Die Vereinigung der Armenischen Evangelischen Kirchen im Nahen Osten (Union of the Armenian Evangelical Churches in the Near East, UACNE; armenisch Մերձաւոր Արեւելքի Հայ Աւետարանական Եկեղեցիներու Միութիւն, ՄԱՀԱԵՄ) ist eine evangelisch-reformierte Kirchenunion armenischer Sprache. Ihr Sitz ist in Beirut.
Geschichte mini|Ruine der armenisch-evangelischen Kirche in Elâziğ (Türkei) Die Armenisch Evangelische Kirche ging aus einer Reformbewegung innerhalb der Armenischen Apostolischen Kirche hervor. Bertold Spuler vermutet, dass ihre Wurzeln in der heterodoxen frühmittelalterlichen Gruppe der Thondrakier liegen, die im Untergrund überlebt hatte und im 19. Jahrhundert wieder in der Öffentlichkeit in Erscheinung trat. Die Angehörigen dieser Gruppe wandten sich infolge der Tätigkeit protestantischer Missionare dem Reformiertentum zu. 1850 wurde die Armenische Evangelische Kirche von den osmanischen Behörden als eigene religiöse Organisation im Rahmen des Millet-Systems anerkannt.Bertolde Spuler: Armenien II. Neuzeit, 1979, S. 62. Die gemeinsame Erfahrung der Pogrome von 1895/96 führte zu einer Annäherung zwischen evangelischen Armeniern und Angehörigen der Armenischen Apostolischen Kirche. Vor dem Ersten Weltkrieg gehörten 50.000 bis 60.000 Christen im ganzen Osmanischen Reich dieser Kirche an.Spuler (TRE) schätzt ihre Zahl auf 50.000, dagegen geben Selbstdarstellungen der Kirche, die in die Beschreibung auf reformiert.online und auf der Seite des Ökumenischen Rats der Kirchen eingegangen sind, die Zahl übereinstimmend mit 60.000 an. Der Völkermord an den Armeniern traf auch die Armenische Evangelische Kirche schwer. Rund 30.000 armenisch-evangelische Flüchtlinge erreichten Griechenland und Syrien, von wo viele in weitere Länder weiterreisten. In den 1920er Jahren reorganisierten sich die verbliebenen Gemeinden in Syrien und im Libanon.
Kirchliches Leben Der UACNE gehören neun Kirchen mit zusammen 25 Gemeinden in folgenden Staaten an: Syrien, Libanon, Türkei, Griechenland, Ägypten, Iran und Australien. Ihre Bekenntnisgrundlagen sind das Apostolische Glaubensbekenntnis, das Bekenntnis von Nicäa und der Heidelberger Katechismus. Die Zahl der Gemeindeglieder wird mit insgesamt 9500 angegeben. Es gibt 19 ordinierte Geistliche (Männer und Frauen). Sowohl Kinder- als auch Erwachsenentaufe werden praktiziert; das Abendmahl wird monatlich gefeiert. Da sie eine Kirche kongregationalistischen Typs ist, haben die einzelnen Gemeinden in der UACNE weitgehende Selbstbestimmung. Sie entsenden Delegierte zu der jährlich tagenden Synode. Diese wählt ein 12-köpfiges Präsidium. Kirchengebäude der UACNE Bild OrtStaat GemeindegründungKirchenbau Beschreibung140x140pxAleppoSyrien1923 Bau der gegenwärtigen Immanuel-Kirche im Stadtteil Azizieh; eine Vorgängerkirche wurde 1852 in der Altstadt von Aleppo errichtet.ImmanuelkircheDer Kirchenbau wurde 2016 durch Kriegseinwirkung beschädigt und 2018 restauriert.140x140pxAleppoSyrien1923Bethel-KircheDie Gemeindeglieder waren größtenteils Deportierte aus Marash in Kilikien.140x140pxAleppoSyrien1922 Christuskirche140x140pxAleppoSyrien1931 Märtyrer-KircheAlexandria Ägypten19. Jahrhundert1949140x140pxAnjarLibanon1941Die Gemeindeglieder stammten vom Musa Dagh.AthenGriechenland1928 Kirchengebäude und Schule im Stadtteil KokkiniaBagdadIrak20042008 wurde der Kirchenbau im Bürgerkrieg teilweise zerstört, aber wieder aufgebaut.BeirutLibanon1931 Bau der Kirche im Stadtteil AshrafiehBeirut Libanon1934 Bau der Kirche Nor Marash im Stadtteil Bourj HammoudBeirutLibanon1959 Fertigstellung der „Ersten Armenisch-Evangelischen Kirche“Die Gemeinde entstand durch Fusion zweier Flüchtlingsgemeinden, die sich in den 1920er Jahren in Vororten Beiruts gegründet hatten.140x140pxIstanbulTürkei18461904 Bau des Kirchengebäudes im Stadtteil PeraEs gibt eine weitere Gemeinde im Stadtteil Gedik Paşa, die 1850 gegründet wurde140x140pxKessabSyrien18531970Es gibt in den Nachbardörfern Ekiz Olouk (Keorkuneh) und Kaladouran weitere Predigtstätten, die zu dieser Gemeinde gehören.SydneyAustralien19661996 Fertigstellung des Kirchenbaus im Stadtteil Willoughby.TeheranIran1876Surp-Hovhannes-Kirche im Stadtteil Mirza ShiraziEs gibt zwei weitere Kirchengebäude in Teheran, die Hokeshounch-Kirche im Stadtteil Majidieh und die Shnorhali-Kirche im Stadtteil Zakesh.
In Anbetracht ihrer relativ geringen Mitgliederzahl ist die UACNE sehr stark im Bildungssektor engagiert. Sie betreibt 23 Schulen, vier Hochschulen und die Haigazian-Universität. Gemeinsam mit dem armenisch-orthodoxen und dem armenisch-katholischen Katholikat betreibt die UACNE zwei Altersheime (Aleppo und Beirut) und ein Sanatorium.
Mitgliedschaften Die UACNE ist Mitglied des Ökumenischen Rats der Kirchen, der Weltgemeinschaft Reformierter Kirchen und des Middle East Council of Churches. Sie steht im Austausch mit den armenischen evangelischen Diasporakirchen weltweit.
Literatur
Weblinks American Missionary Association of America: Union of the Armenian Evangelical Churches in the Near East: History at a Glance reformiert online: Union of the Armenian Evangelical Churches in the Near East (Selbstdarstellung der UACNE) Ökumenischer Rat der Kirchen: Vereinigung der Armenischen Evangelischen Kirchen im Nahen Osten
Anmerkungen
Kategorie:Organisation (Beirut) Kategorie:Evangelische Denomination Kategorie:Christentum im Nahen Osten Kategorie:Kirchliche Organisation (evangelisch) Kategorie:Verbandsgründung 1846 Kategorie:Christliche internationale Organisation Kategorie:Armenisches Christentum Kategorie:Mitgliedskirche des Ökumenischen Rates der Kirchen Kategorie:Reformiertentum Kategorie:Liste (Kirchengebäude nach Konfession)