Johannes Knagge (* 15. Juli 1807 in Wildeshausen; † 30. März 1893 ebenda) war ein deutscher Kaufmann und Erbauer des Baudenkmals Villa Knagge in Wildeshausen.

Abstammung Johannes Joseph Lambert Knagge wurde am 15. Juli 1807 in Wildeshausen als Sohn des Johan Joseph Knagge und der Maria Catharina Braeckel geboren. Seine Schwester Anna Maria Knagge erblickte am 4. November 1811 ebenfalls in Wildeshausen das Licht der Welt. Kurt Asche, Das Landhaus Knagge in Wildeshausen, in: Oldenburgische Familienkunde, Feb. 1976 Heft 1, S. 263 ff, digital, S. 222 ff. Der vollständige Aufsatz ist in der Uni Bibliothek Oldenburg vorhanden.August Knagge, (1864-1955), Lebensweg des Johannes Lambertus Joseph Knagge aus Wildeshausen, S. 294 ff Oldenburgische Familienkunde, Feb. 1976 Heft 1, S. 284 ffAugust Knagge, (1864-1955), Lebensweg des Johannes Lambertus Joseph Knagge aus Wildeshausen, S. 294 ff Oldenburgische Familienkunde, Feb. 1976 Heft 1, S. 284 ff, digital Sie war verheiratet mit dem Geometer (Vermesser) Christian Schmitz.Helmut Meyer: Die Katasterämter und Katasteramtsleiter in Niedersachsen seit 1876, Stand 1. Juli 2014

Die Familie Knagge stammte ursprünglich aus Garthe bei Emstek im Landkreis Vechta; Bei Strahlmann (196 ff) befindet sich eine lesenswerte Beschreibung der Vorfahren der Familie Knagge, aus der oben zitiert wird. Johann Knagge (* in Garthe um 1610, † in Garthe 3. Mai 1657) war Bauer auf dem Hof Wilcke-Knagge in Garthe. Sein Sohn Johann Heinrich Knagge (* in Garthe (?) um 1640, † in Garthe am 30. März 1705), Pferdekötter zu Garthe, besaß 1676 bereits die Hälfte des späteren Knagge-Erbhofes. Es folgten danach noch 2 weitere Generationen Knagge, die als Bauer und Besitzer des Knagge-Erbhofes zu·Garthe bezeichnet wurden. Johann Joseph Knagge (* in Garthe am 15. Januar 1749, † in Wildeshausen am 17. August 1814) ging vom Hofe ab und wurde Gastwirt und Posthalter in Wildeshausen, betrieb die Personen- und Postgutbeförderung auf der Strecke Amsterdam-Bremen, hielt für seine Fahrposten 24 Pferde, er war 3-mal verheiratet, zuletzt mit Maria Catharina Theodora Gertrud Braekel (* in Haselünne am 1. Mai 1776, † in Wildeshausen am 31. Dezember 1847). Knagge hatte die zweitgrößte Schenke und Herberge in Wildeshausen, den Gasthof zum „Goldenen Engel“, die neben der Apotheke auf dem Platze der jetzigen Bahnhofsstraße lag. Das Geburtshaus stand am Markt und wurde im Jahre 1896 abgebrochen, um das Grundstück als Terrain für die Bahnhofstraße zu benutzen. Die damaligen Stadtväter hatten nach Auffassung des Sohnes August Knagge keinen Begriff für Heimatkunde. Das Haus sei nämlich der Typus eines spätmittelalterlichen Gasthofes gewesen, das kurz nach dem Dreißigjährigen Kriege gebaut wurde und der besonders in der napoleonischen Zeit viele hohe Persönlichkeiten beherbergte.

Beruflicher Lebensweg Ausbildung Lambert Knagge war noch ein kleiner Junge, als sein Vater 1814 starb; seine Mutter heiratete dann einen gewissen Franz Heinrich Brokhage, der den Stiefsohn wegen seines freundlichen, aufgeschlossenen Wesens sehr liebte und ihn nach der Absolvierung der Volksschule in Wildeshausen auf die Rektoratsschule in Quakenbrück sandte, wo er etwa eine Bildung wie in unserer Zeit nach der Realschule erlangte.Udo Krauthausen: Ahnenliste der Familie Cremer aus Dortmund (PDF; 22 MB), auf lwl.org

Lambert Knagge absolvierte zunächst eine Kolonialwarenlehre in Bremen bei August Meyer in Bremen, einem damals sehr angesehenen Importhaus von Kolonialwaren, wo er drei Jahre verblieb.

