Der Kibbuz Beit Alfa (, auch Bet Alpha oder Beth Alpha) wurde am 4. November 1922 in der Jesreelebene gegründet und war einer der ersten Kibbuzim in dieser Gegend von Palästina im heutigen Norden Israels.
Geschichte Die Wurzeln des Kibbuz in der Hashomer-Hatzair-Bewegung Die Geschichte von Beit Alfa ist eng verbunden mit der jüdischen Besiedlung der Jesreelebene und dem Landerwerb im Rahmen des Nuris-Projekts. Der Kibbuz liegt im Osten der Jesreelebene am Fuße des Berges Gilboa. Gegründet wurde er von Mitgliedern der sozialistisch-zionistischen Jugendorganisation Hashomer Hatzair. Laut einem Artikel in der Jüdischen Rundschau vom Juli 1922 war nach dem Erwerb der Nuris-Ländereien geplant, dass von einer Art Basislager aus auf dem „Tel Beth Ilfah“, dem Hügel von Beth Ilfah, die Erschließung der Flächen für die Gründung der drei Siedlungen Chefziba, Kwuza Zwi und „Kibbuz Alef“ erfolgen sollte.Ansiedlung deutscher Chaluzim in Palästina (siehe Weblinks) „Beth Ilfa“ war der Name einer arabischen Siedlung.Paul Romanoff: Review of The Ancient Synagogue of Beth Alpha by Eleazar L. Sukenik: Ancient Synagogues in Palestine and Greece. S. 246–247 . Zur Geschichte des Namens heißt es auf der Webseite des Kibbuz Alfa:
Aus der Geschichte von Gewa ergibt sich, dass dort die Basisstation für die Erschließung der Nuris-Ländereien lag und auch die Gründer von Beit Alfa zunächst dort lebten und von dort die Erschließung ihres eigenen Kibbuz-Geländes in Angriff nahmen. So ist es auch auf der Webseite des Kibbuz nachzulesen, wo es über die Gründer heißt:
mini|Bitanya Illit Gedenkstätte zur Erinnerung an die Kibbuz-Gründungen des Hashomer Hatzair Bitanya oder auch Beitanya war ein Ort in Unter-Galiläa. Hier fand noch vor der Siedlungsgründung in der Jesreelebene ein erster Siedlungsversuch des Hashomer Hatzair statt, nach dem die zuvor erwähnte Gruppe benannt ist.
Dem außerhalb Israels wenig bekannten Einfluss der Gruppe auf die Hashomer-Hatzair-Bewegung, aus der der linkssozialistische Kibbuzdachverband HaArtzi hervorging,A new movement ist born. SEGULA, The Jewish History Magazine. wurde in Israel 1964 durch die Errichtung einer Gedenkstätte Rechnung getragen, und zwar in Bitanya. Auf einem Aussichtspunkt 200 Meter über dem Südende des Sees von Genezareth wurde ein Betonzelt errichtet, dessen Innenseite die Namen aller 73 damals bestehenden HaArtzi-Kibbuzim trägt. (Siehe auch: Jewish National Fund: Bitania Illit Observation Point)
In der Nähe des Kibbuz befand sich bis zum Jahre 2003 eine Schule der HaArtzi-Bewegung für Kinder und Jugendliche aus Beit Alfa und umliegenden Siedlungen (Reshafim, Mesilot und Nir David). Nach der Schließung der Schule entstand dort ein Aufnahmezentrum für Immigranten.
Der Beitrag deutscher Chaluzim zur Gründung von Bei Alfa Die Geschichte von Beit Alfa hat aber auch eine deutsche Komponente, die ihren Anfang nahm mit einer Praktikantenausbildung in einem jüdischen Siedlungsprojekt im brandenburgischen Ort Halbe und über Gewa und Beit Alfa zum gescheiterten Gründungsversuch der Kwuza Zwi führte, wie die Berichte der Zeitzeugen Schlomo Ettlinger und Siegfried Hirsch belegen.
Zur deutschen Gruppe – Mitglieder des jüdischen Wanderbundes Blau-Weiß und des Kartells Jüdischer Verbindungen (KJV) –, die Gewa mit gründete, gehörten laut Ettlinger Adolf Marx, Max Hirsch und seine Frau Bella Birk, Karl Steinschneider, Georg Brumm, Walter Joel, Fritz Neumann, Siegfried Hirsch, Jossel Nussbaum, Arthur Israelowitz und Anna Stern.Zu einigen dieser Personen siehe: Landwerk Halbe: Pioniere für Palästina und Siegfried Hirsch: Alija eines Agronomen. S. 86 ff. Ihr eigentliches Ziel aber war ein weiterer Kibbuz, Beit Alfa, für den allerdings erst die Voraussetzungen geschaffen werden mussten: die Trockenlegung der Sumpflandschaft durch Drainagen. Ende 1922/Anfang 1923 konnten die Pioniere dann auf dem für den neuen Kibbuz bestimmten Gelände ihre Zelte aufschlagen.
