mini|hochkant|Max Picard (1952) Max Picard (* 5. Juni 1888 in Schopfheim; † 3. Oktober 1965 in Neggio bei Lugano) war ein Schweizer Arzt und Kulturphilosoph.
Leben Sein Urgrossvater war ein berühmter Rabbiner. Picard studierte in Freiburg im Breisgau, Berlin und München Medizin, hörte dabei aber auch philosophische Vorlesungen von Heinrich Rickert und Ernst Troeltsch. Er wurde Assistenzarzt in Heidelberg und anschliessend Arzt in München. 1918 gab er aufgrund des von ihm als mechanistisch empfundenen Medizinertums seine Tätigkeit als Arzt auf und liess sich als freier Schriftsteller im Tessin nieder, um schreiberisch diagnostisch und heilend tätig werden zu können.Peter Hamm: Das Schwinden des Schweigens. In: Die Zeit, 19. Februar 1990 Im Jahre 1939 liess sich der gebürtige Jude katholisch taufen.Religion: The World of the Flight. In: Time Magazine, 4. Februar 1952
Picard verfasste Werke zur Kunsttheorie, Kulturphilosophie und Kulturkritik. Bekannt wurde er zunächst durch die Arbeiten, die die menschliche Physiognomie zum Thema hatten, und in denen er dichterisch das Mysterium des menschlichen Gesichts charakterisierte und deutete und in Beziehung zum tierischen Antlitz sowie zu historischen Menschenbildnissen setzte. In dem Werk Die unerschütterliche Ehe ging er auf die Institution der Ehe ein und verteidigte diese gegen modernen Subjektivismus.Antonius Lux (Hrsg.): Grosse Männer der Weltgeschichte. Tausend Biographien in Wort und Bild. Sebastian Lux Verlag, München 1960, S. 358 Aufsehen erregte sein Buch Hitler in uns selbst. Höchst kritisch stand Picard in seinem Werk nach dem Zweiten Weltkrieg besonders dem Grossstadtleben und den Massenmedien wie Radio und Fernsehen gegenüber, bei denen es keine Stille und kein Schweigen mehr gebe, auch die Psychoanalyse lehnte er ab. Er galt damit als unzeitgemässer und antimoderner, jedoch nicht reaktionärer Denker.
1952 erhielt er den Johann-Peter-Hebel-Preis. Zu den Personen, die sich mit Picards Werk auseinandersetzten oder ihn bewunderten, zählen Rainer Maria Rilke, Joseph Roth, André Gide, Gabriel Marcel, Hermann Hesse und Rudolf Kassner.
Der Schriftsteller Ernst Wiechert schrieb auf Anregung von Max Picard den zweiten Band „Jeromin-Kinder“, dann die Fortsetzung von „Wälder und Menschen“ sowie den Erinnerungsband „Jahre und Zeiten“, welcher in der Schweiz herauskam.
Werke 1914 Der Bürger. Verlag der weissen Bücher, Leipzig 1916 Das Ende des Impressionismus. Piper, München 1917 Expressionistische Bauernmalerei. Delphin, München 1919 Mittelalterliche Holzfiguren. Rentsch, Erlenbach 1921 Der letzte Mensch. E.T.Tal & Co, Leipzig 1929 Das Menschengesicht. Delphin, München; 2. bis 6. Aufl. 1941ff Rentsch, Erlenbach 1933 Die Ungeborenen, Rundgespräch zwischen M. P., Otto Gmelin, Paul Alverdes, Fritz Künkel, Hermann Herrigel, Wilhelm Michel. 1934 Die Flucht vor Gott. Rentsch, Erlenbach 1937 Die Grenzen der Physiognomik. Rentsch, Erlenbach 1942 Die unerschütterliche Ehe. Rentsch, Erlenbach 1946 Hitler in uns selbst. Rentsch, Erlenbach 1948 Die Welt des Schweigens. Rentsch, Erlenbach 1951 Zerstörte und unzerstörbare Welt. Rentsch, Erlenbach 1953 Wort und Wortgeräusch. Furche, Hamburg 1953 Die Atomisierung in der modernen Kunst. Furche, Hamburg 1955 Der Mensch und das Wort. Rentsch, Erlenbach 1955 Ist Freiheit heute überhaupt möglich? Furche, Hamburg 1958 Die Atomisierung der Person. Furche, Hamburg 1961 Einbruch in die Kinderseele. Furche, Hamburg 1965 Fragmente. Aus dem Nachlass 1920–1965. Rentsch, Erlenbach 1967 Nacht und Tag. Rentsch, Erlenbach 1970 Briefe an den Freund Karl Pfleger. Rentsch, Erlenbach 1974 Das alte Haus in Schopfheim. Aus dem Nachlass. Rentsch, Erlenbach 1988 Wie der letzte Teller eines Akrobaten. Auswahl aus dem Werk, hrsg. von Manfred Bosch. Thorbecke, Sigmaringen 1989 Nach Santa Fosca. Tagebuch aus Italien. List, München (identisch mit 'Zerstörte und unzerstörbare Welt', 1951)
Ausserdem: Zeitschriftenbeiträge, Übersetzungen u. a.
Literatur Marie Beyeler: Max Picard: Hitler in uns selbst. In: Torben Fischer, Matthias N. Lorenz (Hrsg.): Lexikon der „Vergangenheitsbewältigung“ in Deutschland. Debatten- und Diskursgeschichte des Nationalsozialismus nach 1945. Bielefeld : Transcript, 2007, ISBN 978-3-89942-773-8, S. 33f. Wilhelm Hausenstein, Benno Reifenberg (Hrsg.): Max Picard zum siebzigsten Geburtstag. E. Rentsch, Erlenbach-Zürich 1958. - Mit Beiträgen von E. Spranger, W. Leibbrand, Reinhold Schneider, R. Kassner, Gabriel Marcel, Th. Bovet, F. J. J. Buytendijk u.v. a.
Karl Pfleger: Kundschafter der Existenztiefe. (Über Max Picard, Simone Weil, Paul Claudel, Peter Wust, Reinhold Schneider, Georges Bernanos) Verlag Josef Knecht, Frankfurt am Main 1960. Picard, Max. In: Lexikon deutsch-jüdischer Autoren. Band 18: Phil–Samu. Hrsg. vom Archiv Bibliographia Judaica. De Gruyter, Berlin u. a. 2010, ISBN 978-3-598-22698-4, S. 46–54.
Weblinks
Hebel-Preis 1952 für Max Picard Walter Abendroth: Nachruf in: Die Zeit, Nr. 42, 15. Oktober 1965
Einzelnachweise
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