Die Bahnstrecke Montluçon–Moulins ist eine 81 km lange, auf 13 km zweigleisige Eisenbahninfrastruktur, von der nur dieser Teil regelmäßig bedient wird. Sie stellt eine West-Ost-Verbindung dar, die die beiden Magistralen Bourges–Miécaze und Moret-Veneux–Lyon verbindet. In Commentry zweigte ursprünglich die Bahnstrecke Commentry–Gannat in Richtung Clermont-Ferrand ab, die heute als eine Bahnstrecke verstanden werden, weil alle anderen abzweigenden Strecken stillgelegt sind oder nicht mehr unter regulärem Verkehr stehen.

In Montluçon, Commentry, Villefranche-d’Allier, Moulins und in Bézenet gab es Anschluss an Sekundärbahnen in Meterspur.

Geschichte mini|hochkant|links|Bahnhof Noyant d’Allier um 1900 mini|hochkant|links|Viaduc de Messarges, Sommer 2013 Am 16. Oktober 1854 wurde die Konzession für diese Bahnstrecke an die Gesellschaft der Investoren Graf Bourbon-Busset, Armand Donon, Jean-Auguste-Jacques Palotte und Graf von Seraincourt erteilt und einen Tag später durch die Behörde bestätigt.Ligne de Montluçon à Moulins. Histoire de lignes oubliées, 4. April 2020 Mit der Erteilung der Konzession war die Gründung einer Aktiengesellschaft verbunden.Ministre secrétaire d’État au département de l’agriculture, du commerce et des travaux publics. Décret impérial n°2096 du 17 octobre 1854 qui approuve la Convention passée, le 16 octobre 1854, pour l’exécution et l’exploitation d’un Chemin de fer de Montluçon à Moulins, avec embranchement sur Bezenais. Bulletin des lois de l’Empire Français, Ausgabe XI, Nr. 230, 22. November 1854. Gleichzeitig erhielt die Strecke den Status der Gemeinnützigkeit.Décret impérial portant autorisation de la société anonyme formée à Paris sons la sénomination de Compagie du chemin de fer de Montluçon à Moulins Collection complète des lois, décrets d’intérét général, traités interanationaux, arrêtés, circulaires, instructions, etc, Bände 55–56, Conseil d’État, Paris 1855, S. 240

Schon am 23. Juni 1855 wurde die Konzession an die Gesellschaft Grand-Central de France (GC) abgetreten, die schon seit dem 27. März 1852 zur Compagnie du chemin de fer de Paris à Orléans (PO) gehörte.Décret impérial qui approuve la Convention du 19 décembre 1855, relative à la cession, à la Compagnie du Chemin de fer Grand-Central de France, du Chemin de fer de Montluçon à Moulins. Bulletin des lois, Imprimerie Royale, 1856, S. 99 Zwischen 1853 und 1855 wechselten alle Strecken mit insgesamt 1228 km der ehemaligen Bahngesellschaft Grand-Central von der GC zur PO und die GC wurde aufgelöst. Die Strecke Montluçon–Moulins war die letzte dieser Strecken.Compagnie du chemin de fer Grand-Central de France. Histoire financière des chemins de fer Français. Lacroix et Baudry, 1860, S. 52–53

Unabhängig von den Besitzverhältnissen wurde die Strecke projektiert und gebaut. Sie ging am 7. November 1859 in ihrer ganzer Länge in Betrieb. Dafür war nur wenig Ingenieurbaukunst notwendig. Außer dem 162 m langen Tunnel de La Mataire gibt es nur zwei Brücken, die Flüsse überqueren und die in einfacher Stahl-Kassettenbauweise erstellt wurden. Lediglich das Viadukt über einen Ausläufer des Etang de Messarges wurde in aufwändiger Steinbogen-Konstruktion errichtet. Im Inneren goss man einen Kern aus Beton. Mit einer Gesamtlänge von 160 m errichtete man neun Pfeiler mit einer Lichtweite von je 12 m. Die höchste Höhe, gemessen vom Spiegel des Sees, betrug 25,8 m. Die Baukosten wurden mit 500.000 Franc angegeben.Joseph Frémaux: Viaduct de Messarges In: Nouvelle annales de la construction, 5. Jahrgang, November 1859, Seite 163–164

