mini|hochkant=1.3|Blick über den Hohenzollernring nach Süden auf den Luitpoldplatz (2012) mini|hochkant|Jägerstraße und Kleine Allee vor 1866 mini|Luitpoldplatz vor 1900 – links die vormalige Jägerstraße, die Grünflächen entsprechen der vormaligen Kleinen Allee Der Luitpoldplatz ist ein weitgehend rechteckiger, ca. 200 m langer und 45 m breiter Stadtplatz in Bayreuth.
Name Der Platz erhielt im Jahr 1889 seinen heutigen Namen. Benannt ist er nach Luitpold von Bayern (1821–1912), der das Königreich Bayern von 1886 bis zu seinem Tod als Prinzregent regierte.
Seit dem 15. Jahrhundert war die Bezeichnung an bzw. bei der ziegelhütten gebräuchlich. Die namengebende Ziegelhütte lag im Bereich des 1960 für den Neubau des Rathauses aufgelassenen Kolpingplatzes (bis 1947 Altbachplatz).Rosa und Volker Kohlheim: Bayreuth von A-Z, S. 73. Im Ersten Stadtbuch von 1444 ist die Pflasterung des „Neuen Wegs bey der zygelhutten“ erwähnt.Rosa und Volker Kohlheim: Bayreuth von A-Z, S. 123. Nach der Vollendung einer neuen Brücke (Brandenburgerbrücke) über den Roten Main ordnete Markgraf Friedrich III. am 11. Dezember 1752 an, den gesamten Straßenzug (einschließlich der heutigen Bahnhofstraße) als Jägerstraße zu benennen.Rosa und Volker Kohlheim: Bayreuth von A-Z, S. 65. Namengebend war das auf der anderen Seite des Flusses gelegene Jägerhaus, das als hochfürstliches Jägerei- und Zeughaus diente.
Der östliche Teil des Luitpoldplatzes parallel zur Jägerstraße trug bis 1889 den Namen Kleine Allee. Die von Friedrich III. geplante, mit drei Baumreihen repräsentativ gestaltete Allee ist 1787/88 auch als Kasernen-Allee belegt.Rosa und Volker Kohlheim: Bayreuth von A-Z, S. 72. Diesen Namen gab die 1739 fertiggestellte Mainkaserne jenseits des Roten Mains, die das Bombardement vom April 1945 nicht überstand. Bei der Umbenennung der unteren Jägerstraße in Luitpoldplatz wurde die Kleine Allee in diesen einbezogen.
Geschichte und Beschreibung mini|Luitpoldplatz von Norden (vor 1905) Im mittelalterlichen Bayreuth lag der „Neue Weg bey der zygelhutten“ außerhalb der Stadtbefestigung nördlich der Stadt. Er bildete den ersten Abschnitt der „Vogtländischen Straße“ nach Hof und war in dieser Funktion bis in die 1970er Jahre Teil der Bundesstraße 2. Mit dem Bau der benachbarten Planstadt Sankt Georgen und des dortigen Schlosses sowie der Anlage des Stadtteils Neuer Weg nahm seine lokale Bedeutung zu. mini|links|Reitzenstein-Palais um 1910, ab 1916 als Neues Rathaus genutzt mini|Layritz-Haus nach Umbau des Erdgeschosses (um 1910) mini|Herrenwiese um 1865, im Hintergrund das Gontard-Haus, das Palais d’Adhémar und das Alte Schloss mini|Luitpoldplatz 2, ehemals Wäschegeschäft Reinauer, davor die Skulptur „Lucy“
Bis ins 19. Jahrhundert hinein war das Gebiet nur teilweise bebaut, da es in einer hochwassergefährdeten Zone lag.Herbert Popp: Bayreuth – neu entdeckt, S. 97 ff. Nach den schlichten Häusern am Altbachplatz entstand 1753/54 das Layritz-Haus (Luitpoldplatz 9), das zu den schönsten Barockgebäuden der Stadt zählte. 1908 baute der „Königlich-Bayerische-Hoflieferant und Diplomoptiker“ Ernst Heuberger dessen Erdgeschoss zu Geschäftsräumen um. Bis zu seiner teilweisen Zerstörung bei einem Luftangriff im Zweiten Weltkrieg wurde es daher auch Heuberger-Haus genannt. Die Reste der stehengebliebenen Sandsteinfassade wurden in den 1960er Jahren abgetragen.
