Das Admonter Passionsspiel stellt ein Osterspiel aus der gegenreformatorischen Zeit des ausgehenden 16. Jahrhunderts dar. Die einzige erhaltene Handschrift wird im Stift Admont aufbewahrt.
Autor Der Name und die Herkunft des Autors sind nicht bekannt. Das von ihm verfasste „Admonter Passionsspiel“ weist ihn als einen theologisch gebildeten Vertreter der Rekatholisierungsbewegung gegen Ende des 16. Jahrhunderts aus. Er dürfte für den Text und die mit integrierten Melodien verantwortlich gewesen sein. Der Autor war auch dramaturgisch sehr erfahren,Vgl. denn das Stück war zur Aufführung auf der Simultanbühne bestimmt.Vgl. Polheim, Band III, 1980, S. 166. Neben einem breiten musikalischen Wissen hat der Autor Kenntnisse über die Bibel sowie die liturgischen Texte (von katholischer und protestantischer Seite) und eben auch über die Spieltraditionen, also über die allgemeine Aufführungspraxis, besessen. Es dürfte sich daher um einen außerordentlich gebildeten und wissensreichen Autor gehandelt haben.Vgl. Polheim, Band III, 1980, S. 227.
Werk
Überlieferung Das „Admonter Passionsspiel“ wurde von einem ebenfalls unbekannten Schreiber wohl noch im 16. Jahrhundert vollständig in der sehr gut erhaltenen, repräsentativ gestalteten Papierhandschrift Cod. A-A 812 in bairisch-österreichischer Schreibsprache mit Noten aufgezeichnet. Die Textüberlieferung ist fast fehlerlos, bei der Notenaufzeichnung für die 120 Gesänge mit lateinischen Texten dürfte der Schreiber hingegen an mehreren Stellen überfordert gewesen sein.
Sowohl die Werkentstehung als auch die Überlieferung weisen auf die zweite Hälfte des 16. Jahrhunderts hin.Vgl. Polheim, Band II, 1980, S. 29. Als wesentliche Anhaltspunkte für diese Einordnung dienen die Schrift sowie die SpracheVgl. Polheim, Band II, 1980, S. 22ff., die beide einen Zeitraum zwischen 1560 und 1590 markieren. Die Untersuchung von Johann TomaschekVgl. hat auf den gegenreformatorischen bzw. rekatholisierenden Charakter aufmerksam gemacht und eine Datierung an den Anfang des 17. Jahrhunderts vorgeschlagen. Da diese Rekatholisierung im Stift Admont unter Abt Johannes IV. Hofmann aber bereits früher eingesetzt haben dürfte, ist das „Admonter Passionsspiel“ im Zuge einer Neuausgabe, die erstmals auch sämtliche Gesänge enthält, auf die wahrscheinlichere Zeit um 1585 datiert worden.
Über die Provenienz konnte bislang nichts in Erfahrung gebracht werden. 1865 zerstörte ein großer Brand nahezu das gesamte Benediktinerstift Admont, auch Teile der Bibliothek waren betroffen. Dabei ging bedeutendes Material verloren und so können keine Nachforschungen zur Handschrift mehr gemacht werden.Vgl. Polheim, Band II, 1980, S. 14. Es gibt jedenfalls keine Hinweise, die gegen eine Admonter Herkunft sprechen.Vgl. Polheim, Band II, 1980, S. 17.
In der Handschrift ist der Name P. Thassilo Weymayr eingetragen, ein Gymnasial-Professor, der unter anderem auch im Stift Admont unterrichtete. Ihm ist es wohl zu verdanken, dass die Handschrift nicht dem Brand zum Opfer gefallen ist. Er musste sie noch davor in seinen Privatbesitz übernommen haben. Er hinterließ nach seinem Tod eine Bibliothek von 4000 Bänden, darunter befand sich auch das „Admonter Passionsspiel“.Vgl. Polheim, Band II, 1980, S. 13.
Beschreibung der Handschrift Das Spiel umfasst zwei Vorsatzblätter sowie 124 Blätter und ist 210 mm hoch und 150 mm breit.Vgl. Handschriftencensus. Es kommen sowohl deutsche Verse als auch lateinischer Text vor, der vollständig mit Noten unterlegt ist. Jeder dieser lateinischen Choralgesänge wird durch einen darauffolgenden deutschen Text paraphrasiert.Vgl. Polheim, Band II, 1980, S. 22. mini|Admont, Stiftsbibliothek, Cod. 812, Admonter Passionsspiel, fol. 121r Die Handschrift wurde mit Sorgfalt angefertigt. Das zeigt sich vor allem in der Gestaltung der Bühnenanweisungen, die fast durchgehend und äußerst präzise in Trichterform angeordnet sind, und den voll ausgeführten Noten. Zudem wurden kaum Korrekturen vorgenommen und der Text ist in drei Schriftarten verfasst, je nachdem, welche Funktion er hatVgl. Polheim, Band II, 1980, S. 32.: Die Bühnenanweisungen und genannten Personen sind rot und in deutscher Kanzleischrift, die deutschen Verse schwarz und in deutscher Kurrentschrift und der lateinische Text schwarz und in humanistischer Kursive. Die ersten Buchstaben am Anfang einer Bühnenanweisung oder Verspartie sind meist etwas größer gestaltet. Außerdem ist der Anfang des Spiels hervorgehoben, indem die erste Bühnenanweisung blau und in deutscher Frakturschrift geschrieben ist. Das Ende des Spiels ist mit einem roten großen Amen markiert.Vgl. Polheim, Band II, 1980, S. 19.
Alle diese Merkmale weisen darauf hin, dass es sich um eine Prachthandschrift und nicht um eine Spielhandschrift handeln muss. Spielhandschriften wurden für die Aufführung geschrieben, wo sie auch in Gebrauch waren. Dementsprechend hatten sie ein anderes Format und wiesen deutlichere Gebrauchsspuren auf.Vgl. Polheim, Band II, 1980, S. 33. Das „Admonter Passionsspiel“ war für die Aufführung geschrieben worden; das belegen die ausführlichen Bühnenanweisungen. Aber aufgrund des gut erhaltenen Zustands und die Aufmachung dürfte es sich bei der überlieferten Handschrift um eine Abschrift handeln, die wohl ausschließlich zur Konservierung des geistlichen Spiels diente.Vgl. Polheim, Band II, 1980, S. 33.
Inhalt Das „Admonter Passionsspiel“ umfasst die Passionsgeschichte und ein vollständiges OsterspielVgl. Polheim, Band III, 1980, S. 223. mit einer ausgeprägten lateinischen Osterfeier.Vgl. Polheim, Band II, 1980, S. 345. Zwei Drittel des deutschen TextesVgl. Polheim, Band III, 1980, S. 9., genau genommen die Passionshandlung, sind dem evangelischen Passionsspiel von Hans Sachs (1558) entnommen. Die zweite Hauptquelle ist die Liturgie. Der Autor ging sehr frei und selbstständig in der Gliederung der entlehnten Texte seiner Quellen vor und baute die einzelnen Evangelien, liturgischen Gesänge sowie Elemente aus den allgemeinen Spieltraditionen geschickt ein: einerseits, um den Text von Hans Sachs zu verbessern, und andererseits, um seinen eigenen Ton zu charakterisieren.Vgl. Polheim, Band III, 1980. Dass Letzteres gelungen ist, zeigt sich in der Tatsache, dass das „Admonter Passionsspiel“ keinem Passions- oder Osterspiel des Mittelalters und der Neuzeit gleicht.Vgl. Polheim, Band III, 1980, S. 223.
Zu Beginn steht der Prolog, in dem der Praecursor den gottesdienstlichen sowie geistlich-didaktischen Sinn anspricht und sein Publikum zur Compassio aufruftVgl. Polheim, Band III, 1980, S. 10f., also zum Mitleiden mit Jesus Christus: PRÆCURSOR GETH EIN VND SPRICHTDer Präkursor geht ein und sprichtGott zu Ebigen Lob, vnnd Ehren,Zu ewigem Lob und Ehre GottesAuch Christliche andacht zumeheren,und um die christliche Andacht zu vermehren,Wëllen wier heut, zu gedächtnus han,wollen wir heute in Erinnerung rufenDes herrn Christj Passion,das Leiden von Christus dem HerrnNachbeschreibung der Euangelisten,nach der Beschreibung der Evangelisten,Wie auch die Catolisch khirch, vnns Christenwie die Katholische Kirche uns ChristenDen selben einbildet Ÿederzeit,ihn jederzeit darstelltMit Pildern gschniz, vnd Ab Contrafeit,mit geschnitzten Bildern und Abbildungen,Mit Prödigen Lesen vnd Singen,durch Predigen, Lesen und Singen,Damit wier nuer sollen gewinen,damit wir nur erlangen sollenInbristige betrachtung, vnd danckhbarkhait,inbrünstige Andacht und Dankbarkeit,Des Leiden Christj, dardurch, Alberait,dass durch das Leiden ChristiDie Thier zum himel eröffnet,die Tür zum Himmel geöffnet,Der zorn gottes Ausgelöschet,der Zorn Gottes ausgelöscht,Die höll zerstert, wie man List,die Hölle zerstört und, wie man weiß,Die Selligkhait vnns Erworben Jst,der Friede uns zugetragen wurde.Nun seit fein still, vnnd habet Rue,Nun seid ganz still und findet Ruhe,höret vnd sehet fleissig zue,hört und seht aufmerksam zu,Fir vnns gelidtn hat, Auf Erdt,für uns auf Erden gelitten hat.Bedracht, die grosse Martter sein,Betrachtet seine großen Qualen:Es frumbt euch bis an des Todtes pein,Das wird euch bis zum [eigenen] schmerzhaften Tod erbauen! Nach dem Prolog tritt Jesus auf und beginnt mit der Voraussage seines Leidens, seiner Verleumdung, Kreuzigung und Auferstehung. Darauf folgt der Judenrat, bei dem die Hohenpriester und die Ältesten des Volkes mit Judas über den Verrat an Jesus sowie dessen Tötung übereinkommen.
Nach der Fußwaschung feiert Jesus das Abendmahl mit seinen 12 Aposteln. Darunter befindet sich auch Judas, den Jesus schließlich als Verräter präsentiert. Als Judas sich von der Gruppe entfernt, um den Verrat beim Judenrat zu vollziehen, spricht Jesus seine Abschiedsworte und schreitet mit seinen Jüngern zum Ölberg. Jesus wird dann, wie schon vorausgesagt, nach dem Verrat durch Judas gefangen genommen, vom Judenrat verhört, verurteilt und ans Kreuz genagelt, wo er stirbt.
Mit der Grablegung Jesu ist die eigentliche Passionsgeschichte beendet. Hier schließt dann direkt das Osterspiel mit der Auferstehung und der Höllenfahrt Jesu Christi an, bei der die Hölle zerstört wird und Adam, Eva und weitere gerechte Seelen befreit werden: