mini|Zeche Westende, Kampschacht (um 1910) mini|Zeche Westende, Schachtanlage I/II (um 1910) mini|Pforte der Zeche Westende Schacht 4 mini|Kompressorhaus der Zeche Westende Schacht 4
Die Zeche Westende war ein Steinkohlenbergwerk in Duisburg in den Stadtteilen Meiderich und Laar. Der Name Westende als Bergwerksname wurde gewählt, weil das Bergwerk zur Zeit der Gründung die westlichste Zeche des Ruhrgebiets war. Das Bergwerk hat eine lange und wechselvolle Geschichte.
Geschichte
Die Anfänge Bereits gegen Ende der 1840er Jahre wurde in Meiderich nach Kohle geschürft. Im Jahr 1852 wurden die Mutung auf die Felder Westende, Westende II, Amicitia, Borussia, Bielefeld, Duisburg, Fortschritt, Ernst III, Gute Hoffnung, Ruhr und Zufriedenheit eingelegt. Im Jahr darauf wurde eine Mutung für das Feld Deutschland eingelegt. Im Jahr 1855 wurde die Ruhrort-Mining Company als Kommanditgesellschaft auf Aktien mit Sitz in Köln gegründet. Die Gesellschaft wurde mit englischem Kapital gegründet. Die Gesellschaft beauftragte den englischen Unternehmer Colsone, einen Schacht mit dem Namen Schacht Westende 1 zu teufen. Im Jahre 1856 begann Colsone mit den Teufarbeiten für den Schacht 1. Der Schacht wurde in Meiderich angesetzt. Im Jahr 1858 erreichte der Schacht bei einer Teufe von 102 Metern das Karbon. Noch im selben Jahr wurde bei einer Teufe von 118 Metern (- 89 m NN) eine Sohle angesetzt. Auf der Sohle wurde in einem dort vorhandenen Flöz geringfügig Kohle abgebaut. Zu diesem Zeitpunkt hatte die Betreibergesellschaft bereits finanzielle Schwierigkeiten. Im Jahr 1859 wurden die Geviertfelder Westende, Westende II, Borussia, Bielefeld, Duisburg, Fortschritt, Gute Hoffnung, Ruhr, Deutschland und Zufriedenheit verliehen. Noch im selben Jahr wurde das Bergwerk aufgrund der finanziellen Schwierigkeiten stillgelegt. Sämtliche Arbeiten wurden eingestellt und der Schacht soff ab. Im Jahr 1860 wurden sämtliche Grubenfelder des Bergwerks unter dem Namen Westende konsolidiert. Noch im selben Jahr ging die Ruhrort-Mining Company in den Konkurs.
Durch den Konkurs der Betreibergesellschaft, Ruhrort-Mining Company, ging das Bergwerkseigentum in den Besitz der neugegründeten Kohlengesellschaft von Meiderich über. Im Jahr 1864 versuchte man, das Bergwerk erneut in Betrieb zu nehmen, dieser Versuch scheiterte jedoch. Im Jahr 1870 kaufte die neu gegründete Gesellschaft Société anonyme des Carbonnages du Rhin die Grubenfelder Westende und Ruhr & Rhein mit den dazugehörenden Bergwerken. Noch im selben Jahr wurde die Zeche Westende wieder in Betrieb genommen. Im Jahr darauf wurden die Teufarbeiten am Schacht 1 wieder aufgenommen und der Schacht wurde tiefer geteuft. Noch im selben Jahr wurde bei einer Teufe von 159 Metern (- 130 m NN) die 1. Sohle und bei einer Teufe von 200 Metern (- 171 m NN) die 2. Sohle angesetzt. Für die Wasserhaltung wurde Übertage eine Dampfmaschine installiert, die über Rohrleitungen im Schacht die Pumpen mit Dampf versorgte. Das Bergwerk erhielt noch im selben Jahr einen Eisenbahnanschluss. Noch im selben Jahr wurde das Bergwerk in Betrieb genommen. Außerdem wurden die Tagesanlagen weiter ausgebaut. Der Schacht 1 erhielt ein Fördergerüst aus Holz. Die kompletten Tagesanlagen des Bergwerks wurden im Laufe der folgenden Jahre auf dem Gelände zwischen der Bahnhofstraße und den Bahnlinien nach Mülheim und Oberhausen errichtet.
