Michael Rotschopf (* 28. Oktober 1969 in Lienz, Tirol) ist ein österreichischer Schauspieler und Hörspielsprecher. 1993 begann er seine Karriere am Wiener Burgtheater und hatte erste Erfolge als Theaterschauspieler. Im Fernsehen wurde er 2004 einem breiten Publikum durch die erste deutsche Telenovela Bianca – Wege zum Glück in der Rolle des Pascal Wellinghoff bekannt.

Leben Ausbildung und Theater Michael Rotschopf absolvierte von 1989 bis 1993 seine Schauspielausbildung am Max Reinhardt Seminar in Wien. Im Anschluss daran erhielt er bis 1995 eine zweijährige Gesangsausbildung im Arnold Schoenberg Chor. 1992, noch während seiner Ausbildung, wurde er an das Wiener Burgtheater geholt, wo er fünf Jahre lang festes Ensemblemitglied war. 1996 bekam er für seine schauspielerischen Leistung als Mario Cavaradossi in Tosca den O.-E.-Hasse-Preis der Berliner Akademie der Künste verliehen von Peter Zadek, Martin Benrath und Michael Heltau. Er arbeitete mit Theaterregisseuren wie Hans Hollmann, Achim Benning, Adolf Dresen, Michael Simon und Matthias Hartmann, unter anderem in Wien und Frankfurt am Main. Peter Stein engagierte den Schauspieler für seine Inszenierungen Faust (2000) mit Bruno Ganz und Wallenstein (2007) und Der zerbrochne Krug (2008–2016) mit jeweils Klaus Maria Brandauer in der Hauptrolle. 2015 übernahm er in Brecht/Weills Die Dreigroschenoper bei den Salzburger Festspielen die Hauptrolle des Mackie Messer. 2022 spielte er bei den Bad Hersfelder Festspielen im Bühnenstück Der Club der toten Dichter die Rolle des Literaturlehrers John Keating. Diese Rolle teilte er sich aus terminlichen Gründen mit Götz Schubert.

Film und Fernsehen 1998 gab Rotschopf sein Filmdebüt unter der Regie von Jacques Deray in einer Nebenrolle als Edouard in der französisch-italienisch-deutschen Filmproduktion Clarissa – Tränen der Zärtlichkeit, die auf einer Novelle von Stefan Zweig basiert. Ende der 1990er und Anfang der 2000er folgten kleinere Rollen, wie u. a. in der Krimiserie Kommissar Rex. Seinen Durchbruch als Fernsehschauspieler hatte Rotschopf an der Seite von Tanja Wedhorn und Nicola Ransom in der ersten deutschen Telenovela Bianca – Wege zum Glück als Antagonist in der Rolle des jahrelang verlorenen Privatbankierssohn Pascal Wellinghoff, den er bis zur Einstellung der Produktion im Oktober 2005 in 179 Folgen verkörperte.

Es folgten größere Rollen in Spielfilmen. 2005 spielte er neben Marie Bäumer und Thomas Dannemann in Stefan Krohmers Thriller Ein toter Bruder die Rolle des mittlerweile erfolgreichen Politikers Arved, der zehn Jahre nach dem Universitätsabschluss seine ehemaligen Kommilitonen zu einem folgenschweren Wiedersehen einlädt. Im selben Jahr verkörperte er an der Seite von Maja Maranow und Florian Martens den Anwalt in dem ZDF-Kriminalfilm Ein starkes Team: Ihr letzter Kunde. 2010 spielte er in Percy und Felix Adlons deutsch-österreichischen Spielfilm Mahler auf der Couch den österreichischen Bühnenbildner, Maler und Grafiker Alfred Roller. 2011 war er in dem von Bernd Fischerauer inszenierten historischen Dokumentar-Spielfilm Konterrevolution – Der Kapp-Lüttwitz-Putsch 1920 über den Kapp-Lüttwitz-Putsch neben Hans-Michael Rehberg als deutscher Hauptmann und Offizier Waldemar Pabst, der Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht ermordete, zu sehen.

Rotschopf übernahm neben seinen Gastrollen in bekannten deutschen Krimiformaten, wie Die Rosenheim-Cops, Notruf Hafenkante, Tatort, Wilsberg, Die Spezialisten – Im Namen der Opfer oder Harter Brocken, auch zahlreiche feste Serienrollen. 2006 spielte er in 5 Folgen den Dr. Piet Thomsen in Kommissar Stolberg. Im selben Jahr übernahm er bis 2009 in der mehrfach ausgezeichneten ZDF-Serie KDD – Kriminaldauerdienst die Rolle des Karsten Stieglitz, einen Beamten von der Internen Ermittlung. In der achtteiligen Sat.1-Krankenhausserie Dr. Molly & Karl verkörperte er 2008 die Rolle des Dr. Frank Jansen. Von 2010 bis 2016 war er in der ZDF-Samstagskrimireihe Stralsund als Kriminalhauptkommissar und Abteilungsleiter Gregor Meyer der Stralsunder Kripo, der später wegen Vertuschungsveruches vom Dienst suspendiert wird, in einer durchgehenden Hauptrolle zu sehen. Seit der 2011 erstgesendeten 10. Staffel der ZDF-Krimiserie SOKO Leipzig stellt Rotschopf die ständige Rolle des Staatsanwalts Dr. Alexander Binz dar. Daneben wirkt er auch in internationalen Film- und Fernsehproduktionen, so gastierte er u. a. 2011 in der deutsch-französisch-US-amerikanischen Action-Krimiserie Crossing Lines und 2019 in der US-amerikanischen Science-Fiction-Fernsehserie Counterpart.

