mini|Relief eines Kamelreiters aus Nordsyrien, Tell Halaf, 10. Jahrhundert v. Chr. mini|Der Nabatäerkönig Aretas III. unterwirft sich Rom. Die Münze zeigt am Avers ein Kamel und die kniende Figur des Nabtäerkönigs, mit Zügeln und einem zusammengebundenen Olivenzweig in der rechten Hand. Darstellung auf einem römischen Denar des Legaten Scaurus (58 v. Chr.)

Als Dromedarii (dromadarius, griech. καμηλῖται)Anm.: Außer in Kastell Bu Njem, wo sie camellarii genannt werden, stammt diese Bezeichnung wohl aus dem Griechischen, siehe hierzu auch: Robert Marichal: Les Ostraca De Bu Njem, Grande Jamahira Arabe, Libyenne, Populaire et Socialiste Departement Des Antiquities Assraya Al Hamra, Tripolis, 1992, S. 119–129 u. 156–157. wurden auf Kamelen reitende Kavalleristen der Auxiliartruppen (Hilfstruppen) bezeichnet, die bevorzugt in den östlichen und südlichen Wüstenprovinzen des Römischen Reiches eingesetzt wurden. Der Begriff Dromedarius bedeutet „…jemand, der auf einem Kamel reitet“ oder „schnell, geschickt“. Er ist eng verwandt mit: Dromas, dromadis = Dromader, das einhöckrige Kamel (Camelus dromedarius).Damian Nitecki: Starożytne oddziały specjalne? Dromedarii w armii rzymskiej w II wieku n.e. Artykuły, Historia wojskowości, Starożytny Rzym, Bliski Wschód i Afryka Północna, Hist.Mag.Org 2009. Sowohl arabische als auch nordafrikanische Nomaden domestizierten Kamele seit vielen Jahrhunderten. Es existierte daher eine lange Tradition der Nutzung als Last- und Reittiere, dies überwiegend in Nordafrika und den Ostprovinzen des Reiches. Die Einführung der Kamelreiterei in der römischen Armee geht wohl auch auf die aride Natur des Nahen Ostens sowie als Reaktion auf parthisch/persische Kampfmethoden und die Erfahrungen bei der Abwehr von Einfällen der Nomadenvölker zurück.

Einsatz mini|Detail eines Frieses auf dem Konstantinsbogen (4. Jahrhundert n. Chr.) in Rom, er stellt den Kaiser dar wie er auf einem Wagen sitzend, mit seiner Armee zur Schlacht gegen Maxentius aufbricht. Ganz rechts ist vermutlich ein Kamel zu sehen. Die Größe der Skulptur und die Last auf seinem Rücken weisen darauf hin, dass es sich tatsächlich um ein solches handelt.Sonja Vuković-Bogdanović, Svetlana Blažić: Camels from Roman imperial sites in Serbia. Anthropozoologica Nr. 49, 2014, S. 290, Fig. 9 Wie zu erwarten, waren alle Kamelreitereinheiten in Gebieten mit ariden klimatischen Bedingungen konzentriert; erwähnenswert ist dabei auch, dass andere wüstenähnliche Provinzen im Reich nicht von Dromedariieinheiten bestreift wurden. Natürlich spricht nichts dagegen, dass andere Armeeeinheiten in diesen Gebieten sehr wohl Kamele für Patrouillenritte herangezogen haben; nur dass eben dort keine dieser Spezialeinheiten stationiert war. Darüber hinaus ist nicht gesichert, dass alle Dromedarii ausnahmslos auf Kamelen ritten.Terence Coello: Unit Sizes in the Late Roman Army, BAR International Series 645, 1996, S. 33. Sie werden u. a. auch nicht in den afrikanischen Mosaiken abgebildet, im Gegensatz zu denen in Syrien vorgefundenen; wohl vielleicht auch eine Erklärung für das völlige Fehlen von Dromedarii-Einheiten in der Provinz Mauretania. Die dort lebenden Mauren verwendeten jedoch sicherlich Kamele für ihre Kriege gegen die Vandalen. Es gibt Anzeichen dafür, dass es vielleicht erst um die Zeitenwende von der Cyrenaica aus in Richtung Westen vorgedrungen ist. Auf den Münzen eines Legaten des Marcus Antonius, Marcus Lollius Palicanus (um 39 v. Chr.) sind am Revers Dromedare zu sehen, vielleicht als Symbol der Provinz.Olwen Brogan: The Camel in Roman Tripolitania, 1954, S. 126–131. Es scheint jedoch, dass sich die militärische Nutzung des Dromedars überraschend langsam über das römische Nordafrika ausbreitete. Vielleicht geschah dies erst zur Zeit des Septimius Severus (194-211), der syrische Truppen zum Kampf gegen Nomadenstämme dorthin verlegte. Schließlich tauchten Kamele mit Handelskarawanen oder Armeeeinheiten als Reit- oder Packtiere am Anfang des 4. Jahrhunderts n. Chr. auch in Europa von Mösien bis Britannien auf. Sicherlich hauptsächlich entlang der Fernstraßen.Vuković-Bogdanović S. & Blažić S: Camels from Roman Imperial sites in Serbia. Anthropozoologica Nr. 49, 2014. S. 282 u. 293.

