Der Schottisch-Englische Krieg von 1215 bis 1217 war eine militärische Auseinandersetzung zwischen Schottland und England. Der Krieg war eine regionale Auseinandersetzung innerhalb des größeren Konflikts des Ersten Kriegs der Barone zwischen dem englischen König und einer vom französischen Thronfolger unterstützten Adelsopposition. Er endete ohne territoriale Veränderungen, doch nach weiteren Verhandlungen konnte 1220 ein Ausgleich zwischen den beiden Reichen geschlossen werden, der die Grundlage für die lange Friedenszeit zwischen England und Schottland im 13. Jahrhundert legte.

Vorgeschichte Abschluss der Verträge von Norham und Durham 1209 hatten der schottische König Wilhelm I. und der englische König Johann Ohneland am Rande eines Krieges gestanden. Angesichts seiner offensichtlichen militärischen Unterlegenheit musste der schottische König den demütigenden Vertrag von Norham schließen, in dem er dem englischen König weitgehende Zugeständnisse machen musste. Der Vertrag wurde im Februar 1212 durch den zwischen den beiden Königen geschlossenen Vertrag von Durham ergänzt. Gemäß diesen Vereinbarungen mussten die Schotten Geiseln stellen und die hohe Summe von 15.000 Merks an den englischen König zahlen, der dazu die beiden ältesten Töchter des schottischen Königs mutmaßlich mit seinen Söhnen verheiraten wollte. Während die Geiseln gestellt wurden und die Schotten mit der Zahlung der Summe in Raten begannen, setzte der englische König bis zum Tod von König Wilhelm im Dezember 1214 seine gegebenen Versprechen nicht um.

Wechsel der schottischen Politik unter Alexander II. Wilhelms junger Sohn und Nachfolger Alexander II. war zu Beginn seiner Herrschaft fest entschlossen, die 1209 und 1212 gegebenen Versprechen des englischen Königs einzufordern.Keith J. Stringer: Kingship, Conflict and State–Making in the Reign of Alexander II. The War of 1215–17 and its Context. In: Richard D. Oram: The Reign of Alexander II, 1214–49. Leiden, Brill 2005, ISBN 90-04-14206-1, S. 117. Dazu erneuerte er die Forderung seines Vaters nach der Rückgabe der nordenglischen Grafschaften Westmorland, Cumberland und Northumberland, auf die der schottische König 1157 hatte verzichten müssen. Der junge König hatte die meisten der erfahrenen und bewährten Ratgeber seines Vaters in ihren Ämtern belassen, doch diese unterstützten ebenso wie die meisten schottischen Magnaten die Politik des Königs, da sie seine Forderungen als gerechtfertigt betrachteten. Sowohl mehrere Ratgeber wie auch Magnaten hatten 1209 Söhne als Geiseln stellen müssen oder waren in Rechtsstreitigkeiten um Landbesitz in England von König Johann Ohneland benachteiligt worden, weshalb sie über dessen Politik verbittert waren.Keith J. Stringer: Kingship, Conflict and State–Making in the Reign of Alexander II. The War of 1215–17 and its Context. In: Richard D. Oram: The Reign of Alexander II, 1214–49. Leiden, Brill 2005, ISBN 90-04-14206-1, S. 109. mini|Der junge schottische König Alexander II. war bereit, einen Krieg gegen den englischen König zu riskieren. Darstellung des Königs auf seinem Siegel.

Annäherung zwischen Alexander II. und der englischen Adelsopposition Der englische König stand seit Herbst 1214 zunehmend unter dem Druck einer Adelsopposition, der zahlreiche nordenglische Barone angehörten. Zwei der wichtigsten Führer der nordenglischen Barone, Eustace de Vesci und Robert de Ros, waren mit Halbschwestern von Alexander II. verheiratet. Vesci sowie der anglo-schottische Magnat Saer de Quincy kamen Anfang 1215 zum schottischen Königshof, um den schottischen König auf die Seite der Adelsopposition gegen Johann Ohneland zu ziehen. Im April 1215 kam ein weiterer wichtiger englischer Magnat, Robert de Vere, 3. Earl of Oxford, nach Schottland.Richard Oram: Alexander II. King of Scots, 1214–1249. Birlinn, Edinburgh 2012, ISBN 978-1-904607-92-2, S. 29. Dennoch hielt sich Alexander II. im Mai zurück, als die englischen Barone sich für eine militärische Konfrontation mit Johann Ohneland rüsteten. Er musste zunächst die Rebellion von Donald Ban Macwilliam in Nordschottland niederschlagen und hoffte vermutlich, allein durch die Drohung, die Adelsopposition zu unterstützen, Johann Ohneland zu Zugeständnissen in der Frage der nordenglischen Grafschaften zwingen zu können.Richard Oram: Alexander II. King of Scots, 1214–1249. Birlinn, Edinburgh 2012, ISBN 978-1-904607-92-2, S. 30.

Die Belange von Alexander II. bei den Verhandlungen zur Magna Carta Im Juni kam es in England zu Verhandlungen, die zur Anerkennung der Magna Carta durch den englischen König führten. Bei den Verhandlungen in Runnymede war Saer de Quincy der führende Unterhändler der Barone gewesen, während der anglo-schottische Magnat Alan, Lord of Galloway als wichtiger Berater von Johann Ohneland diente. Auch wenn der schottische König selbst nicht an den Verhandlungen über die Magna Carta beteiligt war, waren somit einflussreiche Unterstützer von ihm in Runnymede dabei. Deshalb hoffte der schottische König wahrscheinlich, dass der Konflikt mit dem englischen König noch friedlich beigelegt werden könne.Keith J. Stringer: Kingship, Conflict and State–Making in the Reign of Alexander II. The War of 1215–17 and its Context. In: Richard D. Oram: The Reign of Alexander II, 1214–49. Leiden, Brill 2005, ISBN 90-04-14206-1, S. 112. Im Artikel 59 der Magna Carta musste der englische König zusagen, die berechtigten Interessen des schottischen Königs zu berücksichtigen. Die schottischen Geiseln sollten freikommen und die 1209 und 1212 gemachten Vereinbarungen über die Verheiratung der Schwestern von Alexander II. sollten eingehalten werden.Keith J. Stringer: Kingship, Conflict and State–Making in the Reign of Alexander II. The War of 1215–17 and its Context. In: Richard D. Oram: The Reign of Alexander II, 1214–49. Leiden, Brill 2005, ISBN 90-04-14206-1, S. 113. Der schottische König erwartete nun die Umsetzung dieser Zusagen und sandte Anfang Juli eine Gesandtschaft zu weiteren Verhandlungen nach Oxford, der Bischof Malveisin, Enguerrand de Balliol, Walter of Lindsey, John of Maxwell, Philip de Mowbray und Robert de St Germain angehörten. Zu dieser Zeit hatte Johann Ohneland aber bereits Vertreter zum Papst gesandt, um die Magna Carta für ungültig erklären zu lassen. Deshalb hatte er kein Interesse mehr an ernsthaften Verhandlungen mit den Schotten, so dass die Verhandlungen nach kurzer Zeit Mitte Juli ergebnislos abgebrochen wurden.Richard Oram: Alexander II. King of Scots, 1214–1249. Birlinn, Edinburgh 2012, ISBN 978-1-904607-92-2, S. 31.

Vorbereitungen zum Krieg mit England Der schottische König war nach dem Scheitern der Verhandlungen bereit, auf der Seite der Adelsopposition Krieg gegen den englischen König zu führen. Dabei wollte er aber vor allem seine eigenen Interessen in Nordengland durchsetzen. Der König war sich mit Sicherheit bewusst, dass er in dem Konflikt nicht auf die Unterstützung von Papst Innozenz III. bauen konnte, der sich voll hinter seinen Vasallen Johann Ohneland stellte. Am 5. September exkommunizierte der Papst führende Vertreter der Barone wie Eustace de Vesci und Saer de Quincy. In dem der schottische König die Rebellen weiter unterstützte, riskierte er nicht nur die Verhängung von Kirchenstrafen, sondern auch, dass der Papst die Unabhängigkeit der schottischen Kirche gegenüber der englischen Kirche in Frage stellte.Keith J. Stringer: Kingship, Conflict and State–Making in the Reign of Alexander II. The War of 1215–17 and its Context. In: Richard D. Oram: The Reign of Alexander II, 1214–49. Leiden, Brill 2005, ISBN 90-04-14206-1, S. 114. Andererseits wurden die Forderungen des schottischen Königs nicht nur in Schottland, sondern selbst in England als gerecht angesehen. Da sich die Herrschaft des verhassten Johann Ohneland am Rand des Zusammenbruchs befand, schien die Gelegenheit günstig, dass der schottische König durch den Krieg die Politik seines Vaters vollenden konnte.Keith J. Stringer: Kingship, Conflict and State–Making in the Reign of Alexander II. The War of 1215–17 and its Context. In: Richard D. Oram: The Reign of Alexander II, 1214–49. Leiden, Brill 2005, ISBN 90-04-14206-1, S. 102. Für Herbst 1215 berief der schottische König sein Heer ein, um einen Feldzug nach England zu führen. Angesichts der Erfahrung der bitteren Niederlage im Krieg von 1173 bis 1174 drängten seine Magnaten dazu, den Krieg wesentlich besser vorzubereiten. Der schottische König konnte aber weiterhin auf die breite Unterstützung durch seine Magnaten hoffen. Auch Alan und Thomas of Galloway, die im Juni noch Johann Ohneland unterstützt hatten, stellten sich Anfang September 1215 deutlich auf die Seite des schottischen Königs.Richard Oram: Alexander II. King of Scots, 1214–1249. Birlinn, Edinburgh 2012, ISBN 978-1-904607-92-2, S. 32. Durch die Unterstützung durch die Gegner von Johann Ohneland unter den nordenglischen Baronen standen den Schotten wichtige Burgen wie Alnwick, Prudhoe und Wark-on-Tweed offen. In Nordwestengland waren Carlisle Castle und ganz Cumberland unter der Kontrolle des Rebellen Robert de Ros, der dort als Sheriff diente. Allerdings waren Norham, Bamburgh, Newcastle und Durham Castle weiterhin in der Hand von Vertrauten des englischen Königs, und in Westmorland hielt Robert de Vieuxpont Appleby und Brougham Castle für den englischen König. Da es aber auch Anzeichen für Unruhen in den Midlands gegen Johann gab, standen die Aussichten gut, dass die Schotten ohne große Gegenwehr weit nach England vorstoßen konnten.Richard Oram: Alexander II. King of Scots, 1214–1249. Birlinn, Edinburgh 2012, ISBN 978-1-904607-92-2, S. 33.

Das schottische Heer Das Heer, das Alexander II. im Herbst 1215 aufgeboten hatte, bestand nur aus wenigen Rittern, sondern vor allem aus mit Lanzen und Bögen bewaffneten Fußsoldaten. Die Schotten bevorzugten traditionell eine bewegliche Kriegsführung und waren bereit, sich zur Schlacht zu stellen. Vor allem waren die Fußsoldaten aber auf Plünderung aus. Gegen befestigte Burgen und Städte konnten die schottischen Heere allerdings meist nur wenig ausrichten.Keith J. Stringer: Kingship, Conflict and State–Making in the Reign of Alexander II. The War of 1215–17 and its Context. In: Richard D. Oram: The Reign of Alexander II, 1214–49. Leiden, Brill 2005, ISBN 90-04-14206-1, S. 122. Den Krieg gegen England wollte Alexander II. als ritterlichen Krieg nach westeuropäischem Vorbild führen. Um seine Kriegsziele zu erreichen, reichten aber die begrenzten schottischen Kräfte nicht aus.Keith J. Stringer: Kingship, Conflict and State–Making in the Reign of Alexander II. The War of 1215–17 and its Context. In: Richard D. Oram: The Reign of Alexander II, 1214–49. Leiden, Brill 2005, ISBN 90-04-14206-1, S. 126. Die Schotten scheiterten dabei nicht nur bei der Eroberung von Burgen, sondern auch bei deren Verteidigung. Als König Johann Anfang 1216 nach Norden vorstieß, waren die Besatzungen der Burgen offenbar so schwach, dass sich Carlisle rasch ohne Gegenwehr ergab, während die Befestigungen und die Besatzung von Berwick nicht ausreichte, um den Angriff des zahlenmäßig vermutlich kleinen englischen Heeres abzuwehren.Keith J. Stringer: Kingship, Conflict and State–Making in the Reign of Alexander II. The War of 1215–17 and its Context. In: Richard D. Oram: The Reign of Alexander II, 1214–49. Leiden, Brill 2005, ISBN 90-04-14206-1, S. 127. mini|Die Ruine des Keeps von Norham Castle, das 1216 einer vierzigtägigen Belagerung durch die Schotten widerstand

Verlauf des Krieges Schottischer Feldzug nach Nordengland 1215