mini|Danqal-Logo mini|Netzplan des Dankal-Systems Die Stadtbahn Tel Aviv ist ein im August 2023 eröffnetes Schienennahverkehrssystem der israelischen Großstadt Tel Aviv-Jaffa. Nach Jerusalem ist Tel Aviv die zweite Stadt des Landes mit einer Stadtbahn. Aktuell hat sie eine Länge von 24,0 Kilometern und bedient mit einer Linie 34 Haltestellen. Zwei weitere Linien sind im Bau. Vor Ort wird die Gesamtheit aller Nahverkehrsvorhaben im Großraum Tel Aviv-Jaffa, diese Stadtbahn, die im Bau befindliche U-Bahn und der Bus Rapid Transit, als Danqal oder auch Dankal bezeichnet.

Markenname Der Danqal (, sinngemäß ‚DanTram‘) ist die Bezeichnung des Personennahverkehrssystems im Gusch Dan (), dem Großraum Tel Aviv-Jaffa. Der hebräische Eigenname Danqal ist ein Kofferwort, eine wortschöpferische Verbindung von nach dem Stamme Dan, dessen ehemaliges Stammesland heute der danach benannte Ballungsraum einnimmt, und dem Adjektiv in seiner attributiven Funktion, im Hebräischen heute Trams und Schnellstraßenbahnen bezeichnend.Traditioneller Begriff für die Straßenbahn ist auf .

Geschichte Bereits in den 1890er-Jahren bestand in der Stadt eine kurzlebige lokale Bahnverbindung – eine Dampfstraßenbahn nach System Decauville. Die Decauville-Bahn führte vom damaligen Endpunkt der Jaffa-Jerusalem Bahn zum Hafen. Weiter reichende Pläne für eine Straßenbahn kamen jedoch nicht zur Ausführung. In den 1960er-Jahren existierten Planungen für eine Metrolinie. 1965 wurde unter dem Schalom-Me'ir-Turm als Bauvorleistung eine erste Station errichtet. Weitere Planungen für ein leistungsfähiges Nahverkehrssystem erfolgten in den 1980er-Jahren. Weitere Maßnahmen erfolgten damals nicht. Aktuelle Überlegungen gehen auf die frühen 2000er-Jahre zurück. Nach längeren Überlegungen kam es zu einem Konzept, beruhend auf einem Stadtbahnnetz nach deutschem Vorbild. Eine Voll-U-Bahn wurde ausgeschlossen. Es wurde ein Netz von sechs Stadtbahnlinien geplant. Dieses wurde auf drei Stadtbahnlinien redimensioniert, namentlich die Rote Linie, die Grüne Linie und die Violette Linie. Dieses erste Teilnetz soll gegen Ende der 2020er-Jahre mit drei Voll-U-Bahn-Linien (Metro 1, 2 und 3) ergänzt werden. Nachdem ein 2006 für Bau und 32 Jahre Betrieb der Roten Linie beauftragtes Konsortium im Rahmen der Weltfinanzkrise Schwierigkeiten mit der Finanzierung hatte, wurde das Projekt 2010 nationalisiert und für Entwicklung und Bau des Gesamtnetzes das Unternehmen NTA Metropolitan Mass Transit System Ltd. gegründet. Die ersten Testfahrten fanden im Mai 2021 in Petach Tikva statt, wo sich an der Jarqonbahn am Bahnhof Petach Tiqwah Qirjat Arjeh das Depot Qirjat Arjeh, die Betriebswerkstätte der Stadtbahn, und eine der Endhaltestellen der Red Line befinden.

Anfang des Jahres 2022 befanden sich die Rote Linie, die Grüne Linie und die Purpur Linie in verschiedenen, teils bereits fortgeschrittenen Projektstadien. Im Oktober 2022 wurde bekannt, dass sich die Inbetriebnahme der Rote Linie auf Mitte 2023 verzögern würde. Die Rote Linie wurde schließlich am 18. August 2023 in Betrieb genommen.

