mini|Aufnäher: Buddhistische Gemeinschaft Triratna Die Buddhistische Gemeinschaft Triratna, bis Mai 2010 bekannt unter „Freunde des Westlichen Buddhistischen Ordens (FWBO)“ ist eine buddhistische Bewegung, die 1967 in Großbritannien von Sangharakshita gegründet wurde, gefolgt 1968 von der Gründung des Buddhistischen Ordens Triratna (vormals: Westlicher Buddhistischer Orden). Sangharakshita kam als junger Funker im Dienst der Armee 1944 nach Indien und blieb nach der Demobilisierung viele Jahre dort. 1949 wurde er als Theravada bhikkhu ordiniert. Auf Einladung des „English Sangha Trust“ kehrte er 1964 nach Großbritannien zurück. Er kam zu der Erkenntnis, dass trotz des großen Interesses an der buddhistischen Lehre (Dharma) der Buddhismus in Großbritannien zu formalistisch und sektiererisch war. Aus dieser Erkenntnis heraus gründete er eine neuartige buddhistische Bewegung, die sich keiner einzelnen asiatischen Schule zuordnen lässt, sondern Inspiration aus der gesamten buddhistischen Tradition zieht.

Der Buddhistische Orden Triratna Obgleich der Triratna-Orden mit dem Anliegen gegründet wurde, den Buddhismus besonders für Menschen des Westens zugänglich zu machen, fand der Ansatz von Triratna auch in anderen Teilen der Welt Anklang. Inzwischen kann man Triratna als eine weltweite buddhistische Bewegung betrachten. Dies war ein Hauptgrund für die Umbenennung der Bewegung und das Streichen des Wortes „Westlich“. Das Hauptkriterium für die Zugehörigkeit des Einzelnen zum Orden ist die Zufluchtnahme zu den Drei Juwelen; das sind der Buddha, der Buddhadharma, und der Sangha. Wie Sangharakshita betonte, ist es der Akt der Zufluchtnahme, der jemanden zu einem Buddhisten macht, daher ist dies das fundamentale Prinzip des Ordens. Der Orden ist in gewisser Weise vor allem ein Netzwerk von Freunden, die durch die Dharma-Praxis miteinander verbunden sind. Diese Freundschaften beruhen auf der gemeinsamen Vision des höchsten menschlichen Potentials.

Die Ordensmitglieder werden Dharmacaris (Männer) oder Dharmacarinis (Frauen) genannt und werden jeweils im gleichen Rang ordiniert und sie nehmen auch die gleichen Gelübde bei der Ordination. Es gibt keine höhere Ordination. Zusätzlich legen manche Ordensmitglieder das Zölibats-Gelübde ab, welches aber nicht mit einem höheren Status verbunden ist. Als äußerliches Kennzeichen tragen die Ordinierten eine Kesa.

In Ablehnung traditioneller buddhistischer Organisationen, sowohl von Laien- und klösterlichen Organisationen, begründete Sangharakshita eine neue Art von Orden, in dem der persönliche Lebensstil nicht so wichtig ist, wie die Verbindung zur buddhistischen Praxis. In manchen Augen gilt das als radikale Abweichung, doch Reginald Ray beschreibt in seinem Buch Buddhist Saints in India, dass der Monastizismus in der heute bekannten Form erst eine spätere Entwicklung war und dass die Trennung von Laien und Mönchen in der Vergangenheit nicht so erheblich war. Andere, die ihre Meinung von den Traditionen im Dhammapada und anderen frühen Schriften begründet finden, empfinden die Wahl des (traditionell monastischen) Lebensstils unentbehrlich für die volle Verwirklichung der buddhistischen Lehren. Aus diesem Grunde sind nur wenige traditionelle Ordenslinien bereit, den Status eines Mitglieds des Buddhistischen Ordens Triratna als gleichgestellt anzuerkennen.

Ordensmitglieder befolgen eine Zusammenstellung von zehn Vorsätzen. Diese unterscheiden sich zwar von den Mönchs-Gelübden, aber diese zehn Vorsätze werden in den ältesten buddhistischen Schriften bereits so erwähnt, nämlich im Pali-Kanon. Abgesehen davon sind die ernsthafte Vertiefung der persönlichen Dharma-Praxis, das Verbleiben in guter Kommunikation mit anderen Ordensmitgliedern und ein Wirken zum Wohle aller (in welcher Form auch immer) die einzigen Verpflichtungen für die Ordensmitglieder. Die Ordination verleiht weder einen besonderen Status, noch eine spezifische Verpflichtung, trotzdem übernehmen viele Ordensmitglieder Verantwortlichkeiten für Aufgaben wie das Lehren von Meditation und des Buddhadharma.