Die ersten Betriebsjahre Bereits im Jahr 1874 ging die neue Betreibergesellschaft in den Konkurs und der Bergwerksbesitz ging in den Besitz einer neuen Betreibergesellschaft. Für 16 Millionen Französische Franc übernahm die neu gegründete Socie'te' Anonyme des Charbonnages rhe'nans zu Meiderich mit Sitz in Paris die Zechen Westende und Ruhr & Rhein. Im Jahr 1875 wurde mit der Zeche Concordia ein 0,5 km2 großes Grubenfeld getauscht. Trotz des erneuten Konkurses der Betreibergesellschaft wurde die Förderung auch in 1875 aufrechterhalten. Im Jahr 1880 kam es zu einem erneuten Konkurs der Betreibergesellschaft und das Bergwerk wurde von einer neugegründeten Gesellschaft übernommen. Es erfolgte die Neufirmierung zusammen mit Ruhr & Rhein als Meidericher Steinkohlenbergwerks-AG. Im Jahr 1884 wurde begonnen, auf der 2. Sohle eine Verbindungsstrecke zur Zeche Ruhr & Rhein aufgefahren. 1885 konnte die Zeche weiter expandieren. Noch im selben Jahr wurde das Teilfeld Concordia III gekauft. Dadurch umfasste die Berechtsame nun eine Fläche von 17,2 km2. Im Jahr 1886 wurden die Teufarbeiten an Schacht 1 wieder aufgenommen und der Schacht wurde tiefer geteuft. Im Jahr darauf wurde bei einer Teufe von 278 Metern (- 249 m NN) die 3. Sohle angesetzt. Im Jahr 1888 musste die Verbindungsstrecke zur Zeche Ruhr & Rhein bei einer Auffahrungslänge von 2600 Metern wegen starker Wasserzuflüsse aufgegeben werden. Bei einer Auffahrungslänge von 1000 Metern wurde ein Wasserdamm gesetzt. Im Jahr wurde 1889 begonnen, den Schacht 2 abzuteufen. Der Schacht wurde neben Schacht 1 angesetzt. Im Jahr 1892 ging der Schacht 2 in Betrieb. Im Jahr 1893 wurde auf der Schacht 2 mit der 3. Sohle durchschlägig. Im Jahr 1894 wurde im Schacht 2 bei einer Teufe von 343 Metern (- 314 m NN) die 4. Sohle angesetzt. Der Schacht 1 wurde ebenfalls bis zur 4. Sohle durchschlägig. Im Jahr 1896 wurde die Meidericher Steinkohlenbergwerks-AG aufgelöst und die Bergwerke Westende und Ruhr & Rhein für 5,8 Millionen Mark an die Gesellschaft Phoenix Aktiengesellschaft für Bergbau und Hüttenbetrieb verkauft. Um diesen Kauf tätigen zu können, wurde das Aktienkapital der Phönix AG auf 4.050.000 Mark erhöht. Im Jahr 1898 waren auf dem Bergwerk acht Flöze in Verhieb, die Mächtigkeit dieser Flöze lag zwischen 0,7 und 2,1 Metern. Sechs der in Bau befindlichen Flöze waren mit reiner Kohle, die restlichen zwei Flöze hatten einen Bergeanteil von 0,25 bis zu 0,8 Metern. Das Bergwerk gehörte zu diesem Zeitpunkt zum Bergrevier Oberhausen.
Im Jahr 1899 wurden die Tagesanlagen an den Schächten 1 und 2 erneuert. Auf dem Gelände wurde eine Kokerei mit 60 Öfen errichtet. Am 20. Oktober desselben Jahres wurde die Kokerei in Betrieb genommen. Schacht 1 wurde zum Wetterschacht umgebaut und Schacht 2 diente als einziehender Schacht. Im Jahr 1902 stieg der Eigenbedarf an Kohlen durch die Phoenix AG von 35–40 Prozent auf bis zu 65 Prozent. Im Jahr 1906 beabsichtigte die Phoenix AG, das stillgelegte Bergwerk Ruhr & Rhein wieder zu aktivieren. Im selben Jahr wurde mit den Teufarbeiten für den Schacht 4 begonnen. Dieser Schacht, der auch als Kampschacht bezeichnet wurde, wurde in Laar 3200 Meter westlich von den beiden Schächten 1/2 angesetzt. Im Jahr darauf wurde der gesamte Felderbesitz unter dem Namen Westende konsolidiert. Die Berechtsame umfasste nun 17,1 km2 und bestand aus den zu Westende konsolidierten Feldern Westende, Ruhr & Rhein und Concordia III. Im selben Jahr wurde der Schacht 3, auch Schacht Ruhr & Rhein genannt, gesümpft. Der Schacht befand sich 3000 Meter südwestlich von den Schächten 1/2 auf dem Gelände des Hüttenwerkes Phoenix in der Nähe des Bahnhofs Ruhrort. Er hatte eine Teufe von rund 241 Metern, die 2. Sohle befand sich bei einer Teufe von 182 Metern (- 151 m NN). Im Jahr 1908 erreichte der Schacht 4 bei einer Teufe von 107 Metern das Karbon. Auf dem