Fritzi Berger (geb. 19. Februar 1894 in Wien; gest. 13. Dezember 1967 in New York City;sammlung.mak.at Christoph Thun-Hohenstein, Anne-Katrin Rossberg, Elisabeth Schmuttermeier (Hrsg.): Die Frauen der Wiener Werkstätte. MAK, Wien und Birkhäuser Verlag, Basel 2020, ISBN 978-3-0356-2211-9, S. 204. auch Friederike Berger, Friederike Hohenberg, Friederike Berger Hohenberg, Friedericke Berger Hohenberg) war eine österreichische Gebrauchsgrafikerin und Modedesignerin.
Leben und Werk Friederike Berger, genannt Fritzi, war die Tochter von Pauline Berger, geborene Beran (1861 in Janowitz – 1930 in Wien) und ihrem Mann Simon (23. November 1857 in Bisenz – 22. Dezember 1950 in London). Im Jahr 1917 heiratete sie den Ingenieur und Dichter Paul Hohenberg (8. Dezember 1885 in Wien – 11. Dezember 1956 in New York City). Das Paar hatte zwei Töchter.
Der ältere Bruder Artur Berger, ein Schüler von Josef Hoffmann, wurde Film-Architekt. Der jüngere Bruder Josef, Ehemann der Künstlerin Margarete Hamerschlag, arbeitete als Architekt in Österreich, Palästina und Großbritannien. Er errichtete mit Martin Ziegler 1931 die Villa Paul und Fritzi Hohenberg, Gaßmannstraße 39, Wien 12 als Wohnhaus für das Ehepaar.Iris Meder: Offene Welten. Die Wiener Schule im Einfamilienhausbau 1910–1938. Dissertation Universität Stuttgart 2004, elib.uni-stuttgart.de S. 600f.Bildteil 3, Haus Hohenberg 307ff. auf OPUS – Online Publikationen der Universität Stuttgart (PDF-Dokument 2,4 MB), alle abgerufen am 31. März 2022. Zum Bekanntenkreis der Familie gehörten u. a. Erica Tietze-Conrat oder Alban Berg, der Paul Hohenbergs Gedichte vertonte, so „Sommertage“ in Sieben frühe Lieder.Paul Hohenberg (1885–1956) auf: lieder.net, abgerufen am 31. März 2022.
Fritzi Berger erhielt privaten Zeichenunterricht, machte eine Schneiderlehre und arbeitete für Modejournale. Ab 1912 arbeitete sie für die Wiener Werkstätte (WW). Von ihr stammen Stoffmusterentwürfe und Modepostkarten für die WW. 1913 gewann sie einen Preis beim Wettbewerb des „Jungwiener Modekomitees“.Die Jury hat zuerkannt: […] die fünf Preise zu je 200 K. […] Fräulein Fritzi Berger, Zeichnerin, […]
mini|Döblergasse 2 (2011) 1916 gründete sie gemeinsam mit ihrer Schwester, der Schneiderin Hilde Berger, verheiratete Lampl (1. November 1895 in Wien – 22. Juni 1955 in London), den Modesalon „Schwestern Berger“. Dieser befand sich in dem Otto-Wagner-Bau in der Döblergasse 2„Nur tüchtige Schneiderinnen und Lehrmädchen werden aufg. Modellkleider, Schwestern Berger, 7. Bezirk, Döblergasse 2. 29513“ (Spalte 3) in Wien-Neubau und erfreute sich bald des Rufes als „eines der elegantesten, geschmackvollsten und modernsten Wiener Ateliers“. Eine als Veranstaltung zugunsten der Kriegsfürsorge Prag gezeigte Modeschau, wurde wegen des Erfolges zwei Tage später wiederholt. Das Atelier schuf neben ModemodellenVgl. z. B.: auch Bühnenkostüme, etwa für Ida Roland.
1920 übersiedelte der Salon auf den (damaligen) Dr. Karl Luegerplatz 3.Am 6. Oktober 1926 erfolgte die Umbenennung in RathausplatzVgl.: ; s. a. „Viel bewundert wurde die Filmdiva Birds in einem herrlichen Cape aus dem Modellhause Schwestern Berger, Karl Lueger-Platz 3.“sammlung.mak.at Entwurf: Vally Wieselthier, 1926, Auftraggeber: Fritzi Berger, 1926, Inventarnummer: WWGG 555, abgerufen am 3. April 2022.Wien, 1. Bez, Rathausplatz 3, Friederike Hohenberg & Hilda Lampl vormals Schwestern Berger. Vertretungsbefugt nunmehr: Beide Gesellschafterinnen gemeinsam. — 16, 132a.
Für die bei der Pariser Kunstgewerbeausstellung 1925 gezeigten ArbeitenMit der sie und andere „den Weltruf unserer Mode … verteidigen …“: wurde das Atelier mit einer Silbermedaille ausgezeichnet.
