Die Ōyodo () war ein Leichter Kreuzer der Kaiserlich Japanischen Marine, der während des Zweiten Weltkriegs fertiggestellt wurde und zum Einsatz gelangte. Der Kreuzer, benannt nach dem durch die Präfekturen Kagoshima und Miyazaki fließenden Fluss Ōyodo, wurde am 14. Februar 1941 auf der staatlichen Marinewerft in Kure auf Kiel gelegt, lief am 2. April 1942 von Stapel und wurde schließlich am 28. Februar 1943 in Dienst gestellt. Das Einzelschiff war von April bis September 1944 zeitweise Flaggschiff der Rengō Kantai, kam aber hauptsächlich bei Versorgungs- und Nachschubfahrten zum Einsatz und wurde letztlich im Juli 1945 bei US-Luftangriffen auf Kure in seichtem Wasser versenkt. Das Wrack wurde nach Kriegsende gehoben und 1948 verschrottet. Erster Kommandant des Schiffes war Kaigun-Taisa Tomioka Sadatoshi.
Vorgeschichte und technische Besonderheiten Unter dem sogenannten 4. Kreis-Bauprogramm (Maru 4 Keikaku) plante die japanische Marine ursprünglich im Jahr 1939, zwei weitere Schiffe eines vergrößerten und „verbesserten“Whitley, Michael J.: Kreuzer im Zweiten Weltkrieg. Klassen, Typen, Baudaten. Motorbuch Verlag. Stuttgart 1997, S. 217. Agano-Typs in Auftrag zu geben. Diese beiden Kreuzer sollten vorzugsweise als Flaggschiffe beziehungsweise Flottillenführer von U-Boot-Flottillen zum Einsatz kommen. Hierfür war es geplant, die Schiffe mit bis zu sechs katapultstartfähigen Aufklärungsflugzeugen auszustatten, welche die Suche nach lohnenden Zielen für die U-Boot-Flottillen zu übernehmen gehabt hätten (in der Realität konnte dieses Konzept allerdings später, bedingt auch durch die sich nach 1942/43 verschlechternde Kriegslage für Japan, nicht umgesetzt werden). Angesichts der Priorisierung des Baus von Flugzeugträgern und (zu diesem Zeitpunkt noch) von Schlachtschiffen und der allgemeinen Auslastung der Werften, wurde indessen nur ein Schiff, die Ōyodo, Anfang 1941 auf Kiel gelegt. Der Bauauftrag für die zeitweise geplante zweite Einheit, die den Namen Niyodo (ursprünglich als „Baunummer 137“ bezeichnet) hätte erhalten sollen, wurde 1941 zunächst in das Fiskaljahr 1943 verschoben und schließlich im August 1942 endgültig storniert.Lacroix, Eric / Wells, Linton: Japanese Cruisers of the Pacific War. Naval Institute Press. Annapolis 1997, S. 617f. Bauvorbereitungen oder Materialzuschnitte für diesen Kreuzer fanden keine mehr statt.
Die Ōyodo war maximal 192,10 Meter lang und 16,61 Meter breit. Der Tiefgang lag im Durchschnitt bei 5,75 Meter, stieg aber im voll ausgerüsteten Zustand auf 6,10 Meter an. Da das Schiff hauptsächlich zu Aufklärungszwecken oder als Führungsschiff genutzt werden sollte, wurde, was ein Novum im japanischen Kriegsschiffbau zu dieser Zeit darstellte, gänzlich auf eine Torpedobewaffnung verzichtet (dies war insofern bemerkenswert, als dass die Torpedobewaffnung, zumal mit dem Typ-93-Torpedo eine sehr leistungsfähige Waffe zur Verfügung stand, in der japanischen Einsatzdoktrin generell als ein äußerst gewichtiges Waffensystem von Kreuzern und Zerstörern angesehen wurde). Die Ōyodo war der einzige japanische Kreuzer der 1930er und 1940er Jahre, der keine Torpedorohre führte.Whitley: Kreuzer im Zweiten Weltkrieg, S. 217. Die Besatzung der Ōyodo hatte eine Stärke von 776 Offizieren, Unteroffizieren und Mannschaften. Üblicherweise befehligte ein Stabsoffizier im Rang eines Kaigun-Taisa (Kapitän zur See) das Schiff. Im letzten Kriegsjahr wuchs die Stärke der Besatzung allerdings, vor allem bedingt durch die Zunahme der Zahl der Flugabwehrgeschütze sowie durch die Umrüstung zum Flottenflaggschiff (was die Aufnahme von Stabspersonal mit sich brachte), auf insgesamt 911 Mann (61 Offiziere und Unteroffiziere sowie 850 Mannschaftsdienstgrade) an.Jordan, John (Hrsg.) / Dent, Stephen: Warship 2018. Osprey Publishing Ltd., Oxford 2018, S. 107.
Bewaffnung Der Kreuzer verfügte über eine aus sechs 15,5-cm-Geschützen (L/60 Typ 3) bestehende Hauptartillerie, welche in zwei je 180 Tonnen schweren Drillingstürmen untergebracht waren. Beide Türme – diese stammten (vermutlich) von Kreuzern der Mogami-Klasse, nachdem diese von 15,5-cm-Drillingstürmen auf 20,3-cm-Doppeltürme umgerüstet worden waren – standen in überhöhter Aufstellung vor den Hauptaufbauten, so dass das Achterdeck frei zur Verfügung stand zwecks der Unterbringung der Flugzeugausstattung. Die Dotierung lag pro Geschütz bei 150 Granaten. Diese ab 1935 in die Marine eingeführten Geschütze, die Feuergeschwindigkeit lag bei etwa fünf bis sechs Schuss pro Minute, besaßen eine maximale Schussweite von rund 27.400 Metern (bei 45 Grad Rohrerhöhung) und verfeuerten eine 55,87 Kilogramm schwere Granate.
Weiterhin besaß die Ōyodo acht 10,0-cm-Geschütze L/65 Typ 98 in vier Doppellafetten (je zwei waren zu beiden Seiten der Hauptaufbauten untergebracht). Dieses ab 1942 eingeführte Mehrzweckgeschütz gilt als eines der leistungsfähigsten schweren japanischen Flugabwehrgeschütze des Zweiten Weltkrieges. Je nach Ausbildungsstand lag die Feuergeschwindigkeit bei etwa 15 bis 20 Schuss pro Minute, wobei die effektive Schusshöhe in der Flugabwehrrolle bei etwa 11.000 Metern lag. Das Geschossgewicht betrug 28 Kilogramm (Gesamtgewicht, die Granate selbst wog 13 Kilogramm), die Dotierung lag bei 200 Granaten pro Geschütz. Darüber hinaus befanden sich bei Indienstnahme 18 leichte 2,5-cm-Flak L/60 Typ 96 (in sechs Drillingslafetten) an Bord. Bis Oktober 1944 wurde die Zahl dieser Kanonen auf insgesamt 57 erhöht (in zwölf Drillings- und 21 Einzellafetten).
Eine Torpedobewaffnung war nicht vorhanden (s. o.), zur Bekämpfung von U-Booten führte die Ōyodo ferner vier Wasserbombenwerfer mit zwölf Wasserbomben mit sich. Darüber hinaus gab es an Bord drei 110-cm-Suchscheinwerfer.
Maschinenanlage Die Maschinenanlage der Ōyodo bestand aus sechs ölbefeuerten Kampon-Wasserrohrkesseln und vier Kampon-Getriebeturbinen, welche vier Wellen ansteuerten. Gemäß den Planungen hätte die Maschinenanlage, wobei die Kessel mit einem maximalen Betriebsdruck von 427 Pfund pro Quadratzoll (etwa 29,5 Bar) gefahren werden konnten, auf vier dreiflügeligen Propellern von je 3,61 m Durchmesser eine Leistung von 110.000 WPS gewährleisten und veranschlagt eine Höchstfahrt von 35 kn (ca. 65 km/h) ermöglichen sollen. Bei Testfahrten in der Ise-Bucht im Februar 1943 wurde diese Vorgabe leicht überboten und der Kreuzer erreichte, bei einer maximalen Maschinenleistung von 115.950 WPS, eine Höchstgeschwindigkeit von 35,31 kn. (Dieser Wert wird auch im nebenstehenden Informationsblock genutzt.) Mit vollem Treibstoffvorrat (rund 2400 Tonnen Öl) und bei 18 kn Höchstfahrt, lag die rechnerische Seeausdauer bei etwa 10.600 Seemeilen, was von Fachkreisen als eine vergleichsweise hohe Reichweite bewertet wird.
Panzerschutz Die Planungen sahen vor, dass das Schiff über einen Panzerschutz verfügen sollte, der dem Beschuss mit 15,5-cm-Granaten sowie dem Abwurf einer 250-Kilogramm-Bombe aus maximal 3.000 Metern Höhe widerstehen hätte können sollenJordan: Warship, S. 103.. Die Ōyodo verfügte über einen 71 Meter langen und 3,9 Meter hohen seitlichen Panzergürtel (Typ RHA), wobei von diesem 2,35 Meter oberhalb und 1,55 Meter unterhalb der Wasserlinie lagen. Dieser Panzerschutz besaß eine Stärke von 40 mm (untere Bereiche) bis 60 mm (Wasserlinie), wobei allerdings im Bereich der Barbetten der Hauptartillerietürme und der Munitionsräume die Stärke bei 75 mm lag. Zu beiden Enden hin, hier begrenzten je 35 mm starke Querschotten diesen Seitenpanzer, verjüngte sich die Stärke des Panzers auf 40 mm. Die Dicke des Panzerdecks lag bei 30 mm im Durchschnitt, über den Munitionsmagazinen und im Bereich der Rauchfänge des Schornsteins betrug sie 50 mm. Die Türme der Hauptartillerie waren vergleichsweise schwach gepanzert und besaßen 30 mm starke Frontseiten sowie einen 25 mm messenden Seiten- und Rückseitenpanzer – womit die Panzerung hier allenfalls als verbesserter Splitterschutz eingestuft werden kann. Ebenfalls relativ schwach geschützt war die Kommandobrücke (40 mm starke Frontseite, 20 mm dicke Deckenpanzerung). Daneben besaß der Kreuzer noch eine Panzerbox von 25 mm (Seiten) bis 40 mm (Decke) Stärke über der Rudermaschine. mini|Das für die Ausstattung der Ōyodo vorgesehene Schwimmerflugzeug Kawanishi E15K1. Man beachte den koaxial gegenläufigen Doppelpropeller.