Sprechertätigkeiten und Privates Neben seiner Arbeit am Theater und vor der Kamera betätigt sich Rotschopf umfangreich als Hörspiel- sowie Hörbuchsprecher und belegt mit 242 Produktionen den 231. Platz in der Liste der deutschsprachigen Sprecher mit den meisten Hörspielen (Stand: 17. Oktober 2023). So las er z. B. 2004 Robert L. Stevensons Novelle Der Flaschenteufel oder 2016 Franz Kafkas unvollendeten Roman Das Schloss ein. Unter der Regie von Mareike Maage nahm er 2017 gemeinsam mit Irm Hermann das Hörspiel Helene Fischer – Seismograph der Sehnsucht über die deutsche Schlagersängerin und Moderatorin auf. Daneben fungierte er als Sprecher bei der US-Erstaufführung des Requiem für einen jungen Dichter von Bernd Alois Zimmermann in der Carnegie Hall in New York und später in Paris, London und der Berliner Philharmonie.

Michael Rotschopf spricht neben seiner Muttersprache Italienisch sowie fließend Englisch und Dänisch. Er lebt in Berlin.

Theatrografie 1993: Hector Crémieux/Jacques Offenbach: Orpheus in der Unterwelt (als Cupido, Burgtheater; Regie: Adolf Dresen) 1994: Jacques Offenbach: Die schöne Helena (als Paris, Burgtheater; Regie: Nick Broadhurst) 1995: William Shakespeare: Romeo & Julia (als Romeo, Burgtheater; Regie: Karlheinz Hackl) 1996: Hugo von Hofmannsthal: Der Turm (als Olivier, Burgtheater; Regie: Hans Hollmann) 1996: Giacomo Puccini: Tosca (als Mario Cavaradossi, Burgtheater; Regie: Michael Simon) 1997: Molière: Der Menschenfeind (als Marquis Acaste, Burgtheater; Regie: Matthias Hartmann) 1998: Carl Sternheim: Die Hose (als Scarron, Burgtheater; Regie: Hans Hollmann) 1999–2003: Arthur Schnitzler: Das weite Land (als Otto, Burgtheater; Regie: Achim Benning) 2000: Faust (Schüler/Baccalaureus, Lynkeus, Engel, Hexenmeister) (Jahrhundertproduktion Peter Stein bei der Expo 2000) 2003: Gotthold Ephraim Lessing: Emilia Galotti (als Prinz von Guastalla, Altes Schauspielhaus Stuttgart; Regie: Christian Nickel) 2007: Friedrich Schiller: Wallenstein I-III (Berliner Ensemble (BE); Regie: Peter Stein) 2008–2017: Heinrich von Kleist: Der zerbrochne Krug (als Schreiber Licht; Produktion BE mit Gastspielen bei den Wiener Festwochen, den Zürcher Festspielen und am Hamburger Theaterfestival 2009 sowie am Europäischen Theatertreffen in St. Petersburg, 2011; Regie: Peter Stein) 2012: Richard Strauss: Ariadne auf Naxos (als Hugo von Hofmannsthal, Salzburger Festspiele; Regie: Sven-Eric Bechtolf) 2013: William Shakespeare: Ein Sommernachtstraum (als Oberon und Theseus, Salzburger Festspiele Regie: Henry Mason) 2013: William Shakespeare: König Lear (als Edmund, Burgtheater; Regie: Peter Stein) 2017–2019: Henry Purcell: King Arthur (als King Arthur, Theater an der Wien; Regie: Sven-Eric Bechtolf) 2020: Love Letters (Renaissance-Theater (Berlin); Regie: Gerd Wameling) 2020: Walter Hasenclever: Der Sohn (Renaissance-Theater (Berlin); Regie: Guntbert Warns) 2021: William Shakespeare: König Lear (als Kent/Narr, Renaissance-Theater (Berlin); Regie: Guntbert Warns) 2022: Tom Schulman: Der Club der toten Dichter (als John Keating, Festspiele Bad Hersfeld; Regie: Joern Hinkel) 2022–2024: Die Dreigroschenoper (als Mackie Messer, St. Pauli Theater; Regie: Peter Jordan)

