mini|Batzaria um 1908 Nicolae Constantin Batzaria, (); (* 20. November 1874 in Kruševo (), Osmanisches Reich; † 28. Januar 1952 in Bukarest; , Familienname auch Besaria, Bațaria oder Bazaria geschrieben; noms de plume: Moș Nae, Moș Ene and Ali Baba), war ein Kulturaktivist seiner Volksgruppe, osmanischer Politiker und rumänischer Schriftsteller. Er gehörte der Volksgruppe der Aromunen an, einer romanisch-sprachigen Volksgruppe auf dem Balkan, die eine dem Rumänischen nah verwandte Sprache verwendeten und in ihren zerplitterten Siedlungsgebieten regional auch unter den Namen Makedo-Rumänen, Kutzo-Vlachen, Valaken, Vlachen und Zinzaren bekannt waren. Er wurde Schullehrer und später Inspektor des aromunischen Bildungswesens im Osmanischen Reich und gewann bis zum Jahr 1908 Anerkennung als Journalist. In seinem vierten Lebensjahrzehnt schloss er sich der als Jungtürken bekannten revolutionären Bewegung an und diente als deren Verbindungsmann zu den aromunischen Parteien. Die siegreiche Jungtürkische Revolution brachte Batzaria in die erste Reihe der osmanischen Politik, und ihm einen Sitz im osmanischen Senat ein; kurzfristig diente er als Minister für öffentliche Arbeiten unter dem Jungtürkischen Triumvirat. Er war mit verschiedenen diplomatischen Missionen beauftragt, einschließlich der Beobachtung der Londoner Botschafterkonferenz von 1913, verließ aber bald, alarmiert durch die Allianzen des Triumvirats für den Ersten Weltkrieg und den Nationalismus der Jungtürken die politische Szene im Osmanischen Reich und begab sich in ein freiwilliges Exil.
Schließlich ließ sich Batzaria in Rumänien nieder and wirkte produktiv mit dem Verfassen gehobener Trivialliteratur und Büchern für Kinder an der Rumänischen Literaturszene mit. Zusammen mit dem Comic-Strip-Zeichner Marin Iorda schuf er Haplea („Tölpel“), eine der populärsten Figuren der frühen rumänischen Comics. Batzaria sammelte auch Märchen aus verschiedenen folkloristischen Überlieferungen und erzählte sie nach, während er eigene Romane für Erwachsene und Memoiren über sein Leben in Mazedonien verfasste. Als Mitglied des rumänischen Senats für eine Periode, war er aktiv Mitarbeiter von Rumäniens führenden linksgerichteten Zeitschriften, Adevărul und Dimineața, und als Gründer der Beilage für Kinder der letzteren Zeitschrift, bevor er zur rechtsgerichteten Universul wechselte. Schließlich wurde Batzaria vom kommunistischen Regime verfolgt und eingekerkert, and verbrachte seine letzten Lebensjahre in Gefangenschaft; die Quellen hierzu sind nicht ganz eindeutig.
Biographie
Frühes Leben Batzaria stammte aus Kruševo (), einem Dorf im osmanischen Vilâyet Manastır, das jetzt zu Nordmazedonien gehört. Seine aromunische Familie hatte zahlreiche Zweige außerhalb der Region: ausgewanderte Familienmitglieder hatten sich im Königreich Rumänien, in Anatolien und im Khedivat Ägypten niedergelassen.Gheorghe Zbuchea: O istorie a românilor din Peninsula Balcanică, Editura Biblioteca Bucureștilor, Bukarest, 1999, ISBN 973-98918-8-8 Onlineversion (rumänisch), S. 79 Nicolae wuchs in Kruševo auf, wo er von dem berühmten aromunischen Lehrer Sterie Cosmescu ausgebildet wurde. Später besuchte er das rumänische Lyzeum in Bitola, eine höhere Schule gymnasialen Typs, die vom Königreich Rumänien unterstützt wurde, und später die Fakultäten für Literatur und Recht der Universität Bukarest.Kemal Haşim Karpat: The Memoirs of N. Batzaria: The Young Turks and Nationalism. In: International Journal of Middle