Es gibt inzwischen über 1700 Ordensmitglieder in mehr als 20 Staaten, in Europa, Afrika, Australien, Amerika, Indien, und den übrigen Staaten von Asien.

Charakteristische Schwerpunkte der Buddhistischen Gemeinschaft Triratna

Es gibt sechs Kennzeichen von Triratna, die die Bewegung charakterisieren:

Der Ansatz des Orden ist ökumenisch. Triratna sind nicht identisch mit einem einzelnen Strang des Buddhismus oder einer buddhistischen Schule, sondern schöpft Einflüsse aus der gesamten buddhistischen Tradition. Ein vereinter Orden. Der Triratna-Orden ordiniert Männer und Frauen im gleichen Rang, im Gegensatz zu den meisten traditionellen buddhistischen Schulen. Der Orden vereint auch Menschen verschiedener Kulturen, Lebensstile etc. Die Zentralität der Zufluchtnahme. Die Zufluchtnahme zu den Drei Juwelen (zum Buddha, zum Dharma, und zum Sangha), macht einen Buddhisten aus. Daher wird jeder Praktizierende bei Triratna ermutigt, die Drei Juwelen in das Zentrum seines Lebens zu stellen. Spirituelle Freundschaft. Die spirituelle Freundschaft ist eine Freundschaft, die auf den höchsten Werten basiert, besonders auf den Drei Juwelen. So viel Zeit wie möglich mit Freunden zu verbringen, die die höchsten Ideale teilen, unterstützt die ethische und spirituelle Lebensweise. Teambasierter Rechter Lebenserwerb. Die Zusammenarbeit in Teams, im Geist der Großzügigkeit mit dem Fokus auf ethisches Verhalten, ist eine transformative Praktik. Triratna war Pionier im Bereich des Rechten Lebenserwerbs und betreibt auf dieser Basis verschiedene erfolgreiche Unternehmen. Die spirituelle Bedeutung der schönen Künste. Die Kunst hilft, das Erleben zu verfeinern und die Erfahrung zu erweitern, sie vergrößert die Vorstellungskraft, sie verfeinert die Emotionen und richtet sie aus. Im besten und höchsten Sinne ist sie ein Träger von spirituellen Inhalten, die prinzipiell identisch mit den Inhalten des Dharma sind. Diese Inhalte sind in der Lage, das Leben zu transformieren.

Aktivitäten

Gleich von Anfang an wurde das Lehren von Meditation in den Stadt-Zentren betont. Retreats auf dem Lande folgten, genauso wie Vorlesungen über Aspekte der buddhistischen Lehre und Praxis. Aus den Retreats entwickelten sich Wohngemeinschaften, wenn sich Menschen entschieden, dass sie zusammenleben wollten. Teambasierte Projekte des Rechten Lebenserwerbs begannen, um die Aktivitäten zu finanzieren. Schließlich wurden dauerhafte Retreat-Zentren eingerichtet.

In weiteren Ländern entstanden Zentren, so in Neuseeland und Australien. Triratna lehrt zurzeit aktiv Buddhismus und Meditation in Frankreich, Deutschland, Polen, Estland, Schweden, Finnland, Südafrika, Mexiko, USA, Venezuela, Neuseeland, Indien, Malaysia und anderswo.

In letzter Zeit fächerten sich die Triratna-Aktivitäten auf zu Outdoor Festivals, Online-Meditationskursen, Kunstveranstaltungen, Poesie- und Schreibworkshops, Yoga, Karate, und zu Pilgerreisen zu heiligen buddhistischen Orten in Indien.

Seit vielen Jahren sammelt Triratna Karuna Trust Geld für Hilfsprojekte in Indien, womit auch eine kleine Schule für tibetische Flüchtlinge, (gegründet von Dhardo Rimpoche) unterstützt wird, und eine Bandbreite von Projekten, die die Gemeinschaft der ehemaligen Unberührbaren unterstützt.

Praxis

Durch Einflüsse aus der Gesamtheit der buddhistischen Tradition gibt es eine große Bandbreite von Praktiken, die innerhalb von Triratna gebräuchlich sind.

Meditation

Viele verschiedene Meditationsmethoden sind gebräuchliche Praktiken bei Triratna. Sangharakshita beschreibt die Arten der von ihm gelehrten Meditationen als bestehend aus vier Phasen, und die Praktiken lassen sich alle grob in diese vier Phasen gliedern. Allgemein gesprochen sind die ersten beiden Phasen Ruhe- oder Samatha-Praktiken, und die letzten beiden sind Einsichts- oder Vipassana-Meditationen.

