Die bildo Akademie für Kunst und Medien (1988–1999) war eine private Kunsthochschule in Berlin. Sie wurde 1987 von den Künstlern Anna Elisa Heine und Thomas Born unter der Mitarbeit von Jochen Lingnau gegründet. mini|Die Gründer, Anna Heine und Thomas Born in den Räumen der Akademie

Geschichte In den 1980er Jahren kamen die im alltäglichen Konsum schon sehr präsenten technischen Bildmedien wie Fotografie, Video und Computer auch als Ausdrucksformen in den künstlerischen Diskurs. Die sich dadurch schnell verändernde Bildästhetik wurde zu dieser Zeit in den traditionellen Kunsthochschulen noch lange nicht thematisiert oder als Studienfach angeboten. Es war also notwendig, für die sich rasant ändernden Bildtechnologien im Kontext der damit verbundenen gesellschaftlichen Veränderungen neue Lehrkonzepte zu entwickeln.

Grundgedanke Born und Heine konzipierten eine auf die „neuen Medien“ abgestimmte mediale Grundlehre, die auf deren Eigengesetzlichkeiten, Materialität und ästhetischen Erscheinungsformen basierte. Das Lehrkonzept war ganzheitlich angelegt und beinhaltete, einzigartig in einem Kunststudium, neben dem Fach Programmieren auch ein regelmäßiges Kung-Fu-Training. Die Grundlehre gliederte sich im Wesentlichen in die Fachgebiete Mediengestaltung, Medienpraxis, Medientheorie/-geschichte, Kung Fu/Transformation und Programmierung. Die damals neuen Fachtermini wie Medienkunst, Mediendesign, Mediengestaltung und das Technische Bild wurden durch das bildo Studienkonzept maßgeblich geprägt. mini|Schematische Darstellung des Lehrkonzepts der bildo Akademie für Kunst und Medien Eine weitere Besonderheit war, dass die bildo Akademie als kleine elitäre Forschungs- und Lehreinrichtung gegründet wurde, um dem Konsum, der Ökonomisierung und Maßlosigkeit, die die Zeit prägten, etwas entgegenzusetzen (consumer reset). In der Dekade des Lehrbetriebs haben etwa 100 Studierende in der bildo Akademie studiert.

Statement der Gründer zum bildo-Konzept (1989): „Die bildo akademie unternimmt als erste und bisher einzige Einrichtung dieser Art den Versuch, vom Design der Bilder den Weg zum Design der Ideen, des Denkens zu beschreiten. Der zunehmenden Immaterialität begegnet bildo mit dem Konzept des bildwerdenden Denkens. Die Basis-Ausbildung wurde von einem Künstlerteam in Kooperation mit Wissenschaftlern im Laufe von zehn Jahren interdisziplinär entwickelt und zuvor in Weiterbildungslehrgängen erprobt. Technik und Kunst, Kunst und Wissenschaft, Theorie und Praxis, Statik und Bewegung, Geschichte und Modernität gelten bei bildo als im Verhältnis stehende, zusammenwirkende Qualitäten. bildo benennt und benutzt Prinzipien, um sie zu überschreiten. In keiner bildo Arbeit findet sich nur ein einziges Prinzip. Das Bild, die Idee steht hier nicht für das große Original, das mittlerweile von der verlustfreien technischen Reproduzierbarkeit überholt wurde, für die geniale Höchstleistung, die künstlerische Eitelkeit, sondern vor allem für den flexiblen Arbeitsprozess, die Offenheit gegenüber Anderem, dem Neuen, selbstverständlich ohne das Eigene, den Ausgangspunkt zu verlieren. bildo bildet nicht ab; bildo (er)findet.“

Namensgebung

Der Name bildo entstand aus einer Kombination der Begriffe „Bild“ und „Foto“. Der so zusammengesetzte Name „bildo“ wurde umgangssprachlich schnell zu einer Wortmarke und stand nicht nur als Synonym für die Reflexion der „Neuen Medien“ sondern wurde auch ohne die Ergänzung ...Akademie für Kunst und Medien allein genutzt. (z. B. die bildo, bildostudenten etc.)

Studienrichtungen Mediendesign (8–10 Semester) Medienkunst (8–10 Semester) Medienassistenz (4–6 Semester)

Beirat Die bildo Akademie wurde von einem Beirat begleitet. Die Mitglieder des Beirates waren:

Floris M. Neusüss (1937–2020), Fotograf Dietmar Kamper (1936–2001), Philosoph, Schriftsteller, Soziologe Wulf Herzogenrath (1944–2026), Kunsthistoriker, Kurator Michael Schirner (* 1941), Kommunikationsdesigner Lucy Hillebrand (1906–1997), Architektin Marie Christine Gräfin Wolff-Metternich

Dozenten An der bildo Akademie regelmäßig lehrende Dozenten waren:

Gastdozenten Gastdozenten und Vortragende waren u. a:

Ehemalige Studierende (u. a.)

Georgios Anastasiades, Ole Bader, Stefan Bohle, Katharina Britzke, Susanne Büchting, Hardy Engwer, Wolf Gresenz, Andrea Grosse-Leege, Hans Grunert, Harald Grünwald, Mina Hagedorn, Nicolas Hannecke, Monika Hübener, Dieter Jaufmann, Thomas Kemnitz, Josef Korkor, Claudius Lazzeroni, Jennifer Löbert, Nikolai Luckow, Sebastian Mayer, Werner Mayer, Michael Najjar, Dejan Patic, Frank Paul, Katja Rock, Lukas Schoener, Jens Staeder, Jochen Vestner, Philip von Ostau, Bernhard Wedig, Nina Wilken

Literatur

Bildgestaltung im Medienkontext – Grundlagen und Methoden, Galileo Design, Bonn 2004, ISBN 978-3-89842-377-9 Virtual Design Update – prospects for design professionals, Thomas Born , Nikolas Hannecke, Anna Elisa Heine, Andreas Karpati, Thomas Kemnitz, Alexander Löser, Thomas Schmidt, Jochen Vestner Berlin 2000, ISBN 978-3-931221-27-0 Virtual Design im Virtual College, Berlin 1997 Medienkunst im Wasserturm, Anna Elisa Heine, Thomas Born (Hg.) mit Texten von: Ulrich Roloff-Momin, Volker Hassemer, Wulf Herzogenrath, Henrik Schnedler, Jörg Podzuweit, Jochen Lignau, Wolfgang Ernst, Christoph Kern, Wolfgang Thies, Bernhard Rieger, Ernst-Wolf Abèe, Berlin 1994 Bildmaschinen und Erfahrung, Thomas Born , Anna Elisa Heine, Jean Luc Evard, Gerhard Johann Lischka, Torsten Meiffert, Michael Mohnhaupt, Jochen Lingnau, Lucy Hillebrand, Dietmar Kamper, Vito Oražem, Gerhard Duelen, Berlin 1989, ISBN 978-3-926175-82-3

Weblinks das bildo-Archiv vollständige Liste der Presseartikel über die bildo Akademie Veröffentlichungen rund um bildo in der Deutschen National Bibliothek

Einzelnachweise

Kategorie:Ehemalige Hochschule in Berlin Kategorie:Künstlerische Organisation (Berlin) Kategorie:Kunsthochschule Kategorie:Bildungseinrichtungsgründung 1987 Kategorie:Aufgelöst 1999