mini|Haupteingang G+D an der Prinzregentenstraße in München mini|Unternehmenssitz in Leipzig Die Giesecke+Devrient GmbH (kurz: G+D) ist ein Unternehmen für Lösungen im Bereich Bargeld und Währungen sowie für Netzwerksicherheit mit Sitz in München.
Das Unternehmen entwickelte sich vom Hersteller von Banknoten (inkl. Substrate, Sicherheitsmerkmale und Bearbeitungsmaschinen), Wertpapieren, Ausweisen (Personalausweise und Reisepässe) und Chipkarten zu einem Anbieter von Sicherheitstechnologien in den Bereichen Bezahlen, Identitäten, Konnektivität und Digitale Infrastrukturen.
Das Unternehmen ist in 40 Ländern vertreten und produziert Geldscheine für 145 Zentralbanken.
Geschichte mini|Werbeanzeige um 1860 mini|Unternehmenssitz in Leipzig mini|Aktie der Giesecke & Devrient AG, Nennwert 1000 Reichsmark, 1939 mini|Papierfabrik Louisenthal, Werk Königstein Gründung Das Unternehmen wurde am 1. Juni 1852 von Hermann Giesecke (1831–1900) und Alphonse Devrient (1821–1878) in Leipzig als Typografisches Kunst-Institut Giesecke & Devrient gegründet.StA-L (Staatsarchiv Leipzig), 21061, Giesecke & Devrient A.G., Nr. 688, Hermann Giesecke, Alphonse Devrient, Das Etablissement von Giesecke & Devrient in Leipzig, Leipzig 1862.Sebastian Hölzle: Wie der digitale Euro funktionieren soll. In: Münchner Merkur vom 22. August 2024, S. 6. Schnell entwickelte sich der Banknoten- und Wertpapierdruck zu einem erfolgreichen Geschäftsfeld und wurde bestimmend für das junge Unternehmen. Bereits 1858 zog die Druckerei mit einer eigenen Schriftgießerei in neu erbaute Geschäftsräume im Gebäude Bosenstraße 1b (heute: Nürnberger Straße 12) in Leipzig.
Bereits zwei Jahre nach der Gründung druckte G+D seine erste Banknote: Die 10-Taler-Note für die Weimarische Bank. Weitere Aufträge folgten; von den zahlreichen privaten und staatlichen Notenbanken in Deutschland in der Zeit von 1850 bis zur Reichsgründung zählten mehr als zwei Drittel zu den Kunden von G+D. Seit Mitte der 1860er Jahre stand G+D mit Schweizer Privatbanken in Geschäftsverbindung. Die erste war die Bank in Graubünden, für die G+D 1865 eine 100-Franken-Note druckte. Es folgten weitere neun Privatbanken, die für die Ausweitung des Geschäfts ins europäische Ausland stehen. 1873 richtete sich der Blick der Leipziger Drucker erstmals über die Grenzen Europas hinaus. In diesem Jahr wurde ein Druckauftrag für den Banco de Piura in Peru erledigt. Das Leipziger Unternehmen etablierte sich im internationalen Banknotendruck, es folgten Druckaufträge aus Siam und dem Osmanischen Reich. Mitten in der Inflation 1922/1923 zählte Giesecke+Devrient zu den privaten Druckereien, die für die Reichsbank produzierten.Geld-Macher in sechster Generation. In: Münchner Merkur vom 6. Februar 2018, S. 6.
Am Ende der Inflation war G+D ab November 1923 maßgeblich am Druck der Rentenmark beteiligt. Die Produktionsanlagen wurden 1943 durch einen alliierten Bombenangriff schwer beschädigt, und die Produktion wurde ausgelagert. Das Unternehmen wurde 1948 durch die SMAD enteignet und die Druckerei im Weiteren in einen Volkseigenen Betrieb (VEB) umgewandelt.
Wiederaufbau Nach der Enteignung in Leipzig und dem Tod von Ludwig Devrient sen. (1894–1948) verlegte Siegfried Otto 1948 den Sitz des Unternehmens nach München und baute es neu auf. Vom ersten Standort auf dem Flughafengelände in Riem zog G+D zwischen 1953 und 1959 in Neubauten am Vogelweideplatz in Steinhausen.
