. Während der verarmte Flickschuster Crispino vor seinem Haus arbeitet, liest der Contino del Fiore im Café in einer Zeitung. Die Apothekenmitarbeiter preisen ihr selbst hergestelltes Allheilmittel Theriak (Introduktion: „Batti, batti, pesta, pesta“).

Szene 2. Don Asdrubale, Crispinos Vermieter, begibt sich aus seinem Palast in das Café, wo er Kaffee und Gebäck bestellt. Der Contino träumt von seiner Geliebten, Asdrubales Nichte Lisetta (Romanze: „Bella siccome un angelo“), und Crispino sucht Trost in einem Lied (Canzone: „Una volta un ciabattino“).

Szene 3. Crispinos Frau Annetta erscheint mit einem Korb voller Geschichten- und Liederbüchern, die sie verkaufen will (Cavatine Annetta: „Istorie belle a leggere“). Leider war ihr Tag vollkommen erfolglos. Sie wurde verspottet, mit den Büchern beworfen und sogar sexuell belästigt. Auch jetzt wollen weder der Apotheker Mirabolano noch der Contino etwas kaufen, und Asdrubale wünscht sich nur „ein Stück ihres Herzens“. Als Crispino ihn zurechtweist, verlangt er von diesem die ausgehende Miete. Sonst werde er ihn hinauswerfen und die Möbel behalten (Fortsetzung und Stretta der Introduktion: „Paga i tuoi debbiti“). Weitere Gläubiger stimmen ein, bis Crispino verzweifelt davonläuft.

Szene 4. Asdrubale hält Annetta davon ab, ihrem Mann zu folgen, da er mit ihr reden will (Rezitativ: „Vedi, vedi per te“). Sie kann sich jedoch losreißen.

Szene 5. Asdrubale unterhält sich mit dem Arzt Fabrizio über seine schwer kranke Nichte Lisetta. Fabrizio hat keine Hoffnung mehr auf ihre Genesung. Asdrubale lässt das völlig kalt. Er hatte sie einst heiraten wollen, wurde aber abgewiesen, da sie den Contino liebt. Jetzt kann sie seinetwegen sterben.

Szene 6. Fabrizio hat Mitleid mit Lisetta. Er weiß genau, dass Asdrubale sie nur ihrer reichen Mitgift wegen ehelichen wollte (Rezitativ und Cavatine: „Io sono un po’filosofo“).

mini|Bühnenbild von Pieretto Bianco, Metropolitan Opera 1919

Abgelegener Ort mit einem Brunnen in der Mitte

Szene 7. Da Crispino keinen Ausweg aus seiner Lage mehr sieht, will er sich im Brunnen ertränken.

Szene 8. Da erscheint plötzlich eine in einen schwarzen Umhang gehüllte Dame vor ihm, eine Mischung aus Fee und dem personifizierten Tod, die sich ihm als seine „comare“ (‚Gevatterin‘) vorstellt und seinen Gehorsam fordert (Große Brunnenszene: „Fermo là“). Crispino erzählt ihr von seinen vielen vergeblichen Versuchen, zu Geld zu kommen, und seiner Frau, die seine Liebe nicht erwidert. Die Gevatterin verspricht ihm ihre Hilfe. Sie will die überhebliche Dummheit der Ärzte strafen und ihn daher selbst in einen mächtigen Arzt verwandeln. Wenn er sie bei einem Krankenbesuch in der Nähe sehe, werde der Betroffene sterben. Wenn sie dagegen nicht anwesend sei, werde er genesen. Auf diese Weise könne er berühmt werden und ein Vermögen verdienen. Bevor sie geht, wirft sie Crispino noch einen Beutel mit Gold zu und verspricht ihm ihren Schutz.

Szene 9. Crispino fragt sich für einen Moment, ob er die Begegnung nur geträumt hat.

Szene 10. Crispino erzählt Annetta von dem Geschehenen. Sie hält die Geschichte von der Fee zuerst für einen Witz. Erst als er ihr den Goldbeutel zeigt, glaubt sie ihm und ist nach einem kurzen Anflug von Eifersucht überglücklich (Duett-Finale: „Vedi o cara“).

Zweiter Akt

Ein Platz wie in der ersten Szene des ersten Akts

[Szene 1].Die erste Szene des zweiten Akts ist im dreiaktigen Mailänder Libretto von 1750 enthalten, aber als nicht vertont gekennzeichnet. Annetta versteht noch nicht ganz, wie Crispino jetzt als Arzt arbeiten kann. Er hat aber zu ihrem Erstaunen bereits von der Gevatterin ein Werbeschild mit dem Namen „Crispino de Tacchetti“ und die passende Kleidung erhalten.

Szene 1 . Annetta zweifelt nicht länger an der Existenz der Fee. Sie freut sich auf ihr neues sorgenfreies Leben in Reichtum (Rezitativ und Arie: „Io non sono più l’Annetta“).

Szene 2 . Mirabolano, Fabrizio, Asdrubale und Passanten betrachten das Türschild des neuen Arztes und lachen sich fast tot (Quartett: „Cosa ha scritto mai“).