Weitere Mitglieder aus der Halbe-Gruppe (Paul Lorenz, Leo Cohn, Hans Sternberg, Werner und Dora Rosolio) zogen nach oder bekundeten ihren Willen dazu, und die Gruppe konnte sich aus einem ehemaligen englischen Militärcamp in Dschenin eine erste Baracke besorgen.Siegfried Hirsch: Alija eines Agronomen. S. 88. „Die allererste Baracke in Beth Alpha bekamen Max und Bella [Hirsch], als die allerersten Eltern eines Kindes in Beth Alpha.“Schlomo Ettlinger: Die Kwuzah Zwi. S. 13.
Ettlinger berichtete von einem ärmlichen Leben in Beit Alfa, von der ständig grassierenden Malaria („Es waren immer circa 50 bis 60 % […] krank.“), aber auch von den vielen Fertigkeiten, die sich die Chawerim aneignen konnten und mussten. „ln Beth Alpha lernten wir Backen, Tischlern, Schmieden, neben unseren landwirtschaftlichen Kenntnissen, fuer unsere Zukunft sehr wichtige Handwerke. Der herrliche Eukalyptushain bei Sachne wurde von uns gepflanzt.“Schlomo Ettlinger: Die Kwuzah Zwi. S. 12. Nach ihm gab es auch herzliches und freundschaftliches Verhältnis zur zweiten großen Gruppe im Kibbuz; den Mitgliedern des Hashomer Hatzair.Schlomo Ettlinger: Die Kwuzah Zwi. S. 13. Siegfried Hirsch stellt das nicht grundsätzlich in Frage, verweist aber auf Differenzen der Chawerim untereinander,
In einem Aufsatz über Landes- und Regionalplanung in Israel wird Meschek – ähnlich wie Moschav – als kollektive Kleinbesitzsiedlung beschrieben,Werner Wolff: Israel und das 20. Jahrhundert, (PDF; 5,3 MB). In: Bauwelt. Nr. 4–5/1961, S. 99. in der in bestimmten Umfange auch Privatbesitz existiert. Dessen Gegenpol ist der Kibbuz, in dem sich alles in Kollektiveigentum befindet. Das wäre dann die Konfliktlinie, die Hirsch zwischen dem „Aufbau des Meschek“ und der „Bewegung des Haschomer Hazair“ verortet. Der Wegzug der deutschen Gruppe aus Beit Alfa war in diesem Sinne eine Entscheidung gegen den Kibbuz und liegt auf der Linie des vom Blau-Weiß vertretenen Siedlungsgedankens in Palästina. Daraus folgte als nächster Schritt der Versuch, die Kwuza Zwi zu gründen, weil es den tief im deutschen Bürgertum verwurzelten Blau-Weissen nicht möglich gewesen sei, „sich in eine Gemeinschaftssiedlung von vornehmlich osteuropäischen Juden, mit denen sie sich aufgrund von Sprachunterschieden womöglich nicht verständigen konnten“ einzugliedern.Ivonne Meybohm: Erziehung zum Zionismus. Der Jüdische Wanderbund Blau-Weiß als Versuch einer praktischen Umsetzung des Programms der Jüdischen Renaissance. Peter Lang Verlag, Frankfurt am Main 2009, ISBN 978-3-631-58481-1, S. 100.
mini|Tomáš Masaryk in Beit Alfa
Nach der Gründungsphase Im April 1927 war der Kibbuz Beit Alfa eine der Stationen des tschechoslowakischen Präsidenten Tomáš Masaryk auf seiner Reise durch Palästina. Dies war der erste Besuch eines Staatsoberhauptes, das nach dem Ersten Weltkrieg vorstaatliche zionistische Institutionen und Projekte im damaligen britischen Mandatsgebiet Palästina besuchte.Dieter Zeller: T.G. Masaryk und der Zionismus. In: Profil. Sozialdemokratische Zeitschrift für Politik, Wirtschaft und Kultur, Jg. 48, Heft 2/1969, S. 52 f. Radio Prague International: „Masaryk im Heiligen Land“. deutsch.radio.cz, 6. November 2017. Seit 1940 trägt ein Kibbuz im Norden Israels den Namen Kfar Masaryk.Homepage des Kibbuz Kfar Masaryk
1928 wurden bei Grabungsarbeiten für Bewässerungsanlagen auf dem Gelände des benachbarten Kibbuz Chefziba Reste einer antiken Synagoge entdeckt. Bei den 1929 begonnenen offiziellen Grabungsarbeiten wurden dann beeindruckende Mosaikböden aus vorchristlicher Zeit freigelegt.Bet Alpha Nationalpark. Israel Magazin. Die Grabungsstätte ist heute als Bet Alpha Synagogue National Park bekannt. Dass der Ausgrabungsort nach Beit Alfa benannt wurde, statt nach Chefziba, hing zum einen damit zusammen, dass Beit Alfa näher zur Grabungsstätte lag. Allerdings beruht der Name des Kibbuz selber schon auf einem historischen Ort, der nahe gelegenen Ruine Beit Ilfa, der in Beit Alfa fortbesteht.Beit Alpha. antiquities.org.il (hebräisch). Archaeology in Israel: Beit Alpha. jewishvirtuallibrary.org
1940 kam es infolge der oben schon von Siegfried Hirsch erwähnten ideologischen Auseinandersetzungen zu einem Mitgliederaustausch. Mitglieder des Hashomer Hatzair aus dem Kibbuz Ramat Yohanan zogen nach Beit Alfa, während sich die dortigen Mapai-Mitglieder nach Ramat Yohanan begaben.
