mini|Adam Wrzosek Adam Jan Wrzosek (* 6. Mai 1875 in Zagórze bei Dąbrowa Górnicza, Russisch-Polen; † 26. Februar 1965 in Posen) war ein polnischer Anthropologe und Medizinhistoriker.
Leben Er war der Sohn des Industriellen Józef Wrzosek und Pelagia geb. Skibińska. Er besuchte die Gymnasien in Piotrków Trybunalski und Łódź. An der Friedrich-Wilhelms-Universität zu Berlin erlangte er 1898 den medizinischen Doktortitel.Dissertation: Die akute Osteomyelitis mit besonderer Berücksichtigung der Osteomyelitis im Säuglingsalter.buchfreund.de Anschließend war er in Kiew mehrere Monate als Volontär an der Universitätsfrauenklinik tätig. 1899 eröffnete er in seiner Heimatstadt Zagórze eine private Arztpraxis. Als Betriebsarzt in Dąbrowa Górnicza sammelte er neue medizinische Erfahrungen.
Krakau Nach Studienaufenthalten in Paris, Zürich und Wien begann er 1901 an der Jagiellonen-Universität mit wissenschaftlichem Arbeiten. 1906 habilitierte er sich.Habilitationsschrift: Die Bedeutung der Atemwege als Einfallstor für Infektionen unter normalen Bedingungen. Ab Juni 1910 lehrte er Medizingeschichte an der Medizinischen Fakultät der Jagiellonen-Universität, ab 1912 auch Allgemeine und Experimentelle Pathologie und Medizinische Propädeutik. 1913 begann er als Leiter der Abteilung für Anthropologie an der Philosophischen Fakultät der Jagiellonen-Universität zu arbeiten. Im September 1914 trat er in die Gemeinsame Armee und im Dezember in die Polnischen Legionen ein. Ab September 1914 war er im Rang eines Oberstleutnants Chefarzt der 4. Abteilung des Festungskrankenhauses im Kloster der Unbeschuhten Karmeliten in Krakau. Zu dieser Zeit war er im Krakauer Fürstbischöflichen Komitee für Kriegsopferhilfe tätig.
Warschau und Posen Im September 1918 zog er nach Warschau, wo er zum Leiter der wissenschaftlichen Abteilung in der Sanitärabteilung des Außenministeriums der Zweiten Polnischen Republik ernannt wurde. Im Februar 1919 wurde er als Oberst in die Reserve versetzt. Er begann seine Arbeit als Direktor der Abteilung für Wissenschaft und akademische Schulen im Ministerium für religiöse Konfessionen und öffentliche Bildung. Große Aufmerksamkeit widmete er damals der Gesetzgebung zu akademischen Schulen. 1920 bot ihm der Senat der damals gegründeten Universität Poznań die Stelle des Dekans der Medizinischen Fakultät an. Er nahm dieses Angebot an und zog in der zweiten Novemberhälfte nach Poznań. Nach Ausbruch des Polnisch-Sowjetischen Krieges kehrte er zur Armee zurück. Er wechselte im Mai 1922 endgültig in die Reserve und kehrte gleichzeitig an die Medizinische Fakultät der Universität Poznań zurück. 1923 kaufte er ein Herrenhaus im kaschubischen Dobki.Dworek prof. WrzoskaAdam Wrzosek: Kartka z historii Dębków (1957) Während seiner Tätigkeit in Posen pendelte er 1935–1939 nach Litauen, um an der Universität Vilnius Medizin, Propädeutik, Medizinethik und Logik zu lehren.
Zweiter Weltkrieg Im September 1939 kam er nach Warschau und von dort nach Kodeń am Bug. Im Kloster der Oblaten der Unbefleckten Jungfrau Maria organisierte er eine Krankenstation für kranke Flüchtlinge aus Warschau. Er kehrte im November nach Warschau zurück und widmete sich der wissenschaftlichen Arbeit. In der Akademischen Lehre engagiert, wurde ihm im Sommer 1942 angeboten, die Medizinische Fakultät der Geheimen Universität der Westgebiete einzurichten. Aus Posen vertriebene Professoren hatten sie in einer vertraulichen Vereinbarung 1940 gegründet, um polnischen Jugendlichen aus Großpolen, Pommern und Schlesien eine (geheime) Universitätsausbildung zu ermöglichen. Er war der erste Dekan der im Herbst 1942 gegründeten Medizinischen Fakultät: „Wahrheit, Arbeit und Beharrlichkeit“. Gleichzeitig nahm er an der Bekämpfung des Typhus in Warschau teil. Ab Januar 1944 lebte er in Wawer. Dekan der Fakultät war Witold Kapuściński. Im Mai 1944 wurde Wrzosek zum Rektor der Geheimen Universität gewählt. Während des Warschauer Aufstands war er in Warschau. In den Trümmern seines Hauses in der ul. Madaliński fanden sich seine wertvollen Forschungsergebnisse. Er kehrte Mitte März 1945 an die wiedererstandene Universität Posen zurück und lehrte medizinische Propädeutik, Geschichte und Philosophie der Medizin sowie physiologische Anthropologie.
Nachkriegszeit Nach seiner Emeritierung arbeitete er nach 1947 als a.o. Professor ohne Lehrverpflichtung in dem von ihm eingerichteten Institut für Anthropologie. Im Januar 1957 wurde er in Posen als o. Professor für Medizingeschichte reaktiviert. 1960 trat er mit 85 Jahren endgültig in den Ruhestand.