East Studies.6, Nr. 3 1975, S. 276–299, 282Gheorghe Zbuchea: O istorie a românilor din Peninsula Balcanică, Editura Biblioteca Bucureștilor, Bukarest, 1999, ISBN 973-98918-8-8 Onlineversion (rumänisch), S. 62–63, 79Nicolae Batzaria: Profesorul N. Iorga. Impresii și amintiri, in Familia, Nr. 11–12/1942, S. 37–42 (rumänisch), S. 37–39, biographical note in Cronologia della letteratura rumena moderna (1780–1914) Datenbank, an der Universität Florenz, Fakultät für neulateinische Sprachen und Literaturen; abgerufen am 19. August 2009 (rumänisch) Der junge Mann wurde ein eifriger Schüler des Theoretikers des Rumänischen Nationalismus Nicolae Iorga, der seine Vorlesungen in Geschichte während Batzarias erstem Jahr dort begann.Nicolae Batzaria: Profesorul N. Iorga. Impresii și amintiri, in Familia, Nr. 11–12/1942, S. 37–42 (rumänisch), S. 37–38. Er teilte vor allem Iorgas Überzeugung, die sich im Lauf der Zeit verfestigte, dass die Aromunen nicht eine isolierte Ethnie auf der Balkanhalbinsel seien, sondern Teil der größeren rumänischen Volksgemeinschaft. Wie er selbst es ausdrückte, war "das rumänische Volk ein einheitlicher und unteilbarer Körper, ungeachtet, wo historische Umstände es hin verschlagen haben", und die "mazedonischen Rumänen" bildeten "den abgelegensten Zweig des rumänischen Stammes".Nicolae Batzaria: Profesorul N. Iorga. Impresii și amintiri, in Familia, Nr. 11–12/1942, S. 37–42 (rumänisch), S. 41
Da es ihm an Geld für sein Studium fehlte, hat Batzaria nie einen akademischen Abschluss gemacht. Stattdessen gewann er Anerkennung als Journalist, Pädagoge und Analyst. Als Mehrsprachler sprach er Türkisch, Griechisch, Bulgarisch, Serbisch und Französisch, zusätzlich zu seiner aromunischen Muttersprache und der damit verwandten Rumänischen Sprache.Kemal Haşim Karpat: The Memoirs of N. Batzaria: The Young Turks and Nationalism, in Studies on Ottoman Social and Political History, Brill, Leiden, Boston und Köln, 2002, S. 556–585, ISBN 90-04-12101-3, S. 563 Der Literaturkritiker and Memoirenschreiber Barbu Cioculescu, der sich als Kind mit Batzaria angefreundet hatte, erinnerte daran, dass der aromunische Journalist „alle Balkansprachen gesprochen habe“, dazu ein „perfektes Rumänisch“ mit „feinem“ Akzent.Barbu Cioculescu, Soarele Cotrocenilor, in Litere, Nr. 2/2011, S. 11 (rumänisch)
In Rumänien begann Batzaria auch seine Zusammenarbeit mit rumänischen Zeitschriften: Adevărul, Dimineața, Flacăra, Arhiva, Ovidiu und Gândul Nostru.Gheorghe Zbuchea: O istorie a românilor din Peninsula Balcanică, Editura Biblioteca Bucureștilor, Bukarest, 1999, ISBN 973-98918-8-8 Onlineversion (rumänisch), S. 82 Gleichzeitig arbeitete er auch für die Zeitschriften der aromunischen Diaspora. Diese Publikationen stellten die Aromunen als eine Untergruppe der rumänischen Nation dar.Gheorghe Zbuchea: O istorie a românilor din Peninsula Balcanică, Editura Biblioteca Bucureștilor, Bukarest, 1999, ISBN 973-98918-8-8 Onlineversion (rumänisch), S. 81–82 Darunter waren Peninsula Balcanică („Die Balkanhalbinsel“, das selbsternannte „Organ für die rumänischen Interessen im Orient“), Macedonia und Frățilia („Bruderschaft“). Das letztere, herausgegeben in Bitola und Bukarest, und dann von der mazedonischen Metropolitie von Thessaloniki, hatte Nicolae Papahagi und Nushi Tulliu in ihrer Redaktion., in Daina, Nr. 4–5/2006, S. 4–8 (rumänisch), S. 6 Batzaria machte sein Debüt als Herausgeber mit einem Band von Anekdoten, Părăvulii (gedruckt in Bukarest 1901).