Netz mini|Baustelle in der Yehuda Halevi Straße mini|Baustelle der Red Line, Newe Zedeq, 2019 Die Rote Linie ist eine Durchmesserlinie und weist eine Länge von 24 Kilometern auf. Sie verläuft im südlichen Abschnitt küstennah in Nord-Süd-Orientierung, mit Eintritt in den innerstädtischen Tunnelabschnitt entfernt sie sich im nördlichen Abschnitt von der Küste des Mittelmeeres in Richtung Nordosten. Im Stadtzentrum wird sie unterirdisch geführt, in den Außenbereichen oberirdisch. Im Nordosten gibt es eine kurze Zweigstrecke über zwei Stationen zum Bahnhof Petach Tiqwah – Qirjat Arjeh. Die Linie weist 34 Stationen auf, 10 davon sind unterirdisch angelegt.

Die Grüne Linie, ebenfalls eine Transversallinie, verzweigt sich im Außenbereich in je zwei Teilstrecken, daher wird die im Bau befindliche Linie insgesamt vier Endstationen aufweisen. Sie wird ebenfalls innerstädtisch im Untergrund geführt wird, allerdings nur über vier Stationen und somit deutlich kürzer als die Rote Linie. Insgesamt erreicht sie 39 Kilometer Länge und bedient 62 Stationen.

Die zukünftige Violette Linie beginnt mit zwei Teilstrecken über 15 (Südzweig) und sieben (Nordzweig) Stationen im Osten des Großraumes, führt ab der Station Ramat Ef'al als Radiallinie westwärts zur Innenstadt, umrundet diese und hat dabei eine kurze Zweigstrecke über eine Station nach HaKarmel, bevor sie am Bahnhof Tel Aviv Savidor Merkaz endet. Sie verläuft durchgehend oberirdisch, wird dabei auf einigen Abschnitten als Hochbahn geführt und hat mehrere auffällige Brücken, weshalb sie auch als Bridge Line bekannt ist. Sie wird eine Zweigstrecke über sieben Stationen nach Kfar Gannim haben, insgesamt sollen auf 27 Streckenkilometern 46 Stationen angefahren werden. Linie Länge Status Inbetriebnahme Endstationen Stationen(davonunterirdisch) Rote Linie 24 km in Betrieb 18. August 2023 Petah Tikva CBS ● Kiryat Aryeh (Petah Tikva)↔ HaKomemiyut (Bat Yam) 34 (10) Grüne Linie 39 km in Bau 2028 (Südabschnitt geplant)2030 (Vollbetrieb geplant) Abba Eban (Herzliya) ● Neve Sharet (Tel Aviv)↔ Agricultural Center (Holon) ● Moshe Dayan (Rishon LeZion) 62 (4) Violette Linie 27 km in Bau 2028 (geplant) Kfar Gannim (Givat Shmuel) ● HaTayyasim (Yehud-Monosson)↔ Arlozorov (Tel Aviv) 46 Gesamt 90 km 142 (16)

Betrieb Streng genommen ist der Begriff „Linie“ für die einzelnen Strecken irreführend und nicht deckungsgleich mit dem deutschen Begriff einer Verkehrslinie. So verkehren auf der Roten Strecke aktuell drei Linien (im Englischen service lines): R1: Ha’Komemiyut – Petah Tikvah CBS R2: Ha’Komemiyut – Kiryat Arye (nur im Berufsverkehr) R3: Elipelet – Kiryat Arye Das wird auch auf den zukünftigen beiden Strecken mit ihren Zweigen so gehandhabt werden, dass dort mehrere Linien verkehren.

Aktuell (Sommer 2026) verkehren die beiden Hauptlinien auf der Roten Strecke im 6-Minuten-Takt, sodass sich zwischen den Stationen Elipelet und Aharonovich eine Zugabfahrt alle drei Minuten ergibt.