Integration – Die Hauptpraxis in diesem Stadium ist die Achtsamkeit beim Atmen, welche den Effekt von „Integration der Psyche“ hat (Entwicklung von Achtsamkeit und Konzentration). Positive Emotion – Der zweite Aspekt der Ruhe ist die Entwicklung von Positivität. Die Brahmavihara-Meditationen, besonders die 'Metta Bhavana' oder Meditation zur Kultivierung von Liebender Güte, sind die Hauptpraktiken zur Entwicklung positiver Emotionen. Spiritueller Tod – Der Beginn der Einsicht ist es, die Aspekte der Realität zu untersuchen und zu erkennen: Alle Dinge sind unbeständig, sind ohne eigenständiges Selbst und letztlich unbefriedigend. Eine der buddhistischen Haupttechniken um diese Einsicht zu erlangen ist es, die Dinge in ihre Bestandteile zu zerlegen. In der Sechs Elemente Praktik betrachtet jeder seinen psycho-physischen Organismus in Begriffen von Erde, Wasser, Luft, Feuer, Raum und Bewusstsein. Andere Techniken sind die Kontemplation von Unbeständigkeit, besonders der Unbeständigkeit des Körpers, die Kontemplation von Leiden, und die Kontemplation von Shunyata (Leerheit). Dies führt zu einem spirituellen Tod durch die Einsicht in die Natur der Dinge und die Vorstellung vom Selbst als ein separates, isoliertes Ding löst sich auf. Es gilt als wichtig, diese Meditationen nur von einer stabilen Basis der Integration und Positivität aus zu üben. Spirituelle Wiedergeburt – Mit der Entwicklung von Einsicht und dem Tod des begrenzten Ego-Selbst ist eine Person spirituell wiedergeboren. Im ultimativen Sinne ist dies Bodhi oder Erleuchtung. Praktiken, welche die Visualisation von Buddhas und Bodhisattvas entwickeln, sind die Hauptpraktiken, die in dieser Phase bei Triratna geübt werden.

Andere übliche Praktiken sind: Nur sitzen, eine formlose Meditation ohne Fokus, bei der man nur sitzt, nichts weiter. „Nur Sitzen“ kann eine hilfreiche Praktik sein, um Erfahrungen aus anderen Meditationspraktiken zu assimilieren. Eine ähnliche Praktik, die in der letzten Zeit sehr populär geworden ist, ist Reines Gewahrsein. Der Fokus bei dieser Meditation ist auf das gerichtet, was auch immer im jeweiligen Moment im Geist geschieht – man erlaubt Empfindungen und Gedanken zu entstehen, beobachtet sie und lässt sie dann gehen. Geh-Meditation wird häufig bei Retreats geübt. Bei dieser Meditation wird die Achtsamkeit auf die physische Bewegung des Körpers gerichtet, oder aber auf die Fußsohlen. Dies gilt als integrative Praktik.

Ritual

Bei der Verehrung oder „Puja“ werden Verse rezitiert und körperliche Bewegungen vollführt, wie Mudras und Niederwerfungen. Imaginäre Bilder werden verwendet, um besondere Erfahrungen herbeizuführen. Diese Erfahrungen beinhalten Mitgefühl für alle lebenden Wesen und den Wunsch, sie vom Leiden zu befreien. Die Buddhistische Gemeinschaft Triratna verwendet eine Skala von Pujas, aber die gebräuchlichste wurde aus Versen des Bodhicaryavatara von Shantideva zusammengestellt. Sie setzt sich zusammen aus sieben Phasen: Verehrung, Begrüßung, Zufluchtnahme, Eingeständnis von Fehlern, Lob des Guten, Bitte um Belehrung und Verweilen, sowie Abgabe der Verdienste und Selbsthingabe.

Diese Verse können verstanden werden als das Hervorrufen eines Bildes vom Buddha, der einem weit entfernten Berg gleicht. Der erste Blick zeigt den Berggipfel, der durch einige Wolken ragt, dann klären sich die Wolken und man hat die prächtige Vision des Berges. In diesem Moment weiß man, dass man zum Berg gehen muss, aber man erkennt, dass man noch viele unnötige Lasten mit sich herumträgt; hat man sie dann abgeworfen, füllt man seine Energie auf. Dann bittet man um Belehrung, und zum Schluss drückt man Dankbarkeit aus und widmet alle erworbenen Verdienste dem Wohle aller Wesen.

Retreats