Baufeld 1/2 wurde über einen Blindschacht bei einer Teufe von 540 Metern (- 511 m NN) die 6. Sohle angesetzt. Im selben Jahr wurden im alten Feld von Ruhr & Rhein die 1. Sohle und die 2. Sohle aufgewältigt. Im Jahr darauf wurden im Schacht 4 bei einer Teufe von 150 Metern (- 118 m NN) die 1. Sohle, bei einer Teufe von 180 Metern (- 148 m NN) die 2. Sohle und bei einer Teufe von 265 Metern (- 233 m NN) die 3. Sohle angesetzt. Des Weiteren wurde über einen Blindschacht bei einer Teufe von 351 Metern (- 319 m NN) die 4. Sohle angesetzt. Auf der 4. und der 1. Sohle wurde ein Durchschlag zwischen den Baufeldern 1/2 und Ruhr & Rhein 3 erstellt. Außerdem wurde auf der 2. Sohle ein Durchschlag zwischen den Schächten 3 und 4 erstellt. Noch im selben Jahr wurde im Schacht 4 mit der Förderung begonnen. Im Jahr 1910 wurde Schacht 3 zum Wetterschacht umgebaut. Im Jahr 1912 wurden an Schacht 2 die Teufarbeiten wieder aufgenommen und der Schacht wurde tiefer geteuft. Des Weiteren wurde die 6. Sohle über einen Blindschacht ausgerichtet. Die Sohle befand sich bei einer Teufe von 500 Metern (- 470 m NN). Am 11. September desselben Jahres kam es auf dem Bergwerk zu einer Schlagwetterexplosion, hierbei wurden fünf Bergleute getötet. Übertage wurden in 1912 die Kokerei umgebaut.
Die weiteren Jahre Im Jahr 1913 wurde der Schacht 2 mit der 6. Sohle durchschlägig. Im Jahr darauf wurde dem Bergwerk von der Bergbehörde verboten, unter dem Rhein und den Hafenanlagen weiter abzubauen. Dieses Verbot betraf fast 50 Prozent des gesamten Grubenfeldes. Im Jahr 1915 wurde die Kokerei stillgelegt. In den nachfolgenden Jahren kam es auf dem Bergwerk zu mehreren Grubenunglücken mit mehreren Toten. Am 21. Juli des Jahres 1917 kam es im Baufeld 1/2 zu einer Schlagwetterexplosion, hierbei kamen fünf Bergleute ums Leben. Nur wenig später kamen bei einem Gebirgsschlag mehrere Bergleute ums Leben. Dieser Gebirgsschlag, der sich am 17. Juli ereignete, betraf den Abbaubereich im Nordostfeld auf der 6. Sohle. Hier wurde mit mehreren Streben das Flöz Sonnenschein abgebaut. Für die Förderung der hereingewonnenen Kohlen wurden in diesen Streben Schüttelrutschen eingesetzt. Die Auswirkungen des Gebirgsschlags waren so heftig, dass ein Bergmann, der sich über 60 Meter von der Stelle entfernt befand, alleine durch den Luftstoß durch die Luft geworfen wurde und schwer verletzt wurde. Wenige Minuten später wurden sechs Bergleute durch eine Explosion getötet. Am 6. September desselben Jahres kamen bei einem weiteren Gebirgsschlag vier Bergleute ums Leben. Auch dieser Gebirgsschlag ereignete sich im Abbaubereich im Nordostfeld auf der 6. Sohle. In den Jahren 1919 bis 1920 wurden die Tagesanlagen auf dem Betriebsteil 1/2 erneuert. Im Januar des Jahres 1920 kam es zu zwei weiteren Gebirgsschlägen im Baufeld 1/2 im Nordostfeld auf der 6. Sohle. Der erste Gebirgsschlag ereignete sich am 7. Januar, hierbei wurden drei Bergleute getötet. Nur 20 Tage später kam es am 27. Januar zu einem weiteren Gebirgsschlag im Nordostfeld, hierbei wurde ein Bergmann schwer verletzt und sieben Bergleute getötet. Im selben Jahr wurde im Baufeld von Schacht 3 bei einer Teufe von 350 Metern (- 319 m NN) über einen Blindschacht die 4. Sohle angesetzt. Im Jahr darauf wurde die 118 mS unter dem Mergel weiter aufgefahren. Zweck dieser Auffahrung war der Abbau von Restkohlepfeilern. Im selben Jahr wurde der Kampschacht bis zur 4. Sohle tiefer geteuft. Am 15. Mai des Jahres 1925 kam es im Hauptförderschacht zu einem Übertreiben des Förderkorbes, der den Prellträger vollständig wegriss. Der Förderkorb fuhr mit einer Geschwindigkeit von etwa 15 m/sek bis unter die Seilscheiben, die dadurch stark verbogen wurden. Der Gegenkorb setzte im Schachtsumpf auf. Am 15. Mai desselben Jahres wurde der Betriebsteil 1/2 stillgelegt, das Baufeld 1/2 wurde zum Betriebsteil Schacht 3 zugeteilt.