Filmografie Filme

Fernsehserien und -reihen

Hörbücher 2003: Der Verbrecher aus verlorener Ehre von Friedrich Schiller 2004: Der Flaschenteufel von Robert L. Stevenson 2004: Der Leichenräuber von Robert L. Stevenson; wieder 2008 zus. mit Der Flaschenteufel 2004: Venus und Adonis von William Shakespeare, Argon Verlag 2005: Ich möchte lachen vor Todesschmerz. Robert Schumanns letzter Weg, Text Thomas Günther 2006: Das Fräulein von Scuderi von Ernst Theodor Amadeus Hoffmann 2006: Als hätte die Stille Türen. Alban Berg und Hanna Fuchs, David und Simone: 2 Liebesgeschichten, von Urs Faes, Alban Berg, Alexander von Zemlinsky und Arnold Schönberg 2006: Sonette von William Shakespeare 2006: Die Muscheln des Monsieur Chabre, von Émile Zola 2006: Das Freudenhaus, von Guy de Maupassant; wieder 2007 zus. mit Pariser Abenteuer 2007: Mahatma Gandhi. Ein Leben, Text Heiko Petermann 2007: Schaurige Geschichten, 5 Audio-CDs von Robert L. Stevenson, Guy de Maupassant und Gustav Meyrink; Sprecher Wilfried Hochholdinger, M. R. und Matthias Ponnier 2011: Der Spieler von Dostojewski, Übers. Swetlana Geier, Produktion SWR 2011: Rabenliebe von Peter Wawerzinek 2013: Ginster, von Siegfried Kracauer, Osterwold Audio, 2013, 4 CD, 261 Minuten 2013: Quasikristalle, von Eva Menasse

Hörspiele und Features 2003: Der Unsichtbare von Mats Wahl Produktion: Deutschlandradio Kultur 2004: Der Mann ohne Eigenschaften. Remix. Von Robert Musil, Produktion: BR/HV (Hörspiel des Monats 12/2004 der Deutschen Akademie der Darstellenden Künste:) 2004: Rot und Schwarz von Stendhal, Produktion: DLR/ORF 2005: Die Malteser Bescherung von Joy Markert, Produktion: Deutschlandradio Kultur 2006: Kneift Karadings vorm Krieg? von Georges Perec Produktion: Deutschlandradio Kultur 2006: Nebelflecken von Adolf Schröder Produktion: Deutschlandradio Kultur 2006: Homo Lemnus von S. Santorius – Regie: Judith Lorentz Produktion: SWR 2006: Jetzt! Woyzeck von Georg Büchner Produktion: SWR 2006: When the music’s over von Myra Çakan, Produktion: SWR 2006: Mit Blindheit geschlagen von Christian von Ditfurth, Produktion: Deutschlandradio Kultur 2006: Aus dem Seelenleben höherer Tiere oder Der Grimmroll von Ingomar von Kieseritzky, Produktion: Deutschlandradio Kultur 2006: Das mörderische Leben von Félix Edouard Valloton, Produktion: Deutschlandradio Kultur 2006: Mostly Mozart von Eckhard Roelcke, Produktion: EIG 2007: Haus aus Stimmen von Silke Scheuermann, gewann Kritikerpreis 2009 in der Kategorie „Hörfunk“ 2007: Tod einer roten Heldin von Qiu Xiaolong, Produktion: Deutschlandradio Kultur 2007: Dorffmaiers Double von Joy Markert (im schwäbischen Dialekt), Produktion: WDR 2007: Literatur letal von Carla Spies und Thomas Doktor Produktion: Deutschlandradio Kultur 2007: Wellness oder Der Zwang zum Wohlfühlen von Beate Ziegs Produktion: Deutschlandradio Kultur 2007: Kobayashi von Tobias Dusche, Produktion EIG 2007: Künstlersiehe auch das Theaterstück Künstler von Tankred Dorst, Mitarbeit Ursula Ehler Produktion: Deutschlandradio Kultur / Radio Bremen 2007: Toter Mann nach dem Roman „Il giro di boa“ von Andrea Camilleri Produktion: Deutschlandradio Kultur 2007: Freier – Mit Männern unterwegs in der sexuellen Grauzone von Ulli Schauen Produktion: Deutschlandradio Kultur 2007: Heißer Winter von Oliver Bukowski Produktion: Deutschlandradio Kultur 2007: Das Todsündenprojekt von Regine Ahrem, Christina Schlemmer, Johannes Schrettle, Roman Senkl, Gerhild Steinbuch und Marianne Strauhs Produktion: Rundfunk Berlin-Brandenburg / Unité Graz 2007: Wenn die Gondeln Trauer tragen von Daphne du Maurier Produktion: Deutschlandradio Kultur 2008: Unter Glas von Benjamin Lauterbach und Juli Zeh, Produktion: SWR 2008: Meine total wahren und überhaupt nicht peinlichen Memoiren mit genau elfeinhalb, von Friedrich Ani, Produktion SWR 2008: Marbella Hardcore von Philippe Bruehl, Produktion: SWR/WDR 2008: Die Vermessung der Welt von Daniel Kehlmann, Produktion: NDR 2008: Vier Juden auf dem Parnass von Carl Djerassi, Produktion: ORF 2008: Ein Held unserer Zeit von Michail Lermontov, Produktion: HR/SWR/Deutschlandfunk