Batzaria kehrte als Schullehrer nach Mazedonien zurück und unterrichtete Kinder an der Schule von Ioannina und danach an seiner alten Schule in Bitola.Gheorghe Zbuchea: O istorie a românilor din Peninsula Balcanică, Editura Biblioteca Bucureștilor, Bukarest, 1999, ISBN 973-98918-8-8 Onlineversion (rumänisch), S. 79–80 1899 überzeugten er und seine Kollegen den rumänischen Kultusminister Take Ionescu dazu, etwa 724,000 Lei als Hilfe für die mazedonischen Schulen zur Verfügung zu stellen und protestierte heftig, als spätere Regierungen diese jährliche Zahlung halbierten.Gheorghe Zbuchea: O istorie a românilor din Peninsula Balcanică, Editura Biblioteca Bucureștilor, Bukarest, 1999, ISBN 973-98918-8-8 Onlineversion (rumänisch), S. 80 Später wurde er Chefinspektor der rumänischen Erziehungseinrichtungen in den Provinzen Kosovo und Salonika.M. Şükrü Hanioğlu: Preparation for a Revolution: the Young Turks, 1902–1908, Oxford University Press, New York City, 2000, ISBN 0-19-513463-X, S. 259Kemal Haşim Karpat: The Memoirs of N. Batzaria: The Young Turks and Nationalism, in Studies on Ottoman Social and Political History, Brill, Leiden, Boston und Köln, 2002, S. 556–585, ISBN 90-04-12101-3, S. 563Gheorghe Zbuchea: O istorie a românilor din Peninsula Balcanică, Editura Biblioteca Bucureștilor, Bukarest, 1999, ISBN 973-98918-8-8 Onlineversion (rumänisch), S. 79, 82 Der Historiker Gheorghe Zbuchea, der der die Selbstidentifikation der Aromunen als eine rumänische Untergruppe untersuchte, sah in Batzaria „den bedeutendsten Repräsentanten der nationalen rumänischen Bewegung“ unter der osmanischen Bevölkerung des frühen 20. Jahrhunderts,Gheorghe Zbuchea, Varieties of Nationalism and National Ideas in Nineteenth- and Twentieth-Century Southeastern Europe, in Răzvan Theodorescu, Leland Conley Barrows (eds.), Studies on Science and Culture. Politics and Culture in Southeastern Europe, UNESCO-CEPES, Bucharest, 2001, S. 247. und „zweifellos eine der komplexesten Persönlichkeiten, die die Geschichte des Rumänentums südlich der Donau veranschaulichten“. Batzarias Auftauchen in den kulturellen Debatten in Mazedonien ereignete sich an einem Wendepunkt der rumänischen Außenpolitik: Rumänien überprüfte seinen Standpunkt in der mazedonischen Frage und ließ durch seine politischen Repräsentanten erklären, keine Absichten zu hegen, aromunisches Land zu annektieren.Gheorghe Zbuchea: O istorie a românilor din Peninsula Balcanică, Editura Biblioteca Bucureștilor, Bukarest, 1999, ISBN 973-98918-8-8 Onlineversion (rumänisch), S. 63–65
mini|350px|Karte mit der Verbreitung der von Rumänien unterstützten Schulen auf der Balkanhalbinsel im Jahre 1899. Regionen mit 20 oder mehr solcher Einrichtungen sind in grün eingefärbt und konzentriert um das Vilâyet Manastır Nicolae Batzaria wurde Korrespondent für Mazedonien der Neamul Românesc, erst einer Broschüre, später eines Magazins, das in Rumänien von seinem Mentor Nicolae Iorga publiziert wurde. In dieser Situation gründete Batzaria mit Tulliu, Nicolae Papahagi and Pericle Papahagi die Vereinigung der Erzieher in Service (heute: Servia) für das rumänische Volk in der Türkei (die Aromunen), eine Gewerkschaft mit Sitz in Bitola. Bei einer Reise nach Rumänien verursachte ihre Forderung nach mehr Unterstützung lebhafte Debatten unter rumänischen Politikern, aber der Kultusminister Spiru Haret gründete schließlich einen Sonderfonds für Mazedonien im Wert von 600.000 Lei (später erhöht auf über 1 Million Lei).Gheorghe Zbuchea: O istorie a românilor din Peninsula Balcanică, Editura Biblioteca Bucureștilor, Bukarest, 1999, ISBN 973-98918-8-8 Onlineversion (rumänisch), S. 80–81 Die Gruppe erhielt auch eine Privataudienz mit König Carol I., der Sympathie für die aromunische Sache zeigte und zustimmte, Batzaria bei verschiedenen anderen Gelegenheiten zu empfangen. So als Person von Bedeutung unter den aromunischen Abgesandten wahrgenommen, begann Batzaria seine Zusammenarbeit mit dem Magazin Sămănătorul, das zu dieser Zeit von Iorga herausgegeben wurde.Gheorghe Zbuchea: O istorie a românilor din Peninsula Balcanică, Editura Biblioteca Bucureștilor, Bukarest, 1999, ISBN 973-98918-8-8 Onlineversion (rumänisch), S. 80, 81Nicolae Batzaria: Profesorul N. Iorga. Impresii și amintiri, in Familia, Nr. 11–12/1942, S. 37–42 (rumänisch), S. 41
Lumina, Deșteptarea und Anschluss an die Jungtürken