Eine weitere Bahnstrecke, die 5,1 km lange Bahnstrecke Doyet-la-Presle–Bézenet-Orléans zweigt in Doyet-la-Presle nach Süden bis Bézent ab, wo es zwischen 1891 und 1939 Anschluss an die Meterspur-Kleinbahn der SE gab. Diese Gesellschaft führte dort unter dem Namen Tacot eine Bahnstrecke, die originär das Grubengebiet rund um Montvicq bediente, aber auch Personenverkehr durchführte.Infotafel in der Gemeinde Montvicq Der Straßenname Rue de Tacot auf einem Teil des ehemaligen Gleiskörpers erinnert noch an diese Zeit.

Weitere Bahnen im Umfeld der Strecke Zahlreiche Punkte der Strecke berühren andere Bahnen, die für den Transport für Massengüter gebaut worden waren. Sie sind älter als die Bahnstrecke Montluçon–Moulins, arbeiteten unabhängig von ihr und waren nicht auf mögliche Umstiege von Bahnreisenden ausgerichtet. Vom Bahnhof Montluçon-La Ville Gozet verkehrte der 1846 in Meterspur errichtete Chemin de fer de Commentry à Montluçon, dessen Züge auf zwei Rampen mit Seilen hochgezogen werden mussten und der deshalb im Volksmund den Namen „Schnurbahn“ (Chemin de fer à ficelle) erhalten hatte. Sie führte östlich von Montluçon mit dem Viaduc du Diénat über die Bahnstrecke nach Moulins hinweg und verlief etwas weiter südlich nach Commentry, wo sie sich durch das Stadtgebiet schlängelte und 9 km weiter bis zum Bergwerk Les Bourdignats führte.

Einstellung des Verkehrs

+ Einstellung des Güterverkehrs Abschnitt Jahr km Commentry–Villefranche-d’Allier 2005 16,6 Villefranche-d’Allier–Chavenon 1976 8,1 Chavenon–Souvigny 1999 29,0 Souvigny–Moulins 2014 14,0

Nachdem am 6. März 1972 der Personennahverkehr auf dem Kernstück der Strecke eingestellt worden war, verkehrten auf dem 15 km langen Abschnitt zwischen Montluçon und Commentry bis 2012 nur noch Intercity-Züge auf der Verbindung Bordeaux–Lyon und Züge des TER Rhône-Alpes, die weiter nach Clermont-Ferrand geführt wurden. Der Güterverkehr wurde in vier Etappen schrittweise eingestellt. Der letzte, 14 km lange Teil zwischen Souvigny und Moulins sollte eigentlich renoviert werden, wurde wegen fehlender Finanzierung jedoch nie wieder eröffnet. 2019 erklärte SNCF Réseau die Strecke für geschlossen. Auch wenn die Strecke noch nicht entwidmet wurde, ist sie durch zahlreiche Unbrauchbarmachungen von Infrastruktur wie beispielsweise Überteerungen nicht mehr nutzbar.

Literatur Antoine Delacou: La rénovation de la ligne de chemin de fer Moulins-Souvigny est à l’arrêt faute de budget. La Montagne, 11. September 2014. Moulins – Montluçon. In: Connaissance du Rail. Nr 243, Januar 2002, Seite 20.

Weblinks

Commentry – Le chemin de fer a ficelle, IRSP n°03082.1 auf Inventaire des Réseaux Spéciaux et Particuliers

Einzelnachweise

Kategorie:Bahnstrecke in Auvergne-Rhône-Alpes Kategorie:Verkehrsbauwerk in Auvergne-Rhône-Alpes Kategorie:Bauwerk im Département Allier