Aufgrund der besonderen geografischen und klimatischen Gegebenheiten wurden Dromedarii ausschließlich in den oströmischen Provinzen aufgestellt. Die östlichen Wüsten waren ein wichtiger Transitraum für den Handels- und Reiseverkehr aus den Anrainerstaaten des Roten Meeres und des Indischen Ozeans. Dieser nahm während der ptolemäischen und römischen Herrschaftsperioden stark zu.Jean-Pierre Brun, Thomas Faucher, Bérangère Redon und Steven Sidebotham (Hrsg.): The Eastern Desert of Egypt during the Greco-Roman Period: Archaeological Reports. Collège de France, Institut des civilisations, Paris 2018. Die dort vorherrschende Wasserknappheit, insbesondere in den Wüstengebieten, legte den Einsatz von Kamelen durch das Militär nahe. Die Römer hatten auch sicherlich oft genug die Gelegenheit, bei Konfrontationen die Kampfesweise der Nomadenstämme in den Wüsten Mesopotamiens, Syrens und Arabiens genau zu studieren.

Dromedarii waren dazu bestimmt, in den Wüsten die Aufgaben der leichten Kavallerie zu übernehmen. Dabei sollten sie auf dem Marsch befindliche Infanterie an ihren Flanken abschirmen oder feindliche Truppenbewegungen auskundschaften.Edward Dąbrowa: Dromedarii in the Roman Army: A Note [in:] V. Maxfield, M. Dobson (Hrsg.), Roman Frontier Studies 1989. Proceedings of the XVth International Congress of Roman Frontier Studies, Exeter 1991, S. 365–366. Bei Bedarf setzte man sie auch gegen feindliche Reiterei ein, da Pferde instinktiv vor den Ausdünstungen der Kamele zurückscheuen.Anm.: „Er [ Kyros II. ] sammelte alle Dromedare aus seinem Heereszug, nahm ihnen die Lasten ab und setzte Kavalleristen auf sie. Danach befahl er ihnen auf die Reiter des Krösus zuzugehen […]. Er tat dies, weil Pferde Angst vor Dromedaren haben und es nicht ertragen können, sie zu sehen oder zu riechen“. Herodot von Halikarnassos, Historien Buch 1, 80. Der spezielle Charakter der Kamele sowie der Umstand, dass die Gefahr durch Nomadenstämme für das Römische Reich nicht allzu groß war, prädestinierte sie allerdings nicht für den Einsatz in der vordersten Schlachtlinie.Edward Dabrowa: Einige Sondereinheiten Der Römischen Armee In der Kaiserzeit, 3. Jahrhundert n. Chr. in: Honoratissimum Assensus Genus Est Armis Laudare, Jagiellonen-Universität, Archäologisches Institut, Krakau 2014, S. 507.Bactrian & Dromedary Camels. Factsheets. San Diego Zoo Global Library. March 2009, abgerufen am 16. Januar 2022.Jan Eschbach: Roman dromedary troops – Patrolling the desert frontier. Ancient Warfare Magazine, Nr. XI-Issue 5, S. 18–20.

