Daridorexant ist ein Arzneistoff aus der Gruppe der Orexinrezeptor-Antagonisten. Hierbei handelt es sich um eine relativ neue Stoffgruppe. Daridorexant wurde in den USA im Januar 2022 und in der EU im April 2022 unter dem Namen Quviviq (Idorsia Pharmaceuticals) zur Behandlung von Schlafstörungen (chronische Insomnie) zugelassen.

Das Mittel wird peroral gegeben.

Wirkungsmechanismus Der Wirkmechanismus von Daridorexant in der Behandlung von Schlaflosigkeit beruht auf einem Antagonismus an den Orexin-Rezeptoren. Das Orexin-Neuropeptid-Signalsystem spielt eine Rolle beim Wachsein. Dadurch, dass Daridorexant die Bindung der Neuropeptide Orexin A und Orexin B an die OX1- und OX2-Rezeptoren hemmt, wird die Wachheit vermindert. Hierbei wird das quantitative Verhältnis der Schlafphasen („Schlafarchitektur“) nicht verändert.

Die Dissoziationskonstanten (Ki) für die Affinitäten an den Rezeptoren der Subtypen OX1 und OX2 betragen 0,47 bzw. 0,93 nM.

Medizinische Verwendung Anwendungsgebiet Das Anwendungsgebiet umfasst die Behandlung von Schlaflosigkeit bei erwachsenen Patienten, die Schwierigkeiten beim Einschlafen und/oder beim Durchschlafen haben (USA) bzw. von Erwachsenen mit Schlafstörungen, deren Symptome seit mindestens drei Monaten anhalten und eine beträchtliche Auswirkung auf die Tagesaktivität haben (EU).

Nebenwirkungen und Anwendungsbeschränkungen Daridorexant darf nicht beim Vorliegen einer Narkolepsie angewendet werden, da diese Erkrankung auf einem Untergang orexinerger Neurone beruht. Die häufigsten unerwünschten Wirkungen sind Kopfschmerzen und Schläfrigkeit oder Müdigkeit. Bei Leberinsuffizienz (eingeschränkte Funktion der Leber) muss gegebenenfalls die Dosis angepasst werden. Das Risiko für Rebound-Effekte und für morgendlichen Überhang soll gering sein.

Für eine Behandlungsdauer bis zu einem Zeitraum von einem Jahr liegt eine klinische Studie vor, die nahelegt, dass die langfristige Einnahme von Daridorexant nicht zu schwerwiegenden Nebenwirkungen führt (Kunz et al., 2023).https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/063-003

Im Gegensatz insbesondere zu den Benzodiazepinen fanden sich bisher keine Anzeichen für Missbrauch oder Entzugserscheinungen. Damit scheint das Medikament den vorhandenen Schlafmitteln überlegen zu sein. Allerdings sollen Patienten mit anamnestischem (berichteten) Missbrauch oder Abhängigkeit sorgfältig überwacht werden.

Eigenschaften Daridorexant wird pharmazeutisch als Salzsäuresalz, Daridorexanthydrochlorid, eingesetzt. Daridorexanthydrochlorid ist ein weißes bis leicht gelbliches Pulver, das in Wasser sehr schwer löslich ist.

Weitere therapeutisch eingesetzte Orexinrezeptor-Antagonisten sind Lemborexant und Suvorexant, die aber beide derzeit (2026) in Deutschland und Europa noch nicht zugelassen sind.

Kostenübernahme Im August 2023 wurde in Deutschland für Daridorexant die Beschränkung der Kostenübernahme seitens der gesetzlichen Krankenkassen (GKV) auf eine maximal vier Wochen währende Kurzzeittherapie aufgehoben. Für die Anwendung bei Erwachsenen, deren Schlafstörungen seit mindestens drei Monaten anhalten und eine beträchtliche Auswirkung auf die Tagesaktivität haben, werden die Kosten auch für eine dauerhafte Behandlung übernommen. Die in Deutschland durchgeführte frühe Nutzenbewertung, der sich neue Arzneistoffe unterziehen müssen, wenn der pharmazeutische Unternehmer einen höheren Verkaufspreis als nur den Festbetrag erzielen möchte, ergab, dass für Daridorexant gegenüber der „zweckmäßigen Vergleichstherapie“ (hier: Best Supportive Care) kein Zusatznutzen belegt sei.

Einzelnachweise INN Recommended List 82, World Health Organisation (WHO), 9. September 2019.

Prescribing Information, Stand Januar 2022. Abgerufen am 16. Januar 2022.

Molare Masse: 487,38 g·mol−1

Eintrag EU/1/22/1638 im EU-Register für Arzneimittel, Europäische Kommission, 29. April 2022.

Zusammenfassung der Merkmale des Arzneimittels, Europäische Kommission, 10. Mai 2024. Abgerufen am 5. Oktober 2024

Stellungnahme der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft zur frühen Nutzenbewertung gemäß § 35a SGB V - Daridorexant, Insomnie; 7. März 2023, S. 4

Daridorexant in der GKV jetzt länger als 28 Tage verordnungsfähig. DAZ, 24. November 2023.

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