Eduard Friedrich Ernst Stahl (* 1. Januar 1846 in Schmiedeberg;Reinhard Vollhardt: Geschichte der Cantoren und Organisten von den Städten im Königreich Sachsen. Issleib, Berlin 1899, S. 220; . † 29. Oktober 1924 in Landshut) war ein deutscher Musiker, Komponist, Kantor und Dirigent.

Leben Stahl wurde 1864 in das Konservatorium Leipzig aufgenommen.Emil Kneschke: Das Conservatorium der Musik in Leipzig. Seine Geschichte, seine Lehrer und Zöglinge. Breitkopf und Härtel, Leipzig 1868, S. 61 (). Er hatte in den 1870er und Anfang der 1880er Jahre im erzgebirgischen Annaberg zunächst ein Privatorchester geführt. Er galt als talentierter Musiker, der selbst komponierte und arrangierte. Geschäftstüchtig vertrieb er nebenbei Pianos. Im Jahre 1882 wurde ihm in Annaberg der Titel eines städtischen Stadtmusikdirektors verliehen.

1886 wechselte er nach Dresden, wo er als Chefdirigent die Gewerbehaus-Kapelle (heutige Dresdner Philharmonie) übernahm. Das Orchester, das sich einer großen Konkurrenz durch andere Kapellen in Dresden ausgesetzt sah, geriet in finanzielle Schwierigkeiten, sodass der die Kapelle betreibende Gewerbeverein seine vorläufige Auflösung beschloss. In der Folge wurde das gesamte Orchester im April 1890 aufgelöst und die Musiker samt Dirigenten entlassen.

Ernst Stahl wurde im Folgejahr Kantor und Stadtmusikdirektor in Meißen, wo er die Nachfolge von Gottfried Hartmann übernahm, der dieses Amt seit 1840 innegehabt hatte. Außerdem machte er sich als Komponist einen Namen. In Meißen erwarb er sich große Verdienste um das musikalische Leben der Stadt. 1892 wurde er außerdem in den Vorstand des Landeskirchenchorverbandes gewählt, wo er Nachfolger des am 18. August 1891 verstorbenen Dresdner Hofkantors Bernhard Klinger wurde.

Privat hatten er und seine Familie im April 1897 einen schweren Schicksalsschlag zu verkraften, als sein unter Krämpfen leidender 18-jähriger Sohn in die Elbe fiel und ertrank. Ernst Stahl trat im Jahre 1914 in den Ruhestand. Zum Nachfolger in seinem Amt in Meißen wurde Hans Fuchs gewählt, welcher zuvor Operettenkapellmeister am Chemnitzer Stadttheater war. Seinen Ruhestand verbrachte Stahl im bayerischen Landshut bei Verwandten, wo er im Oktober 1924 auch verstarb.

Werk (Auswahl) Ernst Stahl galt lange als Urheber des Annaberger Bergmannsmarsches, schuf aber vermutlich nur Bearbeitungen dieses Werks für Klavier sowie für Orchester.

1887: Sinfonien, Nr. 5 (Sinfonie, E-Dur) 1890: Kriegerleben, op. 19 (Marschmusik) 1890: Liebst du mich?, Polka 1890: Penelopes Klage, Odysseus Rückkehr, Ouvertüre Serenaden, Harfe, op. 42, Serenade 1894: An der Quelle, op. 50 (Instrumentalstück, Des-Dur) 1896: Nocturnes, Flöte, Violine, Violoncello, Harfe, op. 66 (D-Dur) um 1900: Romanzen, Violine, Harfe, op. 69 (F-Dur) 1901: Les adieux (Der Abschied), op. 41, (Instrumentalstück, B-Dur) Herzensfrage, Polka Josepha-Gavotte, Gavotte O Herz, was willst du traurig sein, Chormusik Ohne Sorge!, Quartett Zum 90. Geburtstag Sr. Maj. des Kaisers, Hymne

Weblinks

Einzelnachweise „Provinzialnachrichten.“ In: Dresdner Journal, 4. Dezember 1877, S. 3 Todesanzeige des Dresdner Hofkantors Bernhard Klinger In: Dresdner Journal, 20. August 1891, S. 4 , abgerufen am 16. Januar 2022 , abgerufen am 16. Januar 2022 , abgerufen am 16. Januar 2022 , abgerufen am 16. Januar 2022 , abgerufen am 16. Januar 2022 , abgerufen am 16. Januar 2022 , abgerufen am 16. Januar 2022 , abgerufen am 16. Januar 2022 , abgerufen am 16. Januar 2022 , abgerufen am 16. Januar 2022 , abgerufen am 16. Januar 2022 , abgerufen am 16. Januar 2022 , abgerufen am 16. Januar 2022 , abgerufen am 16. Januar 2022 „Örtliches und Sächsisches.“ In: Dresdner Nachrichten, 18. Mai 1892, S. 1 Annaberger Bergmannsmarsch auf der Homepage des Bergmusikkorps Frisch Glück Annaberg-Buchholz/Frohnau e. V., abgerufen am 16. Januar 2022 Werner Kaden: 120 Jahre Erzgebirgische Philharmonie Aue: Festschrift. 2008 Günther Kaltofen (Hrsg.), Kurt Nichterlein: 100 Jahre Stadttheater im tausendjährigen Meissen. Meißen 1951, S. 49 (Digitalisat) „Örtliches und Sächsisches.“ In: Riesaer Tageblatt und Anzeiger, 5. April 1897, S. 1 Aus Stadt und Land. In: Sächsische Volkszeitung, 18. April 1914, S. 7 Aus Sachsen. In: Sächsische Volkszeitung, 6. Oktober 1924, S. 7 Zänsler, Anneliese: Die Dresdner Stadtmusik, Militärmusikkorps und Zivilkapellen im 19. Jahrhundert. Laaber-Verlag, Laaber 1996, ISBN 3-89007-319-0, S. 181 ff.

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