Bereits 1958 richtete Siegfried Otto das Unternehmen durch die Gründung einer Tochtergesellschaft in Mexiko international aus. Ab 1958 wurde G+D mit der Lieferung der halben Jahresmenge der DM-Banknoten für die Deutsche Bundesbank beauftragt. Die andere Hälfte lieferte die staatseigene Bundesdruckerei in West-Berlin. Eine strategische Entscheidung war 1964 der Erwerb der Papierfabrik Louisenthal, die es G+D ermöglichte, eigenes Banknoten- und Sicherheitspapier herzustellen. Dieses Tochterunternehmen wurde seitdem zum führenden Hersteller von Banknoten- und Sicherheitssubstrat sowie Sicherheitsfolien mit Produktionsstätten in Gmund am Tegernsee und im Königsteiner Ortsteil Hütten in der Sächsischen Schweiz. Siegfried Otto gründete 1970 die Gesellschaft für Automation und Organisation mbH (GAO), in der über 30 Jahre lang die Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten von G+D gebündelt wurden. Die Modernisierung und Automatisierung der Banknotenbearbeitung und des Zahlungsverkehrs waren der Forschungsschwerpunkt der GAO.Von der Leipziger Officin für Geld- und Werth-Papiere zum weltweit tätigen Hochsicherheitskonzern. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 10. Juni 2002, S. 20.
mini|Erste von Giesecke & Devrient hergestellte Chipkarte, 1979 1968 war G+D an der Entwicklung des eurocheques und der eurocheque-Karte beteiligt, was den Grundstein für bargeldlosen Zahlungsverkehr in Europa legte. Unter dem 1970 ernannten GAO-Geschäftsführer Helmut Gröttrup, der bereits im Februar 1967 in Deutschland die grundlegenden Prinzipien der Chipkarte zum Patent angemeldet hatte, wurde die Chipkartentechnologie wegweisend weiterentwickelt. 1986 wurden die ersten Chipkarten für den Einsatz als Telefonkarten im Auftrag der Deutschen Bundespost hergestellt. 1989 brachte der Konzern das „SIM Plug in“ auf den Markt, das sich in den darauffolgenden Jahren zum weltweiten Standard für SIM-Karten durchsetzen sollte.
Expansion Mit der 1964 erfolgten Übernahme und dem anschließenden Ausbau der Papierfabrik Louisenthal wurde G+D zu einem der führenden Hersteller von Banknoten- und Sicherheitspapier, mit Produktionsstätten in Gmund am Tegernsee und seit 1991 auch im vorherigen DDR-Werk in Königstein (Sächsische Schweiz).
mini|Banknotenbearbeitungssystem ISS 300PS (1986), seit 2006 ausgestellt im Deutschen Museum
1975 lieferte G+D die erste automationsfähige Banknote aus, deren Echtheit durch maschinenlesbare Merkmale überprüft werden konnte. In den folgenden Jahren wurden Maschinen zur Sortierung von umlaufenden Banknoten nach Echtheit und Zustand (Umlauffähigkeit) entwickelt. Damit entwickelte sich G+D bereits in den 1980er Jahren zum Weltmarktführer für die Ausstattung von Zentralbanken. Seitdem baute G+D sein Angebot weiter aus, sodass fast jeder Prozessschritt sowohl im Cash Center als auch im Cash Cycle mit Systemen und Software von G+D bedient werden kann. Vom Banknoteninspektionssystem in der Banknotendruckerei über Banknotenbearbeitungssysteme in jeder Leistungsklasse für Werttransportunternehmen, Zentral- und Geschäftsbanken sowie Casinos, bis zu Banknotenvernichtungsanlagen für Zentralbanken.
Ab 1990 wurde das Angebot im Bereich Chipkarten ausgebaut.Giesecke setzt auf elektronisches Bezahlen. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 12. April 2024, S. 27. So entstand die erste Krankenversichertenkarte (1993), die erste multifunktionale eurocheque-Karte mit Funktion einer elektronischen Geldbörse in Österreich (1995) und die weltweit erste SIM-basierte Mobile Banking-Anwendung (1998). Mitte der 1990er Jahre hatte sich G+D als führender Lieferant von Chip-Layouts, Karten und Terminals für die in Deutschland eingeführte GeldKarte etabliert. Wenig später wurde das neue Unternehmenssegment Sicherheitssysteme gegründet, das seinen Schwerpunkt auf Informations- und Netzwerksicherheit legte. Nach der deutschen Wiedervereinigung erwarb G+D 1991 das ehemalige Stammhaus in Leipzig zurück und gliederte es als Standort für den Wertpapier- und Banknotendruck in den aus München geführten Konzern ein. Im selben Jahr lieferte das Unternehmen die erste SIM-Karte aus.G+D meldet Rekordjahr. In: Reutlinger General-Anzeiger vom 12. April 2024, S. 30.
Seit 1994 gründete G+D zusammen mit lokalen chinesischen Partnern Joint Ventures in Huangshi, Nanchang, Shenzhen, Wuhan und Taipei. Später kamen auch eigene Tochtergesellschaften in Peking, Shanghai und Hongkong hinzu. Die Aktivitäten in China umfassen Forschung und Entwicklung, Produktion und Vertrieb des G+D Portfolios für Kunden aus den Bereichen Banken, Telekommunikation und Zentralbanken. Die G+D Präsenz in China ist mit über 1500 Mitarbeitern ein bedeutender Teil des globalen Geschäfts.