Flugzeugausstattung und Sensoren Entsprechend der vorgesehenen Rolle als Führungs- und Aufklärungsschiff von U-Boot-Flottillen verfügte die Ōyodo auf dem Achterdeck (wobei hiermit grob das gesamte hintere Schiffsdrittel gemeint ist) über einen Hangar, einen mit Dampfdruck betriebenen 44-m-Flugzeugkatapult (Typ 2 Modell 10) und zwei 6-Tonnen-Kräne (um Flugzeuge an Bord heben zu können). Insgesamt hätten sechs schnelle Aufklärungs-Wasserflugzeuge des neu entwickelten Typs Kawanishi E15K1 Shiun aufgenommen werden sollen, wobei vier Flugzeuge im Hangar und zwei auf dem Deck hätten abgestellt werden sollen. Das Katapult war in der Lage, ein 5000 Kilogramm schweres Flugzeug auf rund 130 km/h Startgeschwindigkeit zu beschleunigen. In der Realität allerdings lief die Produktion dieses Kawanishi-Modells nur sehr zögerlich an (erste Exemplare gingen erst im April 1944 den Streitkräften zu), hinzu kam, dass dieser Flugzeugtyp vor allem bezüglich der Geschwindigkeit hinter den Erwartungen zurückblieb und nur in sehr geringem Umfang (15 Exemplare?) produziert wurde; es befanden sich denn zumeist nur zwei Maschinen E15K1 an Bord, die im Sommer 1944 auch nur zu Startübungen und nicht im direkten Einsatz genutzt wurdenJordan: Warship, S. 106.. Die letzten Maschinen dieses Typs gingen im Herbst 1944 verloren, so dass das Achterdeck spätestens ab diesem Zeitpunkt dazu genutzt wurde, um zusätzliche 2,5-cm-Flugabwehrgeschütze dort unterzubringen (s. Bewaffnung).
Die Feuerleitung der 15,5-cm-Hauptartillerie erfolgte über ein 8-m-Basisgerät Typ 93 oberhalb der Kommandobrücke und ein kleineres 6-m-Basisgerät Typ 14 am überhöht aufgestellten Turm, zur Leitung der schweren 10,0-cm-Flugabwehrgeschütze befand sich je ein Typ-94-Entfernungsmesser zu beiden Seiten der Brückenaufbauten (je ein Gerät war für die Feuerleitung der je vier Geschütze pro Schiffsseite zuständig). Zur Luftraumüberwachung befand sich spätestens ab April 1943 eine Testversion des Typ-21-Radars (5 KW, 150 cm Wellenlänge, etwa 100 Kilometer Reichweite) an Bord der Ōyodo. Anscheinend hatte dieser Typ allerdings noch gewisse Schwächen, so dass im Herbst 1944 zusätzlich noch ein Typ-13-Radar (10 kW, 150 cm Wellenlänge, 100 Kilometer Reichweite, Erfassung einzelner Flugzeuge bis auf 50 Kilometer) zur Luftraumüberwachung an Bord kam. Zur Feuerleitung der 15,5-cm-Geschütze wurde im Frühjahr 1944 zudem ein Typ-22-Radar auf dem Kreuzer installiert (2 kW, 10 cm Wellenlänge, Erfassung von einzelnen Schiffszielen bis auf etwa 35 Kilometer Entfernung).
Dienstzeit Nach der Indienstnahme und dem Abschluss der Probefahrten, wurde die Ōyodo im Mai 1943 zunächst in eine Kampfgruppe inkludiert, die die Rückeroberung der Aleuten-Insel Attu von den US-Streitkräften zur Aufgabe gehabt hätte (siehe Operation Landcrab). Diese Unternehmung wurde allerdings abgesagt, nachdem die Insel an die Amerikaner gefallen war. Im Juli dem 8. Kreuzergeschwader zugeteilt, nahm der Kreuzer zwischen dem 9. und dem 19. Juli 1943 an einer Versorgungs- und Nachschuboperation nach der japanischen Großbasis Truk teil. mini|Bugansicht der Ōyodo, vermutlich im Sommer 1944.
Nachschuboperationen im Südwestpazifik und Nutzung als Flaggschiff