Dromedarii wurden bevorzugt in die Truppen an der Grenze zum Sassanidenreich und in Ägypten eingereiht. Ihre Einsätze wurden dabei aber auch auf das Vorhandensein von Spezialeinheiten des Feindes (z. B. Bogenschützen, Kavallerie, Kataphrakte, Phalanx) abgestimmt, sie scheinen somit auch eine Reaktion auf die Kampfesweise ihrer persischen Gegner (Parther, Sassaniden) gewesen zu sein. Dromedareinheiten wurden auch für Karavaneneskorten, Schutz hochrangiger Beamte auf Reisen, Kurierdienste, Patrouillen auf wichtigen Verbindungs- und Versorgungsrouten und für Polizeifunktionen herangezogen. Begleitet wurden die Karawanen von einem ortskundigen Führer, dem Synodiarcha. Er organisierte die Karawanenzüge, führte sie durch die Wüstengebiete, besorgte Wasser und Nahrung und verhandelte bei Bedarf mit den Nomaden oder den parthischen Behörden.Damian Nitecki: Starożytne oddziały specjalne? Dromedarii w armii rzymskiej w II wieku n.e. Artykuły, Historia wojskowości, Starożytny Rzym, Bliski Wschód i Afryka Północna, Hist.Mag.Org 2009. Der Statthalter der Provinz Arabia ergänzte seine Palastgarde (Equites singulares) offensichtlich auch mit Dromedarii.Jan Eschbach: Roman dromedary troops – Patrolling the desert frontier. Ancient Warfare Magazine, Nr. XI-Issue 5, S. 18–20.

Der Militärtheoretiker Vegetius behauptet, dass die Dromedarii für den Kampfeinsatz weitgehend unbrauchbar waren.Anm.: Flavius Vegetius Renatus: Epitoma rei militaris III, 23 Laut dem Pseudo-HyginusHyginus Gromaticus, mutmaßlicher Verfasser von De Munitionibus Castrorum der sie als Epibatae bezeichnet, wurden sie auch für Transportzwecke eingesetzt.Vgl. dazu auch die Darstellungen auf der Theodosiussäule (Istanbul), auf der zwei Kriegskamele, das eine mit Schilden und Lanzen, das andere mit Gepäck beladen, abgebildet sind (Bellini Description de la colonne dressée à l’honneur de l’empereur Théodose, Paris 1702 pl. II. Daremberg-Saglio Dict. I fig. 1050) Transportiert wurden Getreidesäcke, Werkzeug, Gepäck und Waffen, aber auch Poststücke. Im Unterschied zu anderen Lasttieren wurden Kamele von zivilen Züchtern beschafft. Voraussetzung für eine Übernahme in die Armee waren die Einhaltung von Standards bezüglich Statur und Gesundheit der Tiere, weiters wurden sie hierfür von Tierärzten untersucht.Vuković-Bogdanović S. & Blažić S: Camels from Roman Imperial sites in Serbia. Anthropozoologica Nr. 49, 2014. S. 291.

Aus historischen Quellen ist bekannt, dass zur Zeit der Kaiser Claudius und Nero auch Kamelkämpfe und -rennen im Circus Maximus veranstaltet wurden.Suetonius Nero III, Cassius Dio: LX 7 3 Auch anderswo in der römischen Welt wurden Kamelknochen in Amphitheatern gefunden: im Kolosseum in Rom, in Cartago Nova in Spanien und im römischen Amphitheater von Serdica in Bulgarien.Vuković-Bogdanović S. & Blažić S: Camels from Roman Imperial sites in Serbia. Anthropozoologica Nr. 49, 2014. S. 291.

Historische Entwicklung Antike literarische Quellen berichten, dass Kamele an Militärexpeditionen der Nabatäer teilnahmen. Dies ist für einen Feldzug des Makedonenkönig Demetrios I. Poliorketes gegen die Nabatäer im Jahr 311 v. Chr. bekannt. Plutarch berichtet hierzu:

In nabatäischen Inschriften fand sich bisher keine explizite Bezeichnung für Kamelreiter.Anm.: Im Gegensatz zu Reitern, pršʾ von aramäisch pārāš, Reiter und arabisch fāris oder rb pršyʾ, „der Anführer der Reiter“Laïla Nehmé: The camel in the Nabataean realm. LES VAISSEAUX DU DÉSERT ET DES STEPPES. S. 207–226. Kamelreiter wurden von den Seleukiden als auch den Parthern gegen die Römer in den Kampf geworfen. Zum ersten Mal trafen römische Soldaten in der Schlacht bei Magnesia (190 v. Chr.) auf Dromedarii, die in den Reihen der Seleukidenarmee kämpften.Edward Dabrowa: Einige Sondereinheiten Der Römischen Armee In der Kaiserzeit, 3. Jahrhundert n. Chr. in: Honoratissimum Assensus Genus Est Armis Laudare, Jagiellonen-Universität, Archäologisches Institut, Krakau 2014, S. 507 Titus Livius berichtetAb urbe condita wie Antiochos III. sie in dieser Schlacht einsetzte: