Das FFH-Gebiet Gebiet der Oberen Eider incl. Seen ist ein NATURA 2000-Schutzgebiet in Schleswig-Holstein im Kreis Plön mit den Gemeinden Warnau, Kirchbarkau, Bothkamp, im Kreis Rendsburg-Eckernförde in den Gemeinden Bissee, Groß Buchwald, Brügge, Wattenbek, Reesdorf, Schmalstede, Techelsdorf, Grevenkrug, Böhnhusen, Blumenthal, Flintbek, Rumohr, Molfsee, Mielkendorf, Achterwehr, Rodenbek, Westensee, Schierensee, Felde und Krummwisch sowie die kreisfreie Stadt Kiel. Es liegt in der kontinentalen biogeografischen Region und in der Naturräumlichen Haupteinheit Schleswig-Holsteinisches Hügelland, in der schutzwürdigen Landschaft Eider-Moränengebiet. Das FFH-Gebiet ist ebenfalls Teil der Landschaft Westensee und Oberes Eidertal, die vom Bundesamt für Naturschutz (BfN) zu den bedeutsamen Landschaften in Deutschland gezählt wird.

Es hat eine Fläche von 2502 ha. Die größte Ausdehnung liegt in Nordwestrichtung und beträgt 23,2 km. Der höchste Punkt im FFH-Gebiet liegt mit 52,1 m über NN in einem bewaldeten Endmoränengebiet, dem Grevenkruger Rücken östlich der L 318. Der niedrigste Bereich mit 7 m über NN liegt am Nordrand des FFH-Gebietes.

Beschreibung Das FFH-Gebiet umfasst ein durch den Lauf der Eider zusammenhängendes Gebiet vom Quellgebiet der Eider im Süden bis zum Beginn des Achterwehrer Schifffahrtskanals in Achterwehr im Norden, lediglich durch die Zufahrt zum Gut Bothkamp und den Mühlenteich in Steinfurth für wenige Meter unterbrochen.

Zum FFH-Gebiet gehört ein 30,4 ha großes Areal 2,5 km nordwestlich des Nordendes des Hauptgebietes in der Gemeinde Krummwisch. Es ist ein mit Mischwald bestandenes hügeliges Endmoränengebiet mit einer höchsten Erhebung von 38,7 m über NN im Norden und einem tiefsten Bereich von 16 m über NN an seiner Südspitze. Es beinhaltet einen Ölbunker der Wehrmacht bei Jägerslust. Dessen unterirdische Gänge sind der Lebensräum mehrerer Fledermausarten.

Das FFH-Gebiet beginnt im Süden in einem Niederungsgebiet des Fließgewässers Vorfluter Warnau 700 m westlich der Wohnbebauung der Gemeinde Warnau und östlich des Fließgewässers Dosenbek im Bereich des Wasser- und Bodenverbandes Bothkamper See. Die Warnau mündet in die Dosenbek kurz vor deren Mündung in den Hochfelder See. Die Doesenbek durchfließt den Hochfelder See und mündet nach 1,2 km in den Bothkamper See. Zum FFH-Gebiet gehören neben dem Hochfelder See und dem Bothkamper See noch der benachbarte Lütjensee, dessen Ausfluss ebenfalls kurz vor dem Bothkamper See in die Dosenbek mündet. Am Südende des Bothkamper Sees befindet sich östlich der Ortschaft Bissee dessen Ablauf, der ab hier Eider genannt wird.

Von hier ab bildet die Eider mit ihren Uferauen auf 8,5 km das FFH-Gebiet bis zur Gemeinde Reesdorf bei Bordesholm. Nach der Unterquerung der Eisenbahnstrecke Neumünster–Kiel durch die Eider verbreitert sich das FFH-Gebiet entlang des Laufes der Eider Richtung Norden zwischen der Bahnlinie im Osten und der Landesstraße L 318 im Westen bis auf 1,3 km kurz vor der Ortschaft Großflintbek. Hinter Molfsee und Kleinflintbek weitet sich das Eidertal wieder auf bis zu 900 m auf der Höhe des westlich gelegenen Freilichtmuseums Molfsee. Hier gehören auch die mehrheitlich bewaldeten Steilhänge der Endmoränen westlich der Eisenbahnlinie Neumünster–Kiel zum FFH-Gebiet. Kurz vor der Unterquerung der L 318 durch die Eider mündet das Fließgewässer Würbek in die Eider. Nach weiteren 850 m mündet die Eider in den Schulensee. Im Nordwesten des Sees verlässt die Eider den Schulensee Richtung Westen und durchquert das Wohngebiet des Ortes Schulensee.

Kurz vor der Bundesautobahn A 215 weitet sich das FFH-Gebiet nach Norden in eine 29 ha große von Nord nach Süd abfallende Grünlandfläche. Es ist die Spitze einer Endmoräne. Westlich der Autobahn passiert die Eider den Nordrand der Wohnbebauung des Ortes Mielkendorf. Danach ist der Fluss bis zum Wehr der Steinfurther Mühle auf 15 m Breite aufgestaut.

Hinter dem Stauwehr verzweigt sich das FFH-Gebiet zum einen beidseitig der Hansdorfer Au nach Nordosten bis zum Hansdorfer See und seiner Umgebung, zum anderen mit der Eider nach Südwesten in den Westensee. Zum FFH-Gebiet gehört neben dem Westensee mit seiner Umgebung auch der nördlich des Westensees gelegene Ahrensee und der mit dem Westensee durch einen Durchstich verbundene westlich gelegene Bossee. Die Eider verlässt den Westensee nach Norden. Nach 2 km endet das FFH-Gebiet an der Brücke der L 48 über die Eider in Achterwehr.

Knapp ein Drittel der Fläche des FFH-Gebietes besteht aus stehenden und fließenden Gewässern, ein weiteres knappes Drittel besteht aus Mooren, Sümpfen und feuchtem Uferbewuchs der Gewässer. Das letzte Drittel teilt sich in Nadelwald, Laubwald und Grünland sowie sonstige Ackerflächen, siehe Diagramm 1.

FFH-Gebietsgeschichte und Naturschutzumgebung mini|Hochfelder See im Quellgebiet der Eider mini|Eider durchquert den Schulensee mini|Eider unterquert den Steinfurter Mühlenweg mini|Eider durchfließt den Westensse mini|Eider vor Achterwehr mini|Bahn überquert die Eider vor Achterwehr mini|Eider verlässt das FFH-Gebiet bei Achterwehr Der NATURA 2000-Standard-Datenbogen (SDB) für dieses FFH-Gebiet wurde im Februar 2006 vom Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (LLUR) des Landes Schleswig-Holstein erstellt, im September 2004 als Gebiet von gemeinschaftlicher Bedeutung (GGB) vorgeschlagen, im November 2011 von der EU als GGB bestätigt und im Januar 2010 national nach § 32 Absatz 2 bis 4 BNatSchG in Verbindung mit § 23 LNatSchG als besonderes Erhaltungsgebiet (BEG) ausgewiesen. Der SDB wurde zuletzt im Mai 2019 aktualisiert. Wegen der Gebietsgröße und der hohen Anzahl von beteiligten Eigentümern und Gemeinden wurden mehrere teilgebietsbezogene Managementpläne erstellt:

Teilgebiet Eidertal, erstellt am 22. Dezember 2017 Teilgebiet Bissee bis Reesdorf, erstellt am 1. Februar 2019 Teilgebiet Bothkamper See, erstellt am 8. Februar 2018 Teilgebiet Flächen der SHLF, erstellt am 1. Oktober 2013

Managementplan Teilgebiet Eidertal Der Managementplan Teilgebiet Eidertal behandelt den Flussverlauf der oberen Eider von deren Ausgang am Bothkamper See im Süden bis zum nördlichen Ende des FFH-Gebietes in Achterwehr. Zu diesem Gesamtmanagementplan des Flussverlaufes der oberen Eider sollen noch weitere Teilmanagementpläne erstellt werden. Mit Stand Januar 2022 war nur der Teilmanagementplan Teilgebiet Bissee bis Reesdorf veröffentlicht worden. Die Teilmanagementpläne Reesdorf bis Flintbek, Flintbek bis Steinfurther Mühle und Steinfurther Mühle bis Achterwehr stehen noch aus.

Innerhalb des FFH-Gebietes befinden sich die Schwerpunktbereiche Nr. 413, 414, 415 und 425 des landesweiten Biotopverbundsystems.

Managementplan Teilgebiet Bissee bis Reesdorf Der Managementplan Teilgebiet Bissee bis Reesdorf behandelt ausschließlich den auch schon im Managementplan Eidertal behandelten Bereich des Eiderverlaufs zwischen dem Bothkamper See bei Bissee und der Unterquerung der Eisenbahnlinie Neumünster–Kiel bei Reesdorf. Dieser Teil des FFH-Gebietes besteht nur aus dem Flussverlauf der Eider mit einem beidseitigen Uferstreifen. Die größte FFH-Gebietsbreite beträgt in diesem Abschnitt 200 m.

Managementplan Teilgebiet Bothkamper See Der Managementplan Teilgebiet Bothkamper See umfasst die Flächen Bothkamper See, Hochfelder See, Lütjensee und deren Umgebung.

Managementplan Flächen der SHLF Dies ist der älteste Managementplan in diesem FFH-Gebiet. Er behandelt ausschließlich die beiden Waldgebiete zwischen Blumenthal und Techelsdorf.

