Karl Badstieber (geboren am 4. September 1875 in Währing, heute zu Wien; gestorben am 3. JuniAnmerkung: der gibt davon abweichend den 13. Juni an, da aber die gedruckte Ausgabe von Czeike (Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien, Band 1, Wien 1992, Kremayr & Scheriau, S. 233) ebenfalls den 3. Juni anführt, scheint es sich um einen Schreibfehler zu handeln. 1942 in Wien) war ein österreichischer Architekt. mini|Das Amtshaus am Brigittaplatz mit dem Manfred-Ackermann-Hof (rechts)

Leben Badstieber besuchte zuerst die Staatsgewerbeschule und studierte 1898–1901 an der Akademie bei Viktor Luntz. Anschließend arbeitete er einige Jahre in den Büros von Max Hegele und Alexander Graf, bevor er sich selbständig machte.

Seinen ersten großen Auftrag für die Stadt Wien erhielt er bereits knapp nach dem Abschluss seines Studiums, 1903, nachdem er mit einem 1902 eingereichten Plan den Wettbewerb für das Amtshaus des 1900 neu gegründeten Bezirks Brigittenau gewonnen hatte. Der Plan musste zwar im Auftrag des Stadtbauamtes abgeändert werden, das Amtshaus wurde aber 1904–1906 von Badstieber erbaut.

Auch in Folge konnte er staatliche Aufträge bekommen, so für das Kaiser-Franz-Josef-Museum in Baden (mit Karl Reiner) 1904 und die Kinderklinik Glanzing (1913/14). Auch für die Architektur einiger Denkmäler wurde er herangezogen, insbesondere für das Hesserdenkmal 1909.

Sein zweiter wichtiger Auftraggeber war die Südbahn-Gesellschaft, für die er einige Wohnhäuser in Wien und der Steiermark baute. Auch hier arbeitete er mit Karl Reiner zusammen.

Daneben war baute er auch Häuser für das Großbürgertum (oft für den auch als Bauunternehmer tätigen Max Haupt) und errichtete ein Zinshaus im Neubauviertel Neu-Fünfhaus, dieses Tätigkeitsfeld kam allerdings nach dem Ersten Weltkrieg völlig zum Erliegen.

Die Kontakte zur Südbahngesellschaft blieben nach dem Krieg aber bestehen, ebenso zur Stadt Wien, für die er drei Gemeindebauten errichtete. Einer davon (seit 2008 Manfred-Ackermann-Hof genannt) schließt unmittelbar ans Amtshaus Brigittenau an und führt, obwohl fast dreißig Jahre später entstanden, dessen Dekorformen bruchlos fort.

Sein letzter dokumentierter Bau stammt aus dem Jahr 1929, über den Rest seines Lebens ist wenig bekannt, nur ein Posten als Hausverwalter ist nachgewiesen.

Bauten Badstieber ist für eine eigenwillige Kombination aus secessionistischen, späthistoristischen und Heimatstil-Elementen bekannt, die sich schon beim ersten Entwurf für das Amtshaus Brigittenau zeigen. Daraus ergibt sich eine romantisierende Tendenz, die sich auch nach dem Ersten Weltkrieg fortsetzt, wo der Zeitmode entsprechend allerdings eher auf expressionistische Formen gesetzt wird (so beim 1924 entstandenen Gemeindebau Landstraßer Hof in der Drorygasse, von dem Achleitner sich sogar an den tschechischen Kubismus erinnert fühlt.Friedrich Achleitner: Österreichische Architektur im 20. Jahrhundert. Band III/1, Residenz Verlag, Salzburg und Wien, 1990, S. 136.). Die beiden nebeneinanderstehenden Bauten für die Südbahngesellschaft am Margaretengürtel werden für Achleitner als Zeichen genommen, dass der Weltkrieg eine radikale Zäsur (...) auch für konservative Architekten war.Friedrich Achleitner: Österreichische Architektur im 20. Jahrhundert. Band III/1, Residenz Verlag, Salzburg und Wien, 1990, S. 171. Diese Gebäude sind 1914 bzw. 1927 entstanden.

Anbei eine Auswahl von realisierten Bauprojekten: Wohnhäuser 1901: Gentzgasse 30 (mit August Johann Belohlavek), Wien-Währing 1905: Herbeckstraße 90, 98, 100 (Bauunternehmer Max Haupt) 1905:Basisinventarisierung des Wiener Kulturgüterkatasters Dreihackengasse 6 1906: Wurzbachgasse 11 (mit Karl Reiner) 1908/09: Hietzinger Hauptstraße 96 (mit Karl Reiner) 1912/13: Gymnasiumstraße 1 (ident Gentzgasse 48, mit Karl Reiner)

Wohnhäuser für Bedienstete der Südbahn-Gesellschaft Die Wohnhäuser der Südbahn-Gesellschaft wurden sämtlich gemeinsam mit Karl Reiner entworfen. 1912/13: Tanbruckgasse 24, Wien-Meidling 1913/14: Margaretengürtel 38–40, Wien-Margareten 1921: Alte Poststraße 123–129, Graz 1921/22: Fraunedergasse 15–19, Bruck an der Mur 1921/22: Wiener Straße 120–126, Mürzzuschlag, zwei Objekte, unter Denkmalschutz 1926/27: Alte Poststraße 131–135, Graz 1927: Margaretengürtel 36, Wien-Margareten

Wohnhausanlagen der Gemeinde Wien 1924/25: Landstraßer Hof, Drorygasse 8, Wien-Landstraße, unter Denkmalschutz 1928/29: heute so benannter Manfred-Ackermann-Hof, Brigittaplatz 11–13, Wien-Brigittenau, unter Denkmalschutz 1929: Onno-Klopp-Gasse 12–16, Wien-Penzing

Öffentliche Bauten und Denkmäler 1904: Kaiser-Franz-Josef-Museum (mit Karl Reiner), Hochstraße 51, Baden 1905/06: Amtshaus Brigittenau, Brigittaplatz 10 Wien-Brigittenau, unter Denkmalschutz 1908: Denkmal für Franz Joseph I., Wiener Neustadt (Bildhauer Josef Tuch, seit 1957 im Wiener Burggarten), unter Denkmalschutz 1909: Hesserdenkmal, Wien-Neubau (Bildhauer Josef Tuch), unter Denkmalschutz 1910–1912: Volksschule- und Hauptschule Althofen 1912–1914: Reichsanstalt für Mütter- und Säuglingsfürsorge (zwischenzeitlich Kinderklinik Glanzing), Glanzinggasse 34–38, Wien-Döbling, unter Denkmalschutz

Weblinks

Einzelnachweise

Kategorie:Architekt (Österreich) Kategorie:Person (Wien) Kategorie:Österreicher Kategorie:Geboren 1875 Kategorie:Gestorben 1942 Kategorie:Mann