Der militärisch-industrielle Komplex des Kibbuz Der Kibbuz besitzt laut seiner Homepage einen Kalksteinbruch am Gilboa, die Fabrik Beit-Alfa Technologies (BAT), die Feuerwehrautos und andere Spezialfahrzeuge herstellt, und eine Tischlerei. Landwirtschaft und Tourismus seien weitere wirtschaftliche Standbeine des Kibbuz. Nicht erwähnt wird dort, was unter den von BAT hergestellten anderen Spezialfahrzeugen zu verstehen ist.Siehe hierzu den Artikel Skunk (Waffe) und über Antonie Eduard Loubser, den ehemaligen südafrikanischer Botschafter in Tel Aviv. Nach The Database of Israeli Mikitary and Security Export sind die BAT seit 1966 ein international führender Entwickler und Hersteller von Spezialfahrzeugen für Polizei, Militär, Sicherheitsdienste, Behörden, Privatpersonen und Strafverfolgungsbehörden. Dort heißt es weiter, dass die gepanzerten Aufstandsbekämpfungsfahrzeuge („Riot Control Vehicles“ mit „Jet Pulse Water Cannon Systems“) von Beit Alfa von mehr als 25 Ländern auf der ganzen Welt eingesetzt werden, darunter in Spanien, Griechenland, Frankreich, Albanien, China, Singapur, Honduras, Peru, Guatemala und Chile.The Database of Israeli Mikitary and Security Export: Beit Alfa Technologies Auf einer anderen Webseite heißt es über die „15 verschiedenen Modelle“ der „Riot Control Vehicles“ gar: „Die Einsatzfahrzeuge von BAT haben sich in mehr als 40 Ländern auf der ganzen Welt „im Einsatz bewährt“.“Art of Defense Information: Beit Alfa Technologies Ltd Über einen Inlandseinsatz im Jahr 2017 gegen Jerusalemer Demonstranten hieß es:
Im Jahre 2020 wurde die Fabrik verkauft. In einem Artikel hieß es dazu: „Beit Alfa ist die Wiege der alten israelischen Linken. Hashomer Hatzairs erster Kibbuz ist auch der Kibbuz, der die Polizei-Wasserwerfer entwickelt und hergestellt hat, bis die Fabrik Anfang des Jahres verkauft wurde.“Amir Ben-David: Die Kanone aus Beit Alfa schießt auf Demonstranten. Website von Zaman Israel, 27. Juli 2020. Der Artikel enthält auch umfangreiches Bildmaterial.
Nicht-Militärische Produkte Seit den 1930er Jahren beschäftigte sich das Kibbutzmitglied Hanka Lazarson mit Gemüsezüchtungen und entwickelte eine Gurkenrasse, die als „Beit Alpha Cucumber“ (oder „Beth Alpha Cucumber“) bekannt wurde.Hanka Larzon: Damascus Cucumber To Beit Alfa Cucumber auf der Webseite von Nativity Seeds Die Sorte wurde aufgrund ihres hervorragenden Geschmacks und ihres hohen Ertrags weltweit sehr beliebt – und ist es noch immer, heute auch in Bio-Qualität.Snack-Gurke Beth Alpha (Bio-Saatgut) Ein Haaretz-Artikel würdigt Lazarson auch als jemand, der neue Tomatensorten kultiviert habe, „die viele Jahre lang die Felder und Märkte des Landes dominierten“.Ronit Vered: For These Farmers, Eggplant Is Far More Than Just an Emoji. Two 'seed savers’ at an Israeli farm are rescuing and growing heirloom vegetables – enabling chefs and consumers to enjoy flavors long forgotten by commercial agriculture. Haaretz, 28. September 2018.
Bekannte Personen mit Bezug zu Beit Alfa Joshua Bierer (Mitbegründer von Beit Alfa und später Psychiater) Naomi Frankel (Schriftstellerin) Mosche Lewi (ehemaliger Generalstabschef der israelischen Streitkräfte) Ezra Orion (Bildhauer) Nathan Shaham (Schriftsteller)
Literatur Siegfried Hirsch: Alija eines Agronomen (1922). In: Eli Rothschild (Hrsg.): Meilensteine. Vom Wege des Kartells Jüdischer Verbindungen (K.J.V.) in der zionistischen Bewegung, eine Sammelschrift im Auftrag des Präsidiums des K.J.V. Tel Aviv 1972, S. 85–91.