Von ca. 1761 bis 1767 wurde nördlich davon im Auftrag des Husarenobersten Caspar Christoph Liebmann von Reitzenstein ein repräsentatives Gebäude errichtet. Das barocke Reitzenstein-Palais gilt als bedeutendstes Bauwerk des Architekten Carl von Gontard, der das Markgrafenpaar Friedrich III. und Wilhelmine 1754/55 auf dessen Italienreise begleitet hatte. Vorbild war der Palazzo Mancini in Rom aus dem Jahr 1662.Arno Kröniger: Bareith – wohie ma schaut!, S. 68. Der vorher städtebaulich unbedeutende Raum zwischen dem Alten Schloss und der Mainkaserne bekam damit repräsentatives Gepräge und wurde allmählich zur „Flaniermeile“ von zunächst fürstlich-höfischer, später von bürgerlicher Selbstdarstellung.Kurt Herterich: Vom Bayreuther Schloßturm zum Festspielhügel, S. 36ff. Alexander Friedrich Wilhelm von Württemberg, der seit 1839 das Schloss Fantaisie im nahen Donndorf bewohnte, erwarb 1851 das Reitzenstein-Palais als Wohnung für die Wintermonate.Rosa und Volker Kohlheim: Bayreuth von A-Z, S. 20. Nach seinem Tod im Jahr 1881 machte es dessen Witwe Emilie von Meyernberg zu ihrem ständigen Wohnsitz und veranstaltete dort aufwendige Rokoko-Feste.Bernd Mayer: Der wundersame Aufstieg einer Gänsemagd in: Heimatkurier 1/1996 des Nordbayerischen Kuriers, S. 5. Ab 1916 diente das Gebäude als „Neues Rathaus“. Im April 1945 wurde es durch einen Bombentreffer beschädigt und anschließend bis auf das Erdgeschoss abgetragen. Zwei Jahrzehnte lang waren dort noch das Standesamt und das Fremdenverkehrsamt untergebracht,Stück des Reitzenstein-Palais im Historischen Museum bei kurier.de vom 4. September 2008, abgerufen am 20. Januar 2022 ehe es im Juli 1966 im Hinblick auf einen Rathausneubau endgültig abgerissen wurde.Nostalgische Rückblende auf ein Jahrzehnt des ungestümen Wandels in: Heimatkurier 1/2011 des Nordbayerischen Kuriers, S. 8 f. Noch 1949 hatten sich die Stadtväter dafür ausgesprochen, das Reitzenstein-Palais wiederaufzubauen.Bernd Mayer: Vor 60 Jahren: Bayreuth an der Schwelle des Wirtschaftswunders in: Heimatkurier 1/2009 des Nordbayerischen Kuriers, S. 8 f.