Die Betriebszeiten sind von Sonntag bis Donnerstag ab 5:00 Uhr, die letzte Abfahrt ist um 0:30 Uhr am Folgetag. Freitags fährt der letzte Zug 3 Stunden vor Schabbatbeginn (also gegen 14:00 Uhr im Winter und 16:00 Uhr im Sommer). An Samstagen verkehren tagsüber keine Züge bis zum Ende des Schabbats bei Sonnenuntergang am Samstagabend.

Ein Einzelfahrschein kostet 8 Schekel, umgerechnet rund 2,30 Euro, für Strecken über 15 Kilometer werden 16 Schekel fällig.

Fahrgastzahlen Es werden 100 Millionen Fahrgäste pro Jahr nach Fertigstellung des gesamten Netzes erwartet.

Allerdings blieben die Fahrgastzahlen auf der Roten Linie deutlich hinter den Prognosen zurück. So nutzten bis Frühjahr 2024 im Mittel lediglich rund 70.000 Menschen täglich die Stadtbahn, während die kalkulierte Nutzung bei 234.000 Fahrgästen am Tag lliegt. Zwar stiegen die Zahlen im Laufe des Jahres an, mit 110.000 täglichen Fahrgästen im Jahresmittel wurde die Zielvorgabe aber weiterhin deutlich verfehlt. Außerdem gab es Tage, an denen gerade 17.000 Menschen die Stadtbahn nutzten. Insgesamt nahm die Betreibergesellschaft 159 Millionen Schekel, umgerechnet rund 45,1 Millionen Euro, im Gesamtjahr 2024 ein.

Bau Im Februar 2022 wurde bekannt gegeben, dass die Konsortien Alstom/Dan/Electra und Schappir/CAF den Zuschlag für die Errichtung der Grünen Linie und der Violetten Linie erhalten hatten.

Das zur deutschen DB AG Gruppe gehörende Unternehmen DB Engineering & Consulting ist mit Planungsleistungen ebenfalls beteiligt.

Der östliche Abschnitt der Roten Linie wird von einem Konsortium der israelischen Baufirma Danya Cebus und der chinesischen Baufirma CCECC gebaut. Dabei werden zwei 2,7 km lange Tunnel mit Tunnelbohrmaschinen der Firma Herrenknecht aufgefahren.

Fahrzeuge mini|Probefahrt eines CRRC-Zuges für die Red Line Das ursprünglich beauftragte Konsortium unter Beteiligung von Siemens hatte für die Rote Linie den Einsatz von 60 Fahrzeugen des Typs Combino mit einer Länge von 72 Metern vorgesehen. Nach der Nationalisierung des Projekts wurden stattdessen im November 2015 beim chinesischen Hersteller CRRC 90 Fahrzeuge mit einer Option auf 30 weitere bestellt. Wie bei den weiteren Aufträgen für die anderen Linien handelt es sich um fünfteilige, zu 100 % niederflurige Multigelenkwagen zum Einsatz in Doppeltraktion. Die Wagenlänge beträgt 34,8 m, die Breite 2,65 m und die Wagenkästen bestehen aus rostfreiem Stahl. Die Grüne Linie wird mit 34 m langen Citadis 305 von Alstom betrieben werden. Für die Violette Linie wurden 98 Urbos von CAF mit einer Option für 32 weitere bestellt. Ihre Auslieferung begann im Juni 2026.

Weblinks

NTA Metropolitan Mass Transit System https://www.nta.co.il/en Harakevet. A Quarterly Journal on the Railways of Israel and the Middle East. Edited and published by Rabbi Dr Walter Rothschild. Berlin, zahlreiche Ausgaben, http://www.harakevet.com/ Animation zum künftigen Betrieb der Stadtbahn

Einzelnachweise

Kategorie:Verkehrsbauwerk in Tel Aviv-Jaffa Tel Aviv Tel Aviv Danqal Kategorie:Bahngesellschaft (Israel)