1927 wurde der Firmenname auf Friederike Hohenberg & Hilda Lampl vormals Schwestern Berger geändert, als Arbeitgeberinnen zeigten sie eine soziale Einstellung.„Firmen, die außerhalb der Unternehmervereinigungen stehen, haben mit der Gewerkschaft auf der Grundlage einer zwanzigprozentigen Lohnerhöhung abgeschlossen: … Schwestern Berger“ Siehe:
Wegen ihrer jüdischen Herkunft musste sie 1939 nach dem „Anschluss Österreichs“ mit ihrem Mann und ihren Töchtern über Frankreich nach England und danach in die USA emigrieren, obwohl sie bereits 1933 aus der IKG Wien ausgetreten war.
Sonstiges In der Sammlung des MAK – Österreichisches Museum für angewandte Kunst/Gegenwartskunst Wien befindet sich eine von Vally Wieselthier gestaltete Einladungskarte für ein Kostümfest der Schwestern Berger am 27. Jänner 1926.
Werke (Auswahl) Grafische Arbeiten 1908: Schachtelblatt, „BREMEN. RATHAUS“sammlung.mak.at Entwurf: Fritzi Berger (?), Wien, 1908, Inventarnummer: WWPK 972-11, abgerufen am 3. April 2022. 1912: Künstlerpostkarte der Wiener Werkstätte Nr. 764, Modemotivmetmuseum.org, Fritzi Berger, The Metropolitan Museum of Art online, abgerufen am 22. Jänner 2022.sammlung.mak.at Postkarte Nr. 764, Modebild (Untertitel), Inventarnummer: KI 8873-371, abgerufen am 3. April 2022. 1912: Künstlerpostkarte der Wiener Werkstätte Nr. 787, Modemotivsammlung.mak.at Postkarte Nr. 787, Modebild (Untertitel), Inventarnummer: KI 9302-106, abgerufen am 3. April 2022. 1912: Künstlerpostkarte der Wiener Werkstätte Nr. 788, Modemotivsammlung.mak.at Postkarte Nr. 788, Modebild (Untertitel), Inventarnummer: KI 8873-373, abgerufen am 3. April 2022. 1913: Künstlerpostkarte der Wiener Werkstätte Nr. 789, ModemotivAngela Völker: Wiener Mode + Modefotografie, Die Modeabteilung der Wiener Werkstätte 1911–1932. Verlag Schneider-Henn, München, Paris, 1984, ISBN 3-923239-10-6, S. 31.sammlung.mak.at Postkarte Nr. 789, Modebild (Untertitel), Inventarnummer: KI 8873-374, abgerufen am 3. April 2022. Arbeiten als Textil- und Modegestalterin 1917: Bühnenkostüme für Ida Roland 1917: Sommerkleider 1920 bis 1921: Stoffmuster, Titel: Kultur (Originaltitel)sammlung.mak.at Entwurf: Fritzi Berger, 1920 bis 1921, Inventarnummer: WWS 409, abgerufen am 3. April 2022. 1924: Nachmittagskleider: Kleid aus schwarzer, glänzender Seide und Kleid aus kornblauem Crêpe marocain 1927: Nachmittagskleider: Kleid aus pfauenblauem Crêpe-satin und Kleid aus beigefarbenem Crêpe-de-Chine:
Literatur Unveröffentlichter Brief von Josef Berger an Werner J. Schweiger, 19. August 1985, MAK, WW-Archiv. Berger, Fritzi. In: Andreas Beyer, Bénédicte Savoy und Wolf Tegethoff (Hrsg.): Allgemeines Künstlerlexikon Online / Artists of the World Online. K. G. Saur, Berlin / New York, 2009. Erica Tietze-Conrat: Tagebücher, Band I: Der Wiener Vasari (1923–1926). Hrsg. Alexandra Caruso. Wien 2015.sammlung.mak.at, Fritzi Berger, abgerufen am 3. April 2022. Christoph Thun-Hohenstein, Anne-Katrin Rossberg, Elisabeth Schmuttermeier (Hrsg.): Die Frauen der Wiener Werkstätte. MAK, Wien und Birkhäuser Verlag, Basel 2020, ISBN 978-3-0356-2211-9, S. 204, 206.
Weblinks sammlung.mak.at MAK Sammlung online unter dem Suchbegriff „Fritzi Berger“, abgerufen am 3. April 2022.
Einzelnachweise
Anmerkungen
Kategorie:Grafiker (Österreich) Kategorie:Modedesigner (20. Jahrhundert) Kategorie:Unternehmer (20. Jahrhundert) Kategorie:Person (Wien) Kategorie:Person (Cisleithanien) Kategorie:Österreichischer Emigrant in den Vereinigten Staaten Kategorie:Österreichischer Emigrant zur Zeit des Nationalsozialismus Kategorie:Österreicher Kategorie:Geboren 1894 Kategorie:Gestorben 1967 Kategorie:Frau