Jakob Oppenheimer (geboren 8. März 1879 in Frankfurt am Main; gestorben 3. Juni 1941 in Nizza) war ein deutsch-jüdischer Kunsthändler.
Biografie Jakob Oppenheimer war seit 1912 Geschäftsführer des Kunsthandelsunternehmens Margraf & Co. in Berlin, das mit Juwelen, Antiquitäten und Kunst handelte und vier Schwesterunternehmen hatte (Galerie van Diemen & Co. GmbH, Altkunst Antiquitäten GmbH, Dr. Benedict & Co. GmbH und Dr. Otto Burchard & Co. GmbH). Als Albert Loeske, der Eigentümer des Unternehmens, 1929 starb, vermachte er die Firma seinem Geschäftsführer Jakob Oppenheimer und dessen Frau Rosa (geboren am 31. Juli 1887 in Berlin als Rosa Silberstein). Neben der Vermächtnis hatte Loeske seine Lebensgefährtin Frau Beer als Erbin genannt.
Es fiel eine Erbschaftssteuer von 5 Millionen Reichsmark für die gesamte Erbmasse an. Diese Erbschaftssteuer wurde den Gesellschaften allein auferlegt. Dadurch und durch die Weltwirtschaftskrise geriet die Firmen in wirtschaftliche Schwierigkeiten, die Steuerforderungen und hohe Kreditforderungen bei Banken konnten nicht bezahlt werden. Gleich am 24. März 1933, sprich am Tag der Veröffentlichung des Ermächtigungsgesetzes („Gesetz zur Behebung der Not von Volk und Reich“) im Reichsblatt erteilte das Zentralfinanzamt dem Finanzamt Berlin Mitte die Weisung, die Umsatzsteuer des Margraf Konzerns nachzuprüfen. Das Zentralfinanzamt betonte dabei ausdrücklich, dass es seine bisherige Stellung damit änderte, da es bisher von einer Buchprüfung Abstand genommen hatte.BADV, Archivbestand Betriebsprüfungsakte Magraf Teil 1, S. 89 Gem. ausdrücklicher Angabe war darüber hinaus die Prüfung „sofort“ zu erfolgen.BADV, Archivbestand Betriebsprüfungsakte Magraf Teil 1, S. 90
Im Bericht des Obersteuerinspektors Eberhardt wurde der Gesamtbetrag der Erbschaftssteuer neu berechnet und zwischen Frau Beer und den Eheleute Oppenheimer verteilt. Das Finanzamt hat allerdings den erstellten Bericht nicht berücksichtigt. So hat es der Berechnung der Erbschaftssteuer keine Folge geleistet, obwohl der Obersteuerinspektor Eberhardt den Gesamtbetrag der Erbschaftssteuer, wie sich aus seiner Prüfung ergab, auf 2.767.026,60 RM herabgesenkt hatte.BADV, Archivbestand Betriebsprüfungsakte Magraf Teil 1, S. 115/118 Ferner hatte derselbe Obersteuerinspektor Eberhardt im selben Prüfungsbericht berechnet, dass der Anteil des Erbschaftssteuerbetrags, der den Eheleuten Oppenheimer aufzuerlegen war, auf 785.578,80 RM festzusetzen war.BADV, Archivbestand Betriebsprüfungsakte Magraf Teil 1, S. 114 Auch dies wurde vom Finanzamt nicht berücksichtigt.
Das Finanzamt Tiergarten nahm im April 1933 an, den Herrn Bolko von Richthofen als Treuhänder für den Magraf Konzern vorzuschlagen, weil «man eine besonders glatte Abwicklung mit Hermann Göring erhoffte». Herr von Richthofen ersetzte den Bankier Simonsohn («abgelöst»), wobei der damaliger Leiter des Finanzamts Tiergarten während eines Gerichtsverfahrens in den 50-en Jahren ausdrücklich feststellte, «Herr Simonsohn war selbst rassisch Verfolgter»Quelle: Landesarchiv Berlin, LAB B Rep. 025-02 3503-50, Bd. 3 Bl. 39, S. 45 von 256
Daraufhin kam es Ende 1933 zu Pfändungen durch das Finanzamt. Die Warenbestände der der jüdischen Hausbank Jacquier & Securius wurden Ende 1933 sicherheitsübereignet, was insofern parallel zum Handeln der damaligen Behörden stand. Ende 1933 hat das Amtsgericht Berlin-Mitte auf Antrag des Finanzamts Herrn Oppenheimer abberufen und anschließend wurde ihm gerichtlich untersagt, jedwede Rechtsgeschäfte vorzunehmen. 1935 wurden die Bestände der Berliner Gesellschaften des Kunsthandelsunternehmens auf fünf Auktionen bei dem Auktionshaus Paul Graupe auf Veranlassung der Bank liquidiert. Kurz darauf wurde die Bank arisiert.
All dies erfolgte in Abwesenheit der Eheleute Oppenheimer, denn sie mussten Ende März 1933 nach Frankreich fliehen, um einer Vernehmung durch die geheime Staatspolizei und Nationalsozialisten zu entgehen. Jakob Oppenheimer starb am 3. Juni 1941 verarmt in Nizza.Landesarchiv Berlin State Archivbestand B Rep 025-02 3503-50 Bd1, Bl. 51 S. 70/356 Nach dem Einmarsch der deutschen Truppen wurde seine Witwe Rosa Oppenheimer im Sammellager Drancy interniert, in das KZ Auschwitz deportiert und dort am 2. November 1943 ermordet. Sie wurde 56 Jahre alt.
Die Erben von Jakob und Rosa Oppenheimer machen seit den 50en Jahren wiederholt Ansprüche auf Objekte aus dem Besitz der Kunsthandelsfirmen des Paares geltend, die 1935 und 1937 zwangsversteigert worden waren. So hat das Smithonian Institute - national museum for asian art 2002 die Erben (über die Gesellschaft Dr. Otto Burchard & Co. GmbH i.L.) entschädigt. 2010 entschädigte das Museum Rietberg die Nachkommen Oppenheimers für vier 1935 in Berlin ersteigerte chinesische Kunstwerke. In einigen Fällen wurden leider Objekte aus den Auktionen nicht zurückgegeben, da nach der Einschätzung mancher Provenienzforscher nicht von einem NS-verfolgungsbedingten Entzug durch die Versteigerung auszugehen ist. Diese Ansicht wird allerdings von Historikern, sowie weltweit tätigen Aktionshäusern und öffentlichen Behörden (Bund, niederländische beratende Kommission) nicht geteilt.
Literatur Anja Ebert: "Erwerbungen des Germanischen Nationalmuseums im Kontext des Margraf-Konzerns und seines Inhabers Jakob Oppenheimer." In: Anja Ebert, Timo Saalmann: "Gekauft – Getauscht – Geraubt? Erwerbungen des Germanischen Nationalmuseums zwischen 1933 und 1945 – Weitere Ergebnisse der Provenienzforschung." Hrsg. von Anne-Cathrin Schreck. Nürnberg 2019, ISBN 978-3-947449-03-3, S. 63–85 (Digitalisat).
Einzelnachweise Provenienz Margraf & Co. (Galerie van Diemen, Altkunst, Dr. Otto Burchard). Deutsches Zentrum Kulturgutverluste. Oppenheimer, Jakob. In: gnm.de, Germanisches Nationalmuseum.
Sir Donnell Deeny: Report of the Spoliation Advisory Panel in respect of an oil painting by Pierre-Auguste Renoir, `The Coast at Cagnes`, now in the possession of Bristol City Council. Bericht an das House of Commons, 2015 (englisch).
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