Tätigkeit in Amsterdam und Utrecht Von einer befreundeten Firma erhielt Knagge Empfehlungsbriefe an die Firma Bahlmann in Amsterdam.Es handelt sich offensichtlich um die Fa. Bahlmann & Compagnie in Amsterdam. Am 14. Mai 1821 hatte der aus Dinklage stammende 20-jährige Bernardus Johannes Josephus Franciscus Bahlmann am Nieuwendijk in Amsterdam ein Geschäft mit „Baumwoll-, Woll- und Seidenwaren aller Art zu Festpreisen“ eröffnet und betrieb dieses Geschäft in mehreren Niederlassungen, vergl.: 1821 Textielmagnaat Bahlmann

Knagge machte die Reise dahin auf einem Frachtwagen, der Strümpfe nach Holland brachte, die Schafhirten aus der Umgebung von Wildeshausen gestrickt hatten. In Amsterdam ging er gleich zu Bahlmann; dieser empfing ihn sehr freundlich, bedauerte aber, augenblicklich keinen Platz für ihn zu haben; er empfahl ihn an einen Geschäftsfreund in Katwyk an Zee. Dort blieb er ein halbes Jahr. Dann nahm ihn Bahlmann in sein Geschäft au, wo Knagge bald zu seinem ersten Buchhalter und später zum Prokuristen bestellt wurde. Da er mit großem Eifer die Sprachen, besonders Englisch und Französisch, studierte, wurde er verschiedentlich zu Einkaufsreisen nach Paris und London geschickt.

Knagge wurde dann von einem Herrn Zellweger,Es handelte sich wohl um ein Mitglied der in der Schweiz sehr bekannten Familie Zellweger Geschäftsmann aus der Schweiz, angesprochen, dessen Firma Spitzen, Stickereien und leichte Tüllwaren herstellte und große Mengen dieser Waren an einige Amsterdamer Firmen verkaufte, die dieselben nach Java mit großem Verdienst weitergaben. Der Schweizer suchte nun einen Agenten in Java. Bahlmann empfahl ihm Knagge, der sofort bereit war.

Tätigkeit in Java Nun entwickelte sich alles rasch, und drei Monate später schiffte sich Knagge 1836 auf einem Segelschiff von etwa 500 Tonnen (Dampfer nach Java gab es noch nicht) nach Batavia (jetzt Jakarta) ein. Über die Reise hat Knagge in einem ausführlichen Brief seiner Mutter berichtet. Johannes Lambertus Joseph Knagge (1807-1893), Notizen meiner Reise nach Batavia, mit dem Schiffe Het goede Vertrouwen, Capt. W. B. Bakker Gerh. Zoo in: Oldenburgische Familienkunde, Februar 1976, Heft 1, S. 274 ff

mini|Marine Hotel in Batavia Zunächst wohnte Knagge in Batavia im Marine Hotel.

Schon in den ersten Tagen nach der Ankunft in Batavia bemerkte Knagge, dass eine große Import-Firma, Moormann & Co., in dem Import europäischer Manufakturwaren fast den ganzen Markt beherrschte. Inhaber der Firma war Eduard Moormann aus Münster. Ihm waren aber jetzt durch die Tätigkeit von Knagge der Umsatz durch die Schweizer Waren, die sehr beliebt waren, verloren gegangen. Knagge reizte, dieser Firma eine besondere Konkurrenz zu machen, was umso leichter war, da die enorme Preiserhöhung durch den Zwischenhandel fortfiel. Knagges Auftreten für Zellweger rief geradezu eine Revolution auf dem dortigen Markte hervor. Auch mit seinen englischen und französischen Waren konnte Moormann nicht mehr konkurrieren. Moormann machte Knagge den Vorschlag, als Teilhaber in seine Firma einzutreten. Knagge willigte ein, natürlich mit dem Vorbehalt, dass Zellweger seine Zustimmung gebe, und mit einer weiteren Bedingung, dass er zusammen mit Moormann unter der Firma Knagge & Co. in Semarang im Osten der Insel Java eine weitere Firma gründete, in der Knagge bei halbem Gewinn in seinen Handlungen allein maßgebend sein solle. Der Platz Batavia, im Westen Javas gelegen, erforderte nämlich nicht die Anwesenheit zweier tätiger Chefs.

Diese Gründung geschah nach einigen Jahren und brachte nicht allein den gleichen Erfolg wie in Batavia, sondern dehnte sich auch auf die großen Städte Surabaya, Surakarta und Djodjokarta aus.

Knagge wurde sofort einer der angesehensten und populärsten Kaufleute im Lande. Hierzu trugen in erster Linie seine Sprachkenntnisse bei. Hatte er schon in Holland begonnen, Malaiisch zu lernen, welche Sprache er durch das Studium auf der langen Seefahrt bei seiner Ankunft in Batavia beherrschte, so warf er sich dann ganz mit seinem unbändigen Fleiße auf das Studium der drei (resp. fünf) javanischen Sprachen, die er bei seiner Ankunft in Samarang fast wie ein Eingeborener sprach. Dies war noch nie dagewesen, und er wurde fast wie ein gelehrtes Wundertier angesehen. Dazu trat er nicht wie ein bescheidener Anfänger auf, sondern er baute zuerst außer dem städtischen Handelsbüro gleich ein paar Kilometer von der Stadt einen herrschaftlichen Bungalow mit großen Gartenanlagen und vielen Bediensteten.