Am stadtseitigen Ende münden am Fuß der 1999 neu gestalteten Schlossterrassen von Osten die Opernstraße und von Westen die Kanalstraße (vor 1889: Schwarze Allee)Rosa und Volker Kohlheim: Bayreuth von A-Z, S. 69. in den Luitpoldplatz ein. Dort verlief einst der offene Mühlkanal, den die Straße auf einer Brücke („Harmoniebrücke“)Unser Titelbild in: Heimatkurier 4/1998 des Nordbayerischen Kuriers, S. 2. querte. Auf einem Aquarell aus dem Jahr 1823 ist diese als zweibogige Sandsteinbrücke zu erkennen;Bernd Mayer: Nach 176 Jahren: Ein unbekanntes Aquarell gelangt erstmals ans Licht der Öffentlichkeit in: Heimatkurier 2/1999 des Nordbayerischen Kuriers, S. 8 f. in dieser Form bestand sie bis 1879 und musste dann vorübergehend einer Eisenkonstruktion weichen.Sylvia Habermann: Ein verschollenes zauberhafte Aquarell in: Heimatkurier 1/2010 des Nordbayerischen Kuriers, S. 13. Im Jahr 1894 wurde der Mühlkanal in diesem Bereich gedeckelt und 1998 zur Opernstraße hin wieder freigelegt.Kurt Herterich: Vom Bayreuther Schloßturm zum Festspielhügel, S. 25 ff. Dieser Ort wird heute, aus Anlass der Städtepartnerschaft mit La Spezia, auch als La-Spezia-Platz bezeichnet. 2014 wurde dort die Skulptur „Lucy“ der Künstlerinnen Stefanie Roche und Sabine Haubitz installiert.Die acht wichtigsten Fragen zum Vier-Meter-Kunstwerk bei: kurier.de vom 19. Oktober 2014, abgerufen am 24. Januar 2022 Sie soll eine räumliche und gedankliche Verbindung zwischen dem Richard-Wagner-Festspielhaus und dem Markgräflichen Opernhaus schaffen.„Lucy“ ist zurück: Bayreuther Skulptur steht wieder in der Innenstadt bei bayreuther-tagblatt.de vom 3. September 2021, abgerufen am 24. Januar 2022
Auf dem Grundstück Luitpoldplatz 1 errichteten die Nationalsozialisten im Bereich des ersten Barockgartens des Alten Schlosses das „Haus der Deutschen Stenografenschaft“, Architekt war Christian Ritter von Popp. Der dreigeschossige, schmucklose Sandsteinquaderbau ruhte auf 300 Pressbetonpfählen. 1939 organisierte der Leiter des Hauses Max Baier in seiner Funktion als „Reichsbundesführer“ dort die Deutschen Kurzschriftmeisterschaften, die die Deutsche Arbeitsfront (DAF) als „größten Stenografenwettbewerb der Erde“ feierte. Das später umgangssprachlich „Steno-Haus“ genannte Gebäude diente 1938 als provisorisches Hauptquartier des Sudetendeutschen Freikorps, nach dem Zweiten Weltkrieg dann als Sitz des Polizeiamts.Bernd Mayer: Einst Sitz der Stenografen in: Heimatkurier 3/2010 des Nordbayerischen Kuriers, S. 22. In den 1970er Jahren beherbergte es vorübergehend die Verwaltung der neu geschaffenen Universität Bayreuth. 1996 musste es einem am 22. Oktober 1998 eröffneten Neubau des Energiekonzerns E.ON weichen,Bernd Mayer: Ein Haus mit bewegter Vergangenheit in: Heimatkurier 3/1996 des Nordbayerischen Kuriers, S. 7. der heute als „Schlossgalerie“ bezeichnet wird.Bernd Mayer: Bayreuth im zwanzigsten Jahrhundert, S. 174.