Szene 3 . Crispino lässt sich durch den Spott nicht beirren. Als sie ihn auffordern, seine Schulden zu zahlen, wirft er ihnen Geld zu. Die anderen nehmen an, er habe es gestohlen. Crispino bekommt es mit der Angst zu tun. Glücklicherweise erscheint in diesem Moment, nur für ihn sichtbar, die Gevatterin und spricht ihm neuen Mut zu.

Szene 4 . Der Contino ruft die anwesenden Ärzte um Hilfe, da der Maurer Bortolo vom Dach gestürzt ist und sich schwer verletzt hat (Ensemble: „Ah signori, signori“). Mirabolano und Fabrizio untersuchen den Mann und sehen keine Hoffnung mehr für ihn. Crispino dagegen schaut sich kurz um und erklärt, da er die Gevatterin nirgends finden kann, dass er ihn retten könne. Er lässt sich Zutaten für ein spezielles Rezept aus Brot, Salami, Austern und Wein bringen (Behandlung Crispinos: „Recipe panam candidam“), legt etwas davon auf den Verwundeten und isst selbst den Rest. Dann haucht er Bortolo an und befiehlt ihm, aufzuwachen. Zum Erstaunen der Zuschauer öffnet Bortolo die Augen (Sextett: „Quanti baci vorrei dare“). Crispino lässt ihn für eine Weile auf seinem eigenen Bett ruhen (Crispino: „Sul mio letto“).

Szene 5 . Crispino prahlt vor Fabrizio, Asdrubale und Mirabolano mit seinem Erfolg.

Szene 6 . Die Menge feiert den neuen Wunderdoktor (Stretta: „Viva il povero Crispino“). Nur Asdrubale, Mirabolano, Fabrizio und der Contino sind skeptisch.

Dritter Akt

Platz wie in der ersten Szene des ersten Akts; Crispinos Haus wurde prächtig ausgebaut und hat jetzt einen Balkon

Szene 1 [–]:Die ersten beiden Szenen des dritten Akts fehlen in der dreiaktigen Mailänder Fassung. Noch immer wird Crispino bejubelt (Introduktion, Chor der Ausrufer: „Zitti adesso“).

Szene 2 [–]: Crispino zeigt sich der Menge auf seinem Balkon und wirft ihnen einige Geldstücke zu.

Szene 3 . Der Contino bittet Fabrizio, seiner Patientin Lisetta auszurichten, wie sehr er sie liebe (Rezitativ und Duett: „Ehi contin…“). Fabrizio findet dies völlig unangemessen, lässt sich aber durch den wortgewandten Contino und dessen Versprechen, ihm die Mitgift zu überlassen, überreden.

In der Apotheke „Zwei Affen“

Szene 4 . Mirabolano beklagt, dass seit dem Erfolg des Schusters niemand mehr die anderen Ärzte und Apotheker konsultiert (Rezitativ: „Dacchè questo malnato“).

Szene 5 . Crispino diktiert Mirabolano ein absurdes Rezept für den Grafen Pandolfetti, den Mirabolano bereits seit einem Jahr vergeblich behandelt. Alle bisherigen Arzneien seien in den Kanal geworfen worden, und er habe ihm eine „natürlichere“ Behandlung verordnet. Die Szene endet mit gegenseitigen Beschimpfungen.

Szene 6 . Von dem Lärm angelockt, erscheint Fabrizio und muss sich die Argumente der beiden anhören (Buffo-Terzett: „Di Pandolfetti medico“). Er erinnert sie daran, dass ein Arzt immer höflich und offen sein und niemand die Reputation eines anderen untergraben solle. Leider zieht er damit beider Zorn auf sich selbst.

Salotto in casa di don Asdrubale.

Szene 7 . Asdrubale hat alle Ärzte der Gegend zu sich gerufen, um über Lisettas Behandlung zu beraten (Chor der Ärzte: „Misteri impenetrabili“).

Szene 8 . Crispino verursacht einen Skandal, indem er verkündet, dass die anderen gleich wieder gehen könnten (Pezzo concertato: „Son tutti medici?“). Asdrubale und Mirabolano führen Lisetta herein (Sextett: „Qual ti veggo“). Die Ärzte sind sich einig, dass ihr nur noch eine oder zwei Stunden bleiben. Crispino jedoch, der die Gevatterin nirgendwo sieht, behauptet, sie werde überleben. Plötzlich erscheint die Fee neben Asdrubale. Crispino gibt Lisetta eine Tablette und erklärt, dass sie noch vor Sonnenuntergang ihren Geliebten heiraten und nicht sie, sondern Asdrubale sterben werde („Volete ch’io vi schiccheri“). Dieser bricht tatsächlich zusammen und wird von Mirabolano in einen Nebenraum gebracht. Die Fee folgt ihnen.

Szene 9 . Crispino verspottet die anderen Ärzte. Lisetta und der Contino hingegen sind erleichtert.

Szene 10 . Mirabolano berichtet, dass Asdrubale tatsächlich an einem Schlaganfall gestorben sei. Crispino gibt dem Contino einen seiner Ringe und bittet die anderen, als Trauzeugen zu fungieren. Er selbst vermählt das Paar, das sich anschließend mit Fabrizio zurückzieht.

Szene 11 . Die anderen Ärzte verlassen beschämt das Haus.