Das Unternehmen war 1998 Mitgründer der Stiftung Bayerische EliteAkademie.
Seit 1999 druckt G+D (neben der Bundesdruckerei und anderen Sicherheitsdruckereien) für die Europäische Zentralbank. Die von G+D gedruckten Eurobanknoten der ersten Serie (ES1) tragen die Druckereikennung P im Plattencode. Eurobanknoten der Europaserie (ES2) mit einem X am Anfang der Seriennummer wurden bis 2015 bei G+D in München gedruckt, solche mit einem W werden bei G+D in Leipzig gedruckt.Thomas Stölzel: Größere Nachfrage nach kleineren Stückelungen. Bislang europaweit rund 13 Milliarden der nunmehr benötigten 14,89 Milliarden Banknoten gedruckt. In: Leipziger Volkszeitung vom 15. November 2001, S. 6.
Im Jahr 2001 wurde die Tochtergesellschaft Giesecke+Devrient India Pvt. Ltd. in Mumbai gegründet. 2004 wurde der Unternehmenssitz nach Gurgaon (heute Gurugram) in die Nähe von Delhi verlegt. 2005 kam in Indien ein Entwicklungszentrum in Pune und 2012 ein Karten-Personalisierungszentrum in Chennai sowie ein weiterer Entwicklungsstandort in Gurgaon (heute Gurugram) hinzu, damit beschäftigte das Unternehmen in Indien 2014 über 800 Mitarbeiter. 2002 war G+D für Entwicklung, Design und Druck der neuen Banknotenserie für Afghanistan verantwortlich.Peter Böhm: Geldtausch in Afghanistan. In: Die Tageszeitung vom 16. Oktober 2002, S. 9. In den folgenden Jahren entwickelte das Unternehmen vor allem Visa-Personalisierungssysteme, beispielsweise für Kasachstan, Serbien und Italien. Dem folgte die Herstellung von elektronischen Gesundheitskarten, beispielsweise für Taiwan.Joachim Hofer: Kartenhersteller trösten sich mit der erfolgreichen Markteinführung in anderen Ländern. In: Handelsblatt vom 1. Dezember 2009, S. 32. 2003 wurde eine Banknotendruckerei in Malaysia nahe Kuala Lumpur eröffnet. 2004 war G+D an der Herstellung der neuen deutschen Ausweisdokumente mit Speicherung biometrischer Daten auf einem Chip beteiligt. Zudem ist das Unternehmen am Projekt elektronische Gesundheitskarte (eGK) beteiligt.
2004 erwarb G+D den IT-Sicherheitsdienstleister secunet (secunet Security Networks AG) und hielt zunächst 47 % der Anteile.Kartellamt stimmt Secunet-Kauf zu. In: Börsen-Zeitung vom 23. März 2004, S. 10. 2009 erhöhte das Unternehmen seine Beteiligung auf 79 %.Antje Kullrich: Secunet surft auf der Cyberwelle. In: Börsen-Zeitung vom 21. November 2017, S. 10.
Bis Juli 2008 lieferte G+D das Papier für den Druck der Banknoten des Simbabwe-Dollar. Die Lieferung wurde schließlich wegen des international wachsenden öffentlichen Drucks und der Kontroverse um die rechtliche und moralische Erlaubnis der Lieferungen eingestellt. Während die USA bereits 2001 Sanktionen gegen Simbabwe verhängt hatten, existierten in der Europäischen Union lediglich Sanktionen gegen einzelne Vertreter des Regimes von Robert Mugabe.
2012 brachte G+D ihre erste eSIM auf den Markt; eine digitale Version der herkömmlichen SIM-Karte, die fest im Gerät verbaut ist und keine physische Karte erfordert. Genutzt werden diese unter anderem in Smartphones, Uhren und Autos.Stefan Merx: Giesecke+Devrient schafft sich Konkurrenz im eigenen Haus. In: Wirtschaftswoche vom 11. Juni 2024.
Im Jahr 2013 wurde in Malaysia eine zweite Drucklinie eröffnet und damit die Kapazität der dortigen Banknotendruckerei verdoppelt.Gerhard Hegmann: Privater Gelddrucker rutscht erstmals ins Minus. In: Berliner Morgenpost vom 22. April 2015. G+D produziert dort Banknoten für den heimischen Bedarf und den Weltmarkt.
Ausbau der Geschäftsaktivitäten und Umstrukturierung Im Januar 2015 nahm Veridos, ein Joint Venture von Giesecke+Devrient (Anteil: 60 %) und der Bundesdruckerei (Anteil 40 %) seine Tätigkeit auf. Mit Hauptsitz in Berlin ist Veridos zuständig für das internationale Geschäft im Bereich sichere Identifikationsprodukte für Regierungen, wie ID-Dokumente und Pass- und Grenzkontrollsysteme.