Hynek Bočan (* 29. April 1938 in Prag, Tschechoslowakei) ist ein tschechischer Filmregisseur und Drehbuchautor.
Leben Hynek Bočan absolvierte 1956 sein Abitur und studierte danach bis 1961 Regie an der Film- und Fernsehfakultät der Akademie der Musischen Künste. Danach arbeitete er in den Filmstudios Barrandov an Filmproduktionen von Regisseuren wie Karel Kachyňa, Ján Valásek, Jindřich Polák, Jan Němec und Jiří Weiss als Regieassistent. Parallel entstanden erste Drehbücher für Kurzfilme.
Nach einigen Kurzfilmen inszenierte Bočan 1965 mit der Verfilmung einer Kurzgeschichte Milan Kunderas seinen ersten Spielfilm Niemand wird lachen, in dem der Filmdienst „stilistische Anklänge von Jacques Tati bis Vittorio de Sica“ und „große filmische Erzählkunst“ erkannte. Der Film brachte Bočan beim Internationalen Filmfestival Mannheim-Heidelberg 1965 den Großen Preis der Stadt Mannheim ein.. In: iffmh.de, abgerufen am 6. Januar 2022. 1966 wurde der Film bei den Internationalen Kurzfilmtagen Oberhausen auch mit dem Preis der Jungen Kritik ausgezeichnet.
Im Anschluss verfilmte Bočan Vladimír Párals Roman Privates Gewitter. Danach entstand der Historienfilm Čest a sláva über einen einfachen Bauern in der Zeit des Dreißigjährigen Krieges, für den Bočan bei den Internationalen Filmfestspielen von Venedig 1969 mit dem Pasinetti-Preis ausgezeichnet wurde.Jitka Mládková: "Kino des Vergessens" – die Normalisierung des tschechoslowakischen Films nach 1968. In: deutsch.radio.cz vom 7. Juli 2012. Sein 1968 und 1969 entstandener Film Pasták wurde von der Zensur verboten und konnte erst 1990 aufgeführt werden.Pasták. In: filmovyprehled.cz, abgerufen am 21. Januar 2023.
Mit diesen zum Teil gesellschaftskritischen Werken galt Bočan als ein Vertreter der Tschechoslowakischen Neuen Welle.BNN vom 19.1.1966. In: afk-filmkreis.de, abgerufen am 9. Januar 2022.Simon Hitchman: Czechoslovak New Wave. In: newwavefilm.com, abgerufen am 9. Januar 2022. Nach dem Prager Frühling wurde er in der Phase der beginnenden Normalisierung wie viele andere junge Filmschaffende des Landes durch wirtschaftlichen Druck auf die neue Linie gebracht. So blieb er zunächst überwiegend auf Fernsehproduktionen festgelegt. Erst ab Mitte der 1970er Jahre konnte er wieder einige Kinofilme inszenieren, darunter das Filmdrama Das dritte Semester, die Familiengeschichte Gesichter hinter Glas oder Mit dem Teufel ist nicht gut spaßen, der zu den beliebtesten tschechischen Märchenfilmen gezählt wird.Ute Dettmar, Claudia Maria Pecher, Ron Schlesinger (Hrsg.): Märchen im Medienwechsel. Zur Geschichte und Gegenwart des Märchenfilms. J.B. Metzler, 2018, ISBN 978-3-476-04593-5, S. 243 ff. Er inszenierte aber weiter vor allem Fernsehproduktionen.
Auch nach der Samtenen Revolution 1989 blieb Bočan vielbeschäftigt und drehte unter anderem Fernsehserien wie Die Tierklinik am Rande der Stadt oder Das Krankenhaus am Rande der Stadt – 20 Jahre später.
Im März 2021 wurde Bočan bei der Verleihung des Filmpreises Český lev (Böhmischer Löwe) für sein künstlerisches Lebenswerk mit einem „Ehrenlöwen“ ausgezeichnet.Markéta Kachlíková: Böhmischer Löwe für den „Charlatan“. In: deutsch.radio.cz vom 7. März 2021.
Filmografie (Auswahl) Regisseur
Drehbuchautor
Weblinks
Hynek Bočan in csfd.cz (tschechisch)
Einzelnachweise
Kategorie:Filmregisseur Kategorie:Drehbuchautor Kategorie:Tscheche Kategorie:Geboren 1938 Kategorie:Mann Kategorie:Tschechoslowake