Werk Seine wissenschaftlichen Leistungen umfassten damals über 470 Publikationen auf den Gebieten Bakteriologie, Anthropologie, Ethnographie, allgemeine und experimentelle Pathologie, experimentelle Onkologie, Rechtsmedizin, Pädiatrie, Medizintheorie, Ethik, Logik und Geschichte der Medizin wie die Kulturgeschichte und die polnische Medizingeschichtsschreibung. Er war ein Freund der Jugend und förderte die Veröffentlichung der Dissertationen seiner Doktoranden, so auch von Alfons Wojewski.
Wrzosek als Bibliophiler Adam Wrzosek war ein Bibliophiler. Ein Teil seiner Privatbibliothek ging in die Bestände des Museums der Medizinischen Fakultät der Jagiellonen-Universität über. Heutzutage sind zahlreiche Bücher aus seiner Hausbibliothek zudem Bestandteil der Bibliotheksbestände der Bibliothek der Posener Gesellschaft der Freunde der Wissenschaften (PTPN), des Archivs der Polnischen Akademie der Wissenschaften (PAN), Abteilung Posen, der Bibliothek des Lehrstuhls und Instituts für Geschichte und Philosophie der medizinischen Wissenschaften der Karl-Marcinkowski-Universität der Medizin in Posen sowie der Hauptbibliothek der Karl-Marcinkowski-Universität für Medizin in Posen.
Im Jahr 1920 begründete Wrzosek die Bibliothek des Instituts für Geschichte und Philosophie der Medizin an der Universität Posen. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs baute er diese unter großem Einsatz wieder auf – zunächst an der Universität Posen (1945–1949), anschließend an der Medizinischen Akademie (Januar bis März 1950) und an der Medizinischen Hochschule in Posen (ab März 1950). Zum Bestand der Institutsbibliothek gehörten alte Drucke, Drucke aus dem 19. und 20. Jahrhundert, Zeitschriften aus dem 18. Jahrhundert, Periodika des 19. und 20. Jahrhunderts, Flugschriften, Handschriften und ikonografische Sammlungen, darunter auch Objekte aus sogenannten 'gesicherten Beständen'. Diese Bibliothek wurde 1971 aufgelöst, kurz nachdem das Institut für Medizingeschichte der Medizinischen Akademie in Posen abgewickelt worden war. Im Jahr 1987, wenige Jahre nach der Reaktivierung von Wrzoseks früherer Institution, wurde die Bibliothek in verkleinertem Umfang wiederhergestellt; in den Buchbestand kehrte jedoch nur ein Teil der Bände aus dem früheren Bibliotheksbestand des Instituts zurück, da die alten Drucke in die Bestände der Hauptbibliothek der Medizinischen Akademie in Posen eingegliedert worden waren.
Fachgesellschaften Er war Gründer und Organisator mehrerer Fachgesellschaften und wissenschaftlicher Kommissionen. In den Jahren 1924–1927 leitete er die Polnische Gesellschaft für Geschichte und Philosophie der Medizin. 1925 war er Präsident der Polnischen Anthropologengesellschaft. In den Jahren 1957–1960 war er Vorsitzender der Zweigstelle Posen der Gesellschaft für Geschichte der Medizin. Er war aktives Mitglied der Akademie der Medizinischen Wissenschaften und der Polnischen Akademie der Künste und Wissenschaften.
Herausgeber Wiadomości Antropologiczne Archive of History and Philosophy of Medicine Nowiny Lekarskie Polski Słownik Biograficzny
Ehrungen Orden Polonia Restituta, Komtur Franz-Joseph-Orden Académie française, Offizier Ehrenabzeichen der Pfadfinder Ehrenmitglied vieler wissenschaftlicher Gesellschaften Ehrendoktor Polnische Stefan-Batory-Universität in Vilnius (1929) Medizinische Akademie Posen (1961) Jagiellonen-Universität (1964)
Siehe auch Bildung in Polen im Zweiten Weltkrieg Adam-Mickiewicz-Universität Posen#Geschichte der Universität
Literatur Władysław Kowalenko: Geheime Universität der Westgebiete 1940–1944. Poznań 1946. Roman Meissner: Wrzosek Adam, in: Biographisches Wörterbuch der polnischen medizinischen Wissenschaften des 20. Jahrhunderts, Bd. I, Heft 2, Warschau 1994.
Weblinks
Profesor Adam Jan Wrzosek (Encyklopedia Medyków Powstania) Ludmiła Krakowiecka (1900–1971), Wrzoseks Tochter
Einzelnachweise
Kategorie:Anthropologe (20. Jahrhundert) Kategorie:Medizinhistoriker Kategorie:Mediziner (19. Jahrhundert) Kategorie:Mediziner (20. Jahrhundert) Kategorie:Hochschullehrer (Warschau) Kategorie:Hochschullehrer (Posen) Kategorie:Oberst (Polen) Kategorie:Ehrenmitglied einer wissenschaftlichen Organisation Kategorie:Träger des Ordens Polonia Restituta (Komtur) Kategorie:Träger des Franz-Joseph-Ordens (Ausprägung unbekannt) Kategorie:Pole Kategorie:Geboren 1875 Kategorie:Gestorben 1965 Kategorie:Mann