Auf der gegenüberliegenden Seite der Kanalstraßenmündung errichteten die Nazis den monumentalen Bau des Hauses der Deutschen Erziehung (Luitpoldplatz 5), wobei der entsprechende Abschnitt des Mühlkanals überbaut wurde. Architekt dieses Gebäudes war Hans Reissinger,Bernd Mayer: Zerstört und wiedererstanden. In: Heimatkurier des Nordbayerischen Kuriers. 2/2005, S. 6. der auch andere Großprojekte in der Stadt entwarf. Der bedeutendste Raum war die sakral wirkende „Weihehalle“, auch als „Ehrenhalle für die Deutsche Mutter“ bezeichnet. Soldaten, Hitlerjungen und BDM-Mädchen marschierten in den letzten Jahren des „Dritten Reichs“ kolonnenweise in die Partei-Kathedrale am Luitpoldplatz. Die örtliche Tageszeitung schrieb bezüglich des Besuchs der dortigen Propagandaveranstaltungen der NSDAP von einer „gern geliebten Sonntagsgewohnheit für eine große Zahl von Volksgenossen“.Bernd Mayer: Weihehalle als Ersatzkirche. In: Heimatkurier des Nordbayerischen Kuriers. 1/2000, S. 6 f. In der Nachkriegszeit wurde das Gebäude von der 1914 in Bayreuth gegründeten Bayerischen Elektricitäts-Lieferungs-Gesellschaft AG (BELG) genutzt, die in einem ihrer Schaufenster Ende März 1956 erstmals in der Stadt Fernsehempfang präsentierte. In der Gegenwart ist das ehemalige Haus der Deutschen Erziehung ein Verwaltungsgebäude des E.ON-Konzerns.Kurt Herterich: Vom Bayreuther Schloßturm zum Festspielhügel, S. 49.
Das Gelände östlich der Kleinen Allee war lange Zeit unbebaut. Als „Herrenwiese“ diente es u. a. als Festplatz und war im 19. Jahrhundert sogar als Standort für den Bahnhof im Gespräch. Anlässlich der Hochzeit der Prinzessin Elisabeth Friederike Sophie wurden im September 1748 für das einfache Volk dort Ochsen gebraten und verschiedene Weine ausgeschenkt, während die Herrschaften im Alten Schloss und im Opernhaus feierten. Erst Ende des 19. Jahrhunderts wurde begonnen, die Herrenwiese mit viergeschossigen Gebäuden im wilhelminischen Stil, die ein nahezu großstädtisches Flair vermittelten, zu bebauen. Nach dem Baumeister Carl Wölfel, der sie als Bauträger errichten ließ, wurden sie auch als Wölfelsbauten bezeichnet. Lediglich das Grundstück Luitpoldplatz 12 an der Ecke zur Alexanderstraße blieb zunächst leer; erst 1936 entstand dort das „Haus für Wirtschaft und Recht“, ein klotziger Bau der Nationalsozialisten.
Die beiden „Wölfelsblöcke“ beiderseits der Alexanderstraße wurden im April 1945 stark zerstört und nicht mehr in der ursprünglichen Form wiederaufgebaut. Mit den weitgehend originalen Fassaden existieren nur noch die Häuser Luitpoldplatz 2, Alexanderstraße 1 und Luitpoldplatz 22 (Eckhaus am heutigen Hohenzollernring). Im 1888 fertiggestellten Haus Luitpoldplatz 2Jüdisches Bayreuth bei bayreuth-tourismus.de, abgerufen am 24. Januar 2022 hatte in den 1930er Jahren der jüdische Kaufmann Leopold Reinauer ein Wäschegeschäft;Zwei jüdische Soldaten – zwei Schicksale bei kurier.de, abgerufen am 24. Januar 2022 am 27. November 1941 wurde er mit Frau und Kindern über Nürnberg in das Arbeitslager Jungfernhof deportiertReinauer, Leopold bei gedenkbuch.bayreuth.de, abgerufen am 24. Januar 2022 und am 30. November 1943 in Auschwitz ermordet.Hermann Reinauer (09.03.1942) bei steinheim-institut.de, abgerufen am 24. Januar 2022 mini|hochkant|links|(Zweites) Neues Rathaus mini|Neue Kasernbrücke über den Roten Main, dahinter die Mainkaserne und das Jägerhaus (um 1900) mini|hochkant|links|Das Glockenspiel steht heute ungenutzt am nahen Hohenzollernplatz mini|Die 1968 abgerissene Ludwigsbrücke über den Roten Main (um 1908)