Gebietsbetreuung Mit der Betreuung des FFH-Gebietes Gebiet der Oberen Eider incl. Seen hat das Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume des Landes Schleswig-Holstein (LLUR) gem. § 20 LNatSchG den Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland, Landesverband Schleswig-Holstein e.V. beauftragt. Dies gilt allerdings nur für den Teilbereich westlicher Westensee und Hansdorfer See.

Naturschutzumgebung Durch die Weitläufigkeit des FFH-Gebietes überschneidet es sich mit mehreren Natur-, Vogel- und Landschaftsschutzgebieten.

In den 1990er Jahren wurde vom Umweltamt Kiel ein Naturschutzprojekt namens „Weidelandschaft Eidertal“ entworfen, das unter anderem aus EU-Mitteln gefördert und durch die Christian-Albrechts-Universität (CAU) zu Kiel wissenschaftlich begleitet wurde. Gegenstand war die Entwicklung des Eidertals zwischen Reesdorf und Flintbek zu einer Modellregion für angewandten Naturschutz. Projektträger war der Wasser- und Bodenverband Obere Eider, der 235 ha Weideland an der Eider aufkaufte oder pachtete und dort Galloway-, Heckrinder, Koniks zur extensiven Beweidung einsetzte.

Naturschutzgebiete (NSG) Das Südende des FFH-Gebietes beinhaltet vollständig das am 13. Dezember 1990 gegründete Naturschutzgebiet Lütjensee und Hochfelder See südöstlich Gut Bothkamp. Mit der Betreuung dieses Naturschutzgebietes hat das Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume des Landes Schleswig-Holstein (LLUR) gem. § 20 LNatSchG den Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland, Landesverband Schleswig-Holstein e.V. betraut. Bei Schulensee und im Stadtgebiet von Kiel liegt das am 31. Juli 1986 gegründete Naturschutzgebiet Schulensee und Umgebung vollständig im FFH-Gebiet. Ebenfalls vollständig im FFH-Gebiet liegt am Nordende das am 22. Dezember 1982 gegründete Naturschutzgebiet Ahrensee und nordöstlicher Westensee. Mit der Betreuung dieses Naturschutzgebietes hat das Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume des Landes Schleswig-Holstein (LLUR) gem. § 20 LNatSchG den Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland, Landesverband Schleswig-Holstein e.V. beauftragt.

Vogelschutzgebiete Das Naturschutzgebiet Ahrensee und nordöstlicher Westensee ist flächenmäßig identisch mit dem Europäischen Vogelschutzgebiet DE-1725-401 „NSG Ahrensee und nordöstlicher Westensee“ und liegt vollständig im FFH-Gebiet.

Landschaftsschutzgebiete (LSG) Der südliche Teil des FFH-Gebietes bis zur ersten Unterquerung der L 49 durch die Eider in Brüggen liegt vollständig im am 20. Dezember 1996 geschaffenem Landschaftsschutzgebiet Tal der Drögen Eider und Eidertal. Etwa 2,1 km flussabwärts beginnt das am 14. März 2006 gegründete Landschaftsschutzgebiet Landschaft der Oberen Eider. Dieses endet an der Kreisstraße K 32 kurz vor der Steinfelder Mühle. Dort beginnt das am 17. März 2004 gegründete Landschaftsschutzgebiet Westenseelandschaft. In beiden Landschaftsschutzgebieten liegt der restliche Teil des FFH-Gebietes Gebiet der Oberen Eider incl. Seen. Lediglich die Exklave des Ölbunkers bei Jägerslust liegt in keinem LSG.

Naturparks Der nördliche Teil des FFH-Gebietes östlich der Bundesautobahn A 215 bis kurz vor Achterwehr ist Teil des Naturparks Westensee.

Geotope Im Eidertal zwischen Reesdorf und Großflintbek befinden sich mehrere gesetzlich geschützte Geotope:

Tu 010 Eidertal (Eiszeitliches Gletschertunneltal) Mr 009 Kesselmoor Eidertal Mr 010 Verlandungsniedermoor Eidertal

Archäologische Bodendenkmäler Das FFH-Gebiet enthält einige archäologische Bodendenkmäler: Bodendenkmal-NummerBezeichnungLageaKD-ALSH-003139Großsteingrab (Langbett/Langhügel)aKD-ALSH-003140Großsteingrab (Rundhügel)aKD-ALSH-003141GrabhügelaKD-ALSH-003093AbschnittsburgaKD-ALSH-002922Turmhügelburg (Motte)

Öffentlichkeitsarbeit mini|BIS-Infotafel im FFH-Gebiet Gebiet der Oberen Eider incl. Seen