mini|Chow Hang-tung (2021)
Tonyee Chow Hang-tung (; * 24. Januar 1985 in Hongkong) ist eine chinesische Anwältin und Bürgerrechtlerin. Sie wurde seit 2021 mehrfach zu Haftstrafen verurteilt, unter anderem nachdem sie zum Gedenken an das Tian’anmen-Massaker von 1989 durch das Anzünden von Kerzen aufgerufen hatte. Am 21. August 2026 wurde sie gemeinsam mit Lee Cheuk-yan nach dem 2020 von China eingeführten Hongkonger Nationalen Sicherheitsgesetz wegen Anstiftung zur Untergrabung der Staatsgewalt schuldig gesprochen. Am 11. September 2026 wurde Chow zu sieben Jahren und drei Monaten Haft verurteilt.
Leben und Wirken Chow studierte zunächst Geophysik. Um sich den Menschenrechten zu widmen, setzte sie sich als Juristin für die Verteidigung des autonomen rechtsstaatlichen Systems ihrer Heimatstadt gegenüber der chinesischen Parteidiktatur ein. Sie war ab Dezember 2015 Vizevorsitzende der Hongkonger Allianz zur Unterstützung der patriotischen demokratischen Bewegungen in China – kurz „die Allianz“. Die im Mai 1989 zur Unterstützung der prodemokratischen Studentenbewegung gegründete Organisation veranstaltete über drei Jahrzehnte die jährlichen Kerzenmahnwachen zum Jahrestag des Tian’anmen-Massakers und forderte unter anderem eine Verantwortungsübernahme für die Niederschlagung, die Freilassung von Dissidenten sowie demokratische Reformen. Die Behörden untersagten die Gedenkveranstaltungen erstmals 2020 unter Verweis auf Maßnahmen gegen die COVID-19-Pandemie; danach wurden sie nicht wieder zugelassen. Nachdem die Anführer der Allianz, Lee Cheuk-yan und Albert Ho, nach der Niederschlagung der Demokratiebewegung Hongkongs im Jahr 2020 inhaftiert wurden, übernahm Chow diese Rolle. Am Morgen des 4. Juni 2021 – dem Jahrestag des Massakers – wurde sie schließlich selbst festgenommen. Im September 2021 wurde die Allianz nach Razzien und ersten Verurteilungen bisheriger Führer zur Selbstauflösung genötigt. Es folgten zwei Prozesse gegen Chow: Mit einem zweiten Urteil vom 4. Januar 2022 wurde sie wegen Anstiftung zur Teilnahme an der verbotenen Gedenkveranstaltung von 2021 zu weiteren 15 Monaten Haft verurteilt; zusammen mit dem ersten Urteil ergab sich eine Gesamtstrafe von 22 Monaten. Vor Gericht sagte sie: „Die Botschaft dieses Urteils ist, dass das Anzünden einer Kerze schuldig macht, dass Worte schuldig machen. Der einzige Weg, Redefreiheit zu verteidigen, ist, sich zu äußern. Das wahre Verbrechen ist, Mörder mit Gesetzen zu decken und Opfer im Namen des Staates auszuradieren“. Die Haftstrafe von 15 Monaten wurde im Februar 2024 in letzter Instanz vom Hong Kong Court of Final Appeal bestätigt.
Im Mai 2024 wurde Chow, die zu diesem Zeitpunkt nach wie vor im Gefängnis saß, erneut verhaftet. Gleichzeitig wurden fünf weitere Personen ebenfalls inhaftiert. Chow wurde vorgeworfen, mit der Hilfe der anderen Beschuldigten während ihrer Haft in einer 2023 gegründeten Facebook-Gruppe zu ihrer eigenen Unterstützung aufrührerische Inhalte veröffentlicht zu haben. Die Verhaftungen stellten die erste Anwendung eines im März 2024 in Kraft getretenen weiteren Hongkonger Sicherheitsgesetzes dar.
Chow blieb während des weiteren Nationalen Sicherheitsverfahrens in Haft. In diesem Verfahren waren Chow, Lee Cheuk-yan und Albert Ho wegen Anstiftung zur Untergrabung der Staatsgewalt angeklagt; Ho bekannte sich im Januar 2026 schuldig. Chow vertrat sich vor Gericht selbst und erklärte im Mai 2026, in dem Prozess stehe das Gesetz selbst vor Gericht. Eine zentrale Rolle in dem Verfahren spielte der von der Allianz verwendete Slogan „Beendigung der Einparteidiktatur“, welchen das Gericht als Anstiftung zur Untergrabung der Kommunistischen Partei Chinas wertete. Am 21. August 2026 wurden Chow und Lee schuldig gesprochen, andere dazu angestiftet zu haben, mit rechtswidrigen Mitteln Handlungen zur Untergrabung der Staatsgewalt zu organisieren, zu planen, zu begehen oder daran teilzunehmen. Am 11. September 2026 verurteilte das Gericht Chow zu sieben Jahren und drei Monaten Haft und Lee zu sieben Jahren; Ho erhielt nach seinem Schuldbekenntnis eine fünfjährige Haftstrafe. Gegen die inzwischen aufgelöste Allianz wurde zudem eine Geldstrafe von 1,5 Millionen Hongkong-Dollar verhängt. Das Büro des UN-Hochkommissars für Menschenrechte Volker Türk forderte nach der Strafmaßverkündung die Aufhebung der Urteile.
Auszeichnungen 2023: Gwangju-Menschenrechtspreis 2023: Deutsch-Französischer Preis für Menschenrechte und Rechtsstaatlichkeit
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Einzelnachweise
Kategorie:Rechtsanwalt (Volksrepublik China) Kategorie:Bürgerrechtler Kategorie:Träger des Deutsch-Französischen Preises für Menschenrechte und Rechtsstaatlichkeit Kategorie:Menschenrechtsaktivist (Volksrepublik China) Kategorie:Person (Hongkong) Kategorie:Chinese Kategorie:Geboren 1985 Kategorie:Frau