Nun verflossen mehrere Jahre, in denen das Geschäft glänzend florierte und Knagge ein großes Vermögen erwarb. Er verdiente doch nicht allein an den europäischen Waren, sondern auch an den Landesprodukten, welche er in natura nach Holland als Rücksendung (Rimessen) sandte und die im Osten Javas billiger waren als in Batavia, wo die Nachfrage diese Waren verteuerte.

Während seiner Zeit in Java war er auch Farmer, Wollhändler und Schafzüchter.Knagge, Johann Lambertus Joseph, auf auswanderer-oldenburg.de Er betrieb auch eigene Zuckerplantagen.

Heirat mit Pamina Lapia Bodjenogoro 1847 Semarang (alte Schreibweise: Samarang) ist eine bedeutende Hafenstadt in Indonesien an der Nordküste Javas mit jetzt 1.289.500 Einwohnern. Sie ist die Hauptstadt der Provinz Jawa Tengah an der Mündung des Flusses Semarang.

Besonders beehrte ihn der dortige Radja mit seiner Freundschaft, und er gab zum Zeichen seiner treuen Verbundenheit eine seiner Töchter zur Frau. Die Tochter Pamina Lapia BodjenogoroDie Schreibweise des Namens variiert in den Quellen. In der Heiratsurkunde der Eheleute Knagge/Wahls wird der Name der Mutter der Ehefrau „Bodjenogoro“geschrieben. Westlich von Samerang gibt es einen Regierungsbezirk Bojenegoro mit der Hauptstadt Bojenegoro. Dieser jetzige Name wurde aber offensichtlich früher „Bodjenogoro“ geschrieben. Vergl. Staatsbladen van Nederlandsch Indië, Band 4, 1848, 1849, S. 10. Der auf der Website des Hauses Dassel genannte Name „Bodjouorogo“ ist wohl falsch. wurde etwa 1810 geboren. Diese scheint sehr schön und intelligent gewesen zu sein. Knagge liebte sie sehr, und sie war auch ihm eine liebevolle Gattin. Nun war Knagge durch seine Heirat ein vollständig angesehenes Mitglied der fürstlichen Familie. Nach kaum einjähriger Ehe starb seine Frau aber am 11. September 1848 zur großen Trauer des Ehemannes im ersten Wochenbette. Die Tochter aus dieser Ehe war Josephina Louisa Knagge (* 11. September 1848 in Java Indonesien; † 12. April 1881 in Wildeshausen). Gewöhnlich wurde sie Phina gerufen.

Krankheit und Rückkehr nach Wildeshausen Mitten in diesen Erfolgen traf Knagge ein schwerer Schlag: Er fing an zu kränkeln, und die Ärzte versicherten ihm, dass die Krankheit in einigen Monaten tödlich enden würde, wenn er nicht sofort Java verließe, um längere Zeit im europäischen Klima zu wohnen. Er reist sofort mit einem Schiff, das gerade fahrbereit war, ab, überließ die Sorge für das Geschäft und seine übrigen Angelegenheiten seinen Angestelltes, packte das Notwendigste zusammen und fuhr mit Phina und deren Babu (Kindermädchen) nach Europa. Die Reise war wiederum sehr stürmisch, aber sobald das Kap der Guten Hoffnung umfahren war, besserte sich sein Zustand auffällig, und als er bis vor die Straße von Calais kam, war er wieder ganz gesund. Hier aber herrschte dicker Nebel, in welchem das Schiff von einem großen amerikanischen Segler angefahren wurde und schweren Schaden erlitt. Die Pumpen konnten aber das eindringende Wasser bewältigen, und hernach trat auch plötzlich ganz klares Wetter ein. Deshalb wurde beschlossen, das Leck nach Möglichkeit zu dichten und weiterzufahren, da man glaubte, bei dem schönen Wetter ohne Hilfe Amsterdam erreichen zu können. Plötzlich kam ein französischer Lotse in Sicht. Knagge ließ ihn anrufen, band das Kind auf den Rücken der Babu und verließ das Schiff, um einige Stunden später in Boulogne-sur-Mer zu landen und mit der Eisenbahn nach Amsterdam zu fahren. Hier erreichte ihn die Nachricht, dass sein Schiff in einem Sturm in der Zuidersee gesunken sei, aber ohne Verlust an Menschenleben.

Nun erledigte Knagge in Amsterdam schwebende Geschäftsangelegenheiten und fuhr dann mit Kind und Babu nach Wildeshausen, wo er zunächst bei seiner mit dem Geometer Christian Schmitz verheirateten